Sicherheit beim Klettersteiggehen: Die Rolle des Fahrradhelms

Viele wählen ihren Helm vor allem nach Gewicht, Passform und sogar Aussehen. Dies ist nachvollziehbar und auch unproblematisch, weil alle Helme prinzipiell den gleichen Normanforderungen entsprechen müssen. Doch welche Rolle spielt der Helm wirklich beim Klettersteiggehen, und welche Art von Helm ist am besten geeignet?

Drei Helmkategorien im Vergleich

Die unterschiedlichen Helmtypen bieten jeweils Vor- und Nachteile:

  • Hartschalenhelme sind robust und relativ günstig, aber eher schwer (400 bis 500 Gramm).
  • Mit rund 200 Gramm sind die sogenannten Inmold-Helme die leichtesten Helme auf dem Markt. Sie sind aber nicht so robust und können beispielsweise brechen, wenn man sich ungünstig auf den Rucksack setzt, in dem der Helm verstaut ist.
  • Hybridhelme sind eine Mischform dieser zwei Helmarten. Bei einem Gewicht zwischen 300 und 400 Gramm sind sie fast so robust wie Hartschalenhelme, aber nicht ganz so schwer.

Die Wahl des richtigen Helms kann entscheidend sein, besonders wenn man die spezifischen Gefahren beim Klettersteiggehen berücksichtigt.

Was muss ein Bergsteigerhelm leisten?

Die Anforderungen an Bergsteigerhelme sind in der Europäischen Norm EN 12492 und in der etwas strengeren UIAA Norm 106 festgelegt. Neben Festigkeit und Wirksamkeit der Trageeinrichtung sind für die Praxis vor allem die Anforderungen an Stoßdämpfung und Durchdringungsfestigkeit bedeutsam.

Die Prüfung der Stoßdämpfung erfolgt durch fünf Kilogramm schwere Schlagkörper aus Stahl. Von senkrecht oben fällt ein halbkugelförmiges Gewicht aus zwei Metern Höhe auf den auf einem Prüfkopf montierten Helm. Von schräg oben (vorne, seitlich und hinten, der Helm ist dabei um 60° geneigt) fällt eine ebenfalls fünf Kilogramm schwere flache Stahlplatte. Der Krafteintrag auf den Prüfkopf darf in keinem Fall 10 kN (UIAA: 8 kN) überschreiten. Die Prüfung der Durchdringungsfestigkeit wird an zwei Stellen im Umkreis von fünf Zentimetern um den höchsten Punkt des Helms durchgeführt. Hier fällt ein kegelförmiger Schlagkörper mit drei Kilo Gewicht mit der Spitze voran auf den Helm - die Spitze des Schlagkörpers darf den Prüfkopf nicht berühren.

Diese Normanforderungen sind Beleg dafür, dass nach der gültigen Norm Bergsteigerhelme primär dem Schutz vor herabfallenden Gegenständen dienen.

Forderungen aus Amerika: Schutz vor Anprallverletzungen

Nun fordern aber die Autor*innen einer kürzlich in den USA vorgestellten Untersuchung, dass Bergsteigerhelme auch gezielt auf den Schutz vor Anprallverletzungen ausgelegt sein sollten. Hintergrund dafür ist ihre Auswertung von Unfalldaten aus den USA und der Schweiz, die ergab, dass Kopfverletzungen aus Stürzen zwölf Mal häufiger sind als durch herabfallende Gegenstände (was freilich auch belegt, dass Bergsteigerhelme den Zweck, für den sie ausgelegt sind, gut erfüllen!). In ihrer Untersuchung überprüften die Forschenden dann, wie gut Helme, die nach der gültigen Norm zertifiziert sind, den Kopf bei einem Sturz schützen. Dies ist die erste Untersuchung, die sich intensiv mit den Mechanismen von Kopfverletzungen bei Kletterstürzen mit Helm beschäftigt.

Untersuchung: Wie schützen Helme vor Anprallverletzungen?

