Fahrradkette Reinigen und Wachsen: Eine Anleitung

Die Fahrradkette ist enormen Kräften ausgesetzt. Umso wichtiger für ihre Instandhaltung ist eine regelmäßige Pflege. Eine Anleitung zum Fahrradketten-Reinigen in drei Schritten.

Eine verschmutzte Kette ist wesentlich schwergängiger als eine saubere. Das heißt, man muss mehr Kraft aufwenden, um vorwärtszukommen. Schmutz wirkt außerdem materialfressend: Der Verschleiß und der Abrieb sind deutlich höher - nicht nur an der Kette selbst, sondern auch an den Ritzeln der Kettenblätter. Deswegen ist es sinnvoll, Zeit in die Reinigung der Kette zu investieren.

Im Folgenden wird erklärt, wie man eine Fahrradkette richtig reinigt und danach richtig wachst.

Warum Reinigen wichtig ist

Die Kettenreinigung ist weniger eine Sache der Ästhetik als vielmehr eine der Wirtschaftlichkeit.

Nützliches Zubehör

Drei Dinge braucht man unbedingt zum Reinigen der Kette: ein Baumwolltuch, eine Bürste (es geht auch eine alte Zahnbürste) und Kettenöl. Letzteres sorgt dafür, dass die Kette hinterher wieder geschmeidig läuft, denn beim Reinigen trägt man auch einen Teil der Schmierung ab. Fahrradkettenöle gibt es inzwischen nicht nur im einschlägigen Fahrradhandel. Zum Schützen der Hände sind zudem Nitrilhandschuhe geeignet.

Fahrradkette richtig reinigen

Wer keinen Montageständer hat, sollte das Fahrrad vorsichtig auf Sattel und Lenker stellen, aber bitte nur dann, wenn keine hydraulischen Bremsen verbaut sind. Wenn nun der Blick auf die Kette frei ist, lohnt als Allererstes, eine Sichtprüfung vorzunehmen. Beschädigte Kettenglieder zwingen nämlich zum Austausch, weshalb man sich die Mühe der Reinigung dann sparen kann. Hier kommt die Bürste zum Einsatz, mit deren Hilfe man auch in die Innenräume der Kettenglieder gelangt. Sieht man dort kleine, verkantete Steinchen, die sich nicht lösen wollen, kann man zum Beispiel mit einem Kunststoffschaber nachhelfen.

Mit dem Tuch umfasst man nun die Kette und lässt sie durch Bewegen der Pedale hindurchlaufen. Zwei- bis dreimal sollte man die komplette Kette auf diese Weise mindestens abstreifen. Hat man den Eindruck, dass dies zu wenig hilft, kann das Tuch angefeuchtet werden. Nur nass sollte es nicht sein, damit der Schmutz nicht tiefer in die Kettenglieder gespült wird. Ein paar Tropfen herkömmliches Spülmittel fördern den Reinigungsprozess zusätzlich. Allerdings hat dieses eine entfettende Wirkung - entsprechend gründlich muss später die Schmierung erfolgen.

Ein zusätzlicher Blick auf die gereinigte Kette zeigt, ob es noch Verunreinigungen in den Kettengliedern gibt, die am Anfang übersehen wurden. Entsprechend werden diese mechanisch entfernt.

Im Anschluss wird feiner gearbeitet. Um den Schmutz aufzulösen, empfiehlt es sich Reiniger auf Öl-basis, beispielsweise Universalschmieröle, zu verwenden. Diese auf ein Baumwolltuch auftragen. Mit diesem umfasst man nun die Kette und lässt es durch Bewegen der Pedale hindurchlaufen. Mehrmals sollte man die komplette Kette auf diese Weise abstreifen.

Hierfür sollte nur ausgewiesenes Kettenöl verwendet werden, denn es bietet auch einen Korrosionsschutz. Handelt es sich um ein Gebinde mit Tropfenapplikator, muss jedes Kettenglied punktuell versorgt werden. Sprühdosen scheinen zwar bequemer, sind aber schwerer dosierbar.

