Fahrradhelm-Test: Nicht klobig, sicher und stilvoll unterwegs

Rennradfahren ist und bleibt im Trend - und das wird auch so bleiben, wenn man sich aktuelle Verkaufsdaten und die sozialen Medien ansieht. Tatsächlich eignet sich speziell Rennradfahren wunderbar, um die Fitness zu verbessern. Als netten Nebeneffekt kann man auf dem Rennrad das Dahingleiten bei hohen Geschwindigkeiten genießen und auf längeren Touren schöne Landschaften erkunden. Gerade auf hügeligem und bergigen Terrain trifft man immer mehr Rennradler, die sich neue Herausforderungen suchen und ihre eigene kleine Tour de France bestreiten. Dass die Sicherheit dabei nicht zu kurz kommen sollte, versteht sich von selbst.

Hand aufs Herz: Viele Radfahrer:innen in Deutschland verzichten auf den Fahrradhelm - zu klobig, zu uncool, passt nicht zur Kopfform. Doch Fakt ist: Ohne Kopfschutz steigt das Verletzungsrisiko enorm, und gerade schwere Kopfverletzungen lassen sich mit Helm deutlich reduzieren. Auch wenn es (noch) keine Helmpflicht gibt, lohnt sich der Griff zum richtigen Modell.

Anforderungen an moderne Rennradhelme

Rennradhelme müssen natürlich in erster Linie Sicherheit bieten, auch bei hohen Geschwindigkeiten. Rennradler haben allerdings noch weitere, ganz spezielle Anforderungen an ihren Helm. Für optimale Performance soll der Rennradhelm möglichst leicht und aerodynamisch sein. Dabei soll aber auch die Belüftung nicht zu kurz kommen, denn gerade auf dem Rennrad kommt man ordentlich ins Schwitzen.

Zu viele Luftkanäle können allerdings die Aerodynamik negativ beeinflussen, weshalb es hier auf eine gute Balance ankommt. Rennradhelme kommen meist ohne Visier aus - wobei es spezielle Zeitfahrhelme gibt, die ein Visier haben und besonders aerodynamisch geschnitten sind.

Sicherheitsmerkmale und Technologien

Alle Fahrradhelme, die auf dem europäischen Markt vertrieben werden, müssen ein CE-Prüfzeichen vorweisen und einer DIN-Sicherheitsnorm entsprechen. Das heißt aber noch nicht, dass jeder Helm wirklich sicher ist. Für die Erfüllung der Sicherheitsnorm werden Helme nämlich nicht zwangsläufig bei hohen Geschwindigkeiten getestet, die man auf dem Rennrad ja durchaus erreicht. Wer sich daher besonders für das Thema Sicherheit interessiert, sollte sich die Listung des Virginia Tech Insitute anschauen. Die wird von vielen Experten als eine Art »Goldstandard« angesehen.

Immer mehr Helme tragen außerdem den Zusatz »Mips« im Namen. Mips ist ein eigenes Unternehmen und steht für »Multi-Directional Impact Protection System« - ein spezielles Schutzsystem also, mit dem mittlerweile Helme vieler Hersteller ausgestattet werden. Die Idee ist, den Fahrer gerade bei einem schrägen Aufprall besser zu schützen. Dafür wird eine zusätzliche Schale in den Helm eingesetzt. Manche Hersteller haben aber auch ihre eigenen Sicherheitssysteme entwickelt. Beispiele dafür sind »KinetiCore« des belgischen Herstellers Lazer oder »WaveCel«, das man bei Helmen der Marken Trek und Bontrager findet.

Die richtige Größe und Passform finden

Leider gibt es keine absolut einheitlichen Rennradhelm-Größen. Wem bei einem Hersteller M passt, benötigt bei einem anderen vielleicht L. Daher sollte man beim Kauf nicht nur auf die Angaben von XS bis XL achten, sondern immer auch die zugehörigen Zentimeterangaben anschauen. Um den eigenen Kopfumfang herauszufinden, setzt man das Maßband etwas überhalb der Ohren an.

Natürlich passt nicht jeder Rennradhelm zu jeder Kopfform - selbst wenn man die korrekte Größe gefunden hat. Hat man schließlich einen Rennradhelm gefunden, der zum Kopfumfang passt und nirgends drückt, sollte man dennoch die Einstellungsmöglichkeiten nutzen, die viele Helme bieten, damit er wirklich perfekt sitzt. In aller Regel kann man Helme mittels Schnallen oder Drehrad am Hinterkopf etwas weiter oder enger machen, bis sie den Kopf sicher umschließen, ohne dabei unangenehm zu drücken.

