Fahrradhelm-Sicherheit bei 45 km/h: Was Sie Wissen Müssen

Die Helmpflicht für Radfahrerinnen und Radfahrer wird immer wieder diskutiert. Ein Helm schützt unser wertvollstes Gut: Unseren Kopf.

Unfallstatistik und Kopfverletzungen

Der Radverkehr folgt leider nicht dem allgemein positiven Trend der Unfallstatistik. Verletzte oder getötete Pedelec-Fahrende waren im Durchschnitt 53 Jahre alt, die auf einem nicht motorisierten Fahrrad 42. Unfälle mit Pedelecs gehen häufiger tödlich aus als solche mit Fahrrädern ohne Motor, wofür auch das Alter der Verunglückten ein Grund ist - bei älteren Menschen ist zudem die Wahrscheinlichkeit höher, sich bei einem Sturz schwer oder tödlich zu verletzen.

Welchen Anteil Kopfverletzungen an diesen Zahlen haben, ist nicht bekannt, weil die amtliche Statistik bei einem Fahrradunfall nicht unterscheidet, welche Körperregion betroffen ist.

Helmtragequote

Die Helmtragequote lag 2022 bei 40,3 Prozent. Dabei war sie bei Pedelecfahrern mit 60,1 Prozent deutlich höher als bei konventionellen Radfahrerinnen und -fahrern (34 Prozent). Am höchsten - 81,3 Prozent - war sie 2022 bei den Jüngsten, nämlich bei Kindern von sechs bis zehn Jahren. Mit 31,2 Prozent liegt die Gruppe der 17- bis 21-Jährigen in der Statistik ganz hinten.

Gesetzliche Bestimmungen zur Helmpflicht

Keine gesetzliche Helmpflicht besteht auch für Pedelecs bis 25 km/h. Schnelle Pedelecs bis 45 km/h gelten als Kraftfahrzeuge und dürfen nur mit einem geeigneten Helm gefahren werden. Auch für E-Bikes, die ohne Tretunterstützung diese Geschwindigkeiten erreichen können, gilt eine gesetzliche Helmpflicht.

Im Gegensatz zur Fahrradklasse besteht bei S-Pedelecs Helmpflicht. Dieser Pedelectyp fährt bis 45 km/h und ist versicherungspflichtig. Laut StVO ist dieser Radtyp bei den Kraftfahrzeugen eingegliedert. Der Gesetzgeber spricht hier von einem geeigneten Helm.

Wegen der fehlenden Normierung für S-Pedelec-Helme in der EU wurde in den Niederlanden eine eigene Norm speziell für diese Fahrzeuggattung entwickelt. In Europa ist die Helmpflicht und die zu verwendenden Helmtypen uneinheitlich geregelt. Möchten Sie mit Ihrem S-Pedelec in anderen europäischen Staaten fahren, dann informieren Sie sich bitte über die jeweiligen landestypischen Vorschriften bei den Vorschriften von Helmen bei S-Pedelecs. Die Hersteller ABUS, CRATONI und Stromer stellen auch S-Pedelec-Helmmodelle nach der NTA-Norm her.

Wie ein Fahrradhelm schützt

Bei einem Verkehrsunfall erleiden viele Radfahrende schwere Kopf- und Hirnverletzungen. Ein Helm lässt diese deutlich weniger schwer ausfallen: Ohne Helm trifft die Aufprallkraft konzentriert auf eine kleine Fläche und kommt dadurch mit großem Druck zur Wirkung. Mit Helm aber verteilt sich die Kraft auf eine viel größere Fläche, im Optimalfall auf die gesamte Helmauflagefläche.

Nach dieser Studie war bei einem Viertel aller Fahrradunfälle der Kopf betroffen, und Helme konnten 20 Prozent der leichten und 80 Prozent der schweren Kopfverletzungen verhindern. Die Dekra Fahrzeugtechnik testete und bewertete 2020 das Nutzenpotenzial von Fahrradhelmen in realen Unfallszenarien. Als Fazit der zahlreichen Crashversuche stellte sie fest, dass richtig getragene Fahrradhelme das Risiko schwerer Kopfverletzungen bei einem Unfall - sowohl mit einem Unfallgegner als auch bei einem Sturz ohne Fremdbeteiligung - deutlich reduzieren.

Die ADAC Unfallforschung belegt, dass ein Helm beim Sturz effektiv vor vielen Kopfverletzungen schützen kann. Eines der Resultate: Sogar ein schlechter Helm kann im Ernstfall Leben retten, wenn er richtig getragen wird.

Tipps zum Helmkauf und zum Tragen

Die wichtigste Empfehlung ist, auch für jede noch so kurze Strecke auf dem Rad einen Helm zu tragen. Vor dem Kauf sollte man ihn unbedingt anprobieren. Dass der Helm den geltenden Anforderungen genügt, zeigt das CE-Kennzeichen als Mindestanforderung.

Der Helm sollte mit einer LED-Beleuchtung und reflektierenden Elementen an der gesamten Helmschale sowie im Kinnriemen ausgestattet sein. Noch besser wird die Sichtbarkeit mit einem hellen Design in auffälligen Farben.