Aufpassen muss man gerade beim Sprühen, dass auf keinen Fall Öl (auch kein ablaufendes) an die Bremsscheiben oder Bremsflanken gelangt. Deren Funktion wäre sonst massiv beeinträchtigt. Nach etwa einer Viertelstunde lässt sich mit einem Tuch überschüssiges Öl einfach abstreifen - und fertig ist die Kettenreinigung.

Hilfsmittel zum Fahrradkette-Reinigen

Wer Wert auf ein Profi-Finish legt, kann in weitere Hilfsmittel investieren. So gibt es Kettenreinigungsbürsten, die aussehen wie ganz lange Zahnbürsten. Profis schwören auch auf spezielle Reinigungshaken. So bekommt man auch besonders hartnäckigen Schmutz zwischen den Ritzeln heraus. Feinste Schmutzpartikel entfernt ein Kettenreinigungsgerät, durch das die Kette automatisch gezogen wird. Wer sich etwas mechanische Arbeit sparen will, kann zusätzlich noch in einen flüssigen Kettenreiniger als Alternative zum Spülmittel investieren. Man sollte allerdings darauf achten, ob es sich um einen entfettenden Reiniger handelt oder nicht. Entsprechend muss später mehr Kettenöl aufgetragen werden. Die Finger weg lassen hingegen sollte man beim Reinigen der Kette von Hochdruckreiniger, Benzin, Seifenlauge, Korrosionslösung, Alkohol, Bremsenreiniger sowie Stahlbürsten.

So oft sollte man die Kette reinigen

Natürlich ist die Häufigkeit stark davon abhängig, wie oft, wo und bei welchem Wetter das Fahrrad bewegt wird. Es gibt Radfahrende, die tatsächlich wöchentlich reinigen, andere nur einmal pro Jahr beim Frühjahrsputz. Dabei sollte gerade auch vor dem Herbst-Winter-Einsatz die Kette gut in Schuss sein - und erst recht dann, wenn das Fahrrad eingelagert wird. Häufigeres Kettenreinigen hat den großen Vorteil, dass es schneller geht.

Die Vorteile einer gewachsten Kette

Eine Kette zu wachsen bringt zahlreiche Vorteile. Egal ob Energiegewinn, weniger Geräusche, ein sauberer Antrieb oder die Lebensdauer von Kette, Kettenblatt und Ritzeln. Für das Wachsen einer Kette sprechen viele Argumente.

Die Kette ordentlich reinigen

Um eine Kette aber richtig zu wachsen, muss man sie zunächst einmal reinigen. Selbst wenn die Kette neu ist, ist sie in der Regel vom Hersteller mit Kettenfett vorbehandelt. Und da die Reibung in einer Kette zunächst einmal in den Nieten und Buchsen, also den Gelenken, entsteht, sind neue Ketten meistens bis in die Tiefe mit Kettenfett geschmiert. Das vermindert nicht nur Reibung, sondern schützt auch vor Korrosion.

Solch eine Tiefenbehandlung ist aber leider sehr unproduktiv, wenn man eine Kette wachsen möchte. Deshalb reinigen wir die Kette in den von Silca empfohlenen Schritten zunächst mit Waschbenzin, danach mit Kettenreiniger bzw. Spiritus.

1. Reinigen mit Waschbenzin

Im ersten Schritt legt man die Kette in ein verschließbares Glas und füllt es mit Waschbenzin auf, bis die Kette vollständig bedeckt ist. Danach schwenkt man die Kette regelmäßig, indem man das Glas hin und her bewegt, so dass sich das Kettenfett in der Kette lösen kann. Das macht man am besten ein paarmal über den Tag verteilt.

Handelsübliches Waschbenzin gibt es im Baumarkt bei den Lösungsmitteln und Verdünnern für ca. 5 € je Liter. Wer es etwas schneller mag, kann ein Ultraschall Reinigungsgerät benutzen, bei dem man zusätzlich etwas Temperatur (max. 60° Celsius) zuführen kann. Da Waschbenzin brennbar ist, bitte sehr vorsichtig mit den entstehenden Dämpfen sein.

