Wer ohne Kopfschutz unterwegs ist, spielt leichtsinnig mit seiner Gesundheit, wenn nicht mit seinem Leben.
Meine erste Berührung mit Fahrradhelmen hatte ich in meiner Grundschulzeit. Wer wie ich so irgendwas zwischen 30 und 40 ist, kennt sie genau: die Hartschalen in neon-orange oder neon-gelb. Ich glaube sie wurden komplett aus Styropor oder so was gefertigt. In jedem Fall, und das bleibt wohl unbestritten, waren sie der absolute Graus.
Das hatte zur Folge, dass ich für mich das Thema Fahrradhelme erstmal ganz weit geschoben habe. Eigentlich wollte ich sogar nie wieder freiwillig einen Fahrradhelm tragen. Bis ich selbst Mutter eines Kindes wurde, welches irgendwann auf dem Fahrrad mitfahren sollte…
Unser (Achtung, Elternplural!) erster Fahrradhelm war ein Erbstück und Lütti konnte nicht mal sprechen, demnach ihre Meinung zu Beschaffenheit und Design nicht äußern. Was sie sehr wohl äußern konnte, waren zweimal ganz, ganz böse Schmerzensschreie, als ihre Mutter ihr ein Stück Hals in dem, sorry - absoluten Scheißverschluss!!!! - eingeklemmt hatte.
Das tat mir natürlich unsäglich leid und ich konnte danach auch zu 100% verstehen, dass sie das - nochmal sorry - “Scheißding” am liebsten in die Ecke geknallt hätte.
Mittlerweile kann Lütti sprechen und das, was sie will SEHR DEUTLICH kommunizieren. Und das war ein klares Veto zu dem auch noch uncoolen Helm. Auch kam auf einmal die Frage auf, warum wir Eltern denn Bitteschön keinen tragen, wenn man das denn dann muss.
Allerdings muss man dem Kind ja Recht geben. Wenn man auf Grund der Sicherheit einen Helm tragen muss - so sagen wir es unserer Tochter - dann müssen eigentlich auch alle einen tragen.
Also, es hat sich definitiv einen Menge getan seit den 80ern…Die Entscheidung für die Firma Nutcase ist initial aufgrund der Fahrradhelme für die Kinder gefallen und diese beiden will ich euch kurz vorstellen.
Einmal den Baby Nutty - hier die Version Outer Space und den Little Nutty - hier die Version Dots. Zu letzterem vorab: diesen haben wir von der Lackierung her als etwas anfällig empfunden, da er im Alltag mit einer 3 Jährigen doch ‘ne Menge mitmachen muss.
Beide Fahrradhelme haben einen Magnetverschluss und damit für die Mama das absolute Pro-Kaufargument. Sowas mit Haut im Verschluss sollte mir nämlich nicht nochmal passieren.
Die Fahrradhelme zeichnen sich durch eine breite Form vorne und tiefe Form hinten aus. Der sogenannte Mold-EPS-Helm hat eine besonders leichter Außenschale aus Polycarbonat. So ist der Kopf rundherum geschützt.
Der Baby Nutty ist für die ganz Kleinen bis ca. 2,5 Jahre (Kopfumfang immer messen und dann nachschauen. In einem Bericht sagen mir cm Angaben allerdings immer besonders wenig…). Zur Größenanpassung dient ein Klettverschlusssystem.
Die nächste Größe ist der Little Nutty. Den trägt unsere Tochter ab jetzt und sie wird bald drei. Hier hat man zusätzlich zu verschieden dicken, per Klett einsetzbaren Schaumstoffpolstern ein Drehradverstellsystem. So sitzt der Helm wirklich Bomben sicher.
Auf Grund von Klettpolster- und Drehverstellsystem kann dieser Helm ggfs. auch schon von Kleineren getragen werden. Aber wie gesagt, vorher immer Kopfumfang messen.
Ihr seht, zu Handling und Sicherheit gibt es einige Pro Argumente für die Helme. Unschlagbares Kriterium ist allerdings das Design. Lütti findet beide Helme nämlich extrem cool!!! Sie will einen Fahhradhelm tragen und das ist mal das allerbeste. Heißt bei uns nämlich gerade: einen Kampf weniger austragen!
Sicherheit und Normen
Bevor ein Helm im europäischen Handel verkauft werden darf, muss er die harten Anforderungen der EN 1078 mit zwei Schlagtests und einem Abstreiftest erfüllen.
Damit der Helm richtig schützt, muss er genau auf Ihren Kopf passen. Das können Sie im Laden ganz einfach selber checken.
Probieren Sie immer mehrere Modelle, um den Passenden zu finden.
Auch wenn modernste Materialien eine längere Sicherheit garantieren, sollte jeder Radhelm nach durchschnittlich drei bis fünf Jahren Nutzung ausgetauscht werden.
Helmpflicht und wissenschaftliche Betrachtung
Man sollte meinen, dass es eigentlich keinen guten Grund gibt, der gegen das Tragen von Fahrradhelmen spricht.
