Fahrradkette wachsen: Eine detaillierte Anleitung

Ketten wachsen liegt voll im Trend und das aus gutem Grund! Die Vorteile gegenüber herkömmlichem Kettenöl klingen fast zu gut, um wahr zu sein.

Vorteile des Wachsens gegenüber Kettenöl

Vorweg ein paar grundlegende Infos zum Kettenwachs. Was sind eigentlich die Vorteile von Wachs gegenüber Öl? Die Nachteile von Kettenöl kennt jeder.

  • Geringerer Wartungsaufwand: Das Öl bindet über die Zeit zwangsläufig Schmutz, sodass man entweder mit einem verdreckten Antrieb herumfährt oder die Kette und die anderen Antriebs-Bauteile häufig gründlich reinigen und neu schmieren muss.
  • Sauberkeit: Dank Kettenwachs bleibt weniger Schmutz an der Kette gegenüber Kettenöl hängen. So bleibt der gesamte Antrieb sauber - und hält so auch länger. Das schont langfristig deinen Geldbeutel und auch die Umwelt: Denn eine gewachste Kette kann einfach mit einem sauberen Tuch oder heißem Wasser gereinigt werden.
  • Längere Lebensdauer der Komponenten: Laut Silca soll die Haltbarkeit der Bauteile dadurch enorm gesteigert werden, sodass ein Vielfaches der Lebensdauer erreicht werden kann. Großer Nachteil von Kettenöl: Die Schmutzpartikel im Kettenöl bilden eine Art Reibpaste, welche die Komponenten regelrecht kaputt schleift. Bei jeder Umlenkung der Kette durch die Schaltröllchen, über die Kassette und um das Kettenblatt wird minimal Material entfernt und der Verschleiß so erhöht. Wachs zieht hingegen keinen Schmutz an und eliminiert so diese Nachteile.
  • Effizienzsteigerung: Bis zu 1000 km leiser Antrieb und weniger Reibungsverluste. Deine Kette läuft ein müh leiser, effizienter und spart bis zu ca. 5 Watt. Das hängt jedoch von Wachs, Leistung und Verschmutzung ab.

Nachteile von Kettenwachs

Viele Nachteile hat Wachs als Schmierstoff einer Fahrradkette nicht.

  • Eingeschränkte Eignung für E-Mountainbikes: Für E-Mountainbikes würden wir Kettenwachs allerdings nur bedingt empfehlen. Das Wachs ist etwas weniger druckbeständig und eignet sich daher nicht so gut, wenn du häufig mit viel Drehmoment und einer niedrigen Trittfrequenz unterwegs bist. Fährst du allerdings bewusst mit einer hohen Trittfrequenz, kannst du auch am E-MTB Kettenwachs ausprobieren.
  • Geringere Verfügbarkeit: Durch die aktuell noch geringere Verfügbarkeit von Kettenwachs im Einzelhandel sollte man etwas organisierter sein. Ob im Urlaub oder unterwegs auf Events und Ausflügen, Kettenwachs ist noch nicht weit verbreitet und deshalb solltest du in diesen Fällen unbedingt dein eigenes Flüssigwachs dabeihaben, um deine Kette im Zweifelsfall nachschmieren zu können.
  • Korrosionsschutz: Und zu guter Letzt bietet das Wachs keine Korrosionsschutzschicht, wie sie Kettenöl bildet. Das bedeutet, besonders nach dem Fahren in widrigen Bedingungen, solltest du deine Kette zumindest mit einem Microfasertuch säubern, um Flugrost auf den Bauteilen zu vermeiden. Hier unterscheiden sich allerdings unsere Erfahrungen zwischen Heiß- und Flüssigwachs, wobei eine mit Heißwachs behandelte Kette weniger anfällig ist. Geringer Korrosionsschutz bedeutet, dass nach einer Regenfahrt die Kette sofort getrocknet und nachgewachst werden muss, da Wachs die Kette weniger vor Rost schützt.
  • Aufwand: Der Aufwand beim Umstieg auf Wachs gestaltet sich etwas zeitaufwendig, spart aber langfristig Zeit. Vor allem wenn du viele Kilometer fährst, kann es sinnvoll sein, gleich mehrere Ketten mit Wachs zu behandeln und diese "auf Vorrat" aufzubewahren. Besonders das erste Entfetten der Kette ist zeitaufwendig.
  • Trocknungszeit: Flüssigwachs muss vollständig trocknen - bis zu 24 Stunden. Schnell wachsen und gleich losradeln funktioniert nicht.
  • Häufigeres Nachwachsen: Bei Shimano- und KMC-Ketten kann es sein, dass du alle 130-180 km nachwachsen musst. SRAM-, Campa- und YBN-Ketten halten etwas länger. Dies ist problematisch bei längeren Tagestouren. Unterwegs nachwachsen ohne eine längere Pause ist nicht optimal, Flüssigwachs braucht länger zum Trocknen.

