Fahrradkette Schnellverschluss Öffnen: Eine Anleitung

Sie haben viele hundert Kilometer zurückgelegt und nun läuft Ihr Antrieb nicht mehr rund oder Sie haben Probleme beim Schalten? Dann kann es sein, dass es Zeit für eine neue Fahrradkette ist. Bevor Sie eine Fahrradkette aus- oder einbauen können, muss diese geöffnet werden. Dieser Vorgang ist nicht zwangsläufig bei jeder Kette gleich.

Eine Fahrradkette, die über ein Kettenschloss, auch Kettenverschlussglied genannt, verfügt, ist mit einem Handgriff und ohne Werkzeug ganz einfach zu öffnen. Beinhaltet Ihre Fahrradkette kein Kettenschloss, gestaltet sich das Öffnen ein wenig komplizierter. Dennoch ist auch dies selbst für Anfänger gut zu bewerkstelligen.

Öffnen einer Fahrradkette ohne Kettenschloss

Wenn Sie über keinen Kettennieter verfügen, können Sie sich auch mit haushaltsüblichem Werkzeug behelfen. Allerdings macht die Überlegung einer Anschaffung bei passionierten Radfahrern durchaus Sinn, da Sie sich Ihre Arbeiten deutlich erleichtern können.

Alternativen zum Kettennieter

Alternativ können Sie auch einen Hammer und einen Stahlnagel verwenden, um den Nietstift zurück zu „schieben“. Allerdings müssen Sie bei dieser Methode sehr sensibel vorgehen um Ihre Fahrradkette nicht zu beschädigen.

Der Griff muss nun so weit hineingedreht werden bis der Bolzen den Nietstift der Kette leicht kontaktiert. Drehen Sie den Griff nun langsam weiter. Achten Sie darauf, den Stift nicht komplett herauszudrücken!

Hinweis: Wenn Sie den Nietstift versehentlich komplett entfernt haben, ist es selten möglich, diesen wieder einzusetzen. Meist nimmt dieses empfindliche Kleinteil Schaden und verbiegt. Nietstifte sind für gewöhnlich nur für den einmaligen Gebrauch geeignet.

Kette wechseln mit dem Kettentrenner

Die schwarzen Haken (Pfeile) dienen nur dem Einfädeln und nicht als Gegenhalter beim Durchdrücken des Niets. Dafür ist die Rändelschraube mit dem Gewinde (Kreis) zuständig. Diese wird vorher angezogen und nimmt die eigentliche Kraft beim Durchdrücken auf. Wird die Rändelschraube nicht angezogen, brechen die Haken höchstwahrscheinlich ab.

Merke: Je billiger der Kettentrenner, desto sorgfältiger muss der Dorn auf dem Bolzen manuell zentriert werden. Der Kettentrenner im Einsatz von oben gesehen: Deutlich zu erkennen sind die unbelasteten schwarzen Haken, die frei liegen, während der Dorn schon mit Kraft auf den vorgespannten Gegenhalter drückt.

Ältere Räder, oder Räder bei denen die Kette schon mal gewechselt wurde, verfügen auch oft über ein Kettenschloss, dass ganz ohne Werkzeug- oder mit einer einfachen Kombizange geöffnet werden kann.

Wann sollte die Kette gewechselt werden?

Eine Fahrradkette ist ein extrem hoch beanspruchtes Bauteil, das ca. alle 1.500 bis 2.500 Kilometer ausgewechselt werden soll. Dabei gibt es genau zwei sinnvolle Philosophien, wann eine Kette wirklich verschlissen ist und wieviel der Austausch kosten darf: Kette regelmäßig wechseln oder samt Zahnradpaketen bewusst zu Schrott fahren.

Es gibt Schönwetter-Radler, die fahren mit einer guten Kette und Nabenschaltung bei bester Pflege bis zu 8.000 km. Danach sind aber das Ritzelpaket und der Kettenkranz (oft auch die ganze Tretkurbelgarnitur) über alle Verschleißgrenzen hinaus derangiert und müssen unbedingt mit ausgetauscht werden. Das kostete bei meinem Stevens Citiflyer beim Händler mal eben 200,- EUR. Eine neue Kette allein wäre hier schon nach ein paar hundert Kilometern komplett ruiniert gewesen, da die Zahnräder nicht mehr maßhaltig sind.

