Fahrradhelm Test Vergleich: Sicherheit und Komfort im Fokus

Egal ob im lokalen Fahrradladen oder auf den Webseiten von Radherstellern und Online-Shops, die Auswahl von Helmen ist riesig. Für nahezu jeden Einsatzzweck gibt es heutzutage den passenden Helm, aber auch Allround-Helme sind hoch im Kurs. Dann nämlich, wenn der Helm seine Funktion nicht erfüllt, beim Sturz vom Kopf rutscht oder gar beim kleinsten Aufschlag zerbröselt. Damit genau das nicht passiert, dürfen lediglich solche Helme in den Verkauf gelangen, die vorab die gültige Normprüfung (DIN EN 1078) bestanden haben.

Der Spruch „Wer billig kauft, kauft zweimal!“ bedeutet, dass günstige Produkte oft von minderer Qualität sind und schneller kaputtgehen, oder nicht die gewünschten Eigenschaften aufweisen. Übertragen auf einen Fahrradhelm könnte das fatale Folgen haben.

Prüfnormen und Testverfahren

Alle in der EU und der Schweiz vertriebenen Helme müssen eine Normprüfung („EN 1078“) durch ein zertifiziertes Prüfinstitut bestanden haben. Diese Prüfung umfasst zwei wesentliche Szenarien, den Fall auf eine Ebene und auf eine Kante, um den Aufprall an einem Bordstein zu simulieren. In einem Abstreiftest wird außerdem geprüft, ob die Helme beim Sturz vom Kopf rutschen. Auch die Belastbarkeit von Riemen und Verschluss wird beurteilt.

Die dafür zugelassenen Testmaschinen überprüfen im Wesentlichen aber nur, ob der Helm den Norm-Anforderungen hinsichtlich der Aufschlagdämpfung der Helmschale und der Haltbarkeit von Riemen und Verschlüssen genügt. Am Ende heißt es dann aber nur: bestanden oder nicht. Ein erteiltes Prüfsiegel informiert also nicht darüber, wie gut ein Helm schützt.

Die bestehende Prüfnorm für Helme EN 1078 kann diese Szenarien nicht abbilden. Um die aktuelle Helmgeneration realitätsnah zu prüfen, haben wir in Eigenregie einen Helmprüfstand entwickelt und uns dabei an den in der Wissenschaft und von forschenden Herstellern eingesetzten Methoden orientiert.

Um die Helmsicherheit praxisgerecht zu prüfen, testen wir seit 2020 alle Helme auf unserem eigenen Prüfstand, der alle relevanten, resultierenden Kräfte beim Aufschlag des Prüfkopfs mit Helm auf eine schräge Fläche aufzeichnet. Damit lässt sich auch Wirkung und Qualität des Mips-Systems erfassen.

Die Prüfmethode ist in die Jahre gekommen, da sie die Wirksamkeit von Sicherheitssystemen, wie beispielsweise dem Rotationsschutz Mips, nicht prüfen kann. Sie definiert lediglich Mindeststandards fernab dessen, was moderne Helme leisten und ist daher kein guter Gradmesser für die tatsächliche Schutzfunktion.

Testkriterien im Detail

Alle Rennradhelme mussten sich einem Labortest unterziehen.

  • Sicherheit (50 Prozent): Spezielle Sicherheitssysteme - Mips & Co. - sollen messbar das Risiko von Kopfverletzungen senken, indem sie beim schrägen Aufprall auftretende Rotationskräfte verringern.
  • Anpassung (20 Prozent): Hierbei bewerten wir die Ausführung und Einstellbarkeit des Kopfrings sowie den Verlauf, Sitz und den Verschluss des Gurtsystems.
  • Kühlung (15 Prozent): Die Belüftung testen wir mit einem starken Gebläse, das die Strömung auf bis zu 30 km/h beschleunigt. Der erhitzte, behelmte Kopf wird der Strömung ausgesetzt, und wir ermitteln die Kühlleistung.
  • Gewicht (15 Prozent): Auf das Gewicht reagiert der Kopf besonders sensibel. 50 Gramm mehr oder weniger machen einen deutlichen Unterschied. Unser Test zeigt: Mehr Gewicht bedeutet nicht automatisch besseren Schutz.

