Fahrradkette 9-fach: Wartung und Funktion

Die Fahrradkette ist eine der wichtigsten Komponenten an deinem Fahrrad. Ohne sie läuft gar nichts. Sie wird hoch belastet und ist der Witterung und allen möglichen Umwelteinflüssen ausgesetzt. Sie ist damit das am stärksten gequälte Verschleißteil an deinem Bike.

Aufbau einer Fahrradkette

Um zu verstehen, wie eine Fahrradkette funktioniert und was die unterschiedlichen Belastungen an der Kette anrichten können, beschreiben wir zunächst einmal den konstruktiven Aufbau einer solchen Kette:

Die Fahrradkette besteht aus einzelnen Gliedern, die über Bolzen (auch Nietstifte genannt) miteinander verbunden sind. Die Teilung, also das Stichmaß zwischen den Bolzen, beträgt bei den heute üblichen Fahrradketten 1/2″, also 12,7 mm. Abwechselnd bilden 2 Innenlaschen oder 2 Außenlaschen jeweils ein Kettenglied. Die Innenlaschen tragen innenseitig einen Lagerkragen, auf deren Außenfläche die Rolle geführt wird.

Die Außenlaschen tragen den Bolzen (Presspassung auf beiden Seiten). Im Betrieb drehen sich die Außenlaschen über die Bolzen gegenüber den Innenlaschen und die Rolle gleitet außenseitig in den Zahnmulden der Zahnräder sowie innenseitig auf den Lagerkragen der Innenlaschen. Klingt etwas kompliziert, beschreibt aber genau die Abläufe im Fahrbetrieb und macht deutlich, warum und wo eine Fahrradkette verschleißt.

Im Prinzip existieren im Verbund zwischen Kette und Zahnrad also drei Gleitlager:

  • Bolzen - Innenlaschen
  • Innenlaschen - Rolle
  • Rolle - Zahnrad (eher Haftung, weniger Gleitbewegung)

In Abhängigkeit von der Anzahl der Ritzel auf der Kassette (7/8/9/10/11/12) benötigst du eine dazu passende Kette bestimmter Breite. Aus der folgenden Tabelle kannst du die Abmessungen deiner Kette entnehmen. In der Ketten-Bezeichnung bedeutet der erste Wert (1/2″) die Teilung und der zweite Wert die Weite zwischen den Innenlaschen. Zusätzlich haben wir hier auch die entsprechende Außenbreite der Kette angegeben.

Schaltung Bezeichnung Außenbreite
7-fach 1/2″ x 3/32″ 7,3 mm
8-fach 1/2″ x 3/32″ 7,1 mm
9-fach 1/2″ x 11/128″ 6,8 mm
10-fach 1/2″ x 11/128″ (5/64″) 6,15 mm
11-fach 1/2″ x 11/128″ (9/128″) 5,5 mm
12-fach 1/2″ x 11/128″ (?) 5,25 mm
13-fach 1/2″ x 11/128″ (?) 4,9 mm

(Campagnolo hat bei 9/10/11/12-fach-Ketten leicht abweichende Vorgaben.)

Die Belastungen der Fahrradkette

Die Fahrradkette überträgt deine Trittkraft auf das Hinterrad. Sie wird also auf Zug belastet. Mit jeder Umdrehung der Kette findet zudem 8 mal eine größere Bewegung in den Kettengelenken statt: jeweils am Anfang und am Ende eines jeden Zahnrades (Kettenblatt, Spannrolle, Leitrolle und Ritzel). Bei Nutzung der kleineren Zahnräder im Rahmen der Gangwahl sind die Drehwinkel dabei größer. Und bei den kleinen Gängen ist die Umlauf-Frequenz der Kette in Bezug auf die gefahrene Strecke höher.

Beides erhöht den Verschleiß also noch ein kleines bisschen. Weil die Kette bei vielen Gängen mit Verschränkung läuft, wird sie auch mehr oder weniger stark seitlich verdreht. Das ist vielleicht der größte Verschleißfaktor an der Kette, denn hierbei werden aus Kontaktflächen (zwischen Innenlaschen und Rollen sowie zwischen Bolzen und Innenlaschen) Kontaktlinien. Du nimmst als Fahrer mit der Wahl deiner Gänge also starken Einfluss auf die Lebensdauer deiner Kette.

