Rennradhelm Test: Sicherheit, Komfort und Leistung im Vergleich

Ein Fahrradhelm hat primär nur eine Funktion zu erfüllen: Er soll den Kopf seines Trägers schützen. Aktuelle Rennrad- beziehungsweise Gravel-Helme sollen aber noch mehr können: Sie müssen leicht, gut belüftet und komfortabel sein. Weitere wichtige Parameter sind die Passform, das Verschluss- und Verstellsystem, das Preis-Leistungs-Verhältnis, Zusatzfunktionen und mehr.

Grundsätzlich eignet sich ein Rennrad-Helm zum Graveln und ein Gravel-Helm zum Rennradfahren. Unterschiede finden sich zum Beispiel in den Ausstattungsdetails. So verfügen die Modelle von Rudy Project und Oakley über ein abnehmbares Visier - es bietet dem Fahrer einen zusätzlichen Schutz vor der Sonne, dem Regen und herabhängenden Zweigen und Ästen. Die Helmschalen einiger Gravel-Modelle sind im Nacken weiter heruntergezogen, um den Fahrer auch in diesem Bereich besser zu schützen.

Sicherheitsmerkmale von Rennradhelmen

Dazu gehören sowohl Konstruktionen, die den Kopf vor einem zu harten Aufprall bewahren sollen - wie eine Schale aus EPS-Schaum - als auch Zusatztechnologien wie die Systeme MIPS beziehungsweise KinetiCore. Jeder Helm verfügt über eine Oberschicht aus Kunststoff. Diese ist bei Qualitätshelmen mit der EPS-Schale per In-Molding-Verfahren fest miteinander verbunden. Im Falle eines Sturzes reduziert diese Schicht die Reibung am Boden und die damit einhergehenden Kräfte. Hochwertige Helme sind zudem nicht zuletzt aus Gründen der Optik auch am unteren Rand verbacken, auch wenn das einige Gramm Mehrgewicht kostet. Interne, skelettartige Strukturen aus hochfesten Kunst- oder Carbonfaserverbundstoffen können den Helm zusätzlich verstärken und stabilisieren.

MIPS und KinetiCore: Zusätzlicher Schutz bei Stürzen

Acht der 15 Helme in diesem Testfeld verfügen über eine Version des Multi-Directional Impact Protection Systems - kurz MIPS. Das System wurde in Schweden durch den gleichnamigen Hersteller entwickelt. Das Prinzip: Beim Aufprall entstehen stets auch Rotationskräfte, die auf den Schädel und das darin gelagerte Gehirn einwirken. Die Modelle von Bell, Endura, Met, Oakley und Specialized verfügen über die Versionen MIPS Essential beziehungsweise Evolve Core - dies sind Kunststoffstreben, die an der Innenseite dem Muster der EPS-Schale folgen. Ekoi setzt beim Modell Gara auf MIPS Air Node - hier ist das System im Helmpolster integriert. Giro verwendet beim Syntax MIPS Integra - eine Zwischenschicht, die direkt in die Helmschale eingebracht ist.

Lazer hat mit „KinetiCore“ ein eigenes System entwickelt. Ausgefräste Blöcke an der Innenseite der EPS-Schale nehmen die Rotationskräfte auf - und dienen als zusätzliche elastische Knautschzone bei einem Aufprall.

Sekundäre Sicherheitsfeatures

Sekundäre Sicherheitsfeatures sind Bauteile, die nach einem Sturz dafür sorgen, dass im schlimmsten Fall ein Angehöriger oder Rettungskräfte alarmiert werden. Speziell in den Helm integrierte Sensoren und Live-Tracker sind über eine App mit dem Smartphone verbunden. Im Falle eines Sturzes kann - je nach dem System - ein Notfallkontakt oder der Rettungsdienst alarmiert werden.

Belüftung und Komfort

Bei der Belüftung gibt es in vielen Fällen nur geringe Unterschiede. Kein Modell „versagte“ bei diesem wichtigen Test-Parameter komplett. Wissen muss man dazu: Die reine Anzahl und die Größe der Belüftungsöffnungen sagt oft wenig über die effektive Kühlung am Kopf aus. HJC beweist mit dem Valeco 2, dass auch ein Aero-Modell mit in der Relation wenigen Öffnungen über eine gute Ventilation verfügen kann.

Beim Verstellsystem am Hinterkopf gibt es deutlichere Unterschiede: Einige Modelle in diesem Testfeld sind nur in einem kleinen Bereich beziehungsweise nur in einer Stufe höhenverstellbar. Allein das kann schon darüber entscheiden, ob ein Helm passt oder nicht. Es gilt: Ein Verschlusssystem muss den Kopf vollständig umschließen und dafür tief genug am Hinterkopf und nicht zu hoch an der Stirn ansetzen.

Zwei unserer Testmodelle verfügen zudem über einen praktischen Magnetverschluss des Kinn-Riemens. Ein anderer wichtiger Parameter lautet: Helmschalen. Tipp: Liegt man beim Kopfumfang an der Grenze zwischen zwei Größen, dann kann es sich lohnen, nach einem anderen Modell zu suchen. An langen Anstiegen, in der Dämmerung oder bei Regenwetter nimmt man die Brille gerne von den Augen. Da trifft es sich gut, wenn man sie am Helm verstauen kann.

