Fahrradreifen eiert nach Schlauchwechsel: Ursachen und Lösungen

Wenn Sie beim Fahrradfahren ein "Eiern" eines der Reifen feststellen, muss dies nicht zwingend an einer "Acht" in der Felge liegen, sondern oft ist der Reifen bzw. Mantel an sich schuld. Aber keine Sorge, wahrscheinlich ist nichts kaputt. Das "Eiern" rührt durch eine Unwucht des Reifens her. Nicht, weil er fehlerhaft produziert wurde, sondern weil der Fahrradreifen nicht optimal auf der Felge sitzt. Dieses kommt je nach Reifen und/oder Felge häufiger vor.

Mögliche Ursachen für das Eiern des Reifens

  • Falscher Sitz des Reifens: Sitzt der Pneu recht stramm auf der Felge, kann es sein, dass sich das Gummi durch den Reibungswiderstand nicht 100%ig um die Felge gelegt hat.
  • Verrutschtes Felgenband: Ein anderer Grund kann übrigens ein verrutschtes Felgenband sein. Schau mal nach ob an der Stelle das Felgenband etwas außerhalb der Mitte liegt. Das kann auch ein Grund sein das der Reifen nicht richtig sitzt.
  • Defekte Karkasse des Reifens: Ist aber die Karkasse des Reifens defekt kannst du nur tauschen.
  • Höhen- oder Seitenschlag des Laufrads: Das Laufrad ist nicht mehr richtig zentriert und hat einen Höhen- oder Seitenschlag.
  • Ventil klemmt: Oft klemmt das Ventil unter dem Reifen, der dann an der Stelle eiert wo das Ventil sitzt.

Lösungsansätze zur Behebung des Problems

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, das Eiern des Reifens nach einem Schlauchwechsel zu beheben:

1. Korrekter Sitz des Reifens

Um das lästige "Eiern" zu beheben, sollten Sie zur Reifenmontage eine sogenannte Reifenmontagepaste oder Montage-Flüssigkeit bzw. Montagefluid benutzen. Damit schmieren Sie die Reifenwulst ein und montieren dann den Fahrradreifen. Sie werden sehen, dass er nun sehr leicht auf die Felge rutscht. Beim Aufpumpen wird er selbständig seine richtige Position auf der Felge finden. Oft hört man dabei auch ein mehrfaches "Ploppen". Der Fahrradreifen sollte nun gleichmäßig anliegen und das "Eiern" der Vergangenheit angehören. Die Montageflüssigkeit am Reifen wird sich in kurzer Zeit verflüchtigen und nicht mehr zu sehen sein.

In diversen Fahrrad-Foren kursieren Haushaltstipps, anstatt eines Montagefluids einfach billig herzustellende Seifenlauge (etwas Spülmittel und Wasser) auf die Reifenwulst zu schmieren. Davon raten wir allerdings ab. Der Reifen flutscht zwar hiermit auch ganz leicht auf die Felge und die Unwucht ist damit in der Regel auch beseitigt, die Seifenlauge ergibt aber einen rutschigen Schmierfilm am Pneu und auf der Felge. Die Reifendecke kann sich auf der Felge drehen. Es droht unter Umständen ein Ventilabriss. Außerdem lässt ein schmieriger Film aus Seifenlauge die Felgenbremsen schlecht bzw. gar nicht greifen. Genauso schlecht ist der Haushaltstipp mit Babypuder. Der Puder erfüllt zwar seinen Zweck, lässt aber auf Dauer Reifen und Schlauch regelrecht zusammenkleben.

Alternativ:

  • Lass die Luft ab und drück das Ventil einmal ganz in die Felge hinein.
  • Reifen demontieren, Felge und Reifen an den Kontaktflächen mit einer Spüli-Wasser-Lösung einsuppen, direkt wieder montieren.
  • Pump den Reifen mal auf den maximalen für Felge und Reifen erlaubten Druck auf. Macht dann oft "plopp" und sitzt richtig, dann laß wieder auf einen "zivilen" Druck ab.

2. Felgenband prüfen und korrigieren

Felgenband kontrollieren. Das liegt manchmal schon schief drin und muss erneut sauber ausgerichtet oder, falls es kaputt ist, ersetzt werden.

3. Laufrad zentrieren

Wenn man mit dem Mountainbike über Stock und Stein ballert, ist es nicht gerade ungewöhnlich, dass das Laufrad einiges abbekommt. Seitenschlag: Die klassische Acht. Hierbei handelt es sich um eine seitliche Abweichung der Spur. Das Rad eiert also von links nach rechts. Höhenschlag: Beim Höhenschlag variiert die Höhe der Felge. Beides kann man recht einfach selber korrigieren. Da es im Internet unzählige gute Anleitungen gibt, will ich euch hier nicht damit langweilen.

Manchmal reicht es, wenn man die Speichen wieder korrekt spannt. Dabei sollte man auch checken, ob es lockere Speichen gibt, die man neu fixieren und befestigen muss. Bei der Speichenspannung muss man sehr vorsichtig sein, da man damit auch viel zerstören kann. Als Werkzeug, um die Speichen einzustellen, benötigt man lediglich einen Speichenspanner.

Werkzeuge und Vorgehensweise:

  1. Als Spezialwerkzeug benötigt ihr in jedem Fall einen Nippelspanner. Hier reicht auch ein ganz einfacher.
  2. Baut die Reifen (Mantel und Schlauch) vorher aus.
  3. Nehmt euch Zeit und nehmt Änderungen bei der Speichenspannung nur in kleinen Schritten (viertel Umdrehungen) vor.

4. Reifenmontage richtig durchführen

Reifenmontage gehört zum kleinen Einmaleins der Bikereparatur.

  1. Kontrollieren, dass das Felgenband korrekt sitzt.
  2. Eine Seite des Mantels auf die Felge setzen. Achtet dabei darauf, ob der Mantel eine Laufrichtung hat.
  3. Schlauch etwas aufpumpen - sollte schon eine „schöne Form“ haben - und in den Mantel legen. Beim Ventil beginnen.
  4. Gegenüber dem Ventil mit dem Einsetzen der anderen Mantelseite beginnen und beidseitig arbeiten. Dabei darauf achten, dass der Schlauch nicht eingequetscht wird. Enden solltet ihr am Ventil.
  5. Kontrolliert noch einmal den richtigen Sitz und ob nichts eingequetscht ist.
  6. Pumpt den Reifen einmal auf sein Maximum auf, damit er sich richtig in die Felge setzt.

5. Zusätzliche Tipps

  • Generell kann man sagen, dass man einen neuen Schlauch, bevor man ihn einlegt zuerst aufpumpt, damit er Form annimmt. Dann laesst man wieder etwas ab, legt ihn in den Mantel, pumpt ein wenig, massiert den Reifen einmal rundherum und pumpt dann volle Pulle etwas ueber's Maximum. Meistens hoert man's dabei knallen, wenn der Schlauch in Form "springt". Schliesslich laesst man die Luft wieder bis zum gewuenschten Level ab.
  • Wenn man's perfekt machen will, reibt man den Schlauch vorm Einbau etwas mit Babypuder oder Seifenwasser ein.
  • Einfach mal eine Runde um den Block fahren. Das Gewicht und die Bewegung können ihren Teil zu einem gut sitzenden Mantel beitragen.

Sollte das Problem weiterhin bestehen, empfiehlt es sich, den Reifen beim Händler zu tauschen oder das Laufrad von einem Fachmann überprüfen zu lassen.

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