Rennradhelm-Test: Der Giro Atmos II im Vergleich

Keine Rennrad-Tour ohne Helm! Doch welcher Kopfschützer bringt geringes Gewicht, gute Belüftung und angenehmen Tragekomfort am besten zusammen? RoadBIKE hat aktuelle Helme der Mittelklasse verglichen, um Ihnen die Entscheidung zu erleichtern.

Vieles beim Rennradfahren ist Geschmackssache. Nur eine Grundregel gilt immer: Helm auf! Denn selbst bei geringen Geschwindigkeiten kann ein Sturz ohne Helm böse Folgen haben. Außerdem sind moderne Helme so leicht und so gut belüftet, dass es keinen Grund mehr gibt, oben ohne zu fahren.

Teurer immer besser?

RoadBIKE hat 16 Helme der Mittelklasse um 150 Euro verglichen, um Ihnen die Entscheidung zu erleichtern. Die Spanne reicht vom sehr günstigen Scott Arx Plus für 110 Euro bis zum Cypher von Cannondale, der mit 170 Euro zu Buche schlägt.

Doch ist teurer auch besser? Nicht zwingend, denn hohe Materialgüte, geringes Gewicht oder perfekte Belüftung erscheinen plötzlich unwichtig, wenn der Helm nicht passt und drückt! Jeder Kopf ist unterschiedlich, deshalb sollten Sie am besten mehrere Modelle verschiedener Hersteller ausprobieren, um zu ermitteln, welcher am besten zu ihrer Kopfform passt.

Die von den Herstellern angegebenen Größen (54-58, 59-61 etc.) sind dabei ein nur ein erster Anhaltspunkt, denn sie beziehen sich auf den Kopfumfang und sagen nichts über dessen Form aus. Ist der Kopf eher länglich, passt ein für eher runde Köpfe gemachter Helm nicht.

Im aktuellen Test empfehlen sich vor allem der S3 von Specialized und der Bell Volt RL für eher längliche Köpfe, der Airshell von Endura eher für rundliche Kopfformen. Die Chance, einen gut passenden Helm zu finden, steigt, wenn der Anbieter der Wahl möglichst viele unterschiedliche Größen anbietet.

Tipp: Ein guter Helm sitzt auch dann sicher auf dem Kopf, wenn der Gurt nicht geschlossen ist.

Gute Anpassung ist wichtig

Achten Sie bei der Helmwahl auf vielfältige Anpassungsmöglichkeiten: Es ist meist ein klarer Komfortgewinn, wenn sich die Höhe des hinteren Verschlusses verstellen lässt. So lässt sich beispielsweise auch Platz für einen Zopf schaffen - gut für Mädels.

Zudem ist es angenehm, wenn die Größenverstellung nicht nur den Hinterkopf umfasst und der Zug ring, wie beispielsweise beim Genesis von Lazer oder dem Inferno UL von Met, durchgängig ist und den gesamten Kopf umschließt. Auf den Testfahrten zeigten diese Helme eine deutlich angenehmere Druckverteilung.

Das Rädchen zur Weiteneinstellung sollte auch während der Fahrt gut zu greifen und feinfühlig verstellbar sein.

Belüftung und Gewicht

Eine schlechte Belüftung galt vielen Radfahrern lange als Hauptargument, auf den Helm zu verzichten, so mancher Sportler befürchtete gar einen „Hitzestau“. Diese Sorgen sind bei aktuellen Helmen unbegründet, das zeigen die Messungen und die Praxiserfahrungen der RB-Tester deutlich: Spürbar zu warm war kein Helm im Vergleich.

Um die Belüftung „sichtbar“ zu machen, hat RB alle Modelle per Thermografie untersucht und die Ergebnisse mit den Praxistests abgeglichen. Bestnoten gab es hier für den Volt RL von Bell und den Atmos II von Giro.

Der Vergleich von Top-Helmen mit günstigen Einsteigermodellen hat gezeigt, dass gute Belüftung oft zulasten des Gewichts geht, denn je größer die Öffnungen, desto fester - und damit oft schwerer - muss das verbleibende Material sein, um bei Stürzen ausreichend zu schützen.

Der Unterschied zwischen dem leichtesten Helm im Test, dem Northwave Speedster (215 g), und dem schwersten Modell, Rudy Projects Sterling (306 g), ist spürbar, sollte aber nicht überbewertet werden.

Michael Rich rät: „Das Gewicht eines Helms sollte im erträglichen Rahmen bleiben, aber die Belüftung ist wichtiger. Denn ein überhitzter Kopf wirkt sich definitiv leistungsmindernd aus.“

Sicherheit zählt

Um die Aufprallenergie aufzunehmen, bestehen Helme aus dem Hartschaumstoff EPS, der direkt in die Helmschale expandiert und so mit ihr verschweißt wird („In-Mold-Verfahren“). Alle Helme müssen die Europäische Norm (EN) 1078 erfüllen, was bedeutet, dass sie unter anderem bei einem Sturz aus 1,5 m Höhe mit 19,5 km/h auf eine glatte Fläche die Beschleunigung auf weniger als 250 g (1 g = 9,81 m/s2) reduzieren.

Die Norm steht allerdings in der Kritik, denn sie berücksichtigt nur einen senkrechten Aufprall; in der Praxis wirken jedoch oft auch Rotationskräfte. Deshalb haben schwedische Ingenieure das MIPS-System entwickelt, mit dem im Test nur der Scott Arx Plus ausgestattet war. Ob das System im Fall der Fälle tatsächlich Vorteile bringt, muss sich noch erweisen. Was aber immer gilt: Mit Helm ist besser als ohne!

Testergebnisse und Fazit

Belüftung, Tragekomfort, geringes Gewicht - kein Helm bringt das so gut zusammen wie der Atmos II von Giro: klarer Testsieg mit Bestnote. Neben den bereits recht bekannten Modellen Aeon und Synthe hat Giro kürzlich die Modelle Atmos II und Savant vorgestellt.

Optisch bleibt Giro in etwa der Linie treu, die der Aeon mit seinem zerklüfteten Design vorgegeben hat. Viele Lufteinlässe, eine etwas angehobene Heckpartie und die spitz zulaufende Front machen den Helm sehr dynamisch, wirken auch ein wenig aggressiv - was uns durchaus zu gefallen wusste.

Im Fahrtwind weiß Giros Neuer durchaus zu überzeugen. Die Menge an Lufteinlässen ist für uns nie ein Kriterium, vielmehr interessiert uns die Luftstromlenkung am Oberkopf. Am HInterkopf findet sich das recht kleine Drehrad zur Verstellung der Kopfführung. Giro nennt das System Rocloc und definiert mit dem kleinen Regler in sehr kleinen Rasterstufen den Sitz am Kopf.

An den wirklich extrem reißfesten Bändern zum Kinnriemen haben wir uns ein wenig gestört. Die doppellagigen Sicherheitsgurte sind nicht besonders drehfreudig und passen sich der Gesichtsform etwas störrisch an. Mit den sehr flächigen Innenpolstern setzt sich Giro von vielen Mitbewerbern ab.

Relativ leicht, angenehm zu tragen, überzeugend im Crashtest und dazu gut belüftet: Der Giro Atmos II leistet sich keine Schwächen und sichert sich so den Testsieg.

Nur knapp dahinter: der Kask Mojito und der deutlich günstigere Limar 778 Superlight, der sich damit den Preis-Leistungs-Tipp sichert.

Crashtest und Sicherheit im Detail

Wie gut schützen eigentlich aktuelle Rennrad-Helme im Fall eines Falles? Das wollte RoadBIKE genau wissen und hat gemeinsam mit dem TÜV Süd 16 Modelle einem vergleichenden Crashtest unterzogen - angelehnt an die aktuelle Europäische Norm (EN 1078).

Eingeladen waren sämtliche großen Hersteller, und fast alle kamen dem Aufruf nach. Die Preisspanne der getesteten Helme reicht vom 110 Euro teuren Limar 778 Superlight bis zu den Modellen von Bell (Bell Volt RL-X), Bollé (Bollé The One Road Standard), Giro (Giro Atmos II) und Uvex (Uvex Race 1), die mit 150 Euro die obere Preisgrenze markieren.

Auch wenn Punkte wie Belüftung, Aerodynamik und optischer Chic beim Helmkauf eine wichtige Rolle spielen: Die Kernkompetenz eines Helms ist und bleibt seine Schutzfunktion bei einem Sturz. Der in die Schale gespritzte und meist fest damit verbackene EPS-Schaum (In-Mold-Verfahren) soll möglichst viel von der Aufprallenergie aufnehmen und so Kopfverletzungen verhindern oder wenigstens abmildern.

Das zwar erwartete und dennoch äußerst erfreuliche Ergebnis des Crashtests: Die Dämpfungseigenschaften aller getesteten Rennrad-Helme sind deutlich besser als von der Norm gefordert.

