Tape und WD-40 sind die Grundpfeiler der Amateur-Werkstatt. Wackelt es, aber sollte nicht? Mit Tape fixieren. Es wackelt nicht, aber sollte? WD-40 drauf und es bewegt sich wieder. Das anekdotische 1×1 der Werkstatt. Doch ernsthaft fragt man sich ja, wie gut ist WD-40 in Kombination mit der Fahrradkette? Eine Frage, die wirklich nicht einfach noch eindeutig zu beantworten ist. Gehört das da hin, vielleicht oder gar nicht? Die Antwort, oder zumindest eine Einordnung, gibt es hier.
Kriechöle und ihre Anwendung
Kriechöle sind die Grundlage Öl kriecht oder kriecht nicht. Der prominenteste Vertreter dieser Gattung ist WD-40, ein (wenn man die Urban-Myths glaubt) vom US Militär entwickeltes Öl zur Reinigung von Waffen. Es ist besonders dünnflüssig (niedrige Viskosität, bzw. korrekt hohe Fluidität) und verdrängt Wasser. Ja, es unterwandert praktisch andere Öle und Feuchte, verdrängt es und spült damit Dreck aus. Ein Dauerbrenner um Schaltwerke zu reparieren.
WD-40 als Marke ist aus den USA zu uns rüber geschwappt. Etwa gleich bekannt sind die Namen Caramba oder Ballistol. Praktisch jeder Hersteller, der ein Öl-basiertes Produkt für die Werkstatt anbietet, hat auch ein Kriechöl im Sortiment. Wir nehmen jetzt aber WD-40 mal in diesem Beitrag stellvertretend für die anderen Marken. Nicht weil es besser ist, einfach weil es der prominenteste Vertreter ist.
Bekannte Kriechöle im Vergleich
Hier eine Übersicht bekannter Kriechöle:
| Name | Beschreibung | Preis |
|---|---|---|
| WD-40 | Der Klassiker, das prominenteste Beispiel. | 12,49 EUR |
| Caramba 70 | Vergleichbares Kriechöl eines deutschen Herstellers. | 8,99 EUR |
| Ballistol | Weiteres Kriechöl eines hier ansässigen Herstellers. | 10,90 EUR |
Überall, wo sich altes Fett festsetzen kann, hilft ein Kriechöl. Gerade in Schaltmechaniken und Hebeln kommt das Zeug als universeller Retter zum Einsatz. Und das zurecht: einer der häufigsten Artikel in diesem Blog handelt von so einer „Wunderlösung“: „So repariert ihr einen Shimano Rapidfire Schalthebel„. Oder auch ein prominentes Beispiel, im Antritt Podcast wird im Werkstatt-Beitrag zur Frage, wie man einen alten Schalthebel zum Laufen bekommt, mit ebenjenem Kriechöl beantwortet. „Mein Fahrrad ist Krank.“ Doch das ist ein ganz anderer Anwendungsfall als an der Fahrradkette. Wo das Kriechöl tatsächlich nicht immer sinnvoll ist.
WD-40 an der Fahrradkette: Eine kritische Betrachtung
Also zurück zum eigentlichen Thema. Nun könnte man pauschal sagen, die Fahrradkette darf mit Kriechöl bzw. WD-40 gar nicht bearbeitet werden. Und das wäre die einfachste Empfehlung, denn es gehört grundsätzlich nicht dahin. Ein Kriechöl löst den Schmierstoff deiner Kette und trocknet sie aus, sie fängt schon bald an zu rosten.
Es gibt nun ein kleines „Aber“. Das Problem mit WD-40 ist, dass es die komplette Schmierung der Kette löst. Das WD-40 hat eine zu geringe Schmierwirkung und sehr schnell wird eure Kette nach einem WD-40 Bad anfangen zu quietschen und sowohl den Antrieb als auch die Kette verschleißen. Auch wenn es für einen Moment gut aussieht, die mittel- und langfristige Lösung ist kein Kriechöl.Nur in dem Fall, dass man eine stark verrostete Kette hat, wäre WD-40 eine Option. So könnte man die Kette generell wieder in Gang bekommen und alle alten Überreste aus Rost, Dreck und Fett lösen.
Nun ist es damit aber nicht getan. Das Kriechöl muss jetzt wieder entfernt werden (durch eine Fettlösende-Reinigung mit einem Reinigungsmittel), siehe Beitrag zum Reinigen der Fahrradkette. Seid ihr mit WD-40 und dem Reinigen fertig, dann muss die Kette neu geölt werden. Und zwar mit einem dafür gedachten Mittel, einem der vielen Kettenöle. Am besten eines, welches zu eurem Rad und dem Anwendungsfall (Regen, Trockenheit, etc.) gut passt. Auch dazu gibt es einen größeren Beitrag.
