Fahrradhelm mit MIPS: Vor- und Nachteile

Im Jahr 2007 hat ein schwedisches Unternehmen die Helm-Industrie aufgerüttelt. Damals brachte der Hersteller den ersten mit MIPS (Multi-directional Impact Protection System) ausgestatteten Fahrradhelm auf den Markt. MIPS steht für Multi-Directional Impact Protection System und bedeutet, dass dein Gehirn bei einem Schrägaufprall (multi-directional impact) besser geschützt ist.

Was ist MIPS?

MIPS bedeutet Multi-Directional Impact Protection System. Entwickelt wurde es von schwedischen Ingenieuren und Medizinern, um den Kopf vor Rotationskräften zu schützen, die bei schrägen Aufprallszenarien auftreten.Dieses System verwendet eine "Low Friction"-Schicht zwischen der Außenschale und dem weichen Innenschuh. Wissenschaftlern zufolge wird dadurch ein großer Teil der Rotationskräfte absorbiert, was das Risiko von Hirnschäden verringert.

Die MIPS-Technologie sorgt für mehr Sicherheit bei Ihrem Radfahrabenteuer. Dieses System verwendet eine "Low Friction"-Schicht zwischen der Außenschale und dem weichen Innenschuh. Wissenschaftlern zufolge wird dadurch ein großer Teil der Rotationskräfte absorbiert, was das Risiko von Hirnschäden verringert.

Ein Team aus Medizinern und Technikern haben MIPS entwickelt und lizenziert diese Technologie an interessierte Hersteller von Helmen. Die typisch gelbe Schale ist heute aus Fahrradhelmen kaum mehr wegzudenken und wird von einer Vielzahl von Herstellern eingesetzt. Im Jahr 2024 haben die meisten Fahrradhelm-Hersteller Helme mit Mips-Technologie.

Wie funktioniert MIPS?

Mips sorgt dafür, dass die Rotationskräfte bei einem Schrägaufprall abgefangen bzw. Herkömmliche Helme ohne Mips schützen nur bei linearen Aufprällen - also wenn der Kopf direkt und gerade auf den Boden trifft. Da dies in der Praxis selten vorkommt, bietet die Mips-Technologie zusätzlichen Schutz.

Um zu verstehen, wie Mips funktioniert, ist es wichtig, die Physik hinter Rotationskräften zu beleuchten. Lineare Kräfte: Diese treten auf, wenn der Aufprall direkt von oben kommt, z.B. wenn der Kopf senkrecht auf den Boden trifft. Die Schutzwirkung traditioneller Helme konzentriert sich auf die Absorption dieser linearen Kräfte, indem sie die Energie des Aufpralls über eine harte Außenschale und eine energieabsorbierende Innenschicht (oft aus EPS-Schaum) verteilen.

Rotationskräfte: Diese treten auf, wenn der Aufprall in einem schrägen Winkel erfolgt, wodurch der Kopf eine Drehbewegung vollführt. Um genug Aufprallschutz bieten zu können, muss die harte und schützende Schale eines Fahrradhelms jedoch starr und robust sein, und kann so die Rotationsbewegungen nicht abfedern.

Hierfür soll die reibungsarme MIPS-Schale ein zum Kopf versetztes Gleiten des Helms ermöglichen. So wird Rotations- in Translationsenergie umgewandelt. Wie bei einem Sturz auf Eis kann sich der Kopf so in der ursprünglichen Richtung weiterbewegen.

Es bewirkt, dass die Polster im Helm sich 10 bis 15 mm in alle Richtungen bewegen können. Es ist selten, dass du bei einem Sturz mit dem Fahrrad senkrecht auf den Boden fällst. Die Realität ist eher, dass es dich auf die Seite schlägt und du dabei am Ende mit dem Kopf auf den Boden knallst. Dabei entsteht eine Rotationsbewegung, die dein Gehirn praktisch „dreht“. Und das ist sehr gefährlich.

Ein innovatives Upgrade der Mips-Technologie ist das Mips Spherical-System, das von der Marke Giro verwendet wird. Bei dieser Variante besteht der Helm aus zwei getrennten Schalen, die gegeneinander beweglich sind. Das bedeutet, dass bei einem Aufprall nicht nur eine einzige Schicht verschoben wird, sondern zwei Schalen miteinander rotieren können. Diese Weiterentwicklung bringt einen zusätzlichen Vorteil: Die Schutzwirkung des Helms bleibt bestehen, ohne den Tragekomfort zu beeinträchtigen.

Die heutzutage üblichen Helme aus EPS-Schaum ermöglichen diesen Schutz, indem das Material sich bei einem Sturz komprimieren lässt und durch diesen Vorgang die Stoßenergie aufnehmen.

Ein gelbes stabiles Gerüst aus Kunststoff sorgt für den extra Schutz von MIPS-Fahrradhelmen. Es ist eine gleitende Schale und liegt eingebettet im Inneren der Helmkonstruktion. Zusätzlich sind Helme mit MIPS-Technologie an dem kleinen gelben MIPS-Logo an der hinteren Außenseite der Helme zu erkennen. Das gelbe Gestell sorgt durch seine gebundene Konstruktion für die Absorption von Rotations- und statischen Kräften. Bei der Konstruktion dieses Gitters war das menschliche Gehirn selbst das Vorbild. Zwischen Gehirn und Schädelknochen gibt es eine Flüssigkeit, welche das Gehirn bei Aufschlägen schützt, in dem es sich minimal bewegt (10 bis 15 mm). Somit geht die Stoßkraft des Aufpralls nicht auf das Gehirn über.

