Abrupt im Nichts endende Radwege, dicht fließender Verkehr, wenig umsichtige Automobilisten oder ein schlechter Straßenbelag: Faktoren, die das Radfahren in der Stadt immer wieder durchaus zu einer Herausforderung machen, das Sturzrisiko selbst für routinierte Fahrer erhöhen können.
Fahrradhelme können schwere Kopfverletzungen verhindern und Leben retten. Laut Bundesverkehrsministerium ist ein guter Fahrradhelm dazu in der Lage, bis zu zwei Drittel der Energie zu absorbieren, die bei einem Sturz ohne Helm auf den Kopf einwirken würde. Ein Fahrradhelm kann ebenfalls dazu beitragen, dass ein Radler im Straßenverkehr besser gesehen wird. Zudem bieten viele Fahrradhelme zusätzlichen Komfort. Mit einem Sonnenschutz versehen, reduzieren sie einfallendes Licht. Ein wasserdichter Überzug bietet Schutz bei Regen.
Sicherheit und Normen
Fahrradhelme, die in der EU verkauft werden, müssen den Anforderungen der DIN EN Norm 1078 entsprechen. Alle Helme in unserem Test erfüllen diese Norm. Wer noch mehr Wert auf Sicherheit legt, kann beim Kauf nach der Norm NTA 8776 Ausschau halten. Die niederländische Zertifizierung NTA 8776 kennzeichnet also Fahrradhelme, die für die bis zu 45 km/h unterstützenden S-Pedelecs zugelassen sind. Dazu müssen die Helme im entsprechenden Labortest höheren Aufprallgeschwindigkeiten problemlos standhalten respektive die dabei entstehende Aufprallenergie in höherem Maße dämpfen, als dies bei einem „normalen“ Radhelm (konform zur Norm EN 1078) der Fall ist.
Tragekomfort und Anpassung
Essentiell für den Tragekomfort eines Helms ist dessen optimale Anpassbarkeit an den eigenen Kopf. Hilfreich ist es daher, wenn der Wunschhelm in möglichst vielen Größen verfügbar ist, die ein breites Größenspektrum abdecken. Drei Helmgrößen bieten im Test Alpina, Bollé, HJC, Bontrager, Electra, Met und Lazer feil, wobei Electra mit 48 bis 61 cm die breiteste Größenabdeckung parat hält. Darauf folgen Bontrager, HJC, Alpina und Met. Radfahrer mit kleinem Kopfumfang sollten den Electra genauer ins Auge fassen, solche mit besonders großem Kopf den Met respektive die Helme von Bontrager, HJC, Urge und Alpina (je bis 63 cm Kopfumfang).
Auf den eigenen Kopfumfang justiert man (fast) alle Helme per Verstellrad am Nackenhalter. Die Ausnahme stellt der HJC dar, dessen Nackenhalter sich automatisch an den Träger anpasst. Eine praktikable, weil gut funktionierende Alternative. Vorteilhaft ist eine Höhenverstellung im Nacken: Über sie passt man das Justagesystem der eigenen Kopfform an. Ein den Tragekomfort tendenziell erhöhender Pluspunkt, mit dem die Fahrradhelme von Electra, Bontrager, Lazer, Uvex, Alpina, Ked und Rudy Project aufwarten.
Sichere Ausrichtung und finale Fixierung des Helms mittels Y-Riemen unterm Ohr und Gurtband gelangen bei allen Modellen sehr gut und fix. Ein Pluspunkt sind fixierbare Y-Riemen, die sich in ihrer Position nicht verstellen können. Vorfixierte und nicht variable Y-Riemen finden sich am HJC. Funktionell kein Problem, solange die edlen Lederriemen in ihrer Position nicht am Ohr stören.
Stichwort Gurtband und Verschluss: Auch, wenn die immer noch häufig eingesetzten Klickverschlüsse tadellos funktionieren, bleibt festzuhalten, dass Fidlock-Magnetverschlüsse verblüffend leichtgängig schließen.
Eine wichtige Einflussgröße für den Tragekomfort eines City/Urban-Helmes bilden großflächige, qualitativ hochwertige Polster, wie sie etwa Ked, Bontrager oder Cratoni verbauen. Sie allein sind indes noch keine Garanten für besten Tragekomfort: Über diesen entscheidet letztlich ganz stark eine, von möglichst vielen Fahrern als gelungen empfundene, Passform. Störende, punktuelle Druckstellen an Stirn und Hinterkopf ließen sich im Test - abhängig von der Kopfform (!) - am Ked- und Electra-Helm ausmachen. Hier passt die Helmformgebung nicht immer optimal zu jedem Kopf. Ein Umstand, dem auch beim Met die Stirn-Druckstellen geschuldet sind. Beim Go! Mips von Electra reibt der Hinterkopf teils unangenehm an der unbequemen Mips-Kunststoff-Folie.
Da letztlich nur der Helm getragen wird, der dauerhaft komfortabel ist, ist die Anprobe mehrerer (Wunsch-)Modelle im Radladen unerlässlich.
Belüftung und Sichtbarkeit
Gefördert wird dies im Falle des Uvex-, Alpina- und Cratoni-Helms in Form einer formidablen Belüftung im Stirn-/Nackenbereich. Hier machen sich die zahlreichen ausgeklügelten Lufteinlässe sehr positiv bemerkbar.
Formschön ins Helmdesign integriert sich das LED-Rücklicht am Ked. Es verfügt über Normal- und Blickmodus und wird via Mini-USB-Port geladen. Zusätzlich zum hellen Rücklicht integriert Alpina für top Sichtbarkeit am Haga LED stylische Front-/Rücklicht-LEDs in Helm-Oberseite wie -rückseite.