Das Fett löst sich im Ultraschallbad mit Temperatur schneller und man hat den Prozess auf ca. 30 Minuten reduziert.

2. Reinigen mit Kettenreiniger

Die handelsüblichen Kettenreiniger und Entfetter sind auf Laugenbasis und werden i.d.R. in einem vom Hersteller angegebenen Verhältnis mit Wasser verdünnt. Wir empfehlen entsprechende umweltfreundliche Produkte, die kaum biologischen Spuren der Verschmutzung hinterlassen. Diese Entfetter sind ebenfalls in Baumärkten oder im Handel für Automobilpflege erhältlich.

Auch hier ein weiteres Glas mit der Flüssigkeit aufgießen, bis die Kette vollständig bedeckt ist. Nach einigen Stunden und ausreichendem Schwenken kann die Kette mit klarem Wasser gespült werden. Dieser Schritt lässt sich ebenfalls mit dem Ultraschallbad beschleunigen.

3. Finishing mit Spiritus

Jeder kennt Brennspiritus zum Grillanzünden oder Fensterputzen. Um wirklich den letzten Rest an Ölen oder Fetten zu beseitigen, wird die Kette noch einmal analog zu den ersten beiden Schritten in Brennspiritus eingelegt. Hier empfiehlt sich tatsächlich kein Ultraschallreiniger, da Spiritus extrem flüchtig ist. Ein bis zwei Stunden aufbewahren ab und zu schwenken reicht aus. Danach an die frische Luft mit der Kette, damit sie abtrocknen kann. Brennspiritus gibt es ebenfalls für ca. 5 € pro Liter im Baumarkt.

Das Schöne ist, dass man keine der drei Flüssigkeiten sofort entsorgen muss und sie für weitere Behandlungen neuer Ketten taugen.

Das richtige Wachsen der Kette

Man schüttet das Granulat des Silca Secret Chain Blend Wachs in einen kleinen Topf, den man auf einer Herdplatte bei mittlerer Hitze langsam heiß werden lässt. Das Granulat löst sich langsam auf, bis es vollständig flüssig ist. Dann die Herdplatte abschalten, die Kette hineingeben und schwenken, dass Lufteinschlüsse entweichen und die Kette sich vollständig mit dem flüssigen Silca Wachs tränkt. Das geht am besten, wenn man die Kette vorher auf einen alten Bremszug, einer Speiche oder einer Hanf- oder Baumwollschnur auffädelt. Hat sich die Kette mit Wachs vollgesaugt, legt man sie am besten in einen kleinen Karton, der überschüssiges Wachs aufsaugt und in dem man die Kette sauber auskühlen lassen kann.

Nach der Wachs-Behandlung ist die Kette etwas steif, aber durch Auf- und Abrollen wird sie schnell flexibel und kann gleich entweder mit einem Quick-Link Kettenschloss oder dem Kettennieter montiert werden. Vor der Montage stelle bitte sicher, dass auch die Kettenblätter, Ritzel und Schaltungsrädchen sauber sind. Die lassen sich hervorragend mit einem alten Baumwolllappen und ein paar Spritzern Waschbenzin reinigen. Es wäre doch schade, wenn Du Dir mit dem Reinigen der Kette solch eine Mühe gemacht hast und die Kette mit den schmutzigen Antriebsteilen verdreckst.

Alte Ritzel und Kettenblätter können oft eine Mischung sein, die nicht besonders gut zusammenpasst. Stelle bitte vorher sicher, dass die Ritzel Deiner Kassette nicht so stark abgenutzt sind, dass die Kette anfängt zu springen.

Die weitere Pflege der Kette

Die perfekte Ergänzung zum Silca Secret Chain Blend Kettenwachs ist das Silca Super Secret Chain Lube. Eine bereits gewachste Kette lässt sich mit dem Super Secret Chain Lube wie mit Kettenöl nachbehandeln. Nach der Ausfahrt die Kette durch ein trockenenes Tuch durchziehen und danach die Glieder mit dem Chain Lube beträufeln. Bis zur nächsten Ausfahrt trocknen lassen.

