Insbesondere beim Mountainbiken kann es schnell vorkommen, dass das Vorder- oder Hinterrad eiert. Da gute Laufradsätze nicht günstig sind, ist ein direkter Neukauf nur sinnvoll, wenn die Räder nicht mehr zu retten sind. Kleine bis mittlere Schäden kann man zumeist selbst recht schnell und einfach beheben. Wenn man mit dem Mountainbike über Stock und Stein ballert, ist es nicht gerade ungewöhnlich, dass das Laufrad einiges abbekommt. Tatsächlich, im Vorderrad ist eine Acht.
Was ist eine Acht im Fahrradreifen?
Das Eiern eines Rads wird auch Acht genannt. Es bezeichnet einen Seitenschlag, bei dem Ihr Fahrrad seitlich von der Spur abweicht, also von rechts nach links eiert. Das Laufrad ist nicht mehr richtig zentriert und hat einen Höhen- oder Seitenschlag.
- Seitenschlag: Die klassische Acht. Hierbei handelt es sich um eine seitliche Abweichung der Spur. Das Rad eiert also von links nach rechts.
- Höhenschlag: Beim Höhenschlag variiert die Höhe der Felge.
Beides kann man recht einfach selber korrigieren.
Benötigtes Werkzeug
Um eine Acht im Laufrad zu reparieren, benötigen Sie folgendes Werkzeug:
- Nippelspanner: Als Spezialwerkzeug benötigen Sie in jedem Fall einen Nippelspanner. Hier reicht auch ein ganz einfacher. Profis benutzen natürlich einen Zentrierständer. Aber auf den können Sie für den Hobbybereich verzichten, um kleine Schäden zu beheben. Ich nutze einen von Sigma Sport, er ist nur für zwischendurch optimal. Kaufen Sie sich eher einen Spanner, der nur auf eine Größe angepasst ist.
- Zentrierständer (optional): Willst du genauer und häufiger dein Laufrad zentrieren, dann benötigst du noch diese Tools: Zentrierständer, da erkennst du Höhen- und Seitenschläge direkt. Einsteiger Modelle starten bei 50 Euro und Profimodelle ab 250 Euro.
- Speichenhalter (bei Messerspeichen): Hinweis: Bei Messerspeichen achte darauf, dass die flache Seite der Speichen in Fahrtrichtung steht. Dafür gibt es extra Speichenhalter.
- Speichenmesser (optional): Die Spannung der Speichen überprüfst du mit einem speziellen Messgerät.
Praktisch für unterwegs: Multi-Werkzeug mit Nippelspanner.
Anleitung: Laufrad zentrieren ohne Zentrierständer
Prinzipell kannst Du eine "Acht" selbst aus dem Rad zentrieren. Dazu benötigst Du das richtige Werkzeug, das nicht aus der Billigecke des Baumarktes kommen sollte. Wenn Du etwas Zeit investierst, kannst Du das z.B. anhand von Büchern, z.B. Erfahrung bringt mit der Zeit bessere Ergebnisse.
- Vorbereitung: Baut die Reifen (Mantel und Schlauch) vorher aus. Stelle dein Fahrrad auf den Kopf und hänge die Bremse aus. Entferne den Reifen, so erkennst du einen Höhenschlag.
- Lokalisierung: Danach drehe das Rad langsam und schaue, an welcher Stelle es ausschlägt. Ich nutze die Bremse oder einen Stift als Referenzpunkt. Markiere den Bereich mit einer Kreide oder Stift. Um das Laufrad zu zentrieren, musst Du natürlich zuerst einmal wissen, wo an der Felge der Seitenschlag sitzt und zu welcher Seite er ausschlägt. Dazu hängst Du Dein Laufrad in den Zentrierständer. Stelle die Schenkel der sogenannten Justierzange so nahe an die Felgenflanke, dass sich das Laufrad gerade noch frei drehen kann. Der Abstand zwischen der Justierzange und der Flanke sollte also möglichst klein sein. Wenn Du nun das Laufrad im Zentrierständer drehst und währenddessen die Justierzange noch näher an die Felge heranfahren lässt, wirst Du sehen, wie die Felge seitlich taumelt. Die Felgenflanke wird bald die Justierzange touchieren, aber nur an einem Teil der Felge. Dies macht sich durch ein kurzes, schabendes Geräusch bemerkbar. Genau dort sitzt Dein Seitenschlag! Schau Dir genau an, wo der Schlag beginnt und wo er wieder aufhört. Mit zwei Aufkleber-Schnipseln kannst Du Anfang und Ende des Schlags markieren.
