Warum ist die Reinigung der Fahrradkette wichtig?
Die Kettenreinigung ist weniger eine Sache der Ästhetik als vielmehr eine der Wirtschaftlichkeit. Eine verschmutzte Kette ist wesentlich schwergängiger als eine saubere. Das heißt, man muss mehr Kraft aufwenden, um vorwärtszukommen. Schmutz wirkt außerdem materialfressend: Der Verschleiß und der Abrieb sind deutlich höher - nicht nur an der Kette selbst, sondern auch an den Ritzeln der Kettenblätter. Deswegen ist es sinnvoll, Zeit in die Reinigung der Kette zu investieren.Ob Mountainbike, Rennrad oder E-Bike: Nach Fahrten im Gelände oder bei Regenwetter lagert sich ein Schmutzfilm auf deinem Fahrrad und besonders auf deiner Fahrradkette ab. Staub, gestreutes Salz und schmutziges Wasser greifen die Kette ebenso an wie Waldboden.
Vorbereitung zur Reinigung
Das Wichtigste bei der Reinigung der Fahrradkette ist die richtige Vorbereitung. Wenn du alle Utensilien für die Reinigung und Pflege zur Hand hast, kann es losgehen! Tipp: Trage beim Reinigen der Fahrradkette Handschuhe, um schmutzige Hände zu vermeiden. Bringe dein Fahrrad oder E-Bike in eine für dich günstige Position. Am einfachsten erreichst du Fahrradkette, Ritzel und Kettenblatt, wenn du das Fahrrad auf Sattel und Lenker, also auf den Kopf, stellst. Falls du einen Montageständer hast, kannst du das Rad auch in ihn spannen. Beachte aber, dass du Carbonbauteile (z. B. Sattelstütze) nicht fest klemmen solltest. Lege zumindest eine Polsterung (Lappen etc.) um das Bauteil und ziehe nicht zu fest zu.Diese Hilfsmittel benötigst du:
- Baumwolltuch
- Bürste (alte Zahnbürste)
- Kettenöl
- Nitrilhandschuhe (optional)
- Montageständer (optional)
Die gründliche Reinigung deiner Fahrradkette geht einfach und schnell, wenn du dabei sorgfältig vorgehst und einige Dinge beachtest. Lasse die Kette auf Kettenblatt und Ritzel liegen, sie zu demontieren wäre unnötiger Aufwand, der es dir nicht leichter macht.
Die Säuberung dauert maximal 20 Minuten, zumal die Fahrradkette natürlich aufgespannt bleiben darf.
Anleitung zur Reinigung in Schritten
Bei der Reinigung der Kette solltest du möglichst sanft und vorsichtig arbeiten! Benutze keinen Hochdruckreiniger, da dieser die beweglichen Teile der Kette, Kassette und Co. schnell beschädigen kann. Gehe stattdessen wie folgt vor:
1. Groben Schmutz entfernen
Mit dem Reinigen der Fahrradkette beginnst du am besten, indem du den gröbsten Schmutz trocken entfernst. Du brauchst dafür kein spezielles Equipment. Bürste einfach mit einer alten Zahnbürste locker über die Kette. Wenn du schon freie Sicht auf die Unterseite deines Fahrrads oder E-Bikes hast, wirf ebenso einen Blick auf den Umwerfer, das Kettenblatt und das vordere Ritzel.
- Schalte vor dem Reinigen in einen mittleren Gang.
- Entferne den groben Schmutz von der Kette trocken mit einer Kettenbürste. Bürste dazu locker über die Kette. Sitzt der Schmutz tiefer, kannst du diesen vorsichtig mit einem Zahnstocher entfernen. Vergiss dabei nicht die Schaltwerkröllchen.
Hier kommt die Bürste zum Einsatz, mit deren Hilfe man auch in die Innenräume der Kettenglieder gelangt. Sieht man dort kleine, verkantete Steinchen, die sich nicht lösen wollen, kann man zum Beispiel mit einem Kunststoffschaber nachhelfen.
