Die Fahrradkette ist enormen Kräften ausgesetzt, und ihre Instandhaltung ist für ihre Lebensdauer entscheidend. Regelmäßige Pflege sorgt dafür, dass sie leicht, leise und präzise schaltet. Hier ist eine umfassende Anleitung, wie du deine Fahrradkette richtig pflegst, besonders im Winter, wenn die Bedingungen besonders hart sind.
Warum ist die Fahrradkettenpflege wichtig?
Die Kettenreinigung ist weniger eine Sache der Ästhetik als vielmehr eine der Wirtschaftlichkeit. Eine verschmutzte Kette ist wesentlich schwergängiger als eine saubere. Das heißt, man muss mehr Kraft aufwenden, um vorwärtszukommen.
Schmutz wirkt außerdem materialfressend: Der Verschleiß und der Abrieb sind deutlich höher - nicht nur an der Kette selbst, sondern auch an den Ritzeln der Kettenblätter. Deswegen ist es sinnvoll, Zeit in die Reinigung der Kette zu investieren.
Während im Sommer vor allem Staub deiner Kette zu schaffen macht, kommen im Winter Schneematsch, Feuchtigkeit und Streusalz hinzu. Du solltest dem Thema Fahrradkette pflegen deshalb zwischen den Monaten Dezember und März besonders viel Aufmerksamkeit widmen. Häufiges Reinigen und Ölen sind Pflicht.
Die regelmäßige Wartung deiner Fahrradkette beugt nicht nur Korrosion, sondern auch dem Verschleiß und der Neuanschaffung anderer Bauteile vor. Gut geschmierte Ketten laufen leicht, leise und schalten präzise.
Vorbereitung zur Reinigung der Fahrradkette
Das Wichtigste bei der Reinigung der Fahrradkette ist die richtige Vorbereitung. Wenn du alle Utensilien für die Reinigung und Pflege zur Hand hast, kann es losgehen! Tipp: Trage beim Reinigen der Fahrradkette Handschuhe, um schmutzige Hände zu vermeiden.
Bevor es an das Reinigen deiner Kette geht, solltest du prüfen, ob sich die Länge der Fahrradkette durch die Nutzung verändert hat. Zögerst du den Tausch der Fahrradkette zu lange hinaus, schmirgelt sich die gelängte Kette die Zähne von Kettenblatt und Kassette zurecht und eine neue Kette springt ab.
Bringe dein Fahrrad oder E-Bike in eine für dich günstige Position. Am einfachsten erreichst du Fahrradkette, Ritzel und Kettenblatt, wenn du das Fahrrad auf Sattel und Lenker, also auf den Kopf, stellst. Falls du einen Montageständer hast, kannst du das Rad auch in ihn spannen.
Was du für die Reinigung benötigst:
- Kettenreiniger (z. B. von WD-40 oder Dr. Wack)
- Kettenöl (z. B. von Ballistol oder Finish Line)
- Zahnbürste oder Kettenbürste
- Trockener Lappen
- Spülmittel (optional)
- Handschuhe (optional)
- Verschleißlehre (optional)
Schritt-für-Schritt-Anleitung zur Reinigung der Fahrradkette
- Groben Schmutz entfernen: Mit dem Reinigen der Fahrradkette beginnst du am besten, indem du den gröbsten Schmutz trocken entfernst. Du brauchst dafür kein spezielles Equipment. Bürste einfach mit einer alten Zahnbürste locker über die Kette.
- Verbliebene Verschmutzungen lösen: Mit einem trockenen Lappen kannst du nun die verbliebenen Verschmutzungen lösen. Verwende einen alten Lappen, denn das Schmiermittel bleibt selbst nach dem gründlichsten Waschgang im Stoff haften.
- Reinigungsmittel auftragen: Sprühe anschließend Kettenreiniger auf den Lappen und fahre nochmal über die Kette. Dadurch wird das Öl-Schmutzgemisch aufgeweicht und lässt sich leichter entfernen. Alternativ kannst du auch eine Zahnbürste und Wasser mit Spülmittel verwenden.
- Kette abspülen und trocknen: Nachdem du den Schmutz entfernt hast, spülst du die Kette noch einmal mit klarem Wasser ab und trocknest sie anschließend gut ab.
- Kette schmieren: Die passende Schmiere für dein Fahrrad ist im Handel als Spray oder in einem Tropfenapplikator erhältlich. Zum Ölen deiner Fahrradkette solltest du nur spezielle Produkte fürs Fahrrad verwenden, etwa das Kettenöl oder Kettenspray vom WD-40.
- Überschüssiges Öl entfernen: Nach etwa einer Viertelstunde lässt sich mit einem Tuch überschüssiges Öl einfach abstreifen - und fertig ist die Kettenreinigung.
Das richtige Öl für die Fahrradkette
Die erste Wahl zur Kettenpflege ist daher handelsübliches Kettenöl aus dem Fahrradgeschäft. Dieses gibt es in verschiedenen Varianten, z.B. für feuchtes Wetter mit PTFE, das die wasserabweisenden Eigenschaften verbessert.
Kettenwachs nimmt eine Sonderstellung ein: Es trocknet auf der Kette und bildet so einen dauerhaften Schutz für das ursprüngliche Fett. Daher eignet es sich auch zum Einfetten einer neuen Kette.
Es gibt spezielle Fahrradkettenöle für trockene oder nasse Bedingungen.
Welchen Kettenschmierstoff gibt es?