Die richtige Kettenpflege: Schmieren, Reinigen, Schützen
Dass Deine Fahrradkette geschmiert werden muss, merkst Du spätestens daran, dass Dich ein permanentes Vogelgezwitscher umgibt. Wenn die Kette schon quietscht, schreit sie förmlich nach Öl oder Wachs. In diesem Zustand ist der Verschleiß enorm, der Kraftverlust maximal und der Antrieb läuft sehr rau, laut und die Schaltvorgänge werden ungenau. So weit solltest Du es nicht kommen lassen - im Idealfall ist die Kette immer sauber und gut geschmiert. Diesen kleinen Aufwand wird sie Dir mit deutlich längerer Laufzeit danken. Das spart den frühzeitigen Gang in die Werkstatt und natürlich auch Geld.
Wenn Du nicht gerade mit Riemenantrieb unterwegs bist, heißt es: Kette schmieren! Wir erklären Dir, wann und wie Du es am besten machst. Motor Peter Matsch, Nässe und Kilometerleistung setzen Deiner Kette zu. Mit der richtigen Pflege erhöhst Du die Lebensdauer der Kette… …und sorgst für weniger Reibung bei der Fahrt. Welches Schmiermittel sich am besten eignet, erfährst Du hier!
Warum muss die Fahrradkette geschmiert werden?
Kettenschmierung erfüllt folgende Zwecke:
- Sie reduziert Reibungswiderstände im Antrieb und hält so den Verschleiß gering
- sorgt für einen geschmeidigen Antrieb, leichtgängiges Schalten
- schützt vor Korrosion, da Öle und Fette bekanntermaßen wasserabweisend sind.
Reibung und Verschleiß hängen dabei eng miteinander zusammen. Bei Kettenverschleiß ist oft von „Längung“ die Rede. Tatsächlich heißt das aber nicht, dass die Kettenglieder selbst länger werden, wobei sich theoretisch auch der Stahl minimal streckt. Vor allem bekommen die Gelenke der Kette mit der Zeit Spiel, das sich zu einer sichtbaren Längung addiert. Das geschieht durch Reibung bei Rotation der Gelenke, da sich die Nietstifte, Innen- und Außenlachen sowie die Röllchen gegeneinander bewegen.
Du kannst den Kettenverschleiß messen, er macht sich aber auch durch abnehmende Schaltqualität bemerkbar. Eine verschlissene Kette wird außerdem auch die Abnutzung von Kettenblättern und Ritzeln beschleunigen und im Extremfall nicht mehr zuverlässig darauf greifen. Gut geschmiert wird Deine Kette also länger halten. Darüber hinaus schützt die richtige Schmierung auch vor Korrosion durch Nässe.
Welcher Kettenschmierstoff ist der beste?
Welcher Schmierstoff der beste für Dich ist, hängt von vielen Faktoren ab. Für eine staubige Langstrecken-Tour mit dem Gravelbike beispielsweise brauchst Du eine Mischung mit langer Schmierfähigkeit und geringer Schmutzanhaftung. Für eine Mountainbike-Runde an einem verregneten Tag hingegen sollte die Schmierung möglichst standfest sein und Wasser abweisen. Im Folgenden stellen wir die verschiedenen Arten von Schmierstoffen vor.
Was leistet universelles Kettenöl?
Kettenöle sind der Klassiker. Viele dieser Öle sind universelle Rezepturen, die als guter Kompromiss in allen Bedingungen funktionieren. In der Produktbeschreibung erfährst Du in der Regel, wofür ein bestimmter Schmierstoff optimiert ist. Die meisten bestehen aus Mineralöl, synthetischem Öl, pflanzlichem Öl oder Paraffin. Dazu werden verschiedene Additive beigemischt, um bestimmte Eigenschaften zu erreichen, zum Beispiel Silikon, PTFE oder andere Polymere und Keramik.
Flüssige Schmierstoffe bekommst Du entweder in kleinen Kunststoffflaschen, die eine genaue Dosierung erlauben, oder als Kettenspray. Nachhaltigkeit und Umweltverträglichkeit sind bei Schmierstoffen am Fahrrad enorm wichtig. Zwar versprechen umweltfreundliche Kettenöle eine weitgehende Abbaubarkeit - Das Thema beginnt allerdings schon in der Werkstatt: Mit gezielter, wohldosierter Anwendung verbrauchst Du weniger Öl und verlierst entsprechend auch weniger Öl in der Natur.
Bitte beachte auch: Weitverbreitete Kriechöle wie WD-40 oder Brunox, die in anderen Bereichen hervorragende Dienste leisten, eignen sich nicht zur Kettenschmierung, da sie zu dünnflüssig und somit flüchtig sind. Sie spülen die Restschmierung der Kette eher noch aus.
Was leisten Wet Lube, Dry Lube und Kettenwachs?
Wenn Du Dich nicht mit einem Kompromiss zufriedengeben und mehr aus Deinem Antrieb herausholen willst, kannst Du für bestimmte Anwendungen auch zu spezielleren Schmierstoffen greifen. Kettenöle für nasse Bedingungen (Wet Lube) beispielsweise sind zähflüssiger, um einen Schmierfilm zu bilden, der nicht so leicht von Spritzwasser ausgewaschen wird. Sie wirken wie eine Art Imprägnierung der Kette und schützen bestens vor Korrosion. Dieser zähere Schmierfilm ist aber nur bei Nässe von Vorteil, da trockener Dreck leichter daran haftet.
Für trockene und staubige Bedingungen sind daher Trockenschmierstoffe (Dry Lube) die bessere Wahl. Sie sind deutlich dünnflüssiger. Nach etwas Einwirkzeit verfliegen die Lösungsmittel und es bleibt ein Schmierfilm zurück, an dem kaum Schmutz haftet. Wenn Du mit Dry Lube auf der Kette doch mal in den Regen gerätst, dann wird der Schmierfilm allerdings schneller ausgewaschen als bei den Wet Lubes. Trockenschmierstoffe gibt es auf Basis von Öl oder Paraffin (Wachs).
Kettenwachs ist unumstritten der mit Abstand leistungsfähigste Schmierstoff für Fahrradketten. Wachs erzeugt einen trockenen Schmierfilm, den man anfassen kann, ohne fettige oder schmutzige Hände zu bekommen. Gewachste Ketten bleiben sauberer und können leicht ein Mehrfaches der Fahrleistung von geölten Ketten erreichen. Kettenwachse erfordern allerdings grundsätzlich, dass die Kette vor dem Auftragen komplett fettfrei ist.
Flüssigwachse, auch denglisch Drip-Wax genannt, vereinen bereits die meisten Vorteile von Kettenwachs mit einer vereinfachten Anwendung: Kaltwachse wie Squirt, Silca Super Secret Chain Lube, Flowerpower Wax von Effetto Mariposa oder dem pflanzenbasierten Toniq sind als Wachs-in-Wasser-Emulsion bei Raumtemperatur flüssig, können also einfach auf eine Kette aufgetropft werden.
Wachs in fester Form (Heißwachs) generiert eine sehr trockene, langlebige Schmierung. Solche Produkte sind besonders haltbar und senken die Reibung extrem zuverlässig, erfordern aber auch den größten Aufwand bei der Anwendung.
Wie pflege ich meine Kette richtig?
Kurz gefasst, besteht der Prozess aus zwei Schritten: Reinigen und Schmieren. Bevor Du beginnst, empfehlen wir, das Fahrrad an einen Ort zu bringen, an dem es nicht schlimm ist, wenn der Boden schmutzig wird. Alternativ kannst Du eine ölbeständige Unterlage unter dem Rad platzieren. Unsere Hinweise zum Vorgehen sind grundsätzlich als universeller Leitfaden gedacht. Schau Dir unbedingt auch die Anwendungshinweise des Herstellers Deines Schmierstoffes an.
Kette richtig pflegen - Schritt 1: Reinigung
Willst Du Deine Kette lediglich ölen, wird sie zuerst gereinigt. Das ist wichtig, damit der neue Schmierstoff den Weg in die Kettenglieder auch finden kann, dadurch direkt auf dem Metall einen Schmierfilm bildet und sich nicht mit alten Verunreinigungen zu einer Art Schleifpaste verbindet. Die schnellste Methode ist das Abwischen der Kette mit einem Lappen. Drücke ihn fest um die Kette (am besten unterhalb der Kettenstrebe) und drehe die Kurbel rückwärts. Die Kette wird schnell sichtbar sauberer - und der Lappen schmutzig.
Wenn Du etwas gründlicher vorgehen willst oder die Kette sehr stark verschmutzt ist, kannst Du sie vorher mit einem Kettenreiniger behandeln und mit Bürsten oder Pinseln etwas gezielter arbeiten als nur mit einem Lappen. Spezielle Kettenreinigungsgeräte erleichtern diesen Arbeitsschritt. Nach einer Feuchtreinigung empfehlen wir, die Kette trocknen zu lassen, bevor Du mit der Schmierung fortfährst. Da sich auch an Schalträdchen, Kettenblättern und der Kassette Verschmutzungen ansammeln, lohnt es sich, auch ihnen ab und zu etwas Aufmerksamkeit zu schenken.
