Jeder kann einen Beitrag zur Erhaltung der Umwelt leisten. Die Ralf Bohle GmbH mit ihrer Marke Schwalbe und die Pyrum Innovations AG haben zum Auftakt der weltweit größten Fahrradmesse Eurobike in Frankfurt ein neues Recycling-System für gebrauchte Fahrradreifen vorgestellt. Schwalbe hat dazu ein Rückholnetzwerk für Fahrrad-Altreifen etabliert - die speziell entwickelte Schwalbe Recycling Box steht bei allen teilnehmenden Fachhändlern bereit.
Als erster Fahrradreifenhersteller weltweit kümmert sich Schwalbe um die Rückführung und das Recycling von gebrauchten Fahrradreifen aller Marken. Pyrum übernimmt mit seinem Thermolyse-Werk die mechanische Aufbereitung sowie das thermolytische Recycling der Altreifen. Dadurch entstehen aus gebrauchten Reifen wieder neue.
Schwalbe setzt mittlerweile bereits in 70 Prozent seines Sortiments recycelten Ruß (rCB) ein. Das rCB ist ein direktes Produkt aus dem Schwalbe Recycling System und ersetzt zu 100% fossil hergestellten Industrieruß. Auf diesem Weg werden 80% CO₂-Äquivalente eingespart. Endverbraucher spüren vom rCB-Einsatz direkt nichts, da weder Design und Performance noch der Preis der Reifen sich dadurch ändern. Trotzdem profitieren von der Kaufentscheidung die Kreislaufwirtschaft und damit die Umwelt.
Partnerschaft für eine nachhaltige Zukunft
Der deutsche Fahrradreifenhersteller Schwalbe unterzeichnet nach erfolgreichem Beginn des Reifenrecyclings einen Langzeitvertrag mit Recycling-Spezialisten. Schwalbe und die Pyrum Innovations AG arbeiten langfristig zusammen. Beide Unternehmen haben einen Rahmenvertrag über die langfristige Abnahme von Pyrums recovered Carbon Black (rCB) über zehn Jahre geschlossen. Schwalbe nutzt das rCB, das im gemeinsam entwickelten Reifenrecycling gewonnen wird, für die Produktion von neuen Schwalbe-Produkten.
Ebenfalls Bestandteil des Vertrags ist die Lieferung von alten Fahrradreifen von Schwalbe an Pyrum im Rahmen des Schwalbe Recycling-Systems. Das im Thermolyse-Verfahren aus Altreifen gewonnene Produkt rCB ist in der Reifenindustrie ein zunehmend gefragter Rohstoff für die Herstellung nachhaltiger Neureifen.
Statements der Verantwortlichen
Frank Bohle, Geschäftsführer der Ralf Bohle GmbH: „Wie 1983 mit dem ersten Schwalbe Marathon stehen wir mit dem Reifenrecycling am Anfang eines langen Weges. Wir sind Pyrum sehr dankbar für ihre Pionierleistungen im Thermolyseprozess.“ Pascal Klein, CEO der Pyrum Innovations AG: „Bohle passt mit seiner Marke Schwalbe perfekt zu unserem zu 100% nachhaltigen Geschäftsmodell.
Felix Jahn, Leiter CSR bei Schwalbe (Corporate Social Responsibility / gesellschaftliche Unternehmensverantwortung), sagt: “Das Fahrradreifenrecycling, das wir gemeinsam mit der Pyrum Innovations AG vor nicht einmal drei Jahren vorgestellt haben, hat sich in dieser Zeit zu einer absoluten Erfolgsgeschichte entwickelt. Die partnerschaftliche Kooperation mit Pyrum wollen wir langfristig fortführen. Bereits heute setzen wir das rCB von Pyrum in 70 Prozent aller Schwalbe-Reifen wieder ein und schließen damit den Kreislauf. Diese Arbeit führen wir nun konsequent fort, um den Anteil weiter zu erhöhen.”
