Fahrradreifen 28 Zoll Winter Test: Sicherheit und Grip im Winter

Die Hauptgefahr auf dem Fahrrad geht zwar von Autos aus, aber Radfahrende verunglücken auch häufig ganz allein. Die meisten von den Unfallforschern untersuchten Stürze passierten zwischen Dezember und Februar. Bei Autos sind Winterreifen vorgeschrieben, wenn sie auf Eis, Schnee oder Schnee­matsch unterwegs sind. Fürs Fahrrad gibt es solche Gebote nicht. Dennoch können spezielle Reifen die Fahrt im Winter auch für Radler und Radlerinnen sicherer machen.

Winterreifen im Test

Der Touring Club Schweiz (TCS) hat gemeinsam mit dem ADAC vier Winterreifen mit und fünf ohne Spikes geprüft. Die Tester wollten wissen: Wie gut eignen sich die Fahrrad-Winterreifen für Fahrten auf Eis, Schnee und Asphalt? Viele der getesteten Modelle sind auch in Deutsch­land erhältlich.

Alle fünf Reifen aus dem Test von TCS und ADAC bieten auf Schnee und Schnee­matsch deutlicher mehr Grip als die Referenz-Reifen fürs Fahr­rad. Der Ganzjahres­reifen Schwalbe Marathon GT 365 (Preis pro Reifen: rund 30 Euro) machte insgesamt einen guten Eindruck, vor allem auf Schnee, hat aber ein hohes Gewicht. Continental Top Contact Winter (rund 53 Euro) ist der Testsieger von TCS und ADAC und sehr empfehlens­wert für Schnee.

Reifen mit Spikes

Auf vereisten Flächen kommen aber auch herkömmliche Fahr­rad-Winterreifen an ihre Grenzen. Im Test von TCS und ADAC zeigte sich klar: Reifen mit Spikes bieten auf Eis noch einen deutlich besseren „Grip“ als die Winterreifen ohne Spikes. Auf Schnee waren sie ähnlich gut. Sie eignen sich laut TCS und ADAC hervorragend für die Fahrt auf Schnee, haben aber deutliche Nachteile auf Asphalt.

Ganz vorn liegen Continental Contact Spike 240 (Preis pro Reifen: rund 40 Euro) und Kenda Klondike Skinny (rund 35 Euro). Dasselbe gilt für den Schwalbe Marathon Winter Plus (rund 40 Euro), der auf Eis etwas schlechter abschneidet und auf Asphalt ebenfalls laut und wenig komfortabel rollt.

Alternative: Überzug mit Spikes

Ganz anders der Retyre Winter Traveler Skin (56 Euro pro Über­zug) - der Testsieger von TCS und ADAC. Der grobs­tollige Über­zug mit Spikes lässt sich per Reiß­verschluss bei Bedarf über den Stan­dard-Straßenreifen ziehen.

Tipps für sicheres Radfahren im Winter

Neben der Wahl der richtigen Reifen gibt es noch weitere Maßnahmen, die das Radfahren im Winter sicherer machen:

  • Reifendruck reduzieren: Die einfachste Maßnahme, das Rad fit für winterliche Straßen zu machen: den Reifen­druck des Stan­dard-Reifens auf ein Minimum zu reduzieren. Dadurch erhält der Reifen eine breitere Auflagefläche und wird spür­bar griffiger.
  • Vorsichtig fahren: Auf blankem Eis ist es besser, aufs Lenken und Bremsen zu verzichten. Radeln in der dunklen Jahres­zeit ist nicht ohne Gefahren. Wenn Sie sich auch bei guten Sicht- und Witterungs­verhält­nissen auf dem Fahr­rad nicht sicher fühlen, sollten Sie es bei Glätte und Schnee lieber stehen lassen.
  • Sattelhöhe anpassen: Stellen Sie den Sattel so ein, dass Sie die Füße problemlos auf den Boden stellen können.
  • Mit Bedacht bremsen: Bei Schnee und Glätte ist es empfehlens­wert, erst einmal auszutesten, wie sich das Rad verhält und wie gut die Reifen am Boden haften, sprich: wie viel „Grip“ sie haben. Während der Fahrt sollten Sie vor allem die Hinterradbremse verwenden. In glatten Kurven am besten gar nicht bremsen, da das Rad sonst wegrutschen könnte.
  • Eis meiden: Groß­flächig blankes Eis macht eine sichere und kontrollierte Fahrt nahezu unmöglich.
  • Abstand halten: Eigentlich müssen inner­orts „verkehrs­wichtige“ Radwege geräumt werden. Passiert das nicht, ist die Benut­zung gefähr­lich für Radlerinnen und Radler. Sie dürfen daher auf die Straße ausweichen.

Fahrradbeleuchtung und Sichtbarkeit

Bei schlechten Sicht­verhält­nissen ist eine funk­tions­tüchtige Fahr­radbeleuchtung ganz­jährig ein Muss. Im Winter ist sie aber ganz besonders wichtig: Zum einen ist es einen großen Teil des Tages dunkel, zum anderen hilft ein gutes Licht auch, potenziell glatte Stellen zu erkennen und Stürzen vorzubeugen. Bedenken Sie zudem, dass am Rad neben einem Front- und Rück­licht auch etliche Reflektoren vorgeschrieben sind. Denken Sie daran, dass Akku-Leuchten bei Kälte oft eine verkürzte Leucht­dauer haben.

Es lohnt sich daher, nicht nur das Rad, sondern auch sich selbst gut sicht­bar zu machen: durch reflektierende Elemente an Taschen, Jacken oder am Hosen­bein. Noch besser: Kleidung beziehungs­weise Warn­westen mit Reflektoren und grell leuchtenden Farben wie Neongelb oder Neon­orange.

E-Bike im Winter

Viele Radler nutzen ihr Pedelec auch in der kalten Jahres­zeit. Bei Eis und Schnee mit Elektrounter­stüt­zung zu radeln, birgt indes eigene Risiken - für Sicherheit und Material. Je nach Modell können Elektromotoren zeit­verzögert reagieren. Bei Glätte kann das gefähr­lich werden. Deshalb mit einem E-Bike generell vorsichtig fahren und die Motor­unterstüt­zung behutsam einsetzen - besser eine kleine Unterstüt­zungs­stufe wählen. Zusätzliches Risiko birgt auch das recht hohe Gewicht der Elektroräder. Damit ist die Gefahr größer, in der Kurve wegzurutschen. Außerdem verlängern sich Brems­wege.

Akkupflege im Winter

Im Winter sollten Sie besonders pfleglich mit den Antriebs­akkus der E-Bikes umgehen. Denn die einge­setzten Lithium­ionen-Batterien sind frost­empfindlich und ein neuer Akku mehrere hundert Euro teuer. Die Akkus sind in einer frost­freien Umge­bung am besten aufgehoben. Hat der Akku bei Abfahrt Zimmertemperatur, machen ihm Fahrten bei Frost nichts aus - der Fahr­strom sorgt unterwegs für warme Zellen. Nur dürfen die Batterien bei einer Fahr­pause nicht auskühlen - deshalb diese auch bei Pausen mitnehmen. Wer im Winter öfter mit dem Fahr­rad unterwegs ist, sollte sich auch Zeit für dessen Wartung und Pflege nehmen.

Fahrradwartung im Winter

Am besten steht das Fahr­rad trocken, vor Regen und Schnee geschützt. Optimaler­weise sogar im Warmen - Schnee oder Eis kann so abschmelzen kann und friert nicht am Fahr­rad fest. Noch besser: Nach der winterlichen Ausfahrt das Rad mit warmem Wasser, etwas Hand­geschirr­spül­mittel und einem groben Schwamm reinigen und anschließend mit einem Lappen trocknen. Funk­tions­tüchtige Bremsen sind ganz­jährig ein Muss. Im Winter kann dieses wichtige Bauteil aber ganz besonders leiden, insbesondere wenn das Fahr­rad viel im Freien steht. War das Rad im Freien geparkt, sollten Sie vor der nächsten Fahrt unbe­dingt die Bremsen testen. Bei der Fahr­radwartung regel­mäßig kontrollieren, ob noch genügend Belag vorhanden ist. Denn Schnee­matsch und Schmutz können die Beläge regelrecht „herunter­schmirgeln“.

Die Fahr­radkette kann schnell Rost ansetzen. Deshalb nach der Fahrt mit einem alten Lappen Dreck und Feuchtig­keit von der Kette entfernen und ihr anschließend mit Kettenöl einen neuen Schutz­film verpassen.

Reifenmodell Preis pro Reifen (ca.) Besonderheiten
Schwalbe Marathon GT 365 30 Euro Ganzjahresreifen, guter Eindruck auf Schnee, hohes Gewicht
Continental Top Contact Winter 53 Euro Testsieger, sehr empfehlenswert für Schnee
Continental Contact Spike 240 40 Euro Sehr gut für Schnee, Nachteile auf Asphalt
Kenda Klondike Skinny 35 Euro Sehr gut für Schnee, Nachteile auf Asphalt
Schwalbe Marathon Winter Plus 40 Euro Etwas schlechter auf Eis, laut und unkomfortabel auf Asphalt
Retyre Winter Traveler Skin 56 Euro pro Überzug Testsieger, Überzug mit Spikes für Standardreifen

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