Fahrradreifen 16 Zoll im Test: Alles, was Sie wissen müssen

Fahrradreifen haben kein leichtes Leben: Steine, Dornen und Glasscherben trachten täglich nach ihrer Luft. Die schwarzen Rundlinge müssen also viel leisten, wodurch das Lastenheft dementsprechend lang ausfällt. Damit ein Reifen bestmöglich mit allen Ansprüchen und Bedingungen zurecht kommt, ist immer ein Kompromiss nötig.

Reifentypen und Systeme

Auf dem Markt finden sich unterschiedliche Reifensysteme. Neben dem gängigen Drahtreifen gibt es auch sogenannte Faltreifen, Ballonreifen und sogar schlauchlose Fahrradreifen.

Drahtreifen

Heutzutage ist der sogenannte Drahtreifen (englisch: Clincher) auf dem Markt üblich. Bei diesen Fahrradreifen sind in die Gummiummantelung Drähte zur Verstärkung eingelassen. Einmal auf eine Bordsteinkante aufgefahren und der reine Gummireifen konnte die Kraft nicht richtig absorbieren. Der Schlauch wurde zu stark zusammengedrückt und konnte durch den erhöhten Druck an Schwachstellen reißen oder platzen.

Faltreifen

Bei den Faltreifen sind hingegen keine Drahtstränge eingelassen, sondern feine Aramidfäden (zum Beispiel aus Cevlar). Dadurch sind die Reifen biegsamer - sie können in zusammengefaltetem Zustand gekauft werden - und um ein Vielfaches leichter als die gängigen starreren Drahtreifen. Ein Nachteil der Faltreifen ist jedoch mitunter die Montage der Fahrradreifen. Diese Fahrradreifen zu montieren kann mit wesentlich mehr Aufwand einhergehen.

Ballonreifen

Ballonreifen sind in der Regel breiter - insgesamt bis zu 60 Millimeter - als einfache Drahtreifen und können auch mit geringerem Reifendruck gefahren werden. So erhöht sich die Federwirkung der Fahrradreifen. Mit den breiten Fahrradreifen können Sie in der Regel nicht in die Schienen von Straßenbahnen geraten.

Schlauchreifen

Um im Falle eines platten Reifens ungehindert ausrollen zu können, gibt es auf dem Markt auch sogenannte Schlauchreifen. Bei diesen Reifentypen ist der Schlauch in dem Reifenmantel selbst vernäht. Dieser Fahrradreifen wird dabei auf der Radfelge verklebt, ein recht komplizierter und anstrengender Vorgang. Platzt der Schlauch, springt der Reifen jedoch nicht aus der Felge und einem Sturz ist vorgebeugt.

Tubeless-Systeme

Mittlerweile gibt es gar Reifensysteme, die gänzlich ohne Fahrradschlauch auskommen - z.B. beim sogenannten Tubeless-System (Schlauchlos-System). Diese speziellen Fahrradreifen müssen auf spezielle Felgen aufgebracht werden und schließen mit diesen komplett dicht ab. Allerdings kann im Falle eines Defekts am Tubeless-Reifen auch nicht einfach mehr nur ein günstiger Fahrradschlauch zur Behebung gekauft werden. Stattdessen müssten Sie den gesamten Reifen austauschen - ein recht kostspieliges Vergnügen. Insgesamt schneiden schlauchlose Fahrradreifen Test für Test meist sehr gut ab, da sie gut gegen Pannen abgesichert sind und sich im Notfall auch sehr schnell wieder reparieren lassen.

Dabei wird ein Reifen mit einem speziellen Aufbau bei Reifenwulst und Karkasse ohne Schlauch, aber mit Dichtmilch montiert. Letztere generiert keinen Rollwiderstand, verteilt sich im Reifeninneren und kann bei einem Defekt wie einem Durchstich oder einem kleinen Schnitt die Schadensstelle aktiv reparieren. Allerdings muss die Dichtmilch alle 4 bis 6 Monate nachgefüllt werden. Der Aufwand dafür ist überschaubar und entgegen der verbreiteten Meinung kein Hexenwerk.

Im City- und Trekkingbereich findet man das Tubeless-System noch immer sehr selten.