- Seitenschlag entfernen: Faustregel bei seitlichen Felgenschlag: Schlägt die Felge nach rechts, ziehe die linken Speichen fest oder löse leicht die rechten Speichen. Umgedreht ziehst du die rechten Speichen fest, wenn das Rad nach links ausschlägt. Drehe den Speichenspanner zum Festziehen gegen den Uhrzeigersinn und im Uhrzeigersinn löst du sie. Probiere zuerst mit einer Viertel bis max. halbe Umdrehung, wenn die Felge heftig ausschlägt. Drehst du zu viel, geht die Felge in die andere Richtung. Dann fängt die Fummelei an und viel Geduld ist gefragt. Achte darauf, dass der Speichenschlüssel genau passt, ansonsten drehst du den Nippel rund.
- Höhenschlag reparieren: Ziehe den Reifen ab und suche den Bereich, wo das Rad eiert und markiere ihn. Faustregel bei Höhenschlag: Geht die Felge nach außen spanne dort die Speichen. Reicht das nicht, ziehe die andere Seite auch nach. Bewegt das Rad sich nach innen lockere die Speichen.
- Überprüfen: Schau, ob die Felge noch rund läuft und nicht wieder zur Seite ausschlägt. Danach kontrolliere die Spannung aller Speichen. Drücke mit der Hand immer zwei zusammen. Genauer ist es mit dem Speichenmesser, der ist für Hobbyradler preislich etwas übertrieben. Damit misst du die Spannung der Speichen.
- Abdrücken: Lege die Felge auf den Boden und drücke mit beiden Händen drauf. Wiederhohle das 2 bis 3 Mal für beide Seiten. Prüfe nochmals die Felge.
Zentrieren mit Zentrierständer
- Einspannen: Schritt 1: Spannen Sie das Laufrad in den Zentrierständer ein. Achten Sie darauf, dass das Laufrad fest im Ständer verankert ist.
- Prüfen: Schritt 2: Prüfen Sie vor dem Zentrieren zunächst die Felge auf Unebenheiten. Einen Seitenschlag zu beseitigen ist relativ simpel.
- Spannung erhöhen: Schritt 4: Steht man vor dem Laufrad, erhöht man die Speichenspannung, indem man die Nippel im Uhrzeigersinn dreht.
- Anziehen: Schritt 5: Ziehen Sie die entsprechenden Speichennippel zunächst um eine viertel Umdrehung an.
- Kontrolle: Schritt 6: Kontrollieren Sie das Rad dann noch einmal.
Wichtige Hinweise
- Zeit nehmen: Klingt banal, aber nehmen Sie sich Zeit und nehmen Sie Änderungen bei der Speichenspannung nur in kleinen Schritten (viertel Umdrehungen) vor. Sonst kommt es ganz schnell vor, dass hinterher mehr kaputt ist als vorher. Aber auch dann keine Panik.
- Messerspeichen: Wenn Du Messerspeichen (also abgeflachte Speichen) hast, musst Du sie mit einem Speichenhalter festhalten. Sonst kann es sein, dass sie sich verdrehen. Platziere den Speichenhalter beim Anziehen der Speichen so nah wie möglich am Speichennippel, um so wenig Torsion (Verdrehung) wie möglich zu erreichen.
- Knarren: Beim Anziehen einer Speiche hörst Du hier und da sicher mal ein Knarren oder Knarzen. Das ist nicht schlimm und kommt durch die Reibung zwischen Nippelkopf und Felgenbett unter Druck.
- Erste Fahrt: Bitte bei der ersten Fahrt nach dem Zentrieren nicht erschrecken: Die Speichen haben nun mehr Spannung als vorher und können sich daher noch an den Speichenkreuzungen „setzen“. Dies macht sich durch ein deutlich hörbares Knarzen bemerkbar. Dieser Effekt ist ganz normal, sollte aber schon nach kurzer Fahrt aufhören.
