Erstaunlich, aber wahr: In Deutschland gibt es immer noch keine Helmpflicht für Radfahrer*innen - obwohl Studien belegen, dass Menschen ohne Helm ein neunfach höheres Risiko für schwere Kopfverletzungen haben. Besonders Eltern sollten mit gutem Beispiel vorangehen und auf einen sicheren Kopfschutz achten. Doch worauf kommt es beim Helmkauf an?
Fahrradhelme für Erwachsene im Test: Die Sieger im Überblick
Bei den meisten Familien dürften Fahrräder zur Grundausstattung gehören. Groß und Klein können so zusammen auch längere Distanzen überwinden. Doch Sicherheit geht vor und ohne passenden Fahrrandhelm solltet ihr euch nicht aufs Rad schwingen.
Stiftung Warentest hat im Laufe der Jahre 28 Fahrradhelme für Erwachsene getestet und es gibt gute Nachrichten: Elf der getesteten Helme ist gut, der Rest immerhin befriedigend. Etwas enttäuschend: Leider konnte keiner der getesteten S-Pedelec-Helme ein "Gut" einfahren.
Fahrradhelme für Erwachsene: So wurde getestet
Stiftung Warentest gibt auch beim Test der Fahrradhelme ordentlich Gas und testet mehr als die vorgeschriebene Norm verlangt. Den Schutz vor Kopfverletzungen untersuchten die Tester*innen mit einer erweiterten Stoßdämpfungsprüfung. Anhand eines Computer-Kopfmodells wurde das Hirnverletzungsrisiko über die Dehnung der Nervenfasern bestimmt. Ein wichtiger Aspekt war auch der Schutz der Schläfenpartie. Die Abstreifsicherheit wurde mit einem 10 kg Gewicht nach vorne und hinten geprüft.
Sechs Personen begutachteten außerdem die Erkennbarkeit im Dunkeln. Die gleichen Testpersonen bewerteten auch Tragekomfort und Anpassungsmöglichkeiten, ein Experte bewertete die Gebrauchsanleitungen. Die Hitzebeständigkeit wurde vier Stunden lang bei 75 Grad Celsius geprüft. Teile, die mit der Haut Kontakt haben, wurden außerdem auf Schadstoffe untersucht.
Seit 2024 werden die Ergebnisse Hitzebeständigkeit und Sichtfeld mit unter dem Urteil Unfallschutz zusammengefasst.
Fahrradhelme für Erwachsene im Test: Das sind die Sieger im Detail
Der ADAC hat gemeinsam mit der Stiftung Warentest elf City- und Urban-Fahrradhelme sowie drei S-Pedelec-Helme in den Kategorien Sicherheit, Komfort, Handhabung und Schadstoffgehalt getestet. Die Ergebnisse.
Testsieger: Uvex City i-vo Mips
ein Uvex-Modell auf Platz 1. Er erhielt die Gesamtnote 2,0. Und auch in Sachen Unfallschutz kann der Helm ohne Probleme mit dem Testsieger mithalten. Er punktet vor allem mit einem sehr guten Sichtfeld und einer fantastischen Hitzebeständigkeit. Aber auch der Schutz vor Kopfverletzungen und die Abstreifsicherheit werden gut bewertet. Verbesserungsbedarf gibt es bei der Belastbarkeit von Riemen und Schloss sowie bei der Erkennbarkeit im Dunkeln. Immerhin verfügt der Helm aber über ein Rücklicht und Reflektoren.
Seine Stärken spielt der Uvex in der Disziplin Unfallschutz aus. Insgesamt steht ein "Sehr gut" als Bewertung, der Tragekomfort ist top. Dazu spart der Hersteller auch nicht bei Anleitung und Kennzeichnung. Die Handhabung geht einfach von der Hand, egal ob es ums Anpassen, Aufsetzen oder Absetzen des Helms geht. Auch bei Belüftung und Reinigung schlägt sich der Testsieger gut.
Dabei bewahrt er seine Träger*innen vor allem recht gut vor Kopfverletzungen. Außerdem ist er auch im Dunkeln noch prima sichtbar. Abstreifsicherheit und Belastbarkeit von Riemen und Schloss gehen in Ordnung.
Alpina Haga LED
In Sachen Handhabung und Komfort schnitt der Alpina-Helm mit einer 1,6 überdurchschnittlich gut ab. Speziell die Kennzeichung, die Anpassung, das Absetzen sowie der Tragekomfort des Kinnriemens und Verschlusses bekamen sehr gute Noten. Absolut keine Einwände gab es bei der Beurteilung der Schadstoffe.
In der wichtigsten Disziplin, dem Unfallschutz, gab es fast durchweg gute Noten: Sowohl am Schutz vor Kopfverletzungen als auch an der Abstreifsicherheit und der Erkennbarkeit im Dunkeln hatten die Testexperten nichts auszusetzen. Allerdings könnten Riemen und Verschluss laut Stiftung Warentest etwas belastbarer sein.