Pascal Klein, CEO der Pyrum Innovations AG: “Es ist schön zu sehen, wie sich die Reifenindustrie wandelt. Langzeit-Abnahmeverträge über zehn Jahre waren früher undenkbar. Mit starken Partnern wie Schwalbe können wir den Grundstein für eine nachhaltigere und effizientere Reifenproduktion schaffen. Gemeinsam ist es uns bereits gelungen, mit über 1.800 Fachhändlern in Deutschland weit mehr als eine Million Fahrradreifen zu recyceln und wieder in den Kreislauf zurückzuführen.”
Wie funktioniert das Schwalbe Reifenrecycling?
Schwalbes Reifenrecycling feiert einen bedeutenden Meilenstein: Seit Einführung des ganzheitlichen und bis heute weltweit einzigartigen Recyclingsystems wurden eine Million Fahrradreifen gesammelt, recycelt und damit wieder in den Kreislauf zurückgeführt. Das bedeutet konkret: Sie werden dafür genutzt, neue Reifen herzustellen.
Schwalbe hatte das Reifenrecyclingprogramm auf der Eurobike 2022 vorgestellt - es wurde gemeinsam mit der Pyrums Innovations AG und der TH Köln entwickelt. Anschließend wurden deutschlandweit zahlreiche Fachhändler an das System angeschlossen. Bis heute ist die Abgabe von alten Fahrradreifen bei mehr als 1.800 Teilnehmenden möglich.
Der Recycling-Kreislauf in vier Stufen
So funktioniert der Reifen-Recycling-Kreislauf:
- Die Fahrrad-Altreifen werden in vier Stufen zerkleinert und separiert.
- 1 Tonne Altreifen ergeben 150 kg Stahl + 100 kg Textilfasern + 750 kg Gummigranulat.
- Das Gummigranulat landet bei 700 °C unter Sauerstoffausschluss im Pyrolyse-Backofen.
- Es entstehen: 190 kg Prozessgas, 250 kg Pyrolyse-Öl und 310 kg Pyrolyse-Koks rCB (Recovered Carbon Black).
Mit dem Gas wird die Pyrolyse-Anlage energieautark betrieben. Das Öl findet seinen Einsatz als Rohölersatz und wird von BASF abgenommen. Das rCB wird für die Produktion neuer Reifen verwendet.
Die Vorteile des Reifenrecyclings
- Keine wertvollen Rohstoffe gehen verloren
- Wiederverwendung in neuen Schwalbe Produkten
- Vermeidung von Müll und CO2-Emissionen bei der Verbrennung
- Gewinnung von Rohölersatz in einer energieautarken Produktion
- Einsparung von CO2 (laut Schwalbe 80 Prozent) sowie fossile Rohstoffe im Reifenherstellungsverfahren
Reifen-Recycling Infos: Rückgabe und Kosten
Auf der Schwalbe-Webseite finden sich mittlerweile über 1300 teilnehmende Händler. Dort können alte Fahrradreifen abgegeben werden. Es wird jeder Fahrradreifen angenommen und recycelt. Und man kann natürlich auch Reifen abgeben, wenn man keinen neuen kauft.
Das ist individuell. Zumeist kommt der Händler für die Kosten der Entsorgung (139 Euro pro Container) auf. Es gibt jedoch auch vereinzelt Shops, die von den Kunden eine kleine Beteiligung verlangen.
Beim Händler landen sie in einem speziellen Container, der 200 Mäntel fasst. Ist der voll, wird er von Schwalbes Speditionspartner abgeholt.
Durch den Prozess vermeidet man Müll und CO2-Emissionen bei der Verbrennung. Stattdessen wird Rohölersatz in einer energieautarken Produktion gewonnen sowie Ruß, der dann in neuen Reifen Verwendung finden kann. Dadurch spart man auch im Reifenherstellungsverfahren CO2 (laut Schwalbe 80 Prozent) sowie fossile Rohstoffe.