Seitdem probiere ich die zweite Philosophie: Die Kette lieber alle 2.000 km oder jährlich pro Fahrrad eben selbst wechseln.

Die Kette sollte daher im Auge behalten und rechtzeitig getauscht werden, dann kannst Du Dein Kettenblatt und die Kassette länger fahren. Denn ab einer gewissen Längung nutzt die verschlissene Kette die Kassette und das Kettenblatt so stark ab, dass eine neue Kette auf ihnen nicht mehr laufen würde. Ist dies der Fall, müssen auch diese (teureren) Bauteile gewechselt werden.

Verschleiß der Kette messen

Vor dem Trennen der Kette muss natürlich das Verschleißmaß geprüft werden. Ich gehe hier mal davon aus, dass dies mangels Kettenlehre mit einem Messschieber gemacht wird. Das ist etwas fummeliger, funktioniert aber ganz gut, wenn man mehrere Messungen an verschiedenen Stellen macht. Dazu wird der Messschieber auf 119 mm aufgezogen. Die Spitzen zur Innenmessung werden in die Kettenglieder geführt und der Messschieber wird bis zum leichten Widerstand auseinander gezogen und mit der Rändelschraube fixiert.

Eine neuwertige Kette zeigt bei dieser Methode eine Länge von ca. Ab einer Länge von 120,5 mm sollte die Kette gewechselt werden. Ab 121,5 Millimetern müssen wahrscheinlich nicht nur die Kette, sondern auch das Ritzelpaket (und die Kettenblätter) gewechselt werden.

Einfacher geht die Verschleißmessung mit einer Kettenlehre: Liegt die Lehre auf der Kette ganz auf, sollte die Kette möglichst schnell gewechselt werden. Bei Stahlritzeln darf der Verschleiß 1.0 Millimeter betragen, bei Aluritzeln nur 0,75 Millimeter.

Kettenlängung und deren Auswirkungen

Selbst bei bester Pflege und Schmierung verschleißt die Kette am Fahrrad - insbesondere beim Mountainbiken, wo Dreck und Nässe immer dazu gehören. Durch den permanenten Zug auf der Kette in Kombination mit der Reibung zwischen den beweglichen Teilen entsteht mit der Zeit zwischen den Gliedern Spiel, das sich summiert und die Kette insgesamt längt.

Beim Mountainbiken kommt seitliches Spiel in den Gliedern hinzu, da die Kette durch den rauen Untergrund in verschiedene Richtungen ausschlägt. Wenn Du schon mal ein Slow-Motion-Video einer heißen Mountainbike-Abfahrt gesehen hast, weißt Du Bescheid.

Die richtige Kettenlänge ermitteln

Neue Fahrradketten müssen beim Wechsel in der Regel immer gekürzt werden. Um die richtige Länge zu ermitteln, hängt man am besten die alte und neue Kette nebeneinander an einem Draht oder einer Schraube auf. Zur Not kann man sie auch auf den (sauberen) Boden legen. Die alte Kette hat sich fast immer gelängt, deshalb kürzt man die neue Fahrradkette auf das nächst kürzere Glied.

Alternativ kannst Du die Kettenlänge neu ermitteln. Da die technischen Details der Schaltung hierbei eine wichtige Rolle spielen, empfehlen wir, zur Sicherheit die Hinweise des Herstellers zu beachten. Alternativ kannst Du mit etwas technischem Verständnis aber auch mit unserer Empfehlung arbeiten: schalte das Schaltwerk in den leichtesten Gang (größtes Ritzel), lege die Kette auf dieses Ritzel und auf das (größte) Kettenblatt und fädele sie durch den Schaltwerkskäfig. Ziehe nun die beiden Enden der Kette unten aufeinander zu, bis das Schaltwerk fast komplett durchgestreckt ist und markiere Dir, an welchem Bolzen die Kette gekürzt werden muss.