Die Untersuchung überprüfte jeweils ein Modell der drei unterschiedlichen Helmtypen, ausgewählt entsprechend der wahrgenommenen Verbreitung zum Zeitpunkt der Studie: Petzl Ecrin Roc (Hartschale), Black Diamond Half Dome (Hybridhelm) und Petzl Meteor III (Inmold-Helm). Die Helme wurden auf Dummies montiert, so dass realitätsnahe Pendel- und Bodenstürze simuliert werden konnten. Bei Fallhöhen zwischen ein und zwei Metern wurden drei Testszenarios durchgeführt, in denen die Dummies frontal (mit dem Gesicht voran), lateral (mit den Schläfen voran) und dorsal (mit dem Hinterkopf voran) gegen eine Stahlplatte prallten. Messzellen, Beschleunigungsmesser und Highspeed-Kameras dienten der Messung und Aufzeichnung. Neben den Belastungen auf den Kopf wurde der Krafteintrag auf die Halswirbelsäule gemessen. Bei der aktuell gültigen Normprüfung für Bergsteigerhelme wird die Belastung auf das Genick nicht geprüft.

Um zu beurteilen, ob die Simulationen zu einer Verletzung führen würden, verwendeten die Autor*innen Schwellenwerte, die auch in der Automobilindustrie angewandt werden: den HIC-Wert (Head Injury Criterion) zur Bewertung von beschleunigungsbedingten Kopfverletzungen und den IAR-Wert (Injury Assessment Reverence Value). Sie benutzten außerdem zwei verschiedene Prüfköpfe. Einen wie bei der Normprüfung, der keinerlei Verformung zulässt (die Messwerte sind dadurch höher), und einen wie er in der Automobilindustrie verwendet wird. Dieser Prüfkopf ist mit einer künstlichen Kopfhaut überzogen und verhält sich eher wie ein menschlicher Kopf. Um die Wirkung auf das Genick beurteilen zu können, wurden die Prüfköpfe auf flexible Hälse montiert, die ebenfalls mit Messzellen ausgestattet waren. Beide Prüfköpfe wurden für die Sturzsimulationen auf den gleichen Dummy gesetzt. Um Vergleichswerte zu bekommen, führten die Autor*innen die Sturzsimulationen auch ganz ohne Kopfschutz durch.

Untersuchungsergebnisse

Stürze auf den Hinterkopf, bei denen die kletternde Person den Boden zuerst mit den Füßen berührt und dann nach hinten kippt, führten überraschenderweise zu größeren Krafteinträgen als ein senkrechter Sturz aus gleicher Höhe. Erklärung: Durch die Rotationsbewegung um Beine und Gesäß wird der Kopf zusätzlich beschleunigt. Dieses Verletzungsmuster ist für Bodenstürze - beim Sportklettern und vor allem auch beim Bouldern - relevant. Der Inmold-Helm war der einzige, der in diesem Szenario einen Schutz innerhalb der Schwellenwerte lieferte - und dies nur mit dem kleineren (steifen) der beiden Prüfköpfe, weil bei diesem weniger Kopffläche vom Helm unbedeckt blieb. Beim Hartschalenhelm dagegen wirkten sogar höhere Kräfte auf den Hinterkopf als ohne Helm! Der untersuchte Hybrid-Helm hat ein Einstellrad hinten unterhalb des Helmrands ohne zusätzliche Polsterung, das einen direkten Krafteintrag vom Boden auf den Hinterkopf provozierte - ein solches Einstellrad kann also die Verletzungsgefahr bei Sturz auf den Hinterkopf erhöhen.