An den allermeisten Fahrrädern ist die Kette ungeschützt verbaut und unterliegt dem Einfluss der Witterung und allen anderen denkbaren Umweltbedingungen. Nässe, Frost, Hitze, Streusalz, Staub und Schlamm sorgen so für Korrosion und die schleichende Verschleppung von Fremdkörpern in die oben beschriebenen Gleitlager der Kettenglieder. Das alles beschleunigt den Abtrag des Materials in den Kettengelenken und erhöht die Teilung (das Stichmaß 12,7 mm) der Kette: Die Kette „wird länger“ (wie der Volksmund sagt).

Im Rahmen der Abnutzung an den Aluminium-Kettenblättern entsteht zudem Aluminiumoxid (es färbt den Schmutzfilm schwarz, daran erkennst du die Konzentration in der Schmutzschicht). Diese Substanz ist extrem hart und aggressiv und beschleunigt den abrasiven Verschleiß an deiner Kette enorm (Aluminiumoxid wird als Schleifmittel in der Industrie verabreitet).

Den Verschleiß an der Fahrradkette messen

Der Verschleiß ist an einer neuen Kette auf den ersten 200 km enorm hoch, weil aus den anfangs (herstellungsbedingt) linienförmigen Kontaktstellen (zwischen Rollen, Innenlaschen und Bolzen) satte Kontaktflächen werden. Nach diesem „Setzverhalten“ verläuft der Verschleiß an der Kette langsamer, wird aber massiv beeinflusst von Umfang und Intensität der Belastungen (siehe oben) und von der Intensität deiner Pflege.

Wenn die Teilung der Kette (Maß 12,7 mm) durch diesen Verschleiß ein bestimmtes Maß überschreitet, leiden auch die im Verhältnis zur Kette teuren Kettenblätter und Kassetten-Ritzel. Es hat sich folglich eingebürgert, die Fahrradkette gegen eine neue Kette auszutauschen, bevor dieser hohe Verschleiß an den „teuren“ Komponenten beginnt. Um aber den richtigen Zeitpunkt für einen Austausch der Kette nicht zu verpassen, musst du den Verschleiß von Zeit zu Zeit prüfen. Das erfolgt mithilfe einer käuflichen speziellen Verschleißlehre (prüfend) oder per Messschieber (messend).

Die Prüfung per Lehre ist zwar komfortabler, aber nicht jeder ist bereit, sich eine solche Lehre zu kaufen. Hier die Anleitung für die Messung per Messschieber:

  1. Stelle den Messschieber auf 119 mm ein und halte ihn mit den Innenmessflanken zwischen die Glieder der Kette.
  2. Schiebe den Messschieber nun nach außen, bis die Messflanken an den beiden Rollen anschlagen (achte darauf, dass sich die Messflanken nicht in die Spalte zwischen Rolle und Innenlasche schieben, denn dadurch wird das Messergebnis verfälscht).
  3. Lese den Wert auf dem Nonius des Messschiebers ab.
  4. Wiederhole diesen Vorgang an mehreren Stellen entlang deiner Kette (die Kette verschleißt nicht an allen Gliedern immer exakt gleichmäßig).

Bei einem Maß ab 120,5 mm aufwärts (bei Stahlritzel) bzw. ab 120,25 mm aufwärts (bei Alu-Ritzel) ist der Austausch der Fahrradkette notwendig.

Die Lebensdauer einer Fahrradkette

Für die Lebensdauer einer Fahrradkette gibt es keinen pauschalen Richtwert. Sie ist von zu vielen Faktoren abhängig:

  • Das Qualitätsniveau der Fahrradkette

    Viele Hersteller bieten Ketten in unterschiedlichen Güteklassen an. Für eine 9-fach-Kettenschaltung bietet Shimano z. B.:

    • Kette CN-HG53 (Deore-Niveau)
    • Kette CN-HG73 (SLX-Niveau)
    • Kette CN-HG93 (XT-Niveau)

    Dabei kommen bei den hochwertigen Ketten verschleißfestere Werkstoffe und aufwändigere Oberflächenveredelungen zum Einsatz. Allerdings wird der Zusammenhang zwischen der Güteklasse der Kette und der Auswirkung auf die Lebensdauer in den einschlägigen Foren sehr kontrovers diskutiert.