Flüssigwachs vs. Heißwachs

Kettenwachs gibt es im Wesentlichen in zwei Formen.

  • Flüssigwachs: Flüssigwachs wird in einer Emulsion geliefert, die nach dem Auftragen verdunstet und das Wachs so in die Zwischenräume der Kegelrollen und den Bolzen der Kette befördert, wo die eigentliche Reibung erfolgt. Die Transportflüssigkeit des Wachses nimmt allerdings Volumen ein, das nach dem Verdunsten ungefüllt bleibt. Das Fläschchen sieht ähnlich aus wie herkömmliches Kettenöl. Für die Verwendung von Flüssigwachs ist trotzdem ein komplett entfetteter Antrieb notwendig, denn andernfalls verhindert das übrig gebliebene Kettenöl die Haftung des Wachses. Flüssigwachs kann immer wieder in kleineren Intervallen aufgetragen werden.
  • Heißwachs: Heißwachs wird hingegen entweder in Granulatform oder als großer Wachs-Brocken geliefert. Für die Verwendung muss das Wachs erhitzt werden, um einen flüssigen Zustand zu erreichen. Die Kette wird in ein Wachsbad eingelegt, sodass alle Zwischenräume vollständig gefüllt werden und eine Schutzschicht zustande kommt.

Wir demonstrieren die Heißwachs-Behandlung mit den Produkten von Silca. Auf dem Markt gibt es mittlerweile zahlreiche Hersteller, die ähnliche Sets anbieten und prinzipiell ist die Vorgehensweise auch bei Produkten von anderen Herstellern sehr ähnlich. Die Silca-Produkte bieten allerdings ein paar schlaue Features, wodurch sie sich von Konkurrenten abheben und auf die wir später genauer eingehen.

Die maximalen Wachsvorteile genießt du, wenn du deine Kette mit Heißwachs behandelst, auch da die Schmierung nach unserer Erfahrung etwa dreimal länger hält. Dafür ist die Prozedur aufwendiger, da die (neue) Kette nach dem Reinigen zunächst noch im Wachsbad "eingekocht" werden muss. Bei Flüssigwachs muss die Kette zwar ebenfalls zunächst mit Kettenreiniger und anschließend mit Isopropanol komplett entfettet werden, dafür wird das Wachs danach wie beim klassischen Kettenöl aus dem Fläschchen aufgetragen. Beachte allerdings, dass das Flüssigwachs vor der Fahrt bis zu 24 Stunden trocknen muss, damit das Wasser aus der Wachs-Emulsion verdunstet (Herstellerempfehlungen checken!). Mit Heißwachs kannst du sofort losfahren.

Merkmal Flüssigwachs Heißwachs
Anwendung Einfacher Auftrag Aufwendiger
Trocknungszeit Bis zu 24 Stunden Keine
Haltbarkeit Kürzer Länger

Kette vorbereiten

Einer der wichtigsten Schritte ist die Vorbereitung der Kette. Wir haben drei verschiedene Varianten, die wir für den Wachsvorgang präparieren müssen. Eine relativ schmutzige Kette, die bis jetzt geölt wurde. Eine nagelneue Kette mit dem Werks-Fett und eine bereits gewachste Kette, die eine Nachschmierung benötigt.

  • Neue Kette: Eine neue Kette benötigt, dank des Silca Strip Chip, keine große Vorbereitung, denn dieser wandelt das Werks-Fett um und wird einfach mit in das Wachsbad eingeschmolzen. Damit wird das Wachsen einer fabrikneuen Kette zum Kinderspiel.
  • Gebrauchte, geölte Kette: Bei einer gebrauchten, also schon geölten Kette, sieht das Ganze etwas anders aus. Die Kette muss so frei wie möglich von allen Verunreinigungen sein. Je nach Verschmutzungsgrad funktioniert das Einlegen der Kette über Nacht in einem Glas mit Reiniger am besten. Spezielle, biologisch abbaubare Antriebs-Reiniger und das Spülen mit frischem Wasser funktionieren optimal, du kannst aber auch verschiedene alkoholische Reiniger ausprobieren, um Kosten zu sparen. Gelegentliches Schütteln hilft dabei, die hartnäckigsten Verschmutzungen aus der Kette zu lösen. Nach Bedarf musst du den Reinigungsvorgang mehrfach wiederholen.
  • Bereits gewachste Kette: Eine bereits gewachste Kette muss nicht ganz so aufwändig gesäubert werden. Du solltest sicherstellen, dass die Oberfläche der Kette so frei wie möglich von Verschmutzungen ist, denn diese schwimmen andernfalls in deinem Wachsbad herum, das du mehrfach verwenden kannst.

