Fahrradreifen Winter Spikes Test: Sicher durch Eis und Schnee

Gute Winterreifen fürs Fahrrad zu finden ist schon eine Sache für sich. Die Auswahl am Markt ist übersichtlich und wirkliche Innovationen sind selten. Wer im Winter guten Grip auf Schnee und Eis sucht, kommt um Spikereifen oder Schlammreifen nicht herum, wie du in unserem Artikel über Winterreifen lesen kannst.

Innovative Lösungen für winterliche Fahrbedingungen

Für eine winterliche Fahrbahn empfehlen sich mindestens Winterreifen, besser jedoch Spikereifen. Hier kommt das System von Retyre ins Spiel: Als Basisbereifung dient hier ein gering profilierter Straßenreifen. Dieser eignet sich fürs ganze Jahr - außer bei winterlichen Fahrbahnverhältnissen. Für ebendiese werden nun mit jeweils einem Reißverschluss auf jeder Seite die Reifen-Skins aufgezogen und rundum befestigt. Der Reifenwechsel vom Straßenreifen zum Spikereifen soll so von jedem Laien in wenigen Minuten zu erledigen sein. Neben den Spike-Skins für den winterlichen Einsatz gibt es übrigens auch Geländereifen-Skins.

Retyre bietet Starterpakete mit je zwei Basisreifen und zwei Skins an. Außerdem sind alle Skins sowie der Basisreifen auch einzeln erhältlich. Das bietet die Möglichkeit, unterschiedliche Skins an Vorder- und Hinterrad zu verwenden. Sinnvoll könnte beispielsweise für E-Bikes eine Kombination des groben Ice Racer am Vorderrad und des gemäßigten Nordic Commuter am Hinterrad sein. Um den Rollwiederstand gering zu halten, wäre für sichere Radler die Kombination des Nordic Commuter am Vorderrad und des Gravel Chaser (49 € pro Skin) am Hinterrad möglich. Durch eine spezielle Gummimischung bleiben die Spike-Skins im Winter weich und liefern guten Grip.

Montage und Handhabung der Retyre Spike-Skins

Die Basisbereifung von Retyre wird wie ein herkömmlicher Reifen aufgezogen - fertig. Dies funktioniert mit unseren Testreifen auch problemlos. Möchte man nun die Spike-Skins nutzen, so setzt man beidseitig die Reißverschlüsse an. Deren Aufstecken ist etwas fummelig, aber funktioniert nach ein paar Versuchen. Anschließend werden die beiden Reißverschlüsse relativ gleichmäßig geschlossen. Wichtig dabei: Die Skins parallel zum Schließen der Reißverschlüