Der Fahrrad-Airbag Hövding verspricht, Kopf und Nacken bei einem Sturz besser zu schützen als ein herkömmlicher Helm. Dabei wird er wie eine Halskrause um den Hals getragen. Wir haben uns den Hövding genauer angesehen.
Was ist der Hövding?
Der Hövding ist ein Airbag, der sich in einer Art festem Kragen befindet und beim Radfahren um den Hals gelegt wird. Er schützt beim Auslösen nicht nur den Schädel, sondern zieht sich wie eine Haube über den Kopf. Zusätzlich komprimiert und stabilisiert er die gesamte Nackenpartie und will so einem Schleudertrauma und ähnlichen Verletzungen vorbeugen.
Das Design des Airbags ähnelt einer Kapuze und besteht aus einem resistenten und reißfesten Nylonstoff. Der Gasgenerator, der den Airbag im Falle eines Sturzes in nur 0,1 Sekunden aufbläst, befindet sich in einer Vorrichtung im Kragen im Nacken des Radfahrers. Dabei handelt es sich um einen sogenannten “Kaltgasgenerator”, der Helium verwendet.
Die Halskrause wird über den magnetischen Verschluss aktiviert. Sobald die Halskrause über den magnetischen Verschluss aktiviert wird, beginnen die eingebauten Sensoren die Bewegungen der jeweiligen Person 200 Mal pro Sekunde zu registrieren. Im Fall eines Unfalls erkennt die Sensorik die Gefahr und der Airbag löst innerhalb von 0,1 Sekunden aus.
Wie trägt sich der Hövding?
Der Hövding 3 legt sich wie ein etwas zu starrer Schal um den Hals. Auf dem Rücken liegt eine etwa faustgroße Steuereinheit mit Technik, Akku und Gaskartusche auf. Vorne sorgt ein Reißverschluss für den festen Halt. Ein Drehelement, wie man es von den meisten Fahrradhelmen kennt, zurrt den Hövding 3 fest. Er sollte aber nur so fest angezogen werden, dass der Fahrer noch ausreichend Luft bekommt. Sobald man auf dem Fahrrad sitzt, schließt man die magnetische Sicherung und stellt den Fahrrad-Airbag damit scharf.
Tatsächlich fühlt sich der Hövding 3 beim Anlegen wenig bequem an. Das gilt vor allem dann, wenn man keinen Pullover oder keine Jacke trägt. Er drückt vorne unter dem Kinn und hinten im Nacken. Ist dagegen etwas Stoff zwischen Hals und Hövding 3, wird die Sache deutlich angenehmer. Beim Fahrradfahren selbst bemerkt man den Fahrrad-Airbag schon nach kurzer Zeit kaum noch. Der Hövding 3 scheint auf die Körperhaltung beim Fahrradfahren optimiert zu sein.
Wir ziehen bezüglich des Komforts den Hövding 3 einem klassischen Fahrradhelm vor, schließlich bleibt der gesamte Kopf frei. Nichts drückt auf Ohr oder Kopf und der Fahrtwind streicht angenehm durch das Haar. Auch Damen und Herren, die Wert auf ihre Frisur legen, könnten auf die Lösung von Hövding schielen. Schließlich wird sie nicht von einem Helm plattgedrückt.
Die Hövding App
Der Hövding 3 verbindet sich auf Wunsch mit einer Smartphone-App. Diese verlangt zunächst eine Registrierung, dann die Verbindung über Bluetooth mit dem Hövding 3. Das klappt im Test auf Anhieb. Die sinnvollste Funktion der App ist die Notfallbenachrichtigung. Nach der Erlaubnis des Zugriffs auf den Standort und der Angabe eines Notfallkontakts schickt die App beim Auslösen des Airbags eine SMS an den hinterlegten Kontakt.
In ihr steht der Name des Verunfallten, die Adresse des Unfallorts und ein Link zu Google Maps. Daneben zeigt die App unter anderem weniger spannende Informationen wie die Anzahl der Fahrten, die zurückgelegte Distanz, die benötigte Zeit und die CO2-Ersparnis im Vergleich zur Fahrt in einem Auto.
Wann löst der Hövding aus?
Um zu testen, wann der Hövding 3 auslöst, fahren wir einen anspruchsvollen Wald-Trail mit dem spaßigen E-Mountainbike Laotie FT100 (Testbericht). Wir wollen vor allem den Zeitpunkt definieren, wann der Hövding 3 auslöst. Kann man ihn auch auf Trails und Abfahrten nutzen? Oder ist er doch eher für das gemütliche Cruisen durch die Stadt?
Grundsätzlich sollte man beim Hövding darauf achten, dass die magnetische Sicherheitslasche vor dem Absteigen vom Fahrrad gelöst wird. Ansonsten soll es wohl öfter mal vorkommen, dass der Fahrrad-Airbag versehentlich auslöst, obwohl man gar nicht mehr Fahrrad fährt.
Zunächst fahren wir bestimmt 15 Minuten lang über Stock, Stein, Wurzel und Schlagloch. Alles kein Problem. Der Helm scheint genau zu wissen, welche auch heftigere Bewegungen zum Ausgleich der wilden Fahrt gehören. Mit dabei sind auch krassere Seitlagen und schnelle Balance-Bewegungen.
Doch dann ist es soweit: Das Vorderrad verhakt sich in einem Loch, wir geraten in Vorlage. Der Hövding 3 erkennt sofort eine kritische Situation und löst die Gaskartusche aus. Mit einem lauten Knall pumpt sich der Fahrrad-Airbag innerhalb einer zehntel Sekunde auf und stülpt sich vom Hals über den gesamten Kopf. Dabei füllt sich auch die Halskrause mit Gas und stabilisiert die Nackenpartie. Das ist für den Fahrer vielleicht sicher, aber nicht gerade angenehm. Wir müssen schnell den Reißverschluss lösen, weil wir kaum noch Luft bekommen.
Auch wenn der Hövding 3 alles richtig gemacht hat: Etwas erstaunt sind wir dennoch. Schließlich waren wir gerade dabei, vom Fahrrad zu springen und mit den Füßen auf dem Waldboden zu landen. Im Grunde bestand keine Gefahr für den Kopf, doch das weiß der Hövding 3 natürlich nicht. Er agierte in dem Fall nach dem Prinzip: Lieber einmal zu viel, als einmal zu wenig ausgelöst.
Für wen ist der Hövding geeignet?
Wer anspruchsvolle Trails und Abfahrten mit seinem (E-)Mountainbike entlang heizt, wird am Hövding 3 nicht lange Freude haben. Schließlich kommt es doch ab und an mal vor, dass der Fahrer vom Fahrrad fällt, der Airbag auslöst, aber er sich eigentlich problemlos noch hätte abfangen können. Solche Fahrer wünschten sich in dem Moment, doch eher auf einen konventionellen Helm gesetzt zu haben.
Wer jedoch auf der gemütlichen Kaffeefahrt mit dem Fahrrad den Wind in den Haaren spüren, oder wer morgendlich auf dem Fahrradweg zur Arbeit seine Frisur nicht mit einem Helm versauen will, für den ist der Hövding 3 eine Alternative.
Der ADAC bescheinigt dem Hövding 3 in den meisten Situationen einen besseren Schutz, als es konventionelle Helme bieten können. Doch nicht in allen Situationen. So löst der Hövding 3 etwa nicht aus, wenn ein Fahrradfahrer mit dem Kopf gegen den Seitenspiegel eines LKWs knallt.
Preis und Verfügbarkeit
Der Hövding 3 kostet im Abverkauf bei Ebay 250 Euro. Neue Modelle werden nicht produziert. Er kann nach dem Auslösen nicht wiederverwendet werden.
Konkurs von Hövding
Im Dezember 2023 meldete Hövding Konkurs an. Auslöser war ein Erlass für ein Verkaufsverbot der schwedischen Verbraucherschutzbehörde wegen Sicherheitsmängeln. Zwar klagte Hövding dagegen und bekam Recht, doch der erlittene Schaden war zu hoch. Der Verkaufspreis liegt seit dem Konkurs bei 250 Euro (Ebay). Viele Geräte scheint es im Abverkauf nicht mehr zu geben. Ein Austauschprogramm gibt es nicht mehr.
Vor- und Nachteile des Hövding
Der Hövding bietet einige Vorteile gegenüber herkömmlichen Fahrradhelmen, hat aber auch Nachteile:
- Vorteile:
- Besserer Schutz für Kopf und Nacken in vielen Unfallsituationen
- Keine Beeinträchtigung der Frisur
- Angenehmer Tragekomfort (kein Druck auf Kopf und Ohren)
- Notfallbenachrichtigung per App
- Nachteile:
- Hoher Preis
- Nicht in allen Unfallsituationen optimaler Schutz
- Kann bei Fehlauslösung nicht wiederverwendet werden
- Eingeschränkter Tragekomfort bei hohen Temperaturen
- Abhängigkeit von Akkuladung
ADAC Testergebnisse
Der Hövding 3 wurde im Rahmen des großen ADAC Fahrradhelm-Tests außer Konkurrenz getestet und erhält daher kein ADAC Urteil. Aber einige Erkenntnisse haben die Tester gewonnen.
- Ein spannendes Produkt mit einer sehr hohen Schutzfunktion vor Kopfverletzungen, wenn er sich voll entfaltet hat.
- Der Airbag-Kragen lässt sich auf den Halsumfang des Trägers einstellen.
- Man kann den Bezug wechseln.
- Der Akkustand wird per LED angezeigt.
- Eine App ist verfügbar.
Als größte Schwäche sehen die Tester, dass der Airbag-Kragen bauartbedingt nicht in jeder Unfallsituation schützen kann. Dazu kommt der im Vergleich zu Helmen eingeschränkte Tragekomfort.
Zusammenfassung der Vor- und Nachteile
| Vorteile | Nachteile |
|---|---|
| Besserer Schutz als herkömmliche Helme (laut Tests) | Hoher Preis |
| Keine Beeinträchtigung der Frisur | Nicht für alle Unfallszenarien geeignet |
| Komfortabler als Helme (kein Druck auf den Kopf) | Einmaliger Gebrauch nach Auslösung |
| App-Funktionen (Notfallbenachrichtigung) | Erfordert Aufladen des Akkus |
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