Am besten schneidet der recht schwere Casco Full Air RCC ab, der die Aufprallenergie auf 117 g reduziert, von der Norm erlaubt sind Werte bis 250 g. Selbst die „schwächsten“ Modelle erzielen immer noch Werte von unter 200 g.

Doch auch der beste Helm kann seine Aufgabe nur dann erfüllen, wenn er beim Sturz auf dem Kopf bleibt und nicht verrutscht. Wie gut die Befestigung funktioniert, haben die Experten des TÜV bei einem Roll-Off-Test überprüft. Das Ergebnis: Die meisten Helme waren ausreichend sicher fixiert, sodass die Schutzfunktion weiterhin gegeben war.

Weitere Testkriterien: Belüftung und Tragekomfort

Damit ein Helm auch bei längeren Ausfahrten im Sommer nicht zur Qual wird, muss er eine ausreichende Belüftung des Kopfes gewährleisten. Entscheidend dafür ist nicht allein die Zahl der Belüftungsöffnungen in der Helmschale, sondern auch deren Größe sowie die Führung der im Helm verlaufenden Belüftungskanäle - sehr gut gelöst etwa beim Casco Full Air RCC, der in Sachen Belüftung von den Testern am besten bewertet wurde, knapp vor dem Giro Atmos II und dem Mavic Ksyrium Elite.

Beim Tragekomfort lobten die Tester vor allem den Specialized Airnet mit seinen angenehmen, gut verteilten Innenpolstern, auch der Scott Wit-R erhielt für seinen angenehmen Sitz viel Lob. Beim Catlike Olula monierten einige Tester die zu weit vorne platzierten Gurte, die leicht an den Augenbrauen reiben können.

Groß sind auch die Unterschiede beim Gewicht: Während der Limar 778 Superlight seinem Namen Ehre macht und mit 205 Gramm den Bestwert lieferte, bringt der Casco Full Air RCC 100 g mehr auf die Waage.

Weitere getestete Helme im Überblick

Hier eine Übersicht einiger weiterer im TOUR-Test untersuchten Rennradhelme:

  • Abus AirBreaker: Leichtester Top-Helm im Test; passt auf viele Köpfe; die dünnen Gurtbänder verdrehen sich unterm Ohr; ohne Mips nur mittleres Schutzniveau; luftig im Sommer
  • Abus Power Dome: Das neueste Abus-Modell und der Leichteste im Test; gut belüftet und gut anzupassen; in puncto Sicherheit nur Durchschnitt; das Modell gibt es auch mit Mips (40 Euro teurer)
  • Cube Heron: Top Sicherheit und gutes Handling; noch gute Belüftung trotz der relativ geschlossenen Helmschale
  • Cube Road Race: 28 Gramm leichter und 150 Euro günstiger als das Cube-Top-Modell, doch längst nicht so sicher; sehr gut belüftet; gutes Gurtsystem
  • Giro Aries Spherical: Kompakt, leicht, gut belüftet und die gegeneinander beweglichen Helmschalen (Spherical) schützen sehr gut vor Gehirnerschütterung; nervig: das kleine Einstellrad zur Weiteneinstellung

Sicherheit der Helme auf einen Blick

Die Grafik zeigt, wie die Helme in der Sicherheitsprüfung abschneiden. Sortiert nach der Gesamtnote Sicherheit aus Rotation und Beschleunigung/Schlagdämpfung, wobei wir Letztere höher gewichten. Der insgesamt sicherste Helm steht ganz unten.

Sowohl die Balken für die Wahrscheinlichkeit einer Gehirnerschütterung durch Kopfrotation (schwarz) als auch für die Schlagdämpfung (rot) sollten möglichst kurz sein. Zur Einordnung: Helme ohne Mips-System liegen in diesem Test im Schnitt bei 27 Prozent Wahrscheinlichkeit einer Gehirnerschütterung.

Tabelle: Testergebnisse ausgewählter Rennradhelme

Helm Gewicht (g) Kühlleistung (Watt) Rotation (BrIC) Beschleunigung (g) Wahrscheinlichkeit Gehirnerschütterung (%)
Abus AirBreaker 214 145 0,39 103,5 29
Abus Power Dome 210 134,8 0,39 114,5 29
Cube Heron 258 126,4 0,17 93,4 3
Cube Road Race 230 141,3 0,34 125,9 21
Giro Aries Spherical 267 136,6 0,18 101,1 4

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