Im Rahmen der wissenschaftlichen Recherche bin ich über eine australische Studie von D.L. Nun basierte diese Untersuchung auf Zahlen von drei australischen Bezirken aus den Jahren 1990-1992.
Niemand sagt, ob sich langfristig nicht doch wieder mehr Leute auf’s Fahrrad bequemten, nachdem sie sich an die Helmpflicht gewöhnten. Die Sache mit der Kopfverletzung ist außerdem schwierig zu bewerten, wie die Autorin selber zugibt, weil zeitgleich andere unfallreduzierendes Maßnahmen wie stärkere Kontrolle von überhöhter Geschwindigkeit und Alkohol am Steuer durchgeführt wurden.
Im Jahr 2006 wärmte D.L. Robinson in weiten Teilen ihre alte Studie aus den 90er Jahren (3) wieder auf und ergänzte sie lediglich mit ein paar Zahlen aus einem kanadischen Bezirk und aus Neuseeland.
Demnach zeigte die Einführung einer allgemeinen Helmpflicht Anfang der 90er immer noch keine großartige Verbesserung in den Unfalldaten. Welche große Überraschung!
Das erklärt Robinso damit, dass behelmte Radfahrer risikoreicher fuhren als unbehelmte, weil sie sich durch den Helm zu sicher fühlten.
Außerdem könnte es sein, dass weniger Radfahrer unterwegs waren und daher die Autofahrer “vergaßen”, dass sie auf diese Verkehrsteilnehmer auch Rücksicht zu nehmen haben.
Sie wirft anderen Studien, die zu einem gegenteiligen Ergebnis kommen, eine unzureichende Methodik vor. Ihrer Meinung nach hatte die allgemeine Helmpflicht nur einen sichtbaren Effekt: Die Anzahl der Radfahrer nahm ab - zumindest in den drei australischen Provinzen.
Interessanterweise zeigt D.L. Robinson nicht, ob die Zahl der Radfahrer nach über 10 Jahren in den drei untersuchten australischen Bezirken immer noch so niedrig ist.
Sie beschränkt sich lediglich auf einen kurzen Zeitraum - auf das eine Jahr vor Einführung und auf die zwei Jahre nach Einführung des Gesetzes, um ihre These von der eher abschreckenden Wirkung von Fahrradhelmen zu untermauern. Das belegt sicherlich einen kurzfristig abschreckenden Effekt.
Aber man sollte meinen, dass im Jahr 2006, über 10 Jahre danach, mehr Daten zur Verfügung ständen, um die langfristigen Effekte der Helmpflicht für Fahrradfahrer zu bewerten.
D. Robinsons Schlussfolgerung, dass die Helmpflicht sich nicht in einer Verminderung des Unfallrisikos niederschlägt, wird noch in der gleichen Ausgabe der BMJ von den Autoren Brent Hagel, Alison Macpherson, Frederick P Rivara und Barry Pless auseinandergenommen.
Diese werfen wiederum Robinson unsaubere Methodik vor. Ihrer Meinung nach zeigen auch die australischen Daten einen Zusammenhang zwischen Helmpflicht und einem Rückgang der Kopfverletzungen - allerdings einen recht schwachen.
Außerdem geben sie zu Bedenken, dass in dem untersuchten Zeitraum Inline-Skating populär wurde und dass vielleicht auch deswegen weniger Radfahrer unterwegs waren.
Andere Studien zeigten zudem, dass Radfahrer mit Helm eben nicht risikoreicher fuhren - sondern ganz im Gegenteil.
Auch ich muss nach dem Lesen sagen, dass ich Dorothy Robinsons Zahlen alles anderes als überzeugend finde. Sie gibt in der 1996er Studie selber zu, dass ihre Zahlen wahrscheinlich durch andere Einflüsse verfälscht sein könnten, was sie aber nicht davon abhält, selbst im Jahr 2006 einen positiven Effekt von Fahrradhelmen abzustreiten.
Außerdem sind ihre Daten stark regional und zeitlich begrenzt und sie gibt in der 2006er Studie an einigen Stellen indirekt zu, dass sie sich nur ganz bestimmte Datensätze rausgesucht hat. Einige hat sie verworfen, weil sie ihrer Meinung nach fehlerhaft waren.
Darunter waren auch Daten aus Ontario, die ihrer These vom allgemeinen Rückgang der Fahrradfahrer widersprachen. Im besten Fall würde ich sagen, dass Robinsons Daten nicht aussagekräftig genug sind, um ihre Thesen zu untermauern.
Ich kaufe Frau Robinson jedenfalls nicht ab, dass sie auf weiter Flur die einzige ist, welche den Durchblick hat. Nur an ihrer Warnung, dass der Helm das Radfahren zumindest kurzzeitig unattraktiv macht, daran könnte wirklich was dran sein.
Aber dem lässt sich z.B. mit einer Gesundheitskampagne und Bonusprogrammen gegensteuern, bis sich die Menschen an die Helme gewöhnt haben.
