Die Verwendung von Schaumstoff zur Füllung von Fahrradreifen ist eine interessante Alternative zu herkömmlichen Luftreifen. Im Folgenden werden die Vor- und Nachteile dieser Methode sowie weitere Aspekte rund um Reifenpannensets und ähnliche Themen beleuchtet.
Tire-Inserts: Eine detaillierte Betrachtung
Tire-Inserts sind Schaum- oder Kunststoffkonstruktionen, die im Inneren des Reifens platziert werden. Sie sollen den Reifen bei seiner Tätigkeit unterstützen, da dieser am ungefederten Gravel-Bike das Fahrwerk bildet und somit besonders wichtig für das Fahrverhalten ist. Dementsprechend wollen Tire-Inserts für eine Reihe positiver Eigenschaften sorgen: von verbessertem Komfort über erhöhte Effizienz bis hin zum Schutz von Reifen und Laufrad vor Durchschlägen.
Durchschläge sind Ereignisse, bei denen ein Hindernis - ein Stein, eine Wurzel oder etwas anderes - den kompletten Federweg des Reifens in Anspruch nimmt, also bis auf die Felge durchdringt. Dabei wird der Reifen zwischen Hindernis und Felge eingeklemmt und kann beschädigt werden, wie übrigens auch die Felge bei ganz harten Einschlägen.
Arten von Tire-Inserts
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Die erste Art von Tire-Insert liegt im Felgenbett, drückt hier den Reifen von innen in seine Position im Felgenhorn und füllt den Reifen je nach Modell von ca. einem bis zu zwei Dritteln aus. Dabei soll der äußere Teil der Tire-Inserts die Reifenflanke von innen stabilisieren. Dadurch verformt sich der Reifen selbst bei niedrigem Reifendruck weniger - so hat man mehr Fahrstabilität in Kurven. Insgesamt soll diese Art der Tire-Inserts einen niedrigeren Luftdruck ermöglichen, ohne dabei Durchschläge zu riskieren. Das soll zu mehr Komfort, mehr Effizienz und letztendlich weniger Ermüdung des Fahrers auf rauem Untergrund führen.
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Die zweite Art von Tire-Inserts sieht hingegen aus wie ein zweiter Reifen und schmiegt sich von innen an den eigentlichen Reifen. Sie richtet sich an Gravel-Fans, die immer noch mit Schlauch unterwegs sein wollen, denn in den meisten Fällen wird genau der benötigt, um diese Art von Insert in Position zu halten. Dann profitiert der Schlauch aber von der Konstruktion - denn durch die dickere Schicht aus Reifen und Insert wird er weniger anfällig für Platten. Bei dieser Art von Insert ist in der Regel ein kleinerer Schlauch notwendig, da es durch den Insert weniger Platz im Reifen gibt.
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Die dritte Art von Tire-Inserts liegt ebenfalls im Felgenbett - jedoch mit dem Unterschied, dass sich nicht nur ein Luftkanal über dem Tire-Insert befindet, sondern auch noch ein zweiter zwischen Tire-Insert und Felge. Die beiden Luftkanäle sind aber nicht voneinander abgeschlossen, sondern mit einigen kleinen Löchern verbunden. So soll die Luft im Reifen zwischen den beiden Kanälen hin und her wandern können. In der Theorie wird bei einem Schlag Luft vom äußeren in den inneren Luftkanal gepresst. Da die Löcher zum Austausch nur einen bestimmten Durchfluss erlauben, soll der Federweg des Reifens gedämpft sein.
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Daneben gibt es noch Tire-Inserts, die an eine Poolnudel erinnern. Sie liegen ohne viel Hightech einfach im Inneren des Reifens und füllen ihn zum Großteil aus. Es befindet sich also relativ wenig zusätzliche Luft im Reifen, wodurch bei dieser Art der Tire-Inserts die Dämpfung von Schlägen größtenteils vom Insert selbst und nicht von der Luft im Reifen erledigt werden muss. Das Federungs- und Dämpfungsverhalten wird dabei hauptsächlich von der Härte des Inserts bestimmt.
Montage von Tire-Inserts
Außerdem gibt es Tire-Inserts, die als fertiger Ring geliefert werden. Sie müssen wie ein Reifen auch auf die Felge aufgezogen werden. Dazu muss man das Laufrad natürlich zuerst komplett aus dem Bike ausbauen und dann den Reifen abziehen. Daneben gibt es auch Tire-Inserts, die offen sind, also nicht als Ring, sondern als Streifen geliefert werden. Der Vorteile davon ist, dass diese Art von Tire-Inserts bei montierten Laufrädern in den Reifen eingezogen werden können.
Anwendungsbereiche von Tire-Inserts
Wer dieses Terrain regelmäßig und gezielt mit dem Gravel-Bike aufsucht, der kann über die Nutzung von Tire-Inserts nachdenken. In dem Fall können sich auch Reifen lohnen mit einem stabileren Aufbau, einer widerstandsfähigeren Karkasse und mehr Reifenvolumen. Anders als im Mountainbike-Bereich hat man bei einem Gravel-Reifen-Modell in der Regel nicht die Auswahl zwischen unterschiedlichen Karkassen. Wer also einen stabileren Reifen will, muss häufig zu einem anderen Modell wechseln.