Uvex Urban Planet LED
Der Uvex Urban Planet LED bietet dank seiner tiefergezogenen Bauweise zusätzlichen Schutz im Heck- und im Schläfenbereich. Er lässt sich sehr angenehm tragen und perfekt auf die Kopfform und Kopfgröße einstellen. Der Urban Planet ist sehr robust und mit einem rückseitigen LED-Licht ausgestattet. Zusätzliche Vorteile sind reflektierende Gurtbänder, ein weiches Kinnpolster und ein durchdachter Verschluss.
Preistipp: Fischer Urban Plus
In der Disziplin Handhabung und Komfort versemmelt der Fischer-Helm eine bessere Gesamtplatzierung. Eigentlich ist er aber auch hier in allen Punkten gut, nur das Anpassen des Helms ist zu kompliziert, sodass es hier eine Abwertung gibt. Bei der Hitzebeständigkeit und den Schadstoffen überzeugt der Preistipp nicht. Die Konkurrenz ist deutlich besser aufgestellt.
Er bietet guten Schutz vor Kopfverletzungen und auch die Abstreifsicherheit ist gut. Belastbarkeit von Riemen und Schloss gehen in Ordnung. Herausragend ist hingegen die Sichtbarkeit im Dunkeln.
Fahrradhelm für Erwachsene kaufen: Darauf solltet Ihr achten
Unfallschutz und Sitz
Wer es ganz einfach haben will, reduziert den Kauf eines Fahrradhelms auf zwei Dinge: Er muss einen möglichst guten Unfallschutz bieten und außerdem gut sitzen. Am besten kauft ihr deshalb einen Fahrradhelm im Fachhandel vor Ort, denn dann könnt ihr verschiedene Modelle ausprobieren. Wer online bestellen will, greift am besten zu den oben vorgeschlagenen Modellen.
Finger weg gilt bei Modellen, die beim Unfallschutz patzen, denn ein Fahrradhelm ist kein Modeaccessoire, sondern erfüllt eine ganz wichtige Schutzfunktion. Wenn er darin versagt, ist er nutzlos. Ein guter Helm kostet auch nicht die Welt, ihr solltet weder den Billigsten noch das teuerste Modell kaufen. Für rund 100 € gibt es den Testsieger.
Die Farbe ist egal
Na klar, die Farbe ist natürlich nicht komplett egal. Deshalb gibt es die Fahrradhelme meist auch in unterschiedlichen Designs. Doch auch wenn es schwerfällt, solltet ihr die Optik der Sicherheit nicht vorziehen. Sprich, wenn es einen sichereren Helm gibt, der nicht ganz euer Wunschdesign hat, ist das trotzdem der bessere Griff im Vergleich zur super-coolen, aber super-unsicheren Alternativen.
Die Farbe spielt aber definitiv keine große Rolle bei der Sicherheit, denn in der Nacht kommt es mehr auf die Reflektoren an. Der Preistipp von Stiftung Warentest bietet übrigens auch die beste Erkennbarkeit im Dunkeln.
Fahrradhelme für Erwachsene halten nicht ewig
Einmal gekauft und dann für ein Leben lang genutzt? Das klappt mit Fahrradhelmen nicht. Das verwendete Material altert und damit sinkt die Schutzwirkung. Das bedeutet leider, dass nach rund drei bis fünf Jahren ein neuer Helm her muss. Vorbildliche Hersteller drucken eine Art Ablaufdatum auf den Helm, andere vermerken zumindest das Herstellungsdatum. Wichtig: Egal, ob im Laden vor Ort oder beim Online-Kauf, ältere Helme sollte man meiden. Außerhalb des angegebenen Zeitraums sollten Helme auch nach einem Sturz ausgetauscht werden.
Alles Wissenswerte rund um Fahrradhelme
Gibt es eine Helmpflicht?
Eine Helmpflicht für Fahrradfahrer*innen gibt es in Deutschland nicht, weder für Erwachsene noch für Kinder. Ihr könnt also theoretisch mit der ganzen Familie einen Fahrradausflug machen und kein einziger Teilnehmender trägt einen Helm. Geldbußen müsst ihr nicht fürchten, trotzdem ist es nicht besonders clever, weil Fahrradhelme eine wichtige Schutzfunktion bieten.
Bei vielen Familien stellt sich die Frage "Helm oder nicht?" ohnehin nicht. Alle tragen einen, die Kids schon immer und die Eltern spätestens seit sie Eltern sind. Das Helmtragen sollte man sich auch nicht mehr abgewöhnen, denn besonders im Alter sind Fahrradhelme wichtig, weil die Reaktionsschnelligkeit nachlässt und man ohnehin unbeweglicher wird.