Bei den frontalen Sturzszenarios wurden die Schwellenwerte mit allen drei Helmen überschritten, der Inmold-Helm dämpfte den Sturz allerdings deutlich besser als die beiden anderen. Die seitlichen Stürze wurden nur vom Inmold-Helm mit Werten unterhalb der Verletzungsgrenze gemeistert. In zusätzlichen Tests, in denen der Dummy-Kopf voran am Boden einschlug, lieferten alle drei Helme befriedigende Ergebnisse bezüglich des Krafteintrags auf den Kopf. Die Kräfte auf das Genick, die zusätzlich überprüft wurden, lagen aber fast durchweg oberhalb von Werten, die in der Automobilindustrie akzeptiert werden würden.

Klettersteig-Ausrüstung: Mehr als nur ein Helm

Beim Klettersteiggehen sollte man auch immer einen Helm tragen. Da man im unebenen Gelände unterwegs ist, kann es vorkommen, dass man sich am Fels den Kopf stößt. Auch Steinschläge sind nicht auszuschließen. Doch was gehört im Detail alles dazu? Auf welche Punkte musst du beim Kauf achten? Und wie gehst du mit der Klettersteig-Ausrüstung um? Ein Leitfaden zur Ausrüstung für die Begehung von Klettersteigen.

Die essenzielle Ausrüstung im Überblick

  1. Klettersteigset: Bremst den Kletterer im Falle eines Absturzes dynamisch ab.
  2. Klettergurt: Sollte nicht zu eng sein, aber beim Klettern auch auf keinen Fall verrutschen.
  3. Bergschuhe: Müssen bequem und robust sein, aber auch sicheren Halt am Felsen bieten.
  4. Handschuhe: Schützen die Hände vor Blasen und Wunden.
  5. Helm: Schützt vor Steinschlag und Stößen.

Funktionalität und Mode, das lässt sich heute leicht unter einen Hut bringen, auch am Klettersteig. Beim Klettersteiggehen sollte man sich für Kleidung aus elastischem Material entscheiden, die nicht nur eng anliegt, sondern auch beim Klettern genügend Bewegungsfreiheit bietet. Langlebigkeit spielt ebenfalls eine wichtige Rolle. Der Stoff der Hose muss robust genug sein, um dem Kontakt mit den Felsen standzuhalten. Auch die Atmungsaktivität sollte berücksichtigt werden, damit der Schweiß aus der Hose entweichen kann.

Der Kletterhelm im Detail

Der Helm soll dich vor Steinschlag schützen und bei Stürzen die Verletzungsfolgen durch einen Aufprall an der Felswand reduzieren. Das sind spezielle Anforderungen, die nur ein Kletterhelm erfüllt. Es gibt jedoch mittlerweile auch Multifunktions-Helme, die Normen für mehrere Sportarten erfüllen. Solche Helme kommen also für dich infrage, wenn du gleich für mehrere Sportarten einen Kopfschutz benötigst.

Der Kletterhelm sollte bequem, leicht und gut belüftet sein und sich gut einstellen lassen. Und es gibt verschiedene Helm-Größen. Im Zweifel solltest du also vor dem Kauf per Anprobe testen, ob der Helm wirklich perfekt passt.

Materialien und Konstruktionen

Die Varianten-Vielfalt unter den Kletterhelmen ist ähnlich erschlagend wie im Bereich der Fahrradhelme. Es gibt mehrere verschiedene Materialien und Konstruktionen (Hartschalen, Hartschaum, Hybrid und platzsparende Modelle mit einklappbaren Seitenwänden), unterschiedliche Farben und Designs und Modelle mit Halterungen für Stirnlampen.

Eine grelle, gut sichtbare Farbe kann lebensrettend sein, wenn du bei schlechten Sichtverhältnissen im Berg abgestürzt bist und man nach dir sucht. Und eine Halterung für die Stirnlampe ist nützlich, wenn du oft bei Dunkelheit oder in Höhlen unterwegs bist.

Gebrauchte Helme: Vorsicht geboten!

Beim Kauf von Kletterhelmen aus zweiter Hand musst du aufpassen: Einem Kletterhelm sieht man sein Alter nicht an. Starke Sonneneinstrahlung entzieht dem Helmmaterial die Weichmacher und der Kunststoff versprödet mit der Zeit. Und du wirst nie erfahren, ob ein Helm noch ausreichend stabil gegen den Aufschlag von Steinen ist, oder nicht vielleicht schon ersetzt werden muss.

