Fahrradfahren erfreut sich weiterhin großer Beliebtheit bei der Bevölkerung. Auch wenn es in Deutschland noch keine Helmpflicht für Radfahrer gibt, appelliert nicht nur die Polizei dazu, den Helm zu tragen, sondern auch prominente Personen wie die „Ehrlich Brothers“.
Immer wieder kommt es zu Verkehrsunfällen mit Beteiligung von Radfahrenden mit schweren bis hin zu lebensgefährlichen Kopfverletzungen, oft mit gravierenden und langfristigen Folgen für Gesundheit, Beruf und Freizeit. Viele dieser ernsthaften Kopfverletzungen, so sind sich Experten aus Gesundheit und Wissenschaft sicher, hätten mutmaßlich durch das Tragen eines Helmes verhindert werden können.
Weitestgehend unstrittig ist hingegen, dass Fahrradhelme je nach Unfallart das Verletzungsrisiko des Kopfes deutlich verringern können. Zu diesem Ergebnis kam auch eine kürzlich vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e. V. (GDV) in Auftrag gegebene und von der der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) in München durchgeführte Studie.
Darin wurden 543 Unfälle mit verletzten Radfahrern aus den Jahren 2012 und 2013 detailliert untersucht. Darüber hinaus wurde die Verkehrsopferdatenbank der LMU genutzt. Die Studie gibt Auskunft über die häufigsten Unfallarten sowie über die jeweilige Verletzungsarten und deren Schwere bei Radfahrern.
Typische Unfallabläufe waren: Alleinunfall mit Sturz auf die Seite oder über den Lenker und bei schweren Kollisionen mit Pkw der seitliche Anstoß mit Kopfanprall gegen die Frontscheibe. Kollisionen mit Fahrzeugen führen häufig zu schweren Kopfverletzungen. Darüber hinaus treten schwere Kopfverletzungen überproportional häufig bei älteren Radfahrern auf.
Bei den getöteten Radfahrern war die Todesursache in 50 % der Fälle ein Schädel-Hirn-Trauma, die Helmtragequote lag nur bei 5 %. Nach den aktuellen Zahlen der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) aus dem Jahr 2022 tragen 40,3 Prozent aller Radfahrer und -fahrerinnen einen Fahrradhelm.
Große Unterschiede herrschen hierbei zwischen den konventionellen Radfahrenden mit gerade einmal 34 Prozent und den Pedelec-Fahrern und -Fahrerinnen mit 60,1 Prozent. Denn gerade das Tragen eines Schutzhelms kann bei einem Sturz lebensbedrohliche Kopfverletzungen stark abmildern oder sogar vermeiden.
Normung von Fahrradhelmen
Aber nicht jeder Helm ist auch der richtige Helm. Für Fahrradhelme gibt es in Europa eine anerkannte DIN-Norm EN 1078 (CE). Helme mit dieser Norm erfüllen alle grundlegenden Sicherheitsanforderungen. Die spezifischen Anforderungen an Fahrradhelme sind in den harmonisierten Normen DIN EN 1078 „Helme für Radfahrer und für Benutzer von Skateboards und Rollschuhen“ sowie in der DIN EN 1080 „Stoßschutzhelme für Kleinkinder“ festgelegt.
Beide Normen lösen die Vermutungswirkung entsprechend der Richtlinie 89/686/EWG aus. Sie enthalten u. a. Anforderungen an Werkstoffe, Konstruktion, Stoßdämpfungsvermögen, Haltbarkeit und die Trageeinrichtung. Darüber hinaus sind die entsprechenden Prüfverfahren festgelegt.
Auf Basis der Studienergebnisse haben die Autoren der Studie die in der DIN EN 1078 enthaltenen Anforderungen mit den Auswirkungen des realen Unfallgeschehens verglichen. Hierbei wurden insbesondere die Anprallorte am Kopf sowie die Aufprallgeschwindigkeiten untersucht. Es hat sich gezeigt, dass vor allem im Schläfenbereich, mit über 30 % der Anpralle, die derzeitige Norm nur unzureichend ist. Das Verletzungsrisiko beim Tragen eines Helmes sinkt hier nur um wenige Prozent gegenüber Unfällen ohne Helm.
Zum Vergleich: beim Stirnanprall sinkt das Verletzungsrisiko um 90 %, wenn ein Helm getragen wird. Hier sind die Anforderungen der Norm als ausreichend anzusehen.
ADAC Fahrradhelm-Test
Der ADAC hat gemeinsam mit der Stiftung Warentest elf City- und Urban-Fahrradhelme sowie drei S-Pedelec-Helme in den Kategorien Sicherheit, Komfort, Handhabung und Schadstoffgehalt getestet. Mit Ausnahme des Testverlierers erzielten alle Produkte erfreulicherweise eine ausreichende Schutzwirkung bei einem Stoß gegen den Fahrradhelm. Den besten Unfallschutz im Vergleich bot der Testsieger von Uvex.
Im Vergleich mit den herkömmlichen Fahrradhelmen stellte sich allerdings heraus, dass die drei S-Pedelec-Helme keinen besseren Unfallschutz bieten als die City- und Urban-Helme im Test. Selbst wenn die S-Pedelec-Modelle mit den Stoßdämpfungskriterien der normalen Helme getestet werden, erreichen sie nur einen Platz im Mittelfeld. Speziell im Bereich der Schläfe schneidet sogar der herkömmliche Helm von Abus besser ab als der hochpreisige S-Pedelec-Helm.
Hier ist eine Tabelle mit einigen Ergebnissen des ADAC-Tests:
| Hersteller/Modell | Mittlerer Preis in Euro | ADAC Urteil |
|---|---|---|
| Uvex Urban Planet LED | 130 | 2,0 |
| Alpina Gent MIPS | 130 | 2,2 |
| Limar Torino | 90 | 2,2 |
| Lazer Codax KinetiCore | 165 | 2,6 |
| Lidl Crivit - Fahrradhelm mit Rücklicht | 15 | 2,6 |
Tipps für den Kauf und die Nutzung von Fahrradhelmen
- Passform: Da sich jede Kopfform individuell darstellt, ist es empfehlenswert, den Helm vor dem Kauf anzuprobieren. Ein zu kleiner oder zu großer Helm sitzt nicht richtig und kann nicht schützen.
- Einstellung: Die Anpassungen am Kopf müssen einfach, gut und sicher durchgeführt werden können. Der Kinnriemen sollte relativ eng eingestellt werden, damit der Helm nicht verrutscht.
- Sichtbarkeit: Um eine möglichst gute Sichtbarkeit zu gewährleisten, sollte der Helm mit einer LED-Beleuchtung ausgestattet sein. Wer im Straßenverkehr darauf achtet, wird schnell feststellen, dass Radfahrer mit Radhelm nicht so leicht übersehen werden, wie Radler ohne Helm.
- Austausch: Helme sollten nach 3-4 Jahren ausgetauscht werden, da das Material nach einiger Zeit durch Umwelteinflüsse spröde und brüchig wird. Ebenso muss der Helm nach einem Unfall oder nach einem Sturz aus großer Höhe zwingend ausgetauscht werden.
Kinder sollten Sie für Ihre Altersklasse geeignete Helme kaufen. Damit Ihre Kinder die Helme auch tragen, sollten sie diese auch nach Ihren optischen Wünschen kaufen.
Die Pflege des Helmes entscheidet über die Dauer der Einsatzfähigkeit. Durch regelmäßige Pflege und Reinigung, trockene Lagerung sowie der Schutz vor äußeren Einwirkungen kann der Helm über längere Zeit genutzt werden.
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