  • Die Belastung im Betrieb

    Fahrten mit Gepäck, steile Anstiege, hohe Niederschlagsbelastung, der Schmutzeintrag durch die Befahrung unbefestigter Wege, Schalten unter Last, starke Verschränkung der Kette durch unglückliche Gangwahl beim Schalten, der persönliche Krafteinsatz des Fahrers und viele andere Faktoren nehmen sehr direkt Einfluss auf die Lebensdauer der Kette. So kann eine längere Fahrt mit viel Gepäck bei Regen auf Schlammwegen die Lebensdauer der Kette auf wenige 100 km reduzieren, wogegen ein materialschonendes Radeln ohne Gepäck auf ebenen Strecken bei ausschließlich trockenem Wetter durchaus 5000 km Lebensdauer bewirken kann.

  • Deine Pflegeintensität

    Je öfter und intensiver du dich mit der Reinigung und Schmierung deiner Fahrradkette beschäftigst, desto mehr dankt sie es mit einer längeren Lebensdauer.

Der Idealfall ist natürlich eine voll gekapselte Kette. So bleibt die Kette dauerhaft vor Witterung und Umwelteinflüssen wie Staub und Streusalz verschont.

Fahrradkette reinigen

Reinige nicht nur die Kette, sondern gleichzeitig auch die angrenzenden Komponenten Ritzel, Kettenblätter, Schaltwerk und Umwerfer. Sonst saut es deine frisch gereinigte und geschmierte Kette gleich wieder ein. Die eingesetzten Medien drücken sich (Dampfstrahler) oder saugen sich (Kapillarwirkung kleiner Spalte) ins Innere der Lager und dort bekommst du sie nur sehr schwer bis gar nicht mehr heraus. Und damit nützt dir die beste Schmierung nichts.

Zwar verschleppst du „in jedem Fall“ außen anhaftenden Schmutz in das empfindliche Innenleben deiner Fahrradkette, wenn du mit Bürste, Lappen und/oder Reinigungsmitteln ans Werk gehst, aber bei einer behutsamen Vorgehensweise ist dieser Schmutzeintrag minimal.

Wir reinigen unsere Fahrradketten mit einer alten Zahnbürste und Dieselkraftstoff. Diesel löst den Schmutz, entfettet die Lager nach unserem Verständnis dabei jedoch nicht. Denn die Diesel-Einspritzpumpen werden ja auch über den Kraftstoff geschmiert (siehe auch unter HFRR-Wert (externer Link)). Andere Kraftstoffe würden wir allerdings niemals verwenden. Wir tragen den Dieselkraftstoff dabei immer von innen (innerer Laufumfang) auf die Kettenglieder auf, nicht von außen. Denn es sitzt nach unserer Einschätzung mehr Dreck auf der Außenseite der Kette als auf der Innenseite. Durch die Reinigung von der Innenseite würdest du demnach weniger Dreck ins Innenleben der Kette verschleppen.

Zum Abschluss reiben wir die gereinigte Kette sorgfältig mit einem sauberen, fusselfreien Lappen ab.

Fahrradkette schmieren

Eine neue Kette ist werksseitig perfekt mit Schmierstoff in den Lagerstellen versorgt. Diese Schmierung solltest du so lange wie möglich nutzen, denn mit jedem nachträglichen Schmieren von außen wirst du unerwünschte Fremdpartikel mit in die Lager verschleppen (siehe oben). Und damit wächst die Gefahr, dass abrasiver Verschleiß mehr Schaden anrichtet, als deine Nachschmierung Nutzen bringt. Herstellungsbedingt ist eine neue Fahrradkette aber nicht nur an den Lagerstellen, sondern auch an allen anderen Flächen gleichmäßig mit Schmiermittel benetzt (weil Tauchschmierung).