- Kettenöle
- Wet Lube
- Dry Lube
- Kettenwachs
Kettenwachs: Eine Alternative für die Kettenpflege
Am einfachsten ist es natürlich, vorgewachste Ketten zu kaufen. Aber auch die DIY-Methode hat ihren Reiz: Nerds können sich hier schon in der Vorbereitung austoben und Wachse nach eigenem Gusto mixen. Wer es unkompliziert mag, findet Hilfsmittel, die das Kette Wachsen stark erleichtern.
Anleitung zum Wachsen der Kette
- Kette demontieren: Wir starten mit einer gebrauchten Kette, die wir mithilfe einer Kettenschlosszange öffnen.
- Antrieb entfetten: Fett weg - vor dem Wachsen sollte die Kette gründlich von sämtlichen Schmierstoffen befreit werden.
- Trocknen lassen: Hängt die Kette nach dem Reinigen auf einem Draht auf und lasst sie vollständig ablüften, bevor ihr mit dem Wachsprozess startet.
- Wachs schmelzen & Wachsbad: Gebt das komplette Wachs in einen nicht zu großen Topf - die Kette muss später vollständig im Wachs getaucht werden.
- Kette entnehmen und abkühlen lassen: Jetzt könnt ihr die Kette vorsichtig aus dem Topf entnehmen und sie zum Abtropfen über dem Wachsbad aufhängen.
- Die Kette “einbrechen”: Wenn die Kette abgekühlt ist - lasst sie mindestens 30 Minuten hängen, besser etwas länger - sind die Gelenke steif wie die Finger nach der Winter-Biketour. Bevor ihr die Kette montiert, müsst ihr sie “einbrechen”.
- Kette reinigen und nachwachsen: Um Rost vorzubeugen sollte die Kette nach der Fahrt trockengewischt werden.
Was du bei der Kettenpflege vermeiden solltest
- Hochdruckreiniger: Mit einem Hochdruckreiniger können die Teile beschädigt und Schmierfette aus den Lagern gespritzt werden.
- Spülmittel: Zwar ist Spülmittel für viele eine beliebte Allzwecklösung beim Bikewashing, allerdings kann es bei der Wirksamkeit nicht mit speziellen Kettenreinigern oder Waschbenzin mithalten.
- Bremsenreiniger: Seine sehr stark entfettende Wirkung führt dazu, dass die Kette nach einer Behandlung mit Bremsenreiniger sowohl außen, als auch innen komplett ungeschmiert ist und somit auch keinen Rostschutz mehr bietet.
- Diesel oder Benzin: Allerdings raten wir auch von dieser Methode ab, da beide Substanzen hoch entzündlich sind.
- WD-40 zum Schmieren: Als Kriechöl ist es viel dünnflüssiger als herkömmliches Kettenöl und verdrängt so mit der Zeit die „dickere“ Kettenschmierung.
Wie oft muss ich die Kette ölen?
Diese Frage lässt sich nicht pauschal beantworten. Letztendlich kommt es darauf an, wie oft das Fahrrad benutzt wird und wie stark die Fahrradkette dem Schmutz ausgesetzt ist. Wer jeden Tag bei Wind und Wetter zur Arbeit fährt, sollte die Kette in kürzeren Abständen pflegen - am besten wöchentlich, mindestens aber einmal im Monat. Eines ist sicher: Sobald die Fahrradkette nicht mehr leise läuft und rasselt, solltest du sie dringend ölen.
Kosten für gutes Kettenöl
Die gute Nachricht zum Schluss: Das Ganze ist gar nicht so teuer! Ein gutes Basisöl kostet meist keine 10€ und du kannst einige Zeit damit arbeiten, bevor es leer geht. Selbst die Spezial-Öle sind oft nicht viel teurer und auch Kettenreiniger sind für kleines Geld zu haben.
Zusammenfassung der wichtigsten Punkte für die Fahrradkettenpflege im Winter:
- Häufiges Reinigen und Ölen
- Verwendung von speziellem Kettenöl für nasse Bedingungen
- Regelmäßige Kontrolle auf Verschleiß
Tipps zur Kettenpflege
- Reinige Deine Kette gründlich. Je häufiger, desto weniger Schmutz sammelt sich in der Regel.
- Drehe auch dazu wieder die Kurbel langsam rückwärts und gib das Öl oder Tropfwachs auf die Kettenröllchen und Übergänge der seitlichen Kettenlaschen.
- Lass Dir etwas Zeit, sodass wirklich jedes Kettenglied ein Tröpfchen abbekommt.
Häufige Fehler bei der Kettenpflege
- Zu viel Öl auf der Kette. Das zieht Schmutz geradezu an.
- Die Kette nicht richtig reinigen. Dann gammelt der Dreck in der Kette an und kann sie auf Dauer beschädigen.
- Falsches Schmiermittel verwenden: Z. B. WD-40 statt Kettenöl.
- Die Kette nach dem Ölen nicht abwischen. Dann bleibt das alte Öl drin und vermischt sich mit dem frischen Öl.
- Das Öl nicht ausreichend Zeit zum Einziehen geben.
Verschleißcheck der Kette
Spätestens wenn die Kette sichtbar gelängt ist, stark rostet oder Glieder klemmen, wird es Zeit für einen Austausch. Gerade nach dem Winter lohnt sich der Blick auf die Kette.
Wann sollte die Kette ausgetauscht werden?
- Wenn sie springt.
- Wenn sie Rost aufweist.
- Wenn die Kettenglieder klemmen.
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