Zu diesem Schluss kommt z.B. Diese Autoren geben zu Bedenken, dass natürlich eine allgemeine Helmpflicht ein Eingriff in die persönliche Freiheit ist und dass Helme das Freizeitvergnügen vermiesen könnten.
Aber der Helm sei ein geringer Eingriff, dem gegenüber eine deutlicher Nutzen für die Gemeinschaft durch verringerte Kosten für das Gesundheitssystem stehe - wegen dem verringerten Verletzungsrisiko.
Aktuelle Modelle und Innovationen
Die Zeiten, in denen Helme bleischwere Voll-Styropor Melonen waren, sind vorbei. Helme sind heute leicht, bequem, extrem gut belüftet und oft sogar schick.
Moderne Helme sorgen, dank ausgeklügelter Belüftungskanäle, nicht nur auf der Abfahrt für einen angenehm kühlen Kopf. Auch im mittleren Preissegment sind die Schutzhauben inzwischen angenehm leicht, ohne dass man Abstriche bei der Sicherheit machen muss.
Erst im April hatte der italienische Hersteller Fizik seine neue Helm-Palette an den Start gebracht: Kudo (Aero), Kunèe und Kassis. Drei Helm-Modelle und eine Aero-Variante, die alles von Rennrad und Gravel über MTB bis Zeitfahren abdecken. Jetzt kommen von Fizik gleich nochmal die vier in der limitierten Arche-Type-Collection.
Keine Sorge, wer bei “Arche-Typ” an den guten alten Moses, den vielen Regen und sein Boot denkt, liegt zum Glück falsch. Die Italiener wollten einen Helm kreieren, der aussieht wie gerade aus dem Design-Studio geleakt. Sie schreiben selbst dazu: Stellen Sie sich Arche-Type wie ein Standbild in der Design- und Entwicklungsphase vor, ein Prototyp, der seine endgültige Form erreicht hat.
Entworfen mit einer durchscheinenden Polycarbonat-Schale, die den darunterliegenden EPS-Kern freilegt, kombinieren Arche-Type Helme eine dunkelgraue Farbgebung mit kontrastierenden matten und glänzenden Oberflächen. Uns erinnern die Helme an die ersten Bike-Helme der 90er für Kinder, die augenscheinlich auch nur aus einem Styropor bestanden und man mit den Fingernägeln so schöne Linien hineinfurchen konnte.
Das geht hier leider nicht - die neuen Fizik-Fahrradhelme erfüllen alle Sicherheitsnormen. Preislich liegen Kudo, Kassis & Co. mit dem Style-Update nur 10 Euro über dem Normal-Preis. Erfreulich.
Überblick über Fizik-Helme
Zur Erinnerung noch mal die 4 Fizik-Helme im Überblick. Die Gewichte unterscheiden sich nach der CE-Norm und der US-amerikanischen CPSC.
- Fizik Kudo Arche-Type Edition: Der leichteste und bestbelüftete Helm der Reihe, geeignet für lange Anstiege oder intensive Offroad-Rennen. Er bietet Anpassung am Hinterkopf und vorne, dünne, leichte Polster und ein integriertes MIPS Air Node-System. Optional mit abnehmbarem Rücklicht erhältlich.
- Preis: 299 Euro
- Größen/Gewicht: S: 52-56 (CE 270 g - CPSC 310 g) - M: 56-59 (CE 280 g - CPSC 320 g) - L: 59-61 (CE 310 g - CPSC 360 g)
- Fizik Kudo Aero Arche-Type: Im Windkanal entwickelt, mit integrierter Schale und Heckspoiler zur Verbesserung der Aerodynamik. Er verfügt über Lüftungsöffnungen an der Vorderseite und einen großen Heckdiffusor zur Optimierung der Temperaturregulierung. Ebenfalls mit MIPS Air Node-System und Halterung für optionales Rücklicht.
- Preis: 299 Euro
- Größen/Gewicht: S: 52-56 (CE 270 g - CPSC 300 g) - M: 56-59 (CE 290 g - CPSC 320 g) - L: 59-61 (CE 320 g - CPSC 360 g)
- Fizik Kunèe Aero-Helm: Der aerodynamischste Helm im Fizik-Portfolio, optimiert für Zeitfahren und Triathlons. Durch Windkanaltests und Strömungsanalysen wurden Form und Komponenten verbessert. Die Ausstattung im Inneren gleicht den anderen Fahrradhelmen.
Also, tut mir leid Leute, wenn ich mit dem Rad unterwegs bin, dann ziehe ich mir einen Helm auf. Im Zweifelsfall ist dann zumindest mein wichtiges Körperteil gut geschützt. Genauso achte ich natürlich auf eine gute Beleuchtung. Soviel ist mir die Gesundheit schon wert und wenn der Helm richtig eingestellt ist, merkt man den auch nicht.
Save your ass - wear a helmet! Der BIKE-Slogan der 90er gilt mehr denn je - doch heute sind Helme schick, komfortabel und nichtmal teuer.
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