Viele Menschen fragen sich, ob sie einen Fahrradhelm zum Klettern verwenden können, um Kosten zu sparen und nicht für jede Sportart einen eigenen Helm kaufen zu müssen. Allerdings gibt es wichtige Unterschiede zwischen Fahrrad- und Kletterhelmen, die beachtet werden sollten.
Unterschiedliche Prüfkriterien und Schutzwirkungen
Laut Experten sollten Fahrradhelme nicht zum Klettern verwendet werden, da hierfür andere Prüfkriterien gelten. Beim Klettern besteht die Gefahr von herabfallenden Steinen, die mit hoher Geschwindigkeit und viel Energie auf den Kopf treffen können. Kletterhelme sind speziell dafür ausgelegt, diese Art von Aufprall zu absorbieren. Fahrradhelme hingegen sind eher für flächige Aufprälle bei Stürzen auf der Straße konzipiert.
Ein weiterer Unterschied besteht in der Belüftung. Fahrradhelme haben oft größere Belüftungslöcher, um eine gute Luftzirkulation zu gewährleisten. Dies ist beim Klettern jedoch nachteilig, da kleine, spitze Steine leichter durch die Öffnungen eindringen können.
Ein Test hat sogar gezeigt, dass Fahrradhelme bei bestimmten Aufprallszenarien besser abschneiden als Kletterhelme. Allerdings sind Fahrradhelme wie auch die neueren geschäumten Kletterhelme recht gut für Belastungen von vorn. Der klassische Helm hilft dafür besser (und länger) gegen Steinschlag von oben.
Hartschalen- oder Hybridhelme empfohlen
Es werden Hartschalen- bzw. Hybridhelme empfohlen, deren Schutz nicht ausschließlich auf Styroporartigem Schaumstoff besteht. Diese Helme mögen fürs reine Sportklettern ausreichend sein, sobalds aber in die Berge geht oder man nicht ausschließen kann, dass der Helm auch mal nen meter herunterfällt muss eigentlich ein helm mit schützender Kunststoffschale her. Leichtere nur schaumstoffhelme sind zudem deutlich teurer und schützen meist nicht besonders gut vor regen.
Sicherheitsaspekte und Alternativen
Es ist wichtig zu bedenken, dass man nur einen Kopf hat und dessen Schutz oberste Priorität haben sollte. Ein vernünftiger Kletterhelm ist nicht teuer und bietet einen deutlichen Sicherheitsgewinn.
Allerdings sollte man beim Kauf von gebrauchten Helmen vorsichtig sein, da man nicht weiß, ob diese bereits Beschädigungen aufweisen. Auch bei geliehenen Helmen sollte man darauf achten, dass sie von vertrauenswürdigen Organisationen wie dem Alpenverein stammen.
Kunststoffe altern und die Durchstoßfestigkeit sinkt; Helme (häufiger Gebrauch) sollten alle 5 Jahre ausgemustert werden.
Normen und Anforderungen an Bergsteigerhelme
Die Anforderungen an Bergsteigerhelme sind in der Europäischen Norm EN 12492 und in der etwas strengeren UIAA Norm 106 festgelegt. Neben Festigkeit und Wirksamkeit der Trageeinrichtung sind für die Praxis vor allem die Anforderungen an Stoßdämpfung und Durchdringungsfestigkeit bedeutsam.
Die Prüfung der Stoßdämpfung erfolgt durch fünf Kilogramm schwere Schlagkörper aus Stahl. Von senkrecht oben fällt ein halbkugelförmiges Gewicht aus zwei Metern Höhe auf den auf einem Prüfkopf montierten Helm. Von schräg oben (vorne, seitlich und hinten, der Helm ist dabei um 60° geneigt) fällt eine ebenfalls fünf Kilogramm schwere flache Stahlplatte. Der Krafteintrag auf den Prüfkopf darf in keinem Fall 10 kN (UIAA: 8 kN) überschreiten. Die Prüfung der Durchdringungsfestigkeit wird an zwei Stellen im Umkreis von fünf Zentimetern um den höchsten Punkt des Helms durchgeführt. Hier fällt ein kegelförmiger Schlagkörper mit drei Kilo Gewicht mit der Spitze voran auf den Helm - die Spitze des Schlagkörpers darf den Prüfkopf nicht berühren.
Diese Normanforderungen sind Beleg dafür, dass nach der gültigen Norm Bergsteigerhelme primär dem Schutz vor herabfallenden Gegenständen dienen.
Tabelle: Vergleich verschiedener Helmtypen
| Helmtyp | Vorteile | Nachteile | Geeignet für |
|---|---|---|---|
| Hartschalenhelm | Robust, günstig | Eher schwer | Klettersteig, wo erhöhte Steinschlaggefahr besteht |
| Inmold-Helm | Leicht | Nicht so robust | Sportklettern, wo niedriges Gewicht wichtig ist |
| Hybridhelm | Robust, nicht zu schwer | - | Eisklettern, Hochtouren, Alpinklettern, wo sowohl Steinschlaggefahr als auch Anprallschutz wichtig sind |
MIPS-Technologie für zusätzlichen Schutz
Die MIPS-Technologie (Multi-Directional Impact Protection System) hat den Markt für Fahrrad-, Ski- und Kletterhelme revolutioniert. Sie schützt den Kopf vor Rotationskräften, die bei schrägen Aufprallszenarien auftreten.
Herkömmliche Helme ohne MIPS schützen nur bei linearen Aufprällen - also wenn der Kopf direkt und gerade auf den Boden trifft. Da dies in der Praxis selten vorkommt, bietet die MIPS-Technologie zusätzlichen Schutz.
Fazit
Ein Fahrradhelm ist zwar besser als gar kein Helm, aber für das Klettern sollte man einen speziell dafür entwickelten Kletterhelm verwenden. Kletterhelme bieten einen besseren Schutz vor herabfallenden Steinen und sind robuster als Fahrradhelme. Wer seinen Helm nicht nur zum Klettern, sondern auch für andere Sportarten nutzen möchte, sollte darauf achten, dass der Helm für die jeweilige Sportart zertifiziert ist.
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