Ist das der Fall, schließt man die Gurtbänder so ums Kinn, dass sie straff anliegen, aber nicht einschneiden. Im Idealfall befindet sich die Kante des Rennradhelms einen guten Finger breit über den Augenbrauen, damit auch die Stirn ausreichend geschützt ist. Dann sollte der Rennradhelm - und auch jeder andere Fahrradhelm - so sitzen, dass man problemlos eine mehrstündige Ausfahrt meistern kann, ohne dass sich Druckstellen bilden. Denn mit Fahrradhelmen ist es genauso wie mit Kleidungsstücken: Wenn sie nicht bequem und komfortabel sitzen, zieht man sie nicht an.

Testberichte und Empfehlungen

Damit auch ihr Kopf ganz leicht seinen »Deckel« findet, haben wir 23 Rennradhelme getestet.

Julbo Fast Lane

Dass ein schön ausgestatteter Rennradhelm nicht allzu viel kosten muss, beweist Julbo mit dem Fast Lane. Im Test verhielt es sich mit ihm wie mit dem Wolf im Schafspelz. Julbo präsentiert mit dem Fast Lane einen fair bepreisten Rennradhelm, der mit einer ausgezeichneten Belüftung, einem vergleichsweise leichten Gewicht und weiteren durchdachten Features wie einem Fidlock-Magnetverschluss punkten kann. So ist die Verwendung eines Fidlock-Magnetverschlusses in dieser Preisklasse nicht selbstverständlich. Hat man den Bogen einmal raus, möchte man Fidlock am Helm nicht mehr missen, es vereinfacht das Handling ungemein. Das werden alle bestätigen, die mal versucht haben, eine Standard-Schnalle mit nur einer Hand zu schließen.

Die angenehme Polsterung bietet einen hohen Tragekomfort. Dazu kann man die Größenverstellung sehr fein justieren, sodass garantiert nichts zwickt oder einengt. Der Fast Lane kein Mips - wir wollen ihm das jedoch nicht allzu sehr ankreiden. Der Fast Lane hat andere Vorteile: Der Unisex-Helm lässt sich auch von Pferdeschwanz-Trägerinnen (und -Trägern!) nutzen. Gut gefallen haben uns auch die unkompliziert in der Höhe per Klapp-Schnalle justierbaren Seitenriemen und die gute Belüftung. Außerdem ist der Helm in sechs verschiedenen Farben erhältlich, passend zu jedem Radoutfit.

Scott Cadence Plus

Der Scott überzeugt besonders durch seinen geringen Luftwiderstand. Meint man es ernst mit den neuen Bestzeiten und ist auch die Aerodynamik von gesteigerter Bedeutung, ist der Scott Cadence Plus einen genaueren Blick wert. Der Scott Cadence Plus bietet alles, was einen modernen, zeitgemäßen Rennradhelm ausmacht. Der Helm sitzt wie angegossen. Das ist bei einer etwas »eigenwilligen« Kopfform nicht selbstverständlich. Es ist also davon auszugehen, dass der in S, M und L erhältliche Helm bei etwas »homogener« geformten Köpfen umso besser sitzt.

Dank der recht großzügigen Innenweite eignet sich der Helm auch für größere Köpfe, das Einstellsystem und der Magnetverschluss am Kinn sind einfach zu handhaben. Der Helm ist zwar nicht ganz so »luftig« wie andere - das ist aber typisch für einen auf Aerodynamik getrimmten Helm. Unnötige Wirbel, die den cw-Wert verschlechtern könnten, sollten vermieden werden. Dafür ist die herausnehmbare, waschbare Polsterung umso besser, der Helm sitzt auch auf langen Ausfahrten bequem. Was die Bedienelemente angeht, ist der Helm auf schnelle, hektische Zugriffe ausgelegt, wie sie im Renneinsatz typisch sind. Ein Ass hat der Scott Cadence Plus noch im Ärmel - oder besser gesagt im Lüftungsschlitz: ein abnehmbares Rücklicht. Es ist ordentlich hell und lässt sich in verschiedenen Modi betreiben.

Rudy Project Skudo

Der Rudy Project Skudo wendet sich an alle, die nicht gleich ein Vermögen für einen Helm ausgeben und diesen möglichst breit gefächert einsetzen wollen. Mit dem Skudo hat Rudy Project ein gelungenes Allround-Talent im Sortiment. Im Test nehmen wir den Helm dann auch auf eine herausfordernde Graveltour über rund 350 Kilometer mit und testen ihn auf Herz und Nieren.

Dabei ist der Skudo angenehm belüftet, sitzt ausgezeichnet und ist mit einem einfach bedienbaren Verstellsystem ausgestattet. Die Belüftung des in Größe L getesteten Helms ist ausgezeichnet, ebenso die Polsterung. Der italienische Hersteller kombiniert diese mit einem integrierten Insektennetz, das das Eindringen lästiger Begleiter verhindert. Das Einstellsystem ist höhenverstellbar und recht filigran, drückt damit aber das Gewicht und ist gut bedienbar. Nicht zuletzt hat uns das dezente, italienische Design gefallen. Zwar gibt es den Helm auch in auffälligeren Farben, im von uns getesteten »teal shiny« hat der Helm jedoch einen angenehm zurückhaltenden Farbton.