Interview mit Felix Jahn, Schwalbe
Schwalbe versucht schon seit den 90er-Jahren, ein Reifen-Recycling-Programm aufzustellen. Im Gegensatz zum Schlauch besteht ein Reifen nicht aus Mono-Material. Er ist deutlich komplexer im Aufbau mit Wulstkern, Karkasse sowie verschiedenen Gummimischungen. Schon die Zerlegung ist eine Herausforderung. Ganz zu schweigen von der Wiederaufbereitung. Umso stolzer sind wir jetzt, den Kreislauf geschlossen zu haben.
Grundsätzlich sehen wir es als unternehmerische Pflicht, so ressourcenschonend wie möglich zu handeln. Die Kreislaufwirtschaft ist dabei ein wichtiger Baustein. Ganz ehrlich: Das Verbrennen von Reifen empfanden wir schon immer als Katastrophe. Die Emissionen, die dabei entstehen, die Ressourcen, die für immer verloren gehen. Ich bin mir sicher, dass auch andere alte Radkomponenten zu hochwertigen neuen werden können. Wir können als Branche den Wandel von der linearen hin zur Kreislaufwirtschaft schaffen.
Natürlich sehen wir die wachsende Fragilität der globalen Lieferketten. Sich hier ein zweites Standbein aufzubauen, kann uns nur guttun.
Unser Projekt hat inzwischen Modellcharakter und wird tatsächlich als Blaupause für Kreislaufwirtschaft in der Reifen- und Gummiindustrie angeführt. Es macht uns schon stolz, dass wir es als Mittelständler geschafft haben, innerhalb von nur zwei, drei Jahren ein Vorzeigeprojekt zu etablieren. Wir bilden natürlich nur einen kleinen Teil des gigantischen Altreifenmarktes ab. Aber was wir angestoßen haben, zeigt, dass auch ein kleines Rad Großes in Gang bringen kann.
Das wichtigste Puzzleteil war das Vertrauen, mit dem wir gemeinsam mit der TH Köln und Pyrum forschen konnten. Ohne deren außergewöhnlichen Einsatz und auch dem von unserem gesamten Team wären wir nicht da, wo wir heute stehen. Auch unser Logistiker Emons spielte eine wichtige Rolle. Sie haben ein System ausgerollt, ohne kalkulieren zu können, was genau auf sie zukommt. Die Vorleistung sowie das Engagement erzielt man nur, wenn man das aus Überzeugung angeht.
Sehr positiv, was sich auch durch die jetzt schon hohe Teilnehmerzahl bestätigt. Reifenentsorgung ist für viele Betriebe ein Problem, weil es zeitaufwändig und umständlich ist. Vom Umweltgedanken mal ganz zu schweigen.
Wir arbeiten weiter daran, eine Qualität des recycelten Rußes zu erreichen, mit dem sich langlebige, leistungsstarke Reifen herstellen lassen. Reifenmischungen werden ja aus Virgin Carbon Black gewonnen, einer kohlenstoffreichen Mischung aus Rohöl und Gas. Die Ruße sind dabei in ihren Charakteristika genau definiert. Das ist bei recovered Carbon Black nicht der Fall. Es werden verschiedene Reifen von diversen Marken aufbereitet, und entsprechend gibt es eine Varianz in der Qualität. Wir forschen nun an einem möglichst gleichbleibenden Output. Dann können wir die Gummimischung anpassen.
Dieses Jahr präsentieren wir auf der Eurobike 2023 den ersten Fahrradreifen aus 100 Prozent rCB, der danach im Handel verfügbar ist. Natürlich verfolgen wir das Ziel, so viele Produkte wie möglich mit rCB auszustatten. Als Hersteller übernehmen wir Verantwortung für unsere Produkte - auch über deren Lebenszyklus hinaus. Mit dem Schwalbe Recycling System kümmern wir uns um die Rückführung von Schläuchen und Reifen, um diese anschließend zu recyceln und unnötigen Müll zu vermeiden. Ziel ist es, das wiedergewonnene Material in die Produktion von Neuware einfließen zu lassen und den Recyclinganteil weiter zu erhöhen.
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