Testergebnisse und Empfehlungen

Unser Testfazit von 15 Rennrad- und Gravel-Helmen nach vielen hundert Kilometern lautet: Auch ein Modell im Preisbereich von 100 bis 180 Euro kann leicht, sehr gut belüftet und sicher sein. Entscheidend sollte die Passform sein. Auch ein günstiger Helm kann zur individuellen Kopfform passen und einen dauerhaft hohen Tragekomfort bieten.

Der deutsche Hersteller ABUS präsentiert mit dem GameChanger 2.0 auf der Eurobike in Frankfurt seinen neuen komplett überarbeiteten Aero-Helm. Der belgische Helm-Hersteller Lazer präsentiert die neue vollintegrierte Technologie Kineticore, die insbesondere vor den Folgen von Rotationskräften schützen soll. Der neue Giro Helios Spherical bietet eine neue Schutz-Technologie. WaveCel: Bontrager bietet die neue Schutztechnologie jetzt auch beim günstigeren Modell Starvos an.

Die Auswertung der Daten zeigt, dass durchweg alle 20 Helme einen vernünftigen Schlagschutz bieten. Interessante Erkenntnis: Weder ein hoher Preis noch ein Rotationsschutz-System garantiert den idealen Kopfschutz. Die individuellen Unterschiede zwischen den Helmmodellen sind größer, weshalb es sich lohnt, genauer in die Steckbriefe zu schauen.

Sowohl der leichteste (Abus Power Dome mit 210 Gramm) als auch der schwerste Helm (POC Omne Air Mips mit 330 Gramm) gehören zu den günstigen Testkandidaten. Am besten belüftet ist das günstige Eco-Modell von Scott, der am schlechtesten belüftete Helm ist ein Top-Modell, der relativ geschlossene Aero-Helm Falconer von Sweet Protection. Dass es besser geht, zeigt Specialized. Der Aero-Top-Helm Evade verfügt über eine gute Belüftung.

Bei der Wahl des Helmes sollte man also Einsatzzweck und Fahrprofil vor Augen haben. Schnelles Fahren bringt mehr Luft an den behelmten Kopf als Kletterpartien neben einer erhitzten Felswand. Sich zwei unterschiedlich belüftete Helme zu gönnen, scheint nicht übertrieben.

Den Testsieg nach Noten holt sich der besonders teure Met Trenta 3K Carbon (330 Euro), der den besten Schlagschutz im Testfeld mit minimalem Gewicht (227 Gramm) vereint. Nur ganz knapp geschlagen folgt auf dem zweiten Platz der viel günstigere Scott ARX mit 100 Euro Listenpreis, der mit ausgezeichneter Belüftung und nur 234 Gramm Gewicht punktet, aber auch mit einer ordent­lichen Sicherheitsbewertung von 1,9. Den dritten Platz belegt der 260 Euro teure Poc Ventral Air mit ebenfalls sehr guter Kühlung (Sicherheit 1,7).

Auch eine Anprobe des Wunschhelms ist Pflicht, denn ein Helm, der nicht richtig sitzt, hat wenig Wert. In Sachen Preis zeigt die Internetrecherche, dass viel Spielraum vorhanden ist. 30 Prozent Abschlag auf die Listenpreise sind oftmals drin.

Überblick über einige getestete Modelle

Im Folgenden werden einige der getesteten Helme detaillierter vorgestellt:

Abus AirBreaker

Leichtester Top-Helm im Test; passt auf viele Köpfe; die dünnen Gurtbänder verdrehen sich unterm Ohr; ohne Mips nur mittleres Schutzniveau; luftig im Sommer.

  • Preis: 250 Euro
  • Gewicht (58 cm): 214 Gramm
  • Gesamtnote Sicherheit: 2,3
  • Gesamtnote: 1,8

Abus Power Dome

Das neueste Abus-Modell und der Leichteste im Test; gut belüftet und gut anzupassen; in puncto Sicherheit nur Durchschnitt; das Modell gibt es auch mit Mips (40 Euro teurer).

  • Preis: 120 Euro
  • Gewicht (58 cm): 210 Gramm
  • Gesamtnote Sicherheit: 2,7
  • Gesamtnote: 2,1

Cube Heron

Top Sicherheit und gutes Handling; noch gute Belüftung trotz der relativ geschlossenen Helmschale.

  • Preis: 250 Euro
  • Gewicht (58 cm): 258 Gramm
  • Gesamtnote Sicherheit: 1,4
  • Gesamtnote: 1,7

Cube Road Race

28 Gramm leichter und 150 Euro günstiger als das Cube-Top-Modell, doch längst nicht so sicher; sehr gut belüftet; gutes Gurtsystem.

  • Preis: 100 Euro
  • Gewicht (58 cm): 230 Gramm
  • Gesamtnote Sicherheit: 2,7
  • Gesamtnote: 2,0

Giro Aries Spherical

Kompakt, leicht, gut belüftet und die gegeneinander beweglichen Helmschalen (Spherical) schützen sehr gut vor Gehirnerschütterung; nervig: das kleine Einstellrad zur Weiteneinstellung.

  • Preis: 320 Euro
  • Gewicht (58 cm): 267 Gramm
  • Gesamtnote Sicherheit: 1,6
  • Gesamtnote: 1,7

Es ist wichtig zu beachten, dass nicht jeder Helm gleich gut passt, daher ist eine Anprobe vor dem Kauf unerlässlich.

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