Daher folgende Empfehlung: Entferne noch „vor“ der ersten Ausfahrt soviel Schmierstoff wie möglich von den Außenflächen der neuen Kette. Damit reduzierst du die unerwünschte Eigenschaft, dass Schmutz und Staub auf dem Schmierfilm haften bleiben und deine Kette frühzeitig gereinigt und nachgeschmiert werden muss. Denn notwendig ist der Schmierstoff ja nur auf den Kontaktflächen zwischen Innen- und Außenlaschen, Bolzen und Rollen. Und da kommst du mit einem Lappen sowieso nicht hin. Also besteht keine Gefahr, dass du der Kette mit einer Lappenreinigung den notwendigen Schmierstoff nimmst.

Nach unserem Verständnis ist der beste Schmierstoff ein dünnflüssiges, kriechfähiges Öl, dessen Lösungsmittelanteil sich nach dem Auftragen verflüchtigt. Warum: Weil hierbei die gute Kriecheigenschaft eines dünnflüssigen Öls mit der hohen Viskosität eines belastbaren Schmierfilms kombiniert wird. Denn durch die Kriecheigenschaft des Schmierstoffes und die Kapillarwirkung dünner Spalte kriecht dieses Öl nach dem Auftragen in die Lager der Kette. Erst nach dem Verdunsten des Lösungsmittelanteils erreicht der Schmierstoff dann seine Endviskosität und ab da gewährleistet er eine gute Schmierung innerhalb der Lager.

Für die Verflüchtigung des Lösungsmittels reichen nach unserer Erfahrung 12 Stunden aus. Danach entfernen wir wieder sämtlichen Schmierstoff von den gut zugänglichen Außenflächen der Kette, um die Schmutzhaftung an der Kette zu unterbinden (siehe oben). Auch Automatikgetriebeöl wird mittlerweile häufiger als geeigneter Schmierstoff gehandelt. Dazu haben wir allerdings keine Erfahrungswerte.

Welche Schmierstoffe sind völlig ungeeignet?

  • Motorenöl: enthält Tenside für die Reinigung im Motor, an der Fahrradkette fördert das die Rostbildung
  • Teflonöl und Silikonöl werden zu schnell vom Regen ausgewaschen
  • WD40: enthält mehr Lösungsmittel als Schmierstoff

Fahrradkette kürzen, wechseln, austauschen, montieren

Um eine Schaltungskette auszuwechseln, benötigst du in der Regel einen Kettennietdrücker, es sei denn, deine Kette ist mit einem Master Link Kettenschloss versehen. Die Kette muss zum Antrieb passen, beachte die Anzahl der Gänge deines Bikes. Je nachdem, wie viele Gänge dein Bike hat: Die Kette muss zum Antrieb passen!

Die Komponentenhersteller Shimano und Sram sind am weitesten verbreitet. Unsere Empfehlung: Wenn dein Bike eine Schaltung eines dieser beiden Hersteller besitzt, solltest du beim Tausch auch eine Kette des entsprechenden Brands wählen. Dann harmoniert der Antrieb perfekt.

Wir empfehlen, eine (neue) Kette grundsätzlich mit einem Kettenschloss zu verschließen. Das ist eine saubere, stabile und einfache Methode, im Gegensatz zum Vernieten. Auch bei einer Panne unterwegs ist ein Kettenschloss die perfekte Lösung. Nicht jeder Kette liegt jedoch ein Schloss bei! Deshalb beim Kauf einer Kette auch an ein Schloss denken. Und ein zweites gehört stets ins Notfall-Set!

Für Kettenschaltungen an normalen Bikes besitzt eine Kette im Neuzustand 114 bis 118 Glieder. Sie muss dann bei der Montage entsprechend (um wenige Glieder) gekürzt werden. Für Bikes mit besonders langen Hinterbauten oder zusätzlichen Umlenkungen der Kette gibt es extra lange Ketten mit bis zu 138 Gliedern.

Das Kürzen der Kette braucht man nicht komplizierter zu machen, als es ist. Wichtigster Punkt: Die Kette muss lang genug sein, um (gleichzeitig) das große Kettenblatt vorne und das größte Ritzel hinten problemlos zu umschlingen.

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