Reifengröße und -breite

Für Kraftfahrzeugführer handelt es sich um eine Selbstverständlichkeit, Fahrradfahrern ist das nicht immer gleich bewusst: Nur bestimmte Reifengrößen passen ans Fahrrad. Die korrekte, für Ihr Rad benötigte Reifengröße können Sie den Angaben auf dem Reifen entnehmen. Ähnlich den Kfz-Reifen sind diese dabei zumeist in Zoll angegeben. Immer häufiger finden sich bei den Herstellern jedoch beim Fahrrad auch abweichende Reifengrößen.

In Zoll angegeben finden sich zumeist Angaben wie z.B. 16 x 1.75. Die erste Zahl bestimmt dabei den Außendurchmesser in Zoll (16). Der zweite Wert gibt Auskunft über die Reifenbreite in Zoll (1.75). Bei den ETRTO-Größen sind die Zahlen in Millimeter angegeben. Ein Fahrradreifen mit der ETRTO-Größe 47-305 beschreibt einen Reifen, der 47 Millimeter breit ist und einen Innendurchmesser von 305 Millimetern besitzt.

Wie breit ein Fahrradreifen sein kann, ist abhängig von der Fahrradgabel und den Bremsen. Sind die Reifen in Breite oder Durchmesser zu groß, schleifen sie an dem Fahrradrahmen. Achten Sie beim Kauf von neuen Reifen also auf die entsprechenden Reifengrößen. Diese können auch in den Felgen eingeprägt sein oder der Rechnung des Fahrrads entnommen werden. Die Höhe des gesamten Rades bestimmt sich durch die Größe der Fahrradreifen.

Luftdruck

Wie bei anderen Fahrzeugreifen auch, muss bei Reifen auch auf den optimalen Luftdruck geachtet werden. Ist der Luftdruck im Fahrradreifen dauerhaft zu niedrig, kommt es schneller zu Verschleißerscheinungen wie etwa Risse an den Reifenflanken oder Abrieb der Lauffläche. Je weiter das Profil der Fahrradreifen abgefahren ist, desto mehr nimmt auch die Fahrstabilität ab.

Die Laufeigenschaften sind umso besser, je höher der Luftdruck der Fahrradreifen ist. Der Rollwiderstand sinkt und der Radfahrer muss weniger Kraft aufbringen, um vom Fleck zu kommen, wenn viel Druck auf den Reifen ist. Bei Fahrradreifen mit geringerem Luftdruck dehnt sich die Lauffläche über ein Mehr an Fahrbahn, die Reibung ist größer. Mit steigendem Druck verringert sich die Kontaktfläche zwischen Reifen und Unterboden und der Rollwiderstand verringert sich.

Da Fahrradschläuche unabhängig von der tatsächlichen Belastung stetig Luft verlieren - bis zu einem Bar pro Monat - sollten Sie den Luftdruck Ihrer Fahrradreifen regelmäßig einem Test unterziehen. Hierzu genügt in der Regel eine kleine Druckprobe.

Der optimale Luftdruck für Ihre Fahrradreifen ist von zahlreichen Aspekten abhängig, darunter von der Fahrradreifenbreite und dem Körpergewicht des Radlers. Generell lässt sich festlegen, dass schmale Reifen in der Regel eines größeren Luftdrucks bedürfen als die breiteren. Bei einer Reifenbreite von 25 Millimeter und einem Gewicht von etwa 60 Kilogramm sollte der Reifendruck bei 6 Bar liegen. Bei einem Körpergewicht von 80 Kilogramm steigt der empfohlene Druck auf 8 Bar. Bei einem Ballonreifen von 60 Millimeter Breite genügen in der Regel 2 bzw.

Da die Hersteller beim Luftdruck eher auf Nummer sicher gehen, empfehlen wir, sich eher am Minimalwert zu orientieren. Wer schwerer ist oder viel Gepäck mitschleppt, sollte den Druck aber noch leicht erhöhen.

Daher sollte der Luftdruck regelmäßig überprüft werden, im besten Fall alle zwei Wochen. Mit einer soliden Standpumpe geht das zuhause schnell und einfach.

Montage

Von Zeit zu Zeit gilt für Fahrradreifen derselbe Grundsatz, wie für Autoreifen: Sind die Laufflächen zu abgenutzt oder Risse im Mantel erkennbar, sollten Sie den Fahrradreifen wechseln.

