Das Wechseln eines Schlauchs oder Reifens kann eine Herausforderung darstellen, besonders das Einsetzen des Mantels erfordert Fingerspitzengefühl. Wenn Fahrradreifen schwer zu montieren oder demontieren sind, gibt es verschiedene Ursachen und Lösungen.
Ursachen für Montageprobleme
- Toleranzen bei Felge und Reifen: Wenn die Durchmesser von Felge und Reifen nicht optimal aufeinander abgestimmt sind, treten oft Montageprobleme auf. Felgen dürfen eine Toleranz im Durchmesser von ± 0,5 mm aufweisen. Außerdem darf auch die Höhe der Felgenflanke eine Toleranz von ± 0,5 mm haben. Das addiert sich zu einer Gesamttoleranz von ± 1,5 mm im Außendurchmesser (D2), bzw. von ± 4,7 mm im Außenumfang (U).
- Felgenband: Ein zu dickes oder schlecht sitzendes Felgenband kann die Montage erschweren.
- Reifensteifigkeit: Besonders schwierige Montagefälle sind manchmal bei schmalen Versionen wie dem Marathon Plus zu beobachten.
- Felgentyp: Westwood-Felgen (oft bei Hollandrädern) erfordern besondere Aufmerksamkeit bei der Montage.
Lösungsansätze und Tipps
Vorbereitung und Montage
- Felgenband überprüfen: Alle Speichenbohrungen müssen vollständig und sicher durch ein geeignetes Felgenband abgedeckt sein. Wenn sich Fahrradreifen schwer montieren bzw. demontieren lassen, hilft in den meisten Fällen die Verwendung eines Tubeless-Felgenbands anstatt der üblich verbauten Standardfelgenbänder. Tubeless-Felgenbänder sind wesentlich dünner als Standardfelgenbänder und verschaffen somit dem Reifenwulst im Felgenbett etwas mehr Platz. Zudem kann der Reifenwulst über ein Tubeless-Felgenband besser ins Felgenhorn und auch wieder aus dem Felgenhorn herausrutschen.
- Schlauch vorbereiten: Pumpe den Schlauch leicht auf, bis er eine runde Form hat. Das Ventil durch die vorgesehene Bohrung der Felge stecken. Schlauch in den Reifen einlegen.
- Reifenmontage: Gegenüber dem Ventil beginnend montierst Du die andere Reifenseite auf die Felge. Der Schlauch darf nicht zwischen Reifen und Felge eingeklemmt sein. Achte auf rechtwinklige Stellung des Ventils. Zentriere den Reifen, bevor Du ihn bis zum gewünschten Druck aufpumpst.
- Montagehilfen verwenden: Verwende zur Montage keine scharfen Montierhilfen. Statt den Reifen mit dem Daumen zu drücken, ist es oft leichter den Reifenwulst von gegenüber über das Felgenhorn zu „rollen“. Sehr hilfreich sind natürlich Reifenheber. Achte dabei darauf, dass der Reifenwulst keinen Schaden nimmt. Immer nur ein kleines Stück hebeln und den Reifenheber lieber öfter ansetzen. Auf keinen Fall Reifenheber aus Metall verwenden. Der Schwalbe Reifenheber ist besonders hilfreich bei schwierigen Montagefällen. Du kannst ihn auf der Felge einclipsen und damit den bereits montierten Bereich des Reifenwulstes fixieren. Dieser rutscht dann nicht mehr heraus während Du den letzten Abschnitt über die Felge hebelst.
- "Dritte Hand" nutzen: Sehr hilfreich ist hier eine dritte Hand, die den Reifen auf der gegenüberliegenden Seite im Tiefbett festhält. Auch ein Kabelbinder oder ein alter Pedalriemen können gute Dienste als "dritte Hand" leisten.
Spezielle Montage-Situationen
- Schwierige Reifen (z.B. Marathon Plus): Durch die Eigenspannung rutscht der Reifen immer wieder aus dem Tiefbett und dann ist es extrem schwer, das letzte Stück Reifen über das Felgenhorn zu ziehen.
