Fahrradkette und Ritzel Reinigen: Eine Anleitung

Die Fahrradkette ist das am meisten beanspruchte Bauteil am Fahrrad. Auf die filigranen Glieder wirken beim Treten schließlich riesige Kräfte. Umso wichtiger für ihre Instandhaltung ist eine regelmäßige Pflege. Diese Anleitung zeigt dir, wie du deine Fahrradkette und Ritzel richtig reinigst.

Gründe für die regelmäßige Reinigung

Die Kettenreinigung ist weniger eine Sache der Ästhetik als vielmehr eine der Wirtschaftlichkeit. Eine verschmutzte Kette ist wesentlich schwergängiger als eine saubere. Das heißt, man muss mehr Kraft aufwenden, um vorwärtszukommen.

Schmutz wirkt materialfressend: Verschleiß und Abrieb erhöhen sich. Deswegen ist es sinnvoll, Zeit in die Reinigung der Kette zu investieren. Das Säubern dauert maximal 20 Minuten, zumal die Fahrradkette natürlich aufgespannt bleiben darf.

Vorbereitung

Das Wichtigste bei der Reinigung der Fahrradkette ist die richtige Vorbereitung. Wenn du alle Utensilien für die Reinigung und Pflege zur Hand hast, kann es losgehen! Lege gegebenenfalls den Boden mit Zeitungspapier oder einer Plane aus, um Ölflecken auf dem Boden zu vermeiden. Am besten reinigst du dein Fahrrad an einem offiziellen Waschplatz, da dort spezielle Auffangbehälter vorhanden sind und das ölhaltige Wasser nicht ins Grundwasser gelangt.

Nützliches Zubehör:

  • Baumwolltuch
  • Bürste (oder eine alte Zahnbürste)
  • Kettenöl
  • Nitrilhandschuhe (zum Schutz der Hände)
  • Montageständer (optional)

Tipp: Trage beim Reinigen der Fahrradkette Handschuhe, um schmutzige Hände zu vermeiden.

Wer keinen Montageständer hat, sollte das Fahrrad vorsichtig auf Sattel und Lenker stellen, aber bitte nur dann, wenn keine hydraulischen Bremsen verbaut sind.

Reinigung der Fahrradkette und Ritzel

Schritt 1: Groben Schmutz entfernen

Mit dem Reinigen der Fahrradkette beginnst du am besten, indem du den gröbsten Schmutz trocken entfernst. Du brauchst dafür kein spezielles Equipment. Bürste einfach mit einer alten Zahnbürste locker über die Kette. Sitzt der Schmutz tiefer, kannst du diesen vorsichtig mit einem Zahnstocher entfernen. Vergiss dabei nicht die Schaltwerkröllchen.

Auch die Kassette deines Fahrrads solltest du regelmäßig reinigen. Hierfür drehst du die Bürste einfach mit dem Freilauf mit und bürstest den Schmutz weg.

Wenn du schon freie Sicht auf die Unterseite deines Fahrrads oder E-Bikes hast, wirf ebenso einen Blick auf den Umwerfer, das Kettenblatt und das vordere Ritzel.

Grobschmutz entfernen

Grobschmutz entfernen: Zwischen den Ritzelscheiben setzt sich fettiger Dreck ab. Mit einem Reinigungsrechen befreien Sie auch diese Stellen vom gröbsten Schmutz.

Schritt 2: Verbliebene Verschmutzungen lösen

Mit einem trockenen Lappen kannst du nun die verbliebenen Verschmutzungen lösen. Verwende einen alten Lappen, denn das Schmiermittel bleibt selbst nach dem gründlichsten Waschgang im Stoff haften. Löse nun mit einem trockenen Lappen die verbliebenen Verschmutzungen.

Sprühe anschließend Kettenreiniger auf den Lappen und fahre nochmal über die Kette. Dadurch wird das Öl-Schmutzgemisch aufgeweicht und lässt sich leichter entfernen.

Tipp: Willst du auf Hausmittel zurückgreifen, kannst du vorsichtig einen Tropfen Spülmittel statt Kettenreiniger verwenden. Auch Geschirrspülmittel hat eine fettlösende Wirkung und kann zum Reinigen der Fahrradkette verwendet werden. Hierfür gibst du einfach ein paar Tropfen ins Wasser oder direkt auf das Tuch.

Kette säubern

Kette säubern: Sprayen Sie Kettenreiniger auf, bürsten ihn ein und lassen ihn etwas einwirken, dann abwaschen. Kurbeln Sie die Kette rückwärts durch ein trockenes Tuch (evtl. Waschbenzin-getränktes Tuch). Danach ölen.