2. Verbliebene Verschmutzungen lösen
Mit einem trockenen Lappen kannst du nun die verbliebenen Verschmutzungen lösen. Verwende einen alten Lappen, denn das Schmiermittel bleibt selbst nach dem gründlichsten Waschgang im Stoff haften. Tipp: Willst du auf Hausmittel zurückgreifen, kannst du vorsichtig einen Tropfen Spülmittel statt Kettenreiniger verwenden.
- Löse nun mit einem trockenen Lappen die verbliebenden Verschmutzungen.
- Sprühe anschließend Kettenreiniger auf den Lappen und fahre nochmal über die Kette. Dadurch wird das Öl-Schmutzgemisch aufgeweicht und lässt sich leichter entfernen. Alternativ kannst du auch eine Zahnbürste und Wasser mit Spülmittel verwenden.
- Nachdem du den Schmutz entfernt hast, spülst du die Kette noch einmal mit klarem Wasser ab und trocknest sie anschließend gut ab.
Mit dem Tuch umfasst man nun die Kette und lässt sie durch Bewegen der Pedale hindurchlaufen. Zwei- bis dreimal sollte man die komplette Kette auf diese Weise mindestens abstreifen. Hat man den Eindruck, dass dies zu wenig hilft, kann das Tuch angefeuchtet werden. Nur nass sollte es nicht sein, damit der Schmutz nicht tiefer in die Kettenglieder gespült wird. Ein paar Tropfen herkömmliches Spülmittel fördern den Reinigungsprozess zusätzlich. Allerdings hat dieses eine entfettende Wirkung - entsprechend gründlich muss später die Schmierung erfolgen.
Ein zusätzlicher Blick auf die gereinigte Kette zeigt, ob es noch Verunreinigungen in den Kettengliedern gibt, die am Anfang übersehen wurden. Entsprechend werden diese mechanisch entfernt.
Um den Schmutz aufzulösen, empfiehlt es sich Reiniger auf Ölbasis, beispielsweise Universalschmieröle, zu verwenden. Diese auf ein Baumwolltuch auftragen. Mit diesem umfasst man nun die Kette und lässt es durch Bewegen der Pedale hindurchlaufen. Mehrmals sollte man die komplette Kette auf diese Weise abstreifen.
3. Kette trocknen und schmieren
Wenn du alle Verschmutzungen abgespült hast, musst du die Kette nur noch gut trocknen, denn erst dann kannst du sie schmieren, was sehr wichtig ist. Wenn du mit einer zu trockenen Kette fährst, erhöht sich die Reibung an den Zähnen der Antriebskomponenten und sie verschleißen schneller. Deshalb solltest du die Kette immer mit Schmiermittel benetzen, bevor du zur nächsten Tour aufbrichst.
- Wenn du die Kette einfach an der Luft trocknen lässt, kann sich durch die lange Trocknungszeit Rost bilden.
Nach der Reinigung geht es an das Schmieren deiner Fahrradkette. Die passende Schmiere für dein Fahrrad ist im Handel als Spray oder in einem Tropfenapplikator erhältlich. Zum Ölen deiner Fahrradkette solltest du nur spezielle Produkte fürs Fahrrad verwenden, etwa das Kettenöl oder Kettenspray vom WD-40.
Hierfür sollte nur ausgewiesenes Kettenöl verwendet werden, denn es bietet auch einen Korrosionsschutz. Handelt es sich um ein Gebinde mit Tropfenapplikator, muss jedes Kettenglied punktuell versorgt werden. Sprühdosen scheinen zwar bequemer, sind aber schwerer dosierbar.
- In welcher Verpackung dein Öl auch kommt, wichtig ist, dass du beim Schmieren jedes Glied deiner Fahrradkette punktuell versorgst. Arbeitest du mit Spray, dann achte darauf, dass auf keinen Fall Öl an die Bremsen, die Bremsscheiben oder die Bremsflanken kommt.
- Gib dazu wenig Öl, am besten einzelne Tropfen, auf die Kettenröllchen. Und zwar unter der Kettenstrebe auf die Oberseite der Kette! Dabei ständig und langsam Rückwärtskurbeln. Nach einem vollendeten Durchlauf das Ölen stoppen, aber die Kette noch eine Weile Kreisen lassen, damit das Öl in die Gelenke kriechen kann. Dann den Antrieb ruhen lassen.
- Vor der nächsten Ausfahrt die äußeren Ölrückstände mit einem Lappen abwischen.
Aufpassen muss man gerade beim Sprühen, dass auf keinen Fall Öl (auch kein ablaufendes) an die Bremsscheiben oder Bremsflanken gelangt. Deren Funktion wäre sonst massiv beeinträchtigt. Nach etwa einer Viertelstunde lässt sich mit einem Tuch überschüssiges Öl einfach abstreifen - und fertig ist die Kettenreinigung.
Am besten hängen Sie das Rad in einen Montageständer, damit es stabil und sicher steht. Kurbeln Sie die Kette langsam rückwärts unter der Ölflasche durch und geben Sie das Öl tropfenweise auf die Innenseite der vorübergleitenden Kette. So sickert der Schmierstoff langsam in die Zwischenräume und tropft nicht so leicht ab. Falls möglich, stützen Sie die Ölflasche oder Ihre Hand ab, sodass der Ölfluss effizient auf die Kette trifft. An E-Bikes mit Mittelmotor ist Rückwärtskurbeln der Kette nicht möglich.
Schalten Sie nach dem vollständigen Auftrag alle Gänge einige Male durch, damit die Kettenglieder in Bewegung geraten und sich das Öl gut verteilen kann. Lassen Sie die frische Schmierung dann mindestens eine Stunde, besser sogar über Nacht ablüften und einziehen. Viele Schmierstoffe enthalten Lösungsmittel, um die Kriechfähigkeit zu erhöhen. Diese flüchtigen Stoffe müssen sich verflüchtigen, damit der Schmierstoff gut anhaften kann.
Ist die Schmierung ausreichend eingezogen, kurbeln Sie die Kette abschließend mehrfach durch ein sauberes, fusselfreies Tuch. So entfernen Sie letzten, angelösten Schmutz und die Reste überschüssiger Schmierung. Die Kette soll außen trocken und nicht mehr klebrig sein, damit neuer Schmutz nicht gleich wieder anhaften kann.
Eine dünne Schicht Sprühwachs auf der neu geschmierten Kette, aber ruhig auch auf Ritzeln und Schaltwerk, bildet eine trockene, wasserabweisende Schicht. Das hält den Schmierstoff länger in den Spalten, schützt eine Weile vor erneuter Schmutzanhaftung und vor Korrosion durch Nässe. Schalten Sie danach noch einmal alle Gänge durch, um auch das Wachs gut zu verteilen, und lassen Sie es gut abtrocknen. Aber Vorsicht: Decken Sie Bremsscheiben - bei Felgenbremsen auch die Felgen - vorher ab, um sie vor dem Sprühnebel zu schützen. Sonst müssen Sie die Bremsflächen vom Wachs reinigen.
Welches Öl ist das Richtige?
Die erste Wahl zur Kettenpflege ist handelsübliches Kettenöl aus dem Fahrradgeschäft. Dieses gibt es in verschiedenen Varianten, z.B. für feuchtes Wetter mit PTFE, das die wasserabweisenden Eigenschaften verbessert.
Kettenwachs nimmt eine Sonderstellung ein: Es trocknet auf der Kette und bildet so einen dauerhaften Schutz für das ursprüngliche Fett. Daher eignet es sich auch zum Einfetten einer neuen Kette. Zu beachten ist allerdings, dass sich das Wachs ohne chemische Entfetter kaum wieder entfernen lässt.
Wichtig: Pflanzenöl eignet sich dagegen nicht als Schmiermittel für die Fahrradkette, ebenso wenig wie Sprays für Autos. Diese sind in der Regel auf die Bedürfnisse von Autos abgestimmt.