Weitere Tipps

  • Damit das verflüssigte und heiße Wachs gut auf und vor allem in die Kette kommen kann, muss man die Glieder gründlich von der ursprünglichen Fettpackung befreien.
  • Alle, die noch ein bisschen mehr Potenzial aus der Kette herauskitzeln möchten, fahren die neue Kette auf einem sauberen Antrieb vorher eine halbe Stunde ein, und zwar mit absichtlichem Schräglauf und vielen Schaltvorgängen.
  • Das letzte Quäntchen an Fabrikschmiere und Metalllabrieb kann man jetzt noch per Ultraschallgerät und einem Spritzer alkalischer Reinigungsflüssigkeit aus der Kette zaubern.
  • Das Einschmelzen und anschließende Baden der Kette im Wachs findet entweder simpel in einem Kochtopf statt, wobei ihr nicht auf über 100 Grad gehen dürft.
  • Ich empfehle statt einem simplen Kochtopf immer den Schongarer.

Kettenblätter und Ritzel reinigen

Auch die Kettenblätter und Ritzel sollten regelmäßig gereinigt werden:

  1. Kettenblätter säubern: Grob-Schmutz an den Kettenblättern kratzen Sie mit einem Kunststoff-Reifenheber von den Oberflächen. Wischen Sie anschließend mit Kettenreiniger und Lappen den Zahnbereich sauber.
  2. Ritzelpaket flott machen: Reinigen Sie auch das Ritzelpaket. Bei geringer Verschmutzung genügt ein straff gezogenes, festes Tuch, um bei ausgebautem Hinterrad die Zwischenräume auszureiben. Ein gezahnter Ritzelrechen holt selbst festen Bodensatz aus dem Ritzelpaket.
  3. Schaltröllchen säubern: Durch ihre exponierte Lage und den Druck der Kette verschmutzen sie besonders stark. Verwenden Sie einen Reifenheber aus Kunststoff, um feste Ablagerungen abzuschaben.

Kette schmieren

  1. Am besten hängen Sie das Rad in einen Montageständer, damit es stabil und sicher steht. Kurbeln Sie die Kette langsam rückwärts unter der Ölflasche durch und geben Sie das Öl tropfenweise auf die Innenseite der vorübergleitenden Kette. So sickert der Schmierstoff langsam in die Zwischenräume und tropft nicht so leicht ab. Falls möglich, stützen Sie die Ölflasche oder Ihre Hand ab, sodass der Ölfluss effizient auf die Kette trifft.
  2. Schalten Sie nach dem vollständigen Auftrag alle Gänge einige Male durch, damit die Kettenglieder in Bewegung geraten und sich das Öl gut verteilen kann. Lassen Sie die frische Schmierung dann mindestens eine Stunde, besser sogar über Nacht ablüften und einziehen. Viele Schmierstoffe enthalten Lösungsmittel, um die Kriechfähigkeit zu erhöhen. Diese flüchtigen Stoffe müssen sich verflüchtigen, damit der Schmierstoff gut anhaften kann.
  3. Ist die Schmierung ausreichend eingezogen, kurbeln Sie die Kette abschließend mehrfach durch ein sauberes, fusselfreies Tuch. So entfernen Sie letzten, angelösten Schmutz und die Reste überschüssiger Schmierung. Die Kette soll außen trocken und nicht mehr klebrig sein, damit neuer Schmutz nicht gleich wieder anhaften kann.
  4. Eine dünne Schicht Sprühwachs auf der neu geschmierten Kette, aber ruhig auch auf Ritzeln und Schaltwerk, bildet eine trockene, wasserabweisende Schicht. Das hält den Schmierstoff länger in den Spalten, schützt eine Weile vor erneuter Schmutzanhaftung und vor Korrosion durch Nässe. Schalten Sie danach noch einmal alle Gänge durch, um auch das Wachs gut zu verteilen, und lassen Sie es gut abtrocknen. Aber Vorsicht: Decken Sie Bremsscheiben - bei Felgenbremsen auch die Felgen - vorher ab, um sie vor dem Sprühnebel zu schützen. Sonst müssen Sie die Bremsflächen vom Wachs reinigen.

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