Schritt 3: Feinarbeit und Reinigung der Kettenblätter

Im Anschluss wird feiner gearbeitet. Um den Schmutz aufzulösen, empfiehlt es sich Reiniger auf Öl-basis, beispielsweise Universalschmieröle, zu verwenden. Diese auf ein Baumwolltuch auftragen. Mit diesem umfasst man nun die Kette und lässt es durch Bewegen der Pedale hindurchlaufen. Mehrmals sollte man die komplette Kette auf diese Weise abstreifen.

Wenn du dir die Kettenpflege erleichtern willst, kannst du dir auch ein professionelles Kettenreinigungsgerät zulegen, das mit seinen kleinen Borsten auch die verborgensten Stellen deiner Kette gründlich reinigt.

Wenn du alle Verschmutzungen abgespült hast, musst du die Kette nur noch gut trocknen, denn erst dann kannst du sie schmieren, was sehr wichtig ist. Wenn du die Kette einfach an der Luft trocknen lässt, kann sich durch die lange Trocknungszeit Rost bilden.

Kettenblätter reinigen

Kettenblätter reinigen: Auch hier hilft Entfetter oder Fahrradreiniger. Aufsprayen, einwirken lassen, mit einem Lappen Zahn für Zahn nachwischen. Bei viel Schmutz: Kettenblätter demontieren und einzeln putzen.

Ritzel feinreinigen

Ritzel feinreinigen: Am Ritzelpaket hilft ein straff gespanntes, dickeres Textil, letzte Reste aus den Zwischenräumen zu fischen.

Antrieb einweichen

Antrieb einweichen: Aufgesprühten Reiniger verteilen Sie mit einer Bürste zwischen Ketten und Ritzeln. Lassen Sie ihn einige Minuten einwirken, so erreicht er auch den letzten Winkel. Dann abwaschen.

Schaltröllchen freilegen

Schaltröllchen freilegen: Ein Reifenheber ist ideal zum Freikratzen der Röllchen. Kurbeln Sie dann rückwärts und reinigen Sie die von der Kette bewegte Rolle mit einem in Waschbenzin getränkten Lappen nach.

Was du vermeiden solltest

Im Internet kursieren viele Tipps, die deinem Fahrrad schaden können. Vom Schmieren mit Speiseöl bis zum Reinigen mit Hochdruckstrahler finden sich unzählige unsinnige Empfehlungen. Die Finger weg lassen hingegen sollte man beim Reinigen der Kette von Hochdruckreiniger, Benzin, Seifenlauge, Korrosionslösung, Alkohol, Bremsenreiniger sowie Stahlbürsten.

Diese Mittel solltest du vermeiden:

  • Hochdruckreiniger: Mit einem Hochdruckreiniger können die Teile beschädigt und Schmierfette aus den Lagern gespritzt werden. Bei Anwendung an der Kette kann zudem alter Schmutz in die Lager gelangen.
  • Spülmittel: So dringt das Mittel nicht so tief in die Kettenglieder ein und ist deshalb für intensiv genutzte Bikes weniger geeignet. Nutzt du das Mittel dennoch, dann sollte die Kette nach der Reinigung sofort geölt werden.
  • Bremsenreiniger: Seine sehr stark entfettende Wirkung führt dazu, dass die Kette nach einer Behandlung mit Bremsenreiniger sowohl außen, als auch innen komplett ungeschmiert ist und somit auch keinen Rostschutz mehr bietet.
  • Diesel oder Benzin: Allerdings raten wir auch von dieser Methode ab, da beide Substanzen hoch entzündlich sind.

Fahrradkette schmieren

Nach der Reinigung geht es an das Schmieren deiner Fahrradkette. Prinzipiell solltest du die Fahrradkette nach jeder Reinigung ölen. Spätestens wenn die Fahrradkette nicht mehr geräuschlos läuft, ist es an der Zeit, sich um sie zu kümmern.

Bevor es ans Eingemachte geht, stellt sich allerdings noch die Frage, welches Mittel sich am besten zum Ölen eignet?

Das richtige Öl

Die erste Wahl zur Kettenpflege ist daher handelsübliches Kettenöl aus dem Fahrradgeschäft. Dieses gibt es in verschiedenen Varianten, z.B. für feuchtes Wetter mit PTFE, das die wasserabweisenden Eigenschaften verbessert.