Pluspunkte vergab die Redaktion in der Wertung Details etwa für ein am Helm verbautes Rücklicht und reflektierende Y-Riemen - beide steigern Sichtbarkeit und Sicherheit im Straßenverkehr bei Dunkelheit deutlich. Erfreulicherweise statten etlichen Hersteller ihren Helm mit einem Rücklicht aus. Zwar verzichtet der HJC Calido Plus leider auf ein solches, gefällt aber mit der größten Detailtiefe im Test.
Zusätzliche Schutzsysteme
Großflächig auf der Innenseite des Bontrager-Helms integriert, soll die wabenähnliche WaveCel-Struktur die bei einem Sturz entstehende Aufprallenergie besonders effektiv absorbieren und dabei Scherkräfte aufnehmen.
Das großflächige, die Augen vor Fahrtwind und Staub effektiv schützende, Visier wird einfach und sicher per Magnet am Lazer-Helm fixiert.
Angebracht auf der Helminnenseite, reduziert es im Sturzfall auftretende Scherbewegungen und damit Belastungen auf das Gehirn deutlich.
Gewicht
Ein leichter Helm ist grundsätzlich von Vorteil, nicht zuletzt auf längeren Cityfahrten: Er vermag den Tragekomfort nochmals zu steigern. Mit nur 274 g baut Cratoni das leichteste Modell, Bontrager mit 463 g das schwerste. Während leichte Testmodelle à la Cratoni mit luftigem Tragegefühl punkten, erfordern der Bontrager, Lazer (462 g) und Nutcase (448 g) eine kurze Gewöhnung ans höhere Gewicht. Ein Problem ist dieses aber nicht.
Die besten City-Fahrradhelme im Überblick
In der Gesamtschau fällt auf, dass sich alle Fahrradhelme auf gutem bis sehr gutem Niveau bewegen, Ausreißer nach unten gibt es nicht. In Summe haben in besonderem Maß der prima tragbare Testsieger Uvex City I-Vo Mips, der Fischer Urban Plus als Preis-Leistungs-Tipp und der Cratoni Velo-X überzeugt, der sich eine Empfehlung verdient.
Ein vernünftiger Helm muss nicht viel kosten: Das beweist der Fischer Urban Plus Brooklyn. Für gerade mal rund 30 Euro bietet er Beleuchtung, Sonnen- und Insektenschutz, einen gepolsterten Kinnriemen und in die Helmgurte eingewebte Reflexstreifen. Außerdem zeichnet sich der leichte Fahrradhelm durch einen guten Tragekomfort aus.
Dass ein Helm mit effektivem Schutz seinen Träger nicht viel kosten muss, demonstriert Fischer eindrucksvoll mit dem sportiv gestylten Urban Plus mit 19 Belüftungsschlitzen für nur 60 Euro. Dafür bekommt man bereits ein umlaufendes Befestigungssystem, das Druckstellen vermeiden hilft, indem es den Druck gleichmäßig rund um den Kopf verteilt.
Helme, wie die Modelle von Fischer, Uvex, Cratoni, Urge, Bell und Alpina setzen den Fokus auf geringes Gewicht und beste Belüftung. Qualitäten, die sie für den Einsatz auf der flotten morgendlichen Pendlerstrecke - bei der womöglich sogar ein paar schweißtreibende Höhenmeter überwunden sein wollen - prädestinieren. Zusätzlich lassen sich die erwähnten, sportiv gestylten Stadthelme locker mal bei der Rennrad- oder Gravel-Ausfahrt nutzen.
Auf der anderen Seite des Testspektrums finden sich optisch gern etwas muskulösere, nochmals stabilere Fahrradhelme wie Bontragers Charge WaveCel oder Lazers Urbanize NTA. Sie lassen sich natürlich auf dem rein muskelbetriebenen Rad tragen; ihre massivere Konstruktion ist zudem aber mit der Norm NTA 8776 zertifiziert - und damit für das Fahren auch mit schnellen S-Pedelecs freigegeben.
Im Folgenden eine Tabelle mit einigen der getesteten City-Fahrradhelme und ihren Eigenschaften:
| Hersteller/Modell | Mittlerer Preis in Euro | ADAC Urteil | Handhabung & Komfort | Unfallschutz | Schadstoffe |
|---|---|---|---|---|---|
| Uvex Urban Planet LED | 130 | 2,0 | 1,8 | 2,3 | 1,0 |
| Alpina Gent MIPS | 130 | 2,2 | 1,9 | 2,5 | 1,0 |
| Limar Torino | 90 | 2,2 | 1,9 | 2,5 | 1,0 |
| Lazer Codax KinetiCore | 165 | 2,6 | 2,6 | 2,7 | 1,0 |
| Lidl Crivit - Fahrradhelm mit Rücklicht | 15 | 2,6 | 1,9 | 2,9 | 1,9 |
Weitere empfehlenswerte Modelle
- Uvex Urban Planet LED: Bietet dank seiner tiefergezogenen Bauweise zusätzlichen Schutz im Heck- und im Schläfenbereich.
- Uvex Finale Visor: Verfügt über ein klappbares Visier und ist mit Beleuchtung und Insektenschutz ausgestattet.
- Abus Pedelec 2.0: Hat einen Regenschutz integriert, der hinten in einem Geheimversteck untergebracht ist.
- POC Omne Beacon Mips: Ein echter Hingucker, speziell in der Lackierung in leuchtendem Orange und mattem Grün.
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