Sicherheitsmerkmale und Technologien

MIPS (Multidirectional Impact Protection System)

Einige Anbieter versprechen Extra-Schutz durch Mips oder ähnliche Systeme wie Kineticore von Lazer. Mips steht für Multidirectional Impact Protection System, zu Deutsch: Schutzsystem für Zusammenstöße aus verschiedenen Richtungen. An der Helm-Innenseite ist eine Kunststoffschale befestigt, die sich unabhängig bewegt. Sie soll Rotationskräfte abfangen, die während eines Aufpralls auf das Gehirn wirken.

Dabei soll eine flexible und reibungsarme Kunststoffeinlage im Sturzfall vor sogenannten Rotationskräften schützen. Die Idee: Prallt der Helm seitlich auf eine Bordsteinkante oder schräg gegen eine Mauer, dreht sich nur die Außenschale. So erhält der Kopf weniger Drall.

Ein in den Helm integrierter Rotationsschutz wie Mips mindert das Risiko von Hirnverletzungen. Das belegen unsere Messwerte. Mips-Helme bieten also ein Sicherheitsplus gegenüber Helmen ohne dieses Ausstattungsmerkmal. Und die gute Nachricht: Die halb so teuren Modelle schützen genauso gut wie die Top-Helme.

Der Fahr­radhelm-Test der Stiftung Warentest zeigt, dass Mips keine Voraus­setzung für einen guten Fahr­radhelm ist. Auch einige Helme ohne dieses System schützen gut vor Kopf­verletzungen.

SLID-Technologie

Ein weiteres Schutzsystem in unserem Test ist die SLIDTechnologie vom Helmhersteller HJC. Hier wird in das Helmpolster ein spezielles Gel eingearbeitet und soll beim Aufprall die Energie absorbieren.

Weitere Sicherheitsmerkmale

  • Reflektoren und Beleuchtung: Zusätzliche Sicherheit bieten Fahr­radhelme mit Licht, die im Dunkeln gut zu sehen sind. Sehr gut sicht­bar sind Modelle, die an allen Seiten und am Gurt mit Reflektoren ausgerüstet sind und am Hinterkopf ein Licht tragen.
  • Integrierte Netze: Eingefassten Netze halten Insekten auf Abstand.

Testergebnisse und Empfehlungen

Die Stiftung Warentest setzt die Messlatte in ihren Testreihen höher und lässt die Helme auf verschiedenen Punkten aufschlagen, und das mit teils deutlich höherem Tempo. Zudem wird der Schutz vor sogenannten Drehkräften ermittelt. Dazu prallen die Testhelme auf eine schiefe Ebene.

Ergebnis des aktuellen Tests: Nur 3 von 14 Helmen schützen „gut“, unter den übrigen fällt die Notenbilanz im Prüftpunkt Unfallschutz durchwachsen aus. Einer ist durchgefallen: Beim E.Motion 2 von Casco brach der Verschluss sowohl beim Belastungs- als auch beim Abstreiftest.

Schlusslichter fallen häufig auch durch eine unzureichende Schutzwirkung an Schläfen, Stirn und Nacken auf - je größer der abgedeckte Kopfbereich, umso wirkungsvoller der Schutz.

Testergebnisse im Überblick

Ein hohes Maß an Sicherheit bieten dabei durchaus auch preiswerte Helme.Auch unser neuester Test von 2024 zeigt: Jeder Fahr­radhelm ist sicherer als keiner. Der Vergleich lohnt sich: 11 der 28 Fahr­radhelme für Erwachsene sind gut. Zu den sichersten Modellen in unserer Daten­bank zählen auch zwei Helme für unter 50 Euro.

Hier eine Übersicht einiger empfohlener Modelle:

Fahrradhelm Eigenschaften Ergebnis Preis
Alpina Mythos 3 Top Empfehlung - Sehr leichte Bauweise - Verstellbares Kopfband 4,5 / 5 ab 99,95 €
Cratoni Pacer Plus Test Choice of the Month- Leichte Bauweise - Gepolsterter Kinnriemen 4,5 / 5 ab 48,32 €
Casco Active 2 Gute Wahl- reflektierende Streifen - 26 Lüftungsöffnungen 4,3 / 5 ab 94,95 €
ABUS Urban-I 3.0 Mit Rücklicht- Integriertes Rotlicht - guter Magnetverschluss 4,1 / 5 ab 64,95 €
Uvex Urban Planet LED LED Beleuchtung, Reflektoren, Insektenschutz 2,0 (ADAC Urteil) ca. 130 €