Uvex Surge Aero Mips

Uvex hat mit dem Surge Aero Mips einen auf Geschwindigkeit getrimmten Rennradhelm mit abnehmbarem Aero-Cover auf den Markt gebracht, der durch einen klassischen Look und einen hohen Tragekomfort überzeugt. Der Uvex Surge Aero Mips richtet sich an ambitionierte Fortgeschrittene und (Halb-)Profis - das macht schon die UVP von knapp 250 Euro klar. Apropos windschnittig: Uvex hat den Aero Mips mit einem Helmcover versehen, das sich mit wenigen Handgriffen abnehmen lässt. Der Helm wird so im Nu zu einem 306 Gramm schweren, gut belüfteten Rennrad-Allrounder für heißere Tage.

Das 3D-IAS-Pro-System sorgt dabei für eine schnelle, unkomplizierte Größenanpassung. Nach unserem Rennen können wir sagen: Wir haben uns sicher und wohl gefühlt! Der Helm macht einen überaus soliden und dabei noch angenehm unprätentiösen Eindruck. Positiv hervorzuheben ist zudem die kratzunempfindliche, matte Helmoberfläche. Zudem sitzt der Rennradhelm bequem auf dem Kopf und lässt sich einfach einstellen. Die Reflektoren am Heck sorgen für zusätzliche Sicherheit.

Giro Isode Mips

Der Giro Isode Mips ist günstig, macht aber trotzdem eine gute Figur im Hinblick auf Sicherheit, denn der Isode Mips ist, wie der Name bereits verrät, mit der Mips-Sicherheitstechnologie ausgestattet. Außerdem sitzt der Unisize-Helm bequem auf dem Kopf und lässt sich einfach an die Kopfgröße anpassen. Der Isode kommt in Universal-Fit-Größe und trug sich im Test so angenehm, dass wir gleich einen Langzeittest daraus gemacht und den Helm über viele tausend Kilometer getragen haben. Für ein einfaches Anpassen an die Kopfform ist er mit Giros praktischem Roc-Loc-Sport-System ausgestattet.

Im Vergleich zu den höherpreisigen Modellen der Marke Lazer, Specialized oder POC wirkt der Giro Isode Mips durchschnittlich in seiner Verarbeitung, auch sind die Riemen unterhalb des Ohrs nicht verstellbar. Für Freizeit-Rennradfahrende, die neben dem Rennrad auch andere Radtypen nutzen, ist der Giro Isode Mips jedoch eine gute Alternative und kann hauptsächlich mit einem attraktiven Preis aufwarten.

Van Rysel RCR-R 900 Mips

Die Hausmarke von Decathlon, Van Rysel, präsentiert mit dem RCR-R 900 Mips einen attraktiven Rennradhelm, der in der Preisklasse unter 100 Euro einen beeindruckenden Benchmark setzt. Er punktet nicht nur mit einem aerodynamischen Design, sondern auch mit einem ausgezeichneten Sitz und einem angenehmen Tragegefühl. Der Helm richtet sich an Rennrad-Einsteiger als auch Fortgeschrittene, die einen Helm suchen, der sozusagen mit ihren Fähigkeiten mitwächst. Egal, ob man ihn nur auf Feierabendrunden mit den Rennrad-Kumpels einsetzt oder schon erste Rennen plant - der RCR-R 900 Mips macht alles mit. Mit seinen 320 Gramm Eigengewicht ist er dabei auch noch nicht allzu schwer.

Weitere Empfehlungen

Neben den genannten Modellen gibt es noch weitere empfehlenswerte Helme auf dem Markt:

  • Sweet Protection Falconer Aero 2 Vi Mips: Futuristischer Look, umfassende Ausstattung, hoher Komfort.
  • Oakley Aro5 Race I.C.E. Mips: Detailverliebte Ausstattung, höhenverstellbares Anpassungssystem, twICEme-Sicherheitssystem.
  • POC Omne Air MIPS: Minimalistisches Design, hoher Rundumschutz mit MIPS-Technologie.
  • Uvex Urban Planet LED: Integriertes LED-Rücklicht, nachhaltige Produktion, Testsieger Stiftung Warentest.
  • Alpina Gent Mips: Sportlich-aktiver Helm für Pendler:innen und Radler:innen in der Stadt.

Fazit

Die Wahl des richtigen Fahrradhelms hängt von verschiedenen Faktoren ab, darunter der Einsatzzweck, die individuellen Anforderungen an Komfort und Sicherheit sowie das Budget. Moderne Fahrradhelme bieten jedoch längst nicht mehr nur Schutz, sondern überzeugen auch mit einem ansprechenden Design und praktischen Features.

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