Bei der Montage eines Fahrradreifens gilt es, einige Aspekte zu beachten. Nutzen Sie keine scharfen Gegenstände wie Schraubenzieher, um den Reifenmantel überzustülpen bzw. seien Sie dabei extrem vorsichtig. Bevor Sie die Reifen anbringen, sollten Sie sich jedoch unbedingt vorab versichern, dass die Laufrichtung richtig angepasst ist.

Beim Montageverhalten montieren wir alle Reifen auf verschiedene Laufräder und achten im Detail auf den Kraftaufwand, die Notwendigkeit eines Reifenhebers und wie schnell sich die Reifen richtig im Felgenbett setzen. Das Handling der meist starren Trekkingmodelle ist hingegen umständlicher und benötigt oft die Hilfe von Reifenhebern.

Bei Fahrradreifen ist der Test leicht! An der Flanke der Räder sind Pfeile eingeprägt, die auf die richtige Laufrichtung hinweisen. Bei den meisten Reifen findet sich nur ein Pfeil mit der zusätzlichen Bezeichnung „ROTATION“. Die Richtung, in die der Pfeil weist, muss nach vorne ausgerichtet sein. Bei MTB-Reifen finden Sie hingegen zumeist zwei Pfeile mit der Beschriftung „FRONT“ und „REAR“. Wenn Sie den Reifen vorne am Fahrrad anbringen möchten, sollte der FRONT-Pfeil nach vorne zeigen - dieser gibt hier die Rotationsrichtung an.

Nach der Montage vermessen wir die Reifen und vergleichen die Werte mit der Herstellerangabe. Dabei fällt auf, dass die meisten Reifen nur wenig abweichen.

Pannenschutz

Beim Pannenschutz setzen die Hersteller auf zwei verschiedene Systeme: Hochdichte, engmaschige Gewebe sind besonders leicht und flexibel, sind aber teuer und schützen nicht so effizient vor Durchschlägen. Sie werden meist bei Gravelreifen und eher teuren Trekkingreifen eingesetzt. Dicke Gummieinlagen unter der Lauffläche agieren als Abstandhalter, erhöhen aber das Gewicht und teils den Rollwiderstand recht deutlich.

Beim Schutz gegen Durchstiche werden drei Tests durchgeführt. Dabei wird im ersten Test die Sicherheit gegen Dornen, Nägel oder Draht überprüft und ein spitz zulaufender Metalldorn durch die Lauffläche gedrückt. Beim zweiten Test simuliert ein flacher Prüfdorn die Abwehr gegenüber scharfkantigen Glasscherben oder Steinen. Der dritte Test überprüft die Widerstandsfähigkeit der Flanken, um gegen Kanten, große Steine oder Äste am Boden gewappnet zu sein.

Beim Durchschlag, auch Snake Bite genannt, simuliert eine stumpfe Guillotine Kanten, wie sie in der Praxis durch Bordsteine, Gullydeckel oder Wurzeln vorkommen. Dann fällt ein 14 Kilogramm schweres Gewicht in stetig ansteigender Höhe auf das Reifen-Laufradsystem, bis dem Reifen die Luft ausgeht.

Am Ende kristallisieren sich in Summe aller Pannenschutztests folgende Champions heraus: Bei den Trekkingreifen bestechen Michelins CityStreet und vor allem Schwalbes Marathon E-Plus. Bei den Gravelreifen überzeugen vor allem Teravail und Schwalbe.

Praxistest und Fahreigenschaften

Am Ende zeigt die echten Fahrqualitäten nur der Praxistest. Dazu wurden die Testmodelle auf Fahreindruck, Laufgeräusche, Komfort, Dämpfungsverhalten und Traktion überprüft. Für die Fahrdynamik besonders wichtig ist ein geringes Gewicht. Schließlich muss der Reifen nach jedem Ampelstopp oder einer Kurve wieder in Fahrt gebracht werden. Durch die Bank fallen die Gewichte bei den Gravelreifen deutlich geringer aus.

Während das Gewicht eher nur beim Beschleunigen wichtig ist, spielt der Rollwiderstand immer eine große Rolle. Beim Abrollen des Reifens entsteht nämlich zwischen den verschiedenen Reifenkomponenten sowie zwischen Reifen und Schlauch ein Walkeffekt, der Energie vernichtet. Ein geringer Rollwiderstand sorgt also für ein zügiges Vorankommen und eine gute Agilität, der Fahrer spart zudem Energie.

Beim Fahrkomfort arbeiten zwei Punkte Hand in Hand: Der Komfort selbst wird durch eine geschmeidige Reifenkonstruktion erzielt. Bei der Traktion ist ein Ergebnis nicht zwingend nur am Profil auszumachen, denn sie ergibt sich aus der Griffigkeit der Gummimischung, dem Profil und der Geschmeidigkeit der Karkasse.

Einen guten Allrounder zu entwickeln, ist für viele Hersteller eine große Herausforderung. Das zeigt unser Test auf dem Prüfstand und in der Praxis. Gerade die Punkte Gewicht und Leichtlauf stehen bei vielen im direkten Konflikt mit der Pannensicherheit.

Unsere Bewertung schließt für jeden Reifen den vom Hersteller vorgegebenen Einsatzbereich mit ein.

Zubehör

In der Regel bekommen Reifen - sind sie erstmal montiert - nur noch wenig Aufmerksamkeit. Hier ist eine Liste von nützlichem Zubehör:

  • Felgenband: Hochwertige Felgenbänder reduzieren schon ab Werk das Pannenrisiko. Wichtig ist dabei die ideale Breite, die grob „Felgenmaulweite plus 3 bis 5 Millimeter“ betragen sollte. Geklebte Versionen verrutschen zudem nicht.
  • Flickzeug: Für Butylschläuche hat sich Flickzeug von TipTop stehts bewährt. Schneller geht’s allerdings mit Schnellklebeflicken, etwa von Syncros.
  • Lochschnüffler: Haucht der Reifen die Luft nur langsam aus, ist das Loch teils schwer zu finden.
  • Luftdruckprüfer: Beste Performance gibt’s nur mit dem richtigen Luftdruck. Ein kompakter Luftdruckprüfer hilft bei der regelmäßigen Kontrolle.
  • Montagefluid: Wenn störrisch aufzuziehende Reifen nicht in ihre Endposition springen wollen, hilft Schwalbe EasyFit.
  • Reifenheber: Intelligente Reifenheber wie der Maxalami NoodLever können mehr: Er hebelt nicht nur, sondern hat auch eine clevere De- und Montagefunktion.
  • Schlauch: Ist der Schaden an Tubelessreifen oder Schlauch zu groß, hilft oft nur ein Ersatzschlauch. Butylschläuche gibt es auch in leicht, etwa von Continental.
  • Silicon-Politur: Gepflegte Reifenflanken sehen besser aus und lassen Dreck nur schwer anhaften. Nur auf der Lauffläche hat das Mittel nichts zu suchen!
  • Standpumpe für die Werkstatt: Die große Standpumpe ist ideal für Werkstatt, Garage und Auto und macht das Aufpumpen zum Kinderspiel. Dank großer Manometer lässt sich auch der Luftdruck perfekt ablesen.
  • Talkum-Puder: Wer mit Schlauch fährt, sollte die Reifen-Innenwand wie auch den Schlauch mit Talkum benetzen. Dadurch agieren beide geschmeidiger und können nicht aneinander verkleben.
  • Tubeless-Dichtmilch: Sie steht bei Tubeless-Systemen für den bekannten Selbstheilungseffekt während der Fahrt. Zuständig dafür sind kleine Dichtpartikel, die die Schadstelle von innen verstopfen und damit reparieren.
  • Tubeless-Werkzeug: Für Tubeless-Systeme benötigt man spezielles Reparaturwerkzeug. Dazu zählt eine kleine Gabel und sogenannte Dichtwürste.

Testmethoden

Wir haben alle Werte zur Pannensicherheit wie Durchstich-, Durchschlagsfestigkeit, Rollwiderstand sowie der Montagefreundlichkeit im Labor überprüft. Daher sind alle Werte direkt miteinander vergleichbar und unterliegen keiner Schwankung durch verschiedene Fahrer, Strecken, Temperaturen oder ähnlichem!

Zusammenfassung

Dieser Test bietet Ihnen einen umfassenden Überblick über Fahrradreifen, insbesondere 16-Zoll-Modelle. Wir haben verschiedene Reifentypen, Pannenschutztechnologien, Rollwiderstand und Montageaspekte betrachtet, um Ihnen bei der Auswahl des optimalen Reifens zu helfen.

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