Weitere Empfehlungen

  • Uvex Urban Planet LED: Der Uvex Urban Planet LED bietet dank seiner tiefergezogenen Bauweise zusätzlichen Schutz im Heck- und im Schläfenbereich. Er lässt sich sehr angenehm tragen und perfekt auf die Kopfform und Kopfgröße einstellen. Der Urban Planet ist sehr robust und mit einem rückseitigen LED-Licht ausgestattet.
  • Uvex Finale Visor: Wenn die Insekten fliegen, die Sonne knallt, der Regen peitscht oder der Wind pfeift, ist der Uvex Finale Visor das optimale Modell. Denn er verfügt über ein klappbares Visier. Zudem ist der Fahrradhelm mit Beleuchtung und Insektenschutz ausgestattet.
  • Abus Pedelec 2.0: Dieses Feature ist einmalig: Der Abus Pedelec 2.0 hat einen Regenschutz integriert, der hinten in einem Geheimversteck untergebracht ist. Nasse Haare im Regen gehören somit der Vergangenheit an. Für bestmögliche Erkennbarkeit im Dunkeln ist der Helm zudem mit einem LED-Licht ausgestattet.
  • POC Omne Beacon Mips: Farblich ist der schicke POC Omne Beacon Mips ein echter Hingucker. Speziell in der Lackierung in leuchtendem Orange und mattem Grün ist der POC Omne Beacon Mips ein echter Hingucker.
  • Fischer Urban Plus Brooklyn: Ein vernünftiger Helm muss nicht viel kosten: Das beweist der Fischer Urban Plus Brooklyn. Für gerade mal rund 30 Euro bietet er Beleuchtung, Sonnen- und Insektenschutz, einen gepolsterten Kinnriemen und in die Helmgurte eingewebte Reflexstreifen. Außerdem zeichnet sich der leichte Fahrradhelm durch einen guten Tragekomfort aus.

Die richtige Größe und Passform finden

Knifflige Herausforderung bei der Helmwahl: die richtige Größe. Der erste Schritt, sie zu ermitteln, ist das korrekte Ausmessen des Kopfumfangs: Maßband knapp über den Augenbrauen ansetzen und oberhalb der Ohren um den Kopf legen.

Das anschließende Abgleichen mit den Größenangaben der Hersteller führt jedoch nicht immer zum Ziel, denn nicht alle Anbieter nehmen es mit den Maßen genau. Gelegentlich überschneiden sich die Größenspannen auch.

Richtig sitzt ein Helm, wenn er straff aufliegt, ohne unangenehm zu drücken. Wer auch in den Wintermonaten radelt, sollte auch noch etwas Luft für eine schlanke Mütze kalkulieren.

So messen Sie den Kopfumfang richtig:

  1. Einfach ein Maßband um den Kopf legen.
  2. Dabei ca. eine Höhe von 10 mm (1 cm) Abstand über den Augenbrauen lassen.
  3. Den Kopfumfang messen und einen Zentimeter addieren.

Helmgröße in BuchstabenKopfumfang (ca. Werte)

  • XS51 bis 54 cm
  • S55 bis 56 cm
  • M57 bis 58 cm
  • L59 bis 60 cm
  • XL61 bis 62 cm
  • XXL62 bis 64 cm

Weitere wichtige Aspekte

Komfort und Handhabung

Gute Schutzeigenschaften allein reichen bei einem Fahrradhelm nicht aus, um in den Fahrradhelm-Tests einen guten Rang zu erzielen. Auch Einstellbarkeit, Tragekomfort und Handling machen die Note.

Es beginnt mit dem optimalen Sitz: Einfache Modelle lassen sich mit unterschiedlich dicken Polstern anpassen. Deutlich besser stehen Helme mit eingefasstem Kopfring da. Die Weite lässt sich leicht und präzise über ein Nackenrädchen einstellen.

Belüftung

Auch von zentraler Bedeutung: die Belüftung. Hier zeigen viele Modelle Schwächen. City-, Trekking, MTB- oder Rennradhelme schneiden in diesem Punkt aber generell besser ab.

Haltbarkeit

Ein Fahrradhelm sollte grundsätzlich nach einem Sturz ausgetauscht werden. Denn selbst kleinste, mit dem bloßen Auge nicht sichtbare Risse im Material können die Sicherheit erheblich beeinträchtigen. Auch ohne äußere Einwirkungen wird das Material mit der Zeit schwach.

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