Beachte beim Kürzen unbedingt, dass Du zum Verbinden mit Kettenschloss zwei Röllchen am Ende haben musst. Verschließt Du die Kette mit einem Nietstift, musst Du ein Ende mit Röllchen und eines mit offener Außenlasche haben.

Bist Du unsicher und "hängst" mit der idealen Länge gefühlt zwischen zwei Gliedern, lass die Kette im Zweifel eher etwas länger. Bei den meisten Full Suspension Bikes ändert sich beim Einfedern die Kettenstrebenlänge. Daher solltest Du zum bestimmen der Kettenlänge den Dämpfer komprimieren. Lasse einfach die Luft ab und schiebe ihn zusammen (Tipp: notiere vorher den Luftdruck).

Optionen zur Kettenlängenbestimmung:

  • Länge der alten Kette übernehmen: Die einfachste Methode ist, die Länge der alten Kette zu übernehmen. Das geht natürlich nur, wenn die Länge bisher schon optimal war.
  • Länge der Kette neu ermitteln: Alternativ kannst Du die Kettenlänge neu ermitteln. Da die technischen Details der Schaltung hierbei eine wichtige Rolle spielen, empfehlen wir, zur Sicherheit die Hinweise des Herstellers zu beachten.

Kette schließen

Kettenschlösser muss man oft extra kaufen. Das sind die übrig gebliebenen Teile einer gekürzten Kette. Die meisten Radfahrer-Innen werden Ihre Kette lieber mit einem Kettenschloss verschließen. Sie ist dann später wieder ohne Werkzeug zu öffnen. Aus Cyclocross-Foren weiß ich, dass auch teure 11-fach Hochleistungsketten problemlos mit einem modernen Kettenschloss geschlossen werden können. Ob das wirklich der gleichen Güte einer vernieteten Kette entspricht möchte ich anzweifeln, aber es funktioniert für die meisten Hobbysportler wohl gut.

Shimano liefert dazu z.B. spezielle Bolzen zum Vernieten aus, die man extra zur neuen 11-fach-Kette hinzu kaufen muss. In der Regel werden nur hochwertige Rennradketten wieder endlos vernietet - also ohne Kettenschloss. Der Bolzen wird an dieser Stelle außerdem von außen mit einem Kreuz markiert und leicht gestaucht, damit die Kette an dieser Stelle nicht versehentlich ein zweites Mal geöffnet wird. Hier gibt es ein gutes Youtube-Video dazu.

Nach dem Neu-Vernieten mit dem Kettentrenner ist die Kette an dieser Stelle oft steif und muss durch seitliches Verbiegen erst wieder gangbar gemacht werden.

Nachtrag Mai 2021, Achtung Spezialwerkzeug nötig: Beim Wechsel der nächsten 11-fach Kette (CN-HG701-11) war ein Schnellverschluss „Quick Lock“ dabei. Dieser kann aber nicht wie bei normalen Nabenschaltungs-Markenketten einfach locker eingeclipst werden, sondern erfordert zwingend das Shimano-Spezialwerkzeug „SHIMANO TL-CN10“ oder eine preiswerte Kettenverschlussgliedzange, da die Kette mit viel Kraft gezogen werden muss, sonst rastet der Schnellverschluss nicht ein. Bei der preiswerten Super-B-Kettenverschlussgliedzange muss der Bolzen abgemeißelt werden, sonst geht die Zange für Shimano-11-Fach Ketten nicht weit genug auf. Mit Spitzzangen usw. geht das nicht, ohne die neue Kette gleich vor zu schädigen.

Wer kein Spezialwerkzeug anschaffen will, nimmt den klassischen Bolzen HG-EV mit der Sollbruchstelle wie oben beschrieben. Dieser muss natürlich extra geordert werden, am besten gleich ein Dreierpack, falls man ihn zu weit drückt…

Campagnolo-Ketten haben nur ein ganz bestimmtes Gliederpaar zum Öffnen und Schließen. Die Technik ist an dieser Stelle im Radsport offensichtlich ausgereizt.