Vor dem Aufsetzen ist darauf zu achten, dass die Riemen nicht verdreht sind. Beim aufgesetzten Helm sollen sie vor und hinter dem Ohr vorbeilaufen. Das Kinnriemenschloss darf bei straff gespanntem Riemen nicht direkt auf dem Unterkieferknochen aufliegen, sondern unter dem Kinn.

Der Helm soll mittig auf dem Kopf sitzen und die Hälfte der Stirn bedecken. Bei geschlossenem Kinnriemen darf er sich nicht verschieben lassen. Der TÜV empfiehlt ebenso wie der ADAC, einen Helm nach fünf Jahren auszumustern. Nach einem Sturz ist der Helm zu entsorgen und zu ersetzen.

Versicherungstechnische Aspekte

Bei einem Unfall trägt er oder sie ohne Schutzhelm daher kein Mitverschulden an einer Kopfverletzung. Anders sieht es bei sportlich Ambitionierten aus, bei denen es um Schnelligkeit geht und ein höheres Gefährdungspotenzial besteht. Bei der Ausübung ihres Sports in der Freizeit und im Rahmen von Wettkämpfen wird dringend geraten, einen Helm zu tragen. Andernfalls kann die Betroffenen bei einem Unfall eine Mitschuld treffen, was mit Kürzungen der Schadensersatzansprüche durch die Versicherung verbunden wäre. Bei Unfällen kann das Tragen eines Helms - auch ohne gesetzliche Pflicht - versicherungsrechtliche Vorteile bringen. Deine private Unfallversicherung könnte im Schadensfall die Leistungen kürzen, wenn du keinen Helm getragen hast.

Alternativen Fahrradhelm Arten

  • Cityhelm: Dieser Helm eignet sich bestens für Cityradler. Er hat eine robuste Konstruktion und ein geschlossenes Hartschalendesign, das vor Wind und Regen schützt. Außerdem verfügt ein Cityhelm meist über zusätzliche Reflektoren oder sogar integrierte LED-Positionsleuchten.
  • Mountainbikehelm: Anders als andere Helmarten besitzt der Mountainbikehelm bzw. MTB-Helm zusätzliche große Belüftungsöffnungen an der Oberseite. Da Mountainbiker meist etwas flotter unterwegs sind, sind MTB-Helme außerdem häufig mit Visier ausgestattet, das vor Sonne, Insekten, aufgewirbelten Steinchen und Staub schützt.
  • Rennradhelme: Wie bereits erwähnt sind Rennradhelme besonders leicht. Denn gerade hier kommt es besonders auf Geschwindigkeit an. Das ist der Grund, aus dem Rennradhelme auch windschnittig vom Design sind.
  • Allroundhelm: Der Allroundhelm macht seinem Namen alle Ehre, denn damit sind Sie für den Alltag bestens gewappnet. Sie sind robust, haben ein geschlossenes Design, das vor Wind und Wetter schützt und oft auch viele Reflektoren.

Moderne Helmtechnologien

  • Intelligente Sturzsensoren: Einige moderne Helme verfügen über eingebaute Sensoren, die einen Sturz erkennen können. Im Ernstfall alarmieren sie automatisch deine Notfallkontakte oder sogar den Rettungsdienst. Diese Technologie kann besonders für Alleinfahrer lebensrettend sein.
  • Integrierte Beleuchtung: Sichtbarkeit ist ein entscheidender Sicherheitsfaktor. Helme mit integrierten LED-Leuchten machen dich im Straßenverkehr besser erkennbar. Einige Modelle reagieren sogar auf deine Bremsmanöver und fungieren als zusätzliches Bremslicht.
  • MIPS-Technologie: MIPS (Multi-directional Impact Protection System) ist eine innovative Schutzschicht im Helm, die bei einem Aufprall die Rotationskräfte reduziert. Diese Technologie kann das Risiko von Gehirnverletzungen bei Unfällen deutlich senken.
  • Aerodynamik und Belüftung: Moderne E-Bike-Helme vereinen optimale Aerodynamik mit effektiver Belüftung. Das sorgt nicht nur für mehr Komfort auf längeren Fahrten, sondern reduziert auch den Luftwiderstand bei höheren Geschwindigkeiten, die du mit deinem E-Bike erreichst.
  • Smarte Connectivity: Einige High-End-Helme bieten Bluetooth-Konnektivität. So kannst du Musik hören, Anrufe entgegennehmen oder sogar Navigationsanweisungen erhalten, ohne dein Smartphone aus der Tasche zu holen.

Passform des Helms

Passt der Helm nicht, können Sie genauso gut ohne fahren. Denn nur, wenn er perfekt sitzt, schützt er Sie auch bei einem Unfall. Daher ist vor dem Kauf das Anprobieren unumgänglich. Legen Sie ein Maßband etwa einen Zentimeter über Ihren Augenbrauen an und führen Sie es möglichst gerade einmal um den eigenen Kopf herum. Es sollte also oberhalb der Ohren am Kopf anliegen. Der gemessene Kopfumfang gibt Ihnen Aufschluss über Ihre Fahrradhelm Größe. Diese wird meist in Bereichen angegeben, also beispielsweise 51 bis 55 Zentimeter.

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