Die meisten Graveller sind in gemäßigtem Terrain unterwegs, auf Feld- und Waldwegen, Hardpack und Straßen mit schlechtem Asphalt. Dafür muss ein Reifen vor allem einen geringen Rollwiderstand haben. Der Schutz vor Durchschlägen ist nicht so wichtig, denn die sind bei korrekt eingestellten Luftdrücken einfach nicht an der Tagesordnung.
Nachteile von Tire-Inserts
Durch Toleranzen bei der Fertigung ist es manchmal schon nicht so einfach, einen bestimmten Gravel-Reifen auf eine bestimmte Felge zu bekommen. Soll dann noch ein Insert dazwischen, wird das schnell zum persönlichen Armageddon, bei dem nur noch der Bike-Shop weiterhelfen kann. Kommt es dann trotz Tire-Insert mal zu einer Panne, ist eine Sauerei vorprogrammiert, wenn man sich an der Reparatur während der Tour versucht. Hier helfen auch die Notlaufeigenschaften mancher Tire-Inserts wenig. Nach 30 km im Notlauf ist der Reifen dann doch hinüber.
Vorteile von Tire-Inserts in speziellem Gelände
Doch es gibt Anwendungsfälle, in denen die Stunde von Tire-Inserts schlägt. Und zwar immer dann, wenn man in rauem Gelände im Under-Biking-Style unterwegs ist, seine Limits pushen und nicht vom Gravel- aufs Mountainbike wechseln will. Wenn man großteils auf richtig losem, grobem und ruppigem Untergrund unterwegs ist und die Performance durch geringen Luftdruck steigern will.
Dann können Tire-Inserts helfen, durch geringeren Reifendruck mehr Federweg zu erzeugen, und dabei gleichzeitig Reifen und Felge vor Durchschlägen schützen. Dann können sie durch den geringeren möglichen Reifendruck und eine größere Aufstandsfläche für mehr Grip in Kurven sorgen und dabei die Gefahr von Burping minimieren, also dem plötzlichen Druckabfall, weil sich der Reifen kurz von der Felge löst. Und dann können sie für ein besseres Fahrverhalten sorgen, weil sie bei niedrigem Druck die Reifenflanke stabilisieren.
Alternative: Airless Reifensysteme
Das neue Reifensystem Airless schafft bis zu 10.000 Rad-km ganz ohne Wartung, Pannen oder gar Pumpen. Der gefühlte Luftdruck beträgt ca. Der Polyurethanwulst stammt aus dem Hause BASF und befindet sich unter dem Namen Infinergy® in den Sohlen der Adidas Boost-Sportschuhe.
Die Rückstellkraft macht den Unterschied zu bisher verwendeten Materialien, erklärt Schwalbe Produktmanager Rene Marks. Die sei, so Marks, mehr als doppelt so hoch wie bei früheren Systemen. Der Grund liegt in der Zusammensetzung des Materials: Der Schaum besteht aus tausenden hermetisch geschlosserer winziger Luftkügelchen. Verkauf und Montage erfolgen ausschließlich über den zertifizierten Fachhändler.
Das Schwalbe Airless System muss mit einer speziellen Montagemaschine (ähnlich den Automaten für Autoreifen) auf die Felge aufgezogen werden. Ähnliche von uns bereits getestete Systeme wie das „Serenity“ von Hutchinson haben gezeigt, dass das Einsetzen des Inlays bzw. des Wulstes nur mit erheblichen Krafteinsatz möglich ist.
Das Set für ein Laufrad bestehend aus Reifen, Wulst und blauem Ring eine UVP von 84,90 € haben, exclusive Montagekosten. Zum Vergleich dazu kostet ein guter Trekkingreifen rund 30,- €, dazu kommt ein Schlauch der weitere zehn € beträgt. Damit liegen die Gesamtkosten beim Airless System etwa doppelt so hoch.
Reifenpannensets und Reifendichtmittel
Reifenpannensets und Reifendichtmittel sind praktische Helfer bei einer Reifenpanne. Sie ermöglichen eine temporäre Reparatur, ohne dass der Reifen sofort gewechselt werden muss.
Was sind Reifendichtmittel?
Reifendichtmittel sind flüssige Substanzen, die auch als Pannensprays bezeichnet werden. Für das Abdichten ist eine Zusammensetzung aus Polymeren und Fasern verantwortlich, die ein Loch oder einen Riss auf der Lauffläche des Reifens ausfüllen und verschließen kann.
Anwendung von Reifendichtmittel
- Den Reifen auf sichtbare Schäden überprüfen.
- Die Flasche/das Spray des Reifendichtmittels vor der Anwendung gut schütteln.
- Das Verbindungsstück des Schlauchs am Ventil des Reifens befestigen und die Flasche senkrecht halten.
- Den Sprühkopf oder die Quetschflasche drücken, um die komplette Menge Dichtmittel in den Reifen zu drücken.