Davon solltest du absehen
- Hochdruckreiniger
- Spülmittel (nur in Maßen)
- Bremsenreiniger
- Diesel oder Benzin
Generell kannst du eine Fahrradkette auch mit Benzin oder Diesel reinigen. Allerdings raten wir auch von dieser Methode ab, da beide Substanzen hoch entzündlich sind. Solltest du doch Benzin oder Diesel zum Reinigen deiner Fahrradkette nutzen, achte darauf, die Kette danach sofort wieder zu schmieren, da beide Stoffe stark entfettend wirken.
Wie oft sollte man die Kette reinigen und ölen?
Diese Frage lässt sich nicht pauschal beantworten. Letztendlich kommt es darauf an, wie oft das Fahrrad benutzt wird und wie stark die Fahrradkette dem Schmutz ausgesetzt ist. So kann es sein, dass du deine Kette nach 100 km ölen musst, manchmal dauert es auch länger. Wer jeden Tag bei Wind und Wetter zur Arbeit fährt, sollte die Kette in kürzeren Abständen pflegen - am besten wöchentlich, mindestens aber einmal im Monat.
Eines ist sicher: Sobald die Fahrradkette nicht mehr leise läuft und rasselt, solltest du sie dringend ölen.
Wann sollte die Kette ausgetauscht werden?
Bevor es an das Reinigen deiner Kette geht, solltest du prüfen, ob sich die Länge der Fahrradkette durch die Nutzung verändert hat. Diese Längung siehst du mit bloßem Auge meist nicht, deshalb ist es sinnvoll, mit einer Verschleißlehre den Abstand der Kettenglieder zu prüfen. Die Verschleißlehre ist ein vordefiniert langes Metallstück, das, wenn die Kettenlänge stimmt, zwischen den Gliedern einrastet. Im Allgemeinen schiebt man die Verschleißlehre zwischen die Kettenglieder, um zu messen, ob die Kette über ihre ursprüngliche Länge hinaus gedehnt wurde. Wenn die Lehre ohne Widerstand in den Spalt zwischen den Gliedern passt, ist dies ein Zeichen dafür, dass die Kette ausgetauscht werden muss.Zögerst du den Tausch der Fahrradkette zu lange hinaus, schmirgelt sich die gelängte Kette die Zähne von Kettenblatt und Kassette zurecht und eine neue Kette springt ab.
Wie viele Kilometer du mit einer Kette radeln kannst, hängt davon ab, wie du schaltest, bei welcher Witterung du unterwegs bist und auf welchem Untergrund, wie hochwertig die Kette ist - und wie gut du sie pflegst. Manche müssen nach 1.000 Kilometer runter vom Fahrrad, andere halten gut 3.000 Kilometer und mehr.
Spezifische Empfehlungen für verschiedene Fahrradtypen
Was die spezifischen Empfehlungen für die Pflege von Fahrradketten je nach Fahrradtyp betrifft, so variieren die Anforderungen tatsächlich ein wenig. Rennräder, die oft auf sauberen und trockenen Straßen gefahren werden, benötigen möglicherweise weniger intensive Reinigungszyklen als Mountainbikes, die regelmäßig schlammigen und feuchten Bedingungen ausgesetzt sind. E-Bikes, mit ihrem zusätzlichen Drehmoment, das auf die Kette wirkt, können ebenfalls spezielle Überlegungen hinsichtlich der Schmierung und des Verschleißschutzes erfordern.Regelmäßige Wartung deiner Fahrradkette beugt nicht nur Korrosion, sondern auch dem Verschleiß und der Neuanschaffung anderer Bauteile vor.
Verwandte Beiträge:
- Fahrradkette reinigen: Benzin – Ja oder Nein? Tipps & Alternativen
- Fahrradkette Nieten: Anleitung & Tipps für die Reparatur
- Rostige Fahrradkette: So retten Sie Ihre Kette vor Rost und Korrosion
- Laufen oder Radfahren – Welcher Sport ist wirklich besser für Ihre Gesundheit?
- Fahrradmitnahme im Zug: Kosten & Tipps für eine stressfreie Reise!
Kommentar schreiben