- Westwood-Felgen: Anders als bei einer Hakenfelge rutscht der Reifen beim Aufpumpen nicht automatisch in die richtige Position. Wenn der Reifen ungleichmäßig sitzt, kann er leicht von der Felge abspringen.
Hilfsmittel und Zusätze
- Montagefluid: Unser Montagefluid Easy Fit lässt sich sehr einfach mit der praktischen Schwammdose- ohne Hilfsmittel und schmierige Finger - auf den Reifenwulst auftragen. Beidseitig auf den Reifenwulst aufgetragen, kann der Reifenwulst besser in das Felgenhorn rutschen. Beim Aufpumpen gleitet der Reifenwulst dann leicht in die richtige Position auf der Felge. Nach ca. 10 Minuten verflüchtigt sich die Flüssigkeit vollständig.
- Seifenlauge: Den Reifenwulst mit Seifenlauge oder Montageflüssigkeit einreiben, um ihm das Gleiten zu erleichtern.
Umgang mit Unwucht
Wenn Sie beim Fahrradfahren ein "Eiern" eines der Reifen feststellen, muss dies nicht zwingend an einer "Acht" in der Felge liegen, sondern oft ist der Reifen bzw. Mantel an sich schuld. Sitzt der Pneu recht stramm auf der Felge, kann es sein, dass sich das Gummi durch den Reibungswiderstand nicht 100%ig um die Felge gelegt hat. Um das lästige "Eiern" zu beheben, sollten Sie zur Reifenmontage eine sogenannte Reifenmontagepaste oder Montage-Flüssigkeit bzw. Montagefluid benutzen. Damit schmieren Sie die Reifenwulst ein und montieren dann den Fahrradreifen. Sie werden sehen, dass er nun sehr leicht auf die Felge rutscht. Beim Aufpumpen wird er selbständig seine richtige Position auf der Felge finden.
Alternative: Der Schnur-Trick
Mit einer Schnur kann der Mantel in Sekundenschnelle wieder auf die Felge gesetzt werden. Im ersten Schritt legen Sie eine Schnur um die gesamte Radfelge. Die zwei Enden der Schnur halten Sie mit einer Hand fest, während die freie Hand ein Stück des Radmantels in die Radfelge legt, am besten dort, wo das Ventil sitzt. Dabei ist wichtig zu beachten, dass die Schnurenden über dem Reifen liegen. Anschließend wird durch das Ziehen an der Schnur der restliche Radmantel einfach in die Radfelge gedrückt.
Reifendruck
Benutze ein Manometer (z. B. Schwalbe Airmax Pro) um den Reifendruck einzustellen. Der zulässige Druckbereich ist auf der Reifenflanke angegeben. Kontrolliere den Reifendruck mindestens einmal pro Monat mit einem Luftdruckprüfer. Der optimale Reifendruck variiert je nach Fahrradtyp:
| Fahrradtyp | Reifendruck (Bar) |
|---|---|
| Rennräder | 6 bis 8 |
| Mountainbikes | 2 bis 3 |
| City- und Trekkingräder | 3 bis 4 |
Achten Sie darauf, den vom Hersteller angegebenen Höchstdruck nicht zu überschreiten, um Schäden an Felge und Reifen zu vermeiden.
Tubeless-Reifen
Tubeless-Reifen sind eigentlich ein alter Hut: Praktisch jedes Auto fährt ohne Schlauch. Der Luftdruck presst den Reifen gegen die Felge und dichtet so das System ab. Bei Fahrrädern kommt zusätzlich Dichtmilch zum Einsatz. Tubeless-Reifen lassen sich mit weniger Druck fahren, ohne einen Durchschlag zu riskieren, der den Schlauch beschädigen würde. Und weniger Druck bedeutet mehr Grip und mehr Komfort. Allerdings erfordert ein Tubeless-Reifen auch häufigeres Nachpumpen als ein guter Butylschlauch, das Ventil verklebt zudem leicht.
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