Ein Kettenriss gehört zu den unangenehmeren Erlebnissen in einem Radlerleben. Doch mit dem richtigen Werkzeug und der entsprechenden Fingerfertigkeit ist eine gerissene Kette schnell repariert.
Ursachen für Kettenrisse
Gerade für E-Bike-Fahrer ist der Antriebsverschleiß ein wichtiges Thema, da hier ganz andere Kräfte auf den Antrieb wirken. Heutige Motoren an E-Bikes erreichen ein Drehmoment zwischen 50 und 120 Nm. Das ist ein Drehmoment, das ähnlich hoch ist wie am Motorrad. Doch Ketten an E-Bikes sind nicht so extrem robust wie an Motorrädern.
Wenn also das Fahrrad immer auf voller Motorunterstützung und mit niedriger Trittfrequenz gefahren wird, ist der Kettenverschleiß entsprechend viel höher. Auch kann eine Kette bei starker Beanspruchung deutlich eher reißen als bei geringer Krafteinwirkung.
Weitere Ursachen können sein:
- Überbelastung
- Abnutzung
- Falsches Schalten und zu viel Spannung
- Montagsmodell oder Beschädigungen
Reparatur einer gerissenen Kette
Bei gerissener Kette das Bike tragen? Dann lieber reparieren!
Benötigtes Werkzeug:
- Kettennieter
- Kettenspanner (Bestandteil des ein- oder anderen Kettennieters oder Multitools, sonst tut es auch ein gebogenes Stück Draht/Speiche)
- Idealfall: Lumpen, damit die Hände nicht schmutzig werden
- Idealfall: zusätzliches Steckglied bzw. Kettenschloss
Reparaturanleitung:
- Kette wieder auflegen: Bei einem klassischen Kettenriss hat man die Kette entweder verloren oder sie hat sich mehr oder weniger elegant um Kassette oder Kurbel gewickelt. Vor dem Zusammennieten muss man sie daher zunächst wieder durch das Schaltwerk und den Umwerfer fädeln. Schaltwerk als auch Umwerfer auf das jeweils kleinste Blatt schalten und die Kette anschließend durchfädeln. Bitte dabei auch die Laufrichtung der Kette beachten.
- Defektes Kettenglied entfernen: Damit man den Nietstift mit dem Kettennieter herausdrücken kann, lege das zu entfernende Glied in den Kettennieter ein und drehe am Nieter, bis der Stift des Werkzeugs am Nietstift ansteht. ACHTUNG: Den Nietstift nicht vollständig herausdrücken.
- Kette verschließen:
- a) Kette zusammennieten: Hierfür die beiden Enden zusammenführen und ineinanderdrücken. Dadurch, dass man den Nietstift nicht vollständig aus der Außenlasche herausgedrückt hat, sollte die Kette von alleine zusammenhalten. Jetzt setzt man den Kettennieter wieder auf und drückt den Nietstift wieder zurück in das Kettenglied, bis er vollständig verschwindet. ACHTUNG: Achte darauf, den Nietstift nicht zu weit in die Außenlasche hineinzudrücken.
- b) Steckglied einsetzen: Das Steckglied bzw. das Kettenschloss verbindet die Kette, ohne diese vernieten zu müssen. Um die Kette damit zu verbinden, müssen jeweils die beiden inneren Kettenglieder verwendet werden, also genau anders als es beim Kette zusammennieten. Die Steckglieder bestehen aus zwei Teilen. Jedes davon hat einen Stift sowie ein Teil des äußeren Kettengliedes. Die Stifte werden jetzt einmal von vorne und einmal von hinten durch die Fahrradkette und ineinandergesteckt. Dabei ist auf die Laufrichtung zu achten. Durch leichten Zug an der Kette verschließen sich die beiden Teile des Steckgliedes schon einmal leicht. Kontrolliere hier unbedingt, ob diese auch sauber anliegen. Zum finalen Verschließen wird das Hinterrad mit einer Hand festgehalten. Durch gleichzeitigen Druck auf die Pedale wird die Kette gespannt und das Steckglied verschließt sich zur Gänze mit einem kleinen Klick. Achtung: Unbedingt darauf achten, dass das Steckglied bzw.
- Glied gängig machen: Nach dem Nieten sollten sich die Glieder wieder leichtgängig bewegen lassen. Bei gespannter Kette sollte kein Knick in der Kettenlinie erkennbar sein, wenn Du die Kette zur Probe durch das Schaltwerk laufen lässt, sollte das Schaltwerk nicht durch die Kette mitgezogen werden.
Eine unterwegs mehrmals reparierte Kette sollte man, sobald man wieder daheim ist, unbedingt ersetzen. Unterwegs hat man oft nur die Möglichkeit, die Kette um das defekte Glied zu kürzen. Das Einsetzen eines Ersatzglieds ist nicht immer möglich. Bei gekürzter Kette stehen jedoch nicht mehr alle Gänge zur Verfügung, da die Kettenspannung immer höher wird, je schräger die Kette aufliegt. Hat die Kette schon ein paar Kilometer „auf den Gliedern“, zeigen sich darüber hinaus am gesamten Antriebsstrang (Kettenblätter, Kette, Kassette) mehr oder weniger starke Abnutzungsspuren. Ein noch unbenutztes Glied passt letztlich nicht mehr zum Rest des Antriebsstrangs; im schlimmsten Fall kann die Kette an der Stelle des neu eingesetzten Glieds bei Belastung durchrutschen. Bei einer Kette mit noch geringer Laufleitung kann aber durchaus ein Kettenglied eingenietet werden. Dabei sollten unbedingt neue Nietstifte verwendet werden.
Einzelne Hersteller wie SRAM und Shimano bieten Ketten mit Kettenschloss an. Ein Kettenschloss ermöglicht ein Verschließen der Kette, ohne dass dafür Kettenniet und Kettennieter nötig wären.
Vorbeugung von Kettenrissen
Um Kettenrisse zu vermeiden, sollte man folgende Punkte beachten:
- Regelmäßige Inspektion und Wartung der Kette
- Richtige Schmierung der Kette
- Vermeidung von zu hoher Belastung und niedriger Trittfrequenz, insbesondere bei E-Bikes
- Rechtzeitiger Austausch verschlissener Ketten und anderer Antriebskomponenten
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