So sitzt der Fahrradhelm richtig
Das A und O beim Fahrradhelm ist der richtige Sitz. Auf diese Punkte müsst ihr achten:
- Ausrichten: Der Fahrradhelm sollte waagrecht sitzen, etwa zwei Fingerbreit oberhalb der Augenbrauen.
- Anpassen: Ist der Kopfring gespannt, sollte der Kopf nur mit gepolsterten Stellen in Berührung kommen. Manche Hersteller liefern Wechselpolster mit, um Scheuerstellen zu vermeiden.
- Verschließen: Die Gurtbänder sollten wie ein Dreieck das Ohr einfassen, die Spitze sollte etwa einen Fingerbreit unter dem Ohr zusammenlaufen. Der Riemen samt Schloss sollte unter dem Kinn liegen und nicht drücken.
- Spannen: Spannt den Riemen so, dass zwei Finger zwischen Hals und Band passen.
- Belüften: Wer gern schnell fährt, sollte auf Belüftungsmöglichkeiten achten, sonst wird es unter dem Helm schnell zu heiß.
Welcher Helm empfiehlt sich für E-Bikes?
Leider hat Stiftung Warentest keine Helme für E-Bike-Fahrer getestet. Zumindest gibt es aber ein paar Ratschläge. So muss man bei E-Bikes zunächst einmal unterscheiden: Es gibt die langsameren Pedelecs, die maximal 25 km/h schaffen. Für diese Fahrräder sind keine Helme vorgeschrieben, aber absolut empfehlenswert. Es gibt aber auch schnellere motorgestützte Fahrräder, die bis zu 45 km/h schaffen. Auf ihnen gilt in Deutschland Helmpflicht.
Normale Fahrradhelme sind für E-Bikes kein guter Griff, denn die Tests hantieren mit Aufprallgeschwindigkeiten von unter 20 km/h. Die strengere Norm NTA 8776 wird zum Beispiel in den Niederlanden angewandt und passt schon besser für E-Bikes. Achtet beim Kauf auf diese Norm. Bei uns erhältliche Helme, die ihr entsprechen, sind zum Beispiel der Abus Pedelec 2.0 Stadthelm oder der Cratoni Commuter Pedelec Helm.
Welche Größe passt beim Fahrradhelm?
Die Anbieter von Fahrradhelmen geben meist nur grobe Größen an, etwa S (Small), M (Medium) sowie L (Large). Dabei gibt es immer etwas Spielraum. Andere Anbieter zeigen zumindest in den Beschreibungen Kopfumfänge in cm an. Meist geht es bei rund 52 cm Kopfumfang los, bei 56 cm ist die Grenze erreicht, der nächste Größensprung ist dann bei etwa 58 cm erreicht.
Wer online kauft, sollte den Kopfumfang selbst messen und dann genau bei den Herstellerangaben gucken. Vorteile habt ihr natürlich im Fachhandel vor Ort. Dort probiert ihr alle Helme locker durch und könnt auch verschiedene Farbvarianten begutachten.
Wie gut sind Fahrradhelme von Lidl?
Pauschal kann man diese Frage nicht beantworten, denn Lidl hat Fahrradhelme für sich entdeckt und bietet immer wieder Modelle verschiedener Hersteller an - vom Kinderhelm bis zum smarten Erwachsenenhelm.
Testergebnisse im Überblick
Hier ist eine Zusammenfassung der Testergebnisse verschiedener Fahrradhelme, basierend auf Tests von ADAC und Stiftung Warentest:
| Hersteller/Modell | Mittlerer Preis in Euro | ADAC Urteil | Handhabung & Komfort | Unfallschutz | Schadstoffe |
|---|---|---|---|---|---|
| Uvex Urban Planet LED | 130 | 2,0 | 1,8 | 2,3 | 1,0 |
| Alpina Gent MIPS | 130 | 2,2 | 1,9 | 2,5 | 1,0 |
| Limar Torino | 90 | 2,2 | 1,9 | 2,5 | 1,0 |
| Lazer Codax KinetiCore | 165 | 2,6 | 2,6 | 2,7 | 1,0 |
| Lidl Crivit - Fahrradhelm mit Rücklicht | 31 | 2,6 | 1,9 | 2,9 | 1,9 |
| Giro Fixture Mips II | 110 | 2,8 | 2,5 | 2,9 | 1,0 |
| Abus HUD-Y | 120 | 3,0 | 2,8 | 3,0 | 1,0 |
| Decathlon / B´Twin City 540 Bowl | 15 | 3,1 | 2,9 | 3,1 | 1,0 |
| Prophete ECO Urban | 15 | 3,1 | 2,4 | 3,2 | 1,9 |
| Cube Fleet | 55 | 3,2 | 2,6 | 3,2 | 2,0 |
| Casco E.Motion 25 | 120 | 5,5 | 1,9 | 5,5 | 1,6 |
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