Kettenwachs nimmt eine Sonderstellung ein: Es trocknet auf der Kette und bildet so einen dauerhaften Schutz für das ursprüngliche Fett. Daher eignet es sich auch zum Einfetten einer neuen Kette. Zu beachten ist allerdings, dass sich das Wachs ohne chemische Entfetter kaum wieder entfernen lässt.

Wichtig: Pflanzenöl eignet sich dagegen nicht als Schmiermittel für die Fahrradkette, ebenso wenig wie Sprays für Autos. Diese sind in der Regel auf die Bedürfnisse von Autos abgestimmt.

Zum Ölen deiner Fahrradkette solltest du nur spezielle Produkte fürs Fahrrad verwenden, etwa das Kettenöl oder Kettenspray vom WD-40. In welcher Verpackung dein Öl auch kommt, wichtig ist, dass du beim Schmieren jedes Glied deiner Fahrradkette punktuell versorgst. Arbeitest du mit Spray, dann achte darauf, dass auf keinen Fall Öl an die Bremsen, die Bremsscheiben oder die Bremsflanken kommt.

Hierfür sollte nur ausgewiesenes Kettenöl verwendet werden, denn es bietet auch einen Korrosionsschutz. Handelt es sich um ein Gebinde mit Tropfenapplikator, muss jedes Kettenglied punktuell versorgt werden. Sprühdosen scheinen zwar bequemer, sind aber schwerer dosierbar.

Nach etwa einer Viertelstunde lässt sich mit einem Tuch überschüssiges Öl einfach abstreifen - und fertig ist die Kettenreinigung.

WD40: Ja oder nein?

Um es gleich vorweg zu nehmen: WD40 sollte man nie verwenden. Als Kriechöl ist es viel dünnflüssiger als herkömmliches Kettenöl und verdrängt so mit der Zeit die „dickere“ Kettenschmierung. Der dünne Film von WD40 reicht nicht aus, um die Kette ausreichend zu schmieren und kann im schlimmsten Fall zu erhöhtem Verschleiß führen.

Wer kein Spezialprodukt zu Hause hat, kann WD40 aber zum Reinigen verwenden, denn es entfettet und schützt die Kette vor Rost.

Wie oft ölen?

Diese Frage lässt sich nicht pauschal beantworten. Letztendlich kommt es darauf an, wie oft das Fahrrad benutzt wird und wie stark die Fahrradkette dem Schmutz ausgesetzt ist. So kann es sein, dass du deine Kette nach 100 km ölen musst, manchmal dauert es auch länger. Wer jeden Tag bei Wind und Wetter zur Arbeit fährt, sollte die Kette in kürzeren Abständen pflegen - am besten wöchentlich, mindestens aber einmal im Monat.

Eines ist sicher: Sobald die Fahrradkette nicht mehr leise läuft und rasselt, solltest du sie dringend ölen.

Kosten für gutes Kettenöl

Die gute Nachricht zum Schluss: Das Ganze ist gar nicht so teuer! Ein gutes Basisöl kostet meist keine 10€ und du kannst einige Zeit damit arbeiten, bevor es leer geht. Selbst die Spezial-Öle sind oft nicht viel teurer und auch Kettenreiniger sind für kleines Geld zu haben.

Weitere Tipps zur Kettenpflege

  • Kettenlänge prüfen: Bevor es an das Reinigen deiner Kette geht, solltest du prüfen, ob sich die Länge der Fahrradkette durch die Nutzung verändert hat.
  • Verschleißlehre verwenden: Im Allgemeinen schiebt man die Verschleißlehre zwischen die Kettenglieder, um zu messen, ob die Kette über ihre ursprüngliche Länge hinaus gedehnt wurde. Wenn die Lehre ohne Widerstand in den Spalt zwischen den Gliedern passt, ist dies ein Zeichen dafür, dass die Kette ausgetauscht werden muss.
  • Regelmäßige Wartung: Die regelmäßige Wartung deiner Fahrradkette beugt nicht nur Korrosion, sondern auch dem Verschleiß und der Neuanschaffung anderer Bauteile vor.
  • Fahrradtyp berücksichtigen: Was die spezifischen Empfehlungen für die Pflege von Fahrradketten je nach Fahrradtyp betrifft, so variieren die Anforderungen tatsächlich ein wenig.
  • Gesamtes Fahrrad überprüfen: Außerdem lohnt es sich, das gesamte Fahrrad auf seine Fahrtauglichkeit überprüfen zu lassen, wenn der Antriebsstrang erst einmal korrodiert ist.

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