Im Vergleich zu Fahrradhelmen ohne MIPS-Technologie schützen MIPS-Helme nicht nur vor linearen Krafteinflüssen, sondern auch vor Rotationskräften. Das macht sie im Vergleich zu herkömmlichen Helmen wesentlich sicherer.

Alternativen zu MIPS

Inzwischen gibt es zahlreiche Ausführungen des MIPS-Systems - und auch einige Hersteller, die ihr eigenes Rotations-System entwickelt haben. 100% nennt sein System Smartshock, Leatt verbaut seine so genannten 360° Turbine Technology in den Helmen und Kali setzt auf den Low Density Layer. Auch Bontrager und POC haben jeweils ein eigenes Schutzystem im Programm - WaveCel und SPIN.

MIPS im Test

Unser Test beweist eindeutig: MIPS funktionert. Den anderen Systemen können wir hingegen nur eine teilweise oder in einem Fall gar keine zusätzliche Schutzfunktion zuweisen.

Wie gut die gelbe Gleit-Schale funktioniert, zeigt zum Beispiel der Trail Blazer MIPS von Sweet Protection, der leider in unserem Vergleichstest keinen Platz mehr gefunden hat. Er reduziert die Wahrscheinlichkeit einer Gehirnerschütterung auf gerade einmal fünf Prozent. Zum Vergleich: beim schlechtesten Modell im Test liegt die Wahrscheinlichkeit bei 50 Prozent. Und auch bei der Beschleunigung erzielt der Sweet Protection einen guten Restwert von 102,8 g.

Laut unseren Testergebnissen verringert MIPS die Wahrscheinlichkeit einer mittleren Gehirnerschütterung im Schnitt um 50 .

Wo wird MIPS eingesetzt?

Obwohl Mips ursprünglich für Fahrrad- und Skihelme entwickelt wurde, findet die Technologie zunehmend auch in anderen Helmbereichen Anwendung. So brachte die Marke Mammut 2018 den ersten Kletterhelm mit Mips auf den Markt. Die Technologie ist nicht nur ein Standard bei dynamischen Sportarten, sondern wird auch in immer mehr Produkten in sicherheitskritischen Bereichen eingesetzt.

Mips wird vor allem in Fahrradhelmen und Skihelmen verwendet. Die Mips Helme werden dabei in verschiedensten Bereichen und Sportarten eingesetzt, zum Beispiel auch im Arbeitsschutz.

Für wen eignen sich MIPS-Helme?

Für Sportler, die häufig Aktivitäten mit hohem Risiko von Stürzen ausüben - wie etwa Mountainbiking, Skifahren oder Klettern - kann ein Helm mit MIPS-Technologie einen entscheidenden Unterschied in Sachen Sicherheit ausmachen.

Generell sind MIPS-Fahrradhelme für alle Radsport-Disziplinen und Einsatzzwecke geeignet. Besonders allen Radfahrern denen ein umfangreicher Schutz wichtig ist, können mit der MIPS-Technologie für ein Plus an Sicherheit sorgen. Ganz besonders aber sind Fahrradhelme mit MIPS-System für den Radsport-Bereich zu empfehlen.

  • Mountainbike
  • Rennrad
  • Gravelbike
  • Cyclocross
  • Fitness Bikes
  • Trekking
  • E-Bikes

Im Prinzip sind MIPS-Fahrradhelme für alle Radler und Biker geeignet, die sehr oft im Sattel sitzen und schnell unterwegs sind. Denn genau unter diesen Aspekten steigt die Unfallgefahr. Vor allem Offroad, also fernab von befestigten Wegen gibt es viele Gefahren für Fahrradfahrer. Ein MTB-Helm mit MIPS ist hier ratsam. Aber auch wenn du dich oft in urbanen Gebieten auf deinem Fahrrad bewegst, macht ein Helm mit MIPS-Technologie Sinn. Denn in der Stadt passieren statistisch die meisten Fahrradunfälle.

Vorteile von MIPS

  • Erhöhter Schutz: MIPS-Helme schützen speziell vor Rotationskräften, die bei schrägen Aufprallszenarien auftreten.
  • Einfache Integration: Es ist ein großer Vorteil von Mips, dass es einfach in bereits vorhandene Helme eingefügt werden kann.

Nachteile von MIPS

  • Kontroverse Diskussion: Diese Technologie wird nach wie vor kontrovers diskutiert. Bisher gibt es nur sehr wenig gute wissenschaftliche Studien dazu, bei denen eine gewisse Objektivität feststellbar ist.

Kann man MIPS nachrüsten?

Aktuell ist es nicht möglich die MIPS-Technologie nachträglich in andere Helme nachzurüsten. Es gibt allerdings mittlerweile eine sehr große Auswahl verschiedener MIPS-Helme. Da ein Fahrradhelm auch ohne einen Sturz, regelmäßig ausgewechselt werden sollte, kannst du diese Gelegenheit nutzen, um dich für einen MIPS-Fahrradhelm zu entscheiden.

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