Wenn Du dabei hartnäckige Ablagerungen nicht mit dem Lappen bzw. einer Ritzelbürste entfernt bekommst, kannst Du sie vorsichtig mit einem kleinen Schlitzschraubendreher abschaben. Reinige Deine Kette gründlich. Je häufiger, desto weniger Schmutz sammelt sich in der Regel.
Kette richtig pflegen - Schritt 2: Schmierung
Drehe auch dazu wieder die Kurbel langsam rückwärts und gib das Öl oder Tropfwachs auf die Kettenröllchen und Übergänge der seitlichen Kettenlaschen. Lass Dir etwas Zeit, sodass wirklich jedes Kettenglied ein Tröpfchen abbekommt. Wenn Deine Kette ein Kettenschloss hat, kannst Du es als Anhaltspunkt nehmen, um zu sehen, dass Du eine komplette Runde gedreht hast.
Ein Kettenspray ist schwieriger zu dosieren als herkömmliches Kettenöl aus der Tropfflasche. Außerdem ist dabei besondere Aufmerksamkeit gefragt, denn es kann schnell passieren, dass Sprühnebel auf die Bremsscheibe oder im Fall von Felgenbremsen auf die Bremsflanke gelangt, womit die Bremse faktisch außer Gefecht ist. Hier besteht das Risiko schwerer Unfälle mit gravierenden Folgen!
Nachdem Du die Kette komplett geschmiert hast, ist es ratsam, sie mit der Kurbel noch ein paar Umdrehungen durch den Antrieb laufen zu lassen, damit der Schmierstoff durch die Rotation der Kettenröllchen noch besser eindringen kann. Nun solltest Du noch ein paar Minuten warten, bis die Schmierung eingezogen ist und kannst die Kette anschließend außen gründlich abwischen. So entfernst Du überschüssiges Öl, das außen an der Kette sonst nur Dreck sammeln würde. Beim Abwischen empfehlen wir, mit dem Lappen, ähnlich wie beim Säubern der Kette, richtig fest um die Kette zu greifen, während Du die Kurbel rückwärts drehst. So entfernst Du zuverlässig das überflüssige Öl.
Die Kette darf hinterher ruhig trocken aussehen - der Schmierstoff ist nun da, wo er benötigt wird - im Inneren der Röllchen und zwischen den Laschen. Die Behandlung mit Wachs (Heißwachs) ist etwas aufwendiger. Das Wachs wird in einem Topf geschmolzen, die abmontierte Kette darin gebadet und danach zum Abkühlen aufgehängt. Zurück bleibt eine trockene Wachsschicht auf und vor allem in der Kette.
Wie oft muss ich die Kette pflegen?
Idealerweise wird die Kette nach jeder längeren Tour gereinigt und geschmiert, damit sie immer im Topzustand ist. Findest Du direkt nach der Tour nicht die Muße, ist der Abend vor der nächsten Ausfahrt auch ein guter Zeitpunkt für die Kettenpflege. Wenn Du nur eine kurze Feierabendrunde in trockenen, aber nicht staubigen Bedingungen gefahren bist, reicht die Schmierung meist noch für die nächste Runde. Eine Sichtkontrolle und kurz an der Kette fühlen hilft für die Einschätzung.
Zudem ist es sinnvoll, hin und wieder auf die Geräusche der Kette zu hören. Läuft sie leise und geschmeidig über Kettenblatt und Ritzel, ist sie wahrscheinlich gut geschmiert. Wenn sie beginnt, leicht metallisch zu rasseln oder gar zu quietschen, ist sie überfällig. Knirscht Deine Kette nach einer schlammigen Ausfahrt mit dem Mountainbike regelrecht, dann solltest Du ihr besonders viel Aufmerksamkeit schenken.
Am Ende hängt die Frage, ob Du für jede Ausfahrt neu schmieren solltest, stark von den folgenden Punkten ab:
- In welchen Bedingungen fährst Du?
- Welche Distanzen legst Du pro Tour zurück?
- Welchen Schmierstoff verwendest Du und wie sorgfältig trägst Du ihn auf?
Mit der Zeit wirst Du ein Gefühl dafür entwickeln, wie lange eine Schmierung bei Dir reicht. Für eine Tour über mehrere Tage sollte der Schmierstoff Deiner Wahl sowie ein Stück Lappen im Gepäck sein. So kannst Du auch unterwegs rechtzeitig nachschmieren.
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