Damit das Wachs auf der Kette gut haftet, muss diese frei von jeglichen Fett-, Schmutz- bzw. Ölrückständen sein. Daher empfiehlt es sich, die Prozedur an einer noch unbenutzten Kette durchzuführen, da sich diese leichter entfetten lässt und (anders als eine benutzte Kette) noch ihre maximale Laufleistung vor sich hat. Deshalb ist es ratsam, erst dann auf Wachs umzusteigen, wenn deine alte Kette ohnehin getauscht werden muss. Silca bietet mit seinem "Chain Stripper" zudem einen speziellen Antriebsreiniger für die anschließende Wachskur, der die Kette in nur zehn Minuten komplett säubern, rückstandsfrei entfetten und auf das Wachsen vorbereiten soll.

Methode Eins: Ketten wachsen mit dem Silca-Set

Das Silca-Set besteht aus:

Mit der trockenen und entfetteten Kette kann der Wachsvorgang losgehen. Für eine Kettenbehandlung gibst du ca. 300 Gramm Granulat des Silca Secret Chain Blend in die Schale des Kochers und stellst die Temperatur auf 125 Grad ein. Wenn du eine fabrikneue Kette verwendest, mit dem Original-Kettenfett, wirfst du ein Rechteck des Strip Chips mit in das Wachsgranulat.

Während sich das Wachs erhitzt, fädelst du die Kette auf die Eintauchhilfe auf. Wenn das verflüssigte Wachs die 125 Grad Temperatur erreicht hat, gibst du die Kette in das Wachs und lässt sie für ca. 10 Minuten dort. Bewege die Kette hin und wieder etwas, damit das Wachs besser in alle Zwischenräume gelangen kann. Bei 125 Grad ist das Wachs extrem flüssig. Um zu verhindern, dass das heiße Wachs beim Herausnehmen der Kette aus dem Bad wieder aus den Kettengliedern läuft, regeln wir die Temperatur vor dem Herausnehmen auf 75 Grad herunter. Erst wenn die Temperatur dort angelangt ist, entnehmen wir die Kette und hängen sie zum Abkühlen auf.

Methode Zwei: Kettenwachsen mit Haushaltsmitteln

Wer seine Kette zwar gerne wachsen möchte, vielleicht aber nicht unbedingt in das komplette Kit inklusive Kocher von Silca investieren möchte, der kann auch die DIY-Methode anwenden. Dazu benötigst du eigentlich nur einen mittelgroßen Kochtopf und einen Draht oder etwas ähnliches, mit dem du die Kette in das Wachsbad eintauchen kannst. Besonders wichtig zu wissen ist allerdings, dass die Temperatur des Wachses während des Vorgangs eine entscheidende Rolle spielt. Damit zum einen die maximale Haltbarkeit des Schmierfilm erzielt wird und auch das optimale Ergebnis zustande kommt, muss das Wachs während des Bades und vor dem Herausheben die richtige Temperatur haben. Das ist bei der DIY-Methode nur bedingt gewährleistet.

Damit man für das Wachsbad keinen Kochtopf opfern muss, haben sich die Silca Leute auch hier etwas Schlaues einfallen lassen. Anstelle das Wachs direkt im Topf einzuschmelzen, kann man den Beutel, in dem das Secret Chain Wax Granulat verpackt ist, direkt in ein Wasserbad eintauchen, um das Wachs zu schmelzen.

Die Prozedur funktioniert so: Fädel deine Kette auf deine Eintauchhilfe auf, ein Draht oder eine alte Speiche eignen sich bestens. Anschließend stellst du den Beutel mit dem Granulat in einen großen Kochtopf gefüllt mit Wasser und erhitzt das Wasser bis es kocht. Ist das Wachs im Beutel komplett geschmolzen, kannst du den Beutel entnehmen und auf einer hitzebeständigen Oberfläche abstellen. Jetzt legst du die Kette in das heiße Wachs und bewegst sie solange darin, bis keine Luftblasen mehr aufsteigen. Nach ein paar Minuten fängt das Wachs langsam an, wieder fest zu werden. Jetzt entnimmst du die Kette und hängst sie zum Abtropfen auf. Lege am besten etwas unter, dass das überschüssige Wachs auffängt.

Nach dem Wachsen

Das ausgehärtete Wachs bedeckt jetzt die gesamte Oberfläche der Kette. Eine frisch gewachste Kette benötigt einige Kilometer Einlaufzeit, damit sie ihre volle Performance entfaltet. Auf den ersten Kilometern kann eine gewachste Kette etwas laut und ineffizient wirken. Ein wenig vorbereiten können wir die Kette allerdings trotzdem, bevor wir sie montieren. Damit die Kette etwas gangbarer wird, ziehen wir sie in einem spitzen Winkel um einen kratzfesten, metallischen Gegenstand. Lege am besten einen Lappen unter, denn bei dem Vorgang lösen sich kleine Wachs-Stücke ab.

Jetzt kannst du die Kette wieder montieren, allerdings sollten die anderen Bauteile deines Antriebs ebenfalls frei von Öl und Verschmutzungen sein, bevor du die Kette anbringst.

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