Kettenpflege und Schmierung

Tipp: Denken Sie daran, Ihre Fahrradkette regelmäßig zu reinigen und zu pflegen!

Beim Thema der oft kontrovers diskutierten „richtigen Schmierung“ der Kette für eine lange Lebensdauer vertrete ich persönlich mittlerweile die Meinung „weniger ist mehr“ - zumindest bei Rädern, die nicht oft im Regen oder im Winter gefahren werden. Ich schmiere meine Ketten neuerdings erst dann, wenn sie beginnen ganz leicht zu zwitschern. Früher habe ich sie gerne vor jeder großen Tour geölt, mit Kettenfließfett behandelt, mit biologisch abbaubarem Kettensägenöl überschwemmt - vor dem Herbst, nach jedem Regen, das Ergebnis waren tiefschwarze, öltriefende Dreckmagneten mit einer dicken, schwarzen Krümelkruste, die man nicht mehr sauber bekommt. Das war falsch.

Nachtrag März 2020: Trockenschmierstoff sieht erstmal sauberer aus, hält aber nicht lange und hinterlässt bei mehrfacher Anwendung harte Wachsspuren auf der Kette, die immer dicker werden. Ich nehme jetzt wieder gutes Kettenöl, setze es aber nur noch sehr sparsam ein. Am Pendlerbike im Winter hat sich ein langer Spritzlappen / Schmutzfänger am vorderen Schutzblech über mehrere Winter als extrem kettenlebensverlängernd erwiesen. Dieser hält in der dunklen Jahreszeit Staub, Spritzwasser und Streusalz von der Kette.

Werkzeuge und Materialien für den Kettenwechsel

Als Werkzug benötigt man zwingend einen Kettentrenner. Hier reicht bei sachgemäßer Anwendung, handwerklichem Geschick und einfachen Nabenschaltungsketten evtl. schon ein Multi-Tool - der Kettentrenner ist hier häufig schon mit dran. Das ist natürlich kein Werkzeug für Shimano 11-fach Hochleistungs-Schaltketten an teuren Rennrädern, sondern wirklich nur für den Notfall oder für ein erstes Ausprobieren geeignet. Bei schiefem Ansetzen bricht der Dorn, oder die Gegenhalter brechen ab. Gibt man sich etwas Mühe, geht es z.B. bei einfachen Schaltungsketten aber auch damit.

Tipp für alte Schrauber-Hasen: Ein Multi-Tool ist zum Ketten wechseln immer noch viel, viel besser geeignet als ein Durchschlag mit einem Dorn samt Hammer in ein Brett mit einem Sackloch… wie man das früher gern bei Motorrädern gemacht hat. Moderne Fahrradketten sind absolute Präzisionsteile. Also nix mit Hammer.

Eine Fachwerkstatt arbeitet mit Kettentrennern, die weit über 100,- EUR kosten.

Benötigte Teile beim Kette wechseln: Neue Kette, Kettenschloss, Kettentrenner, evtl.

Zusammenfassung

Eine neue Kette ist immer sofort positiv spürbar und eine der effizientesten Tuningmaßnahmen, um Fahrräder schön leicht laufen zu lassen. Neben leichten und leicht laufenden Reifen ist es der beste und günstigste Trick, überflüssige Reibung am Fahrrad zu vermindern.

Mit etwas Übung und dem richtigen Werkzeug dauert der oben beschriebene Kettenwechsel ca. Entweder man wechselt die Kette regelmäßig oder fährt bewusst 2-3 Generationen von Ketten mit nur einer einzigen verschlissenen Kette und dem Ritzelpaket bzw.

Die Erstschmierung einer neuen Kette hält nach meiner Erfahrung ca.

Ein Kettenriss gehört immer noch zum Alltag, ist aber nur mit entsprechendem Werkzeug auf der Straße zu beheben. Zur Not wird bei gekürzter Kette nur auf den kleinen Ritzeln weitergefahren, da dann ein Gliedpaar fehlt.

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