- Den Reifendruck überprüfen.
- Das Fahrzeug unmittelbar nach der Reparatur langsam und vorsichtig fahren, damit sich das Dichtmittel gleichmäßig im Reifen verteilt.
Empfehlenswerte Reifendichtmittel
- Nigrin-Reifendicht
- Michelin 92423 Reifendichtmittel
- Elastofit-Reifendichtmittel
- Slime-Reifendichtmittel
- Sonax-Reifenfix
- Presto Reifenpannenspray
Wie lange kann man mit Reifendichtmittel fahren?
Für die meisten Mittel gibt es eine empfohlene maximal Geschwindigkeit zwischen 50 und 80 km/h. Nach dem Gebrauch eines Reifendichtmittels sollte mit dem Auto möglichst schnell eine Werkstatt aufgesucht werden. Die maximal empfohlene Reichweite kann zwischen zehn und 160 km betragen.
Was sind Reifenpannensets?
Ein Reifenpannenset repariert temporär einen platten Reifen. Sie bestehen in der Regel aus einem tragbaren Mini-Kompressor, einer Tube Reifendichtmittel sowie einem Luftschlauch mit Ventilaufsatz. Die Sets dichten die Luftaustrittsstelle temporär ab, sodass der Reifen wieder aufgepumpt werden kann.
Anwendung eines Reifenpannensets
- Schaden lokalisieren.
- Das Fahrzeug so abstellen, dass das Loch am beschädigten Reifen nach unten zeigt.
- Nun das Dichtmittel über das Ventil in den Reifen füllen.
- Das Auto einige Male vor- und zurückbewegen, damit sich das Mittel verteilen kann.
- Nach einer kurzen Wartezeit den Druckluftkompressor anschließen und den Reifen bei laufendem Motor aufpumpen.
- Ist der Reifen mit korrektem Reifendruck befüllt, Kompressor abschalten und wieder verstauen.
- Fahrt mit maximal 80 km/h fortsetzen und nächstgelegene Werkstatt ansteuern.
Empfehlenswerte Reifenpannensets
- Slime-Pannenset
- Airman Resq-Reifenreparaturset
- Elastofit Compact Reifenreparaturset
Vor- und Nachteile von Reifenpannensets
Der größte Vorteil der Sets: Sie sparen Platz und Gewicht. Zudem lassen sich Reifenpannensets deutlich leichter handhaben. Es bedarf weder Reifenwechsel-Werkzeug noch technisches Know-how, um das Set anzuwenden.
Auf der Habenseite der Räder steht dagegen das Thema Sicherheit. Denn im Gegensatz zu einem Dichtspray wird der defekte Reifen nicht geflickt, sondern gegen einen intakten Reifen getauscht. Außerdem sind die Dichtmittel nur bei kleinen punktuellen Schäden wirksam.
Reifendichtmittel im Vergleich
Hier eine Übersicht verschiedener Reifendichtmittel im Vergleich:
| Modell | Inhalt | Max. Lochdurchmesser | Ventil-Ausdreher |
|---|---|---|---|
| Michelin 92423 | 500 ml | ca. 3 mm | Nicht benötigt |
| Eufab Reifendichtmittel | 450 ml | 6 mm | Aus Kunststoff |
| Osram OTSB450 TYREseal 450 | 450 ml | 6 mm | Nicht benötigt |
| Petex 445120 | 450 ml | 6 mm | Aus Kunststoff |
| Airman 63-002-001 | 300 ml | Keine Herstellerangaben | Aus Kunststoff |
| Slime 10125 Dichtmittel | 473 ml | 6 mm | Aus Kunststoff |
| Sonax ReifenFix | 400 ml | Keine Herstellerangaben | Nicht benötigt |
| Terra-S Reifendichtmittel | 700 ml | 6 mm | Aus Kunststoff |
Die Wahl des richtigen Reifendichtmittels hängt von den spezifischen Anforderungen und der Reifengröße ab. Es ist wichtig, die Herstellerangaben zu beachten und das Produkt entsprechend auszuwählen.
Weitere Tipps zur Reifenreparatur
- Regelmäßige Checks: Überprüfen Sie regelmäßig den Zustand Ihrer Reifen, Schläuche und Felgenbänder.
- Reifendruck: Achten Sie auf den richtigen Reifendruck, um Durchschläge zu vermeiden.
- Werkzeug: Führen Sie immer das notwendige Werkzeug und Ersatzmaterial für eine Reifenreparatur mit sich.
- Übung: Üben Sie die Reifenreparatur zu Hause, um im Ernstfall schnell und sicher handeln zu können.
Alternativen zum Füllen mit Schaum
Neben dem Füllen von Fahrradreifen mit Schaum gibt es weitere Alternativen, die je nach Bedarf und Einsatzzweck in Frage kommen können:
- Notlaufreifen: Diese Reifen ermöglichen eine Weiterfahrt auch bei Luftverlust.
- Tubeless-Reifen: Diese Reifen kommen ohne Schlauch aus und sind mit Dichtmilch gefüllt, die kleine Löcher selbstständig abdichten kann.
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