Fahrradhelm vs. Kletterhelm: Ein Vergleich

Ein Radhelm z. B. hat Belüftungsöffnungen, die auch oben auf dem Scheitel sitzen und so den Kopf nicht ausreichend vor Steinschlag schützen. Doch wie unterschiedlich ist die Art des Schutzes bei den beiden verschiedenen Helmtypen wirklich?

Von oben fallende Steine sind selten so flach wie eine Straße oder so gut abgerundet oder langgezogen wie ein Bordstein. Die sind kleiner, knubbelig, haben eventuell eine Spitze, kommen mit hoher Geschwindigkeit und daher sehr viel Energie herabgefallen. Energie die auf kleiner Fläche aufgefangen werden muss. Zudem hat ein Fahrradhelm meist viel mehr und größere Belüftungslöcher.

So pauschal kann man das aber auch nicht sagen ... Fahrradhelme wie auch die neueren geschäumten Kletterhelme sind recht gut für Belastung von vorn. Der klassische Helm hilft dafür besser (und länger) gegen Steinschlag von oben.

Empfehlenswerte Kletterhelme

Hier eine Auswahl an Kletterhelmen, die in Tests gut abgeschnitten haben:

  • Mammut Wall Rider: Eines der Leichtgewichte im Test, bietet dennoch ausreichend Schutz und Komfort.
  • Black Diamond Capitan MIPS: Verfügt über das Multidirectional Impact Protection System (MIPS), das Gehirnerschütterungen vorbeugt.
  • Camp Ikon: Bietet Tragekomfort, Einfachheit in der Bedienung, exzellenter Sitz und eine gute Belüftung.
  • Camp Storm: Komfortabel, exzellent belüftet und sitzt stabil, ideal für Anfänger und Profis.
  • Edelrid Salathe Lite: Die Top-Empfehlung für alle, die sehr gewichtsbewusst am Fels unterwegs sind.

Pflege der Klettersteig-Ausrüstung

Die beste Ausrüstung hält nicht ewig. Das gilt auch uneingeschränkt für deine Klettersteig-Ausrüstung. Sie unterliegt durch Nutzung und Witterungseinwirkung einem mehr oder weniger großen Verschleiß. In Grenzen lässt sich dieser Verschleiß durch gute Behandlung, regelmäßige Pflege und trockene Lagerung aber hinauszögern:

  • Der Helm sollte nicht ständig dem Sonnenlicht ausgesetzt sein oder als Pausensitz zweckentfremdet werden.
  • Für den Transport auf dem Rucksack solltest du ihn am besten in einer Plastiktüte deponieren.
  • Die Karabiner am Klettersteigset solltest du regelmäßig auf Funktion prüfen und bei Bedarf mit etwas Öl gängig halten.
  • Lege das Klettersteigset niemals in sandigen oder schlammigen Untergrund.
  • Ist die Kletter-Ausrüstung nass geworden, muss sie vollständig getrocknet werden vor der Einlagerung.

Zusammenfassung

Beim Klettersteiggehen ist die richtige Ausrüstung entscheidend für die Sicherheit. Ein Kletterhelm schützt vor Steinschlag und Stößen, wobei es verschiedene Typen mit unterschiedlichen Vor- und Nachteilen gibt. Es ist wichtig, die spezifischen Anforderungen und Normen zu berücksichtigen und den Helm regelmäßig zu pflegen. Obwohl Fahrradhelme in manchen Situationen einen gewissen Schutz bieten können, sind sie nicht ideal für das Klettersteiggehen, da sie nicht ausreichend vor Steinschlag schützen. Daher sollte man immer einen speziell für das Klettern entwickelten Helm verwenden.

Verwandte Beiträge:

Kommentar schreiben

Kommentare: 0