Reifenmontage und korrekter Sitz
Manchmal liegt es nicht an der Felge, sondern am Reifen selbst. Wenn Sie beim Fahrradfahren ein "Eiern" eines der Reifen feststellen, muss dies nicht zwingend an einer "Acht" in der Felge liegen, sondern oft ist der Reifen bzw. Mantel an sich schuld. Nicht, weil er fehlerhaft produziert wurde, sondern weil der Fahrradreifen nicht optimal auf der Felge sitzt. Das passiert schneller als man denkt. Der Mantel muss überall exakt gleichmäßig tief in der Felge sitzen.
- Felgenband kontrollieren: Das liegt manchmal schon schief drin und muss erneut sauber ausgerichtet oder, falls es kaputt ist, ersetzt werden.
- Auf- und abpumpen: Wenn der Mantel in der Felge sitzt, aber eben nicht sauber, erst einmal versuchen das Ganze mit Kneten zu beheben. Dabei ggf. etwas Luft wieder ablassen. Wenn das nicht klappt, einmal den Reifen bis zum Maximum aufpumpen (bei meinen Reifen bspw. 3,5 Bar). Ggf. springt der Mantel dabei richtig rein. Wenn nicht, einfach noch mal wieder stark Luft ablassen und das Ganze noch einmal.
- Spüli: Spüli kann vorherigen Tipp unterstützen. Einfach Das Felgenhorn und den Reifen mit einem Spüli-Wasser-Gemisch ein wenig einseifen. Das verringert die Reibung und sollte den Prozess vereinfachen.
- Eine Runde drehen: Einfach mal eine Runde um den Block fahren. Das Gewicht und die Bewegung können ihren Teil zu einem gut sitzenden Mantel beitragen.
Kosten für die Reparatur im Fahrradladen
Dein Fahrrad Achter ist noch nicht weg, dann bringe es in die Werkstatt. Der Monteur verlangt zwischen 15 bis 20 Euro je nach Region und Schwierigkeit. Bringe nur die Felge ohne Reifen zur Werkstatt, sonst berechnen sie dir noch den Ausbau extra. Die professionelle Reparatur ist sinnvoll bei hochwertigen Laufrädern. Ansonsten überlege dir eher ein neues Laufrad zu kaufen.
Tipps und Tricks
- Speichenspannung: Eiert das Rad, liegt das daran, dass auf einzelnen Speichen die Spannung zu hoch oder zu niedrig ist und sie so ungleichmäßig an der Felge ziehen. Das Eiern des Rads können Sie beheben, indem Sie die Speichenspannung verändern.
- Richtwert: Als Richtwert können Sie sich daran orientieren, dass Seitenschläge von bis zu 1 cm Abweichung von der Mitte sich beheben lassen. Die Speichenspannung lässt sich nur bis zu einem gewissen Punkt verändern. Irgendwann kann es dazu kommen, dass die Spannung zu hoch ist und die Speichen reißen.
- Alternative zum Zentrierständer: Wenn Du keinen Zentrierständer zu Hause hast, kannst Du Dir aber auch mit einem kleinen Trick behelfen. Lass das betroffene Laufrad im Bike und spanne einfach einen Kabelbinder in Höhe der Felgenflanke um Deine Gabel oder Sitzstrebe, je nachdem ob Du das Vorder- oder Hinterrad zentrieren willst. Schneide ihn soweit ab, dass er so gerade kurz vor der Felgenflanke steht. Du kommst mit dieser Methode nicht auf die Präzision eines Zentrierständers - für den Notfall reicht es aber so.
Faustregeln
- Seitenschlag: Schlägt die Felge nach rechts, müssen die Speichen gespannt werden, die vom Felgenring aus zur Gegenseite hin zeigen, also zum linken Nabenflansch (Nicht-Antriebsseite). Zieht sie nach links, müssen die Speichen gespannt werden, die vom Felgenring aus zur Gegenseite hin zeigen, also zum rechten Nabenflansch (Antriebsseite).
- Felgenbremsen vs. Scheibenbremsen: Ein Laufrad für Felgenbremsen sollte nahezu perfekt gerade sein, da sich beim Bremsen sonst ein störendes Pulsieren bemerkbar machen kann. Ein Scheibenbrems-Laufrad ist da unkritischer: Da ist 1mm Seitenschlag gar nicht schlimm und kann ohne weiteres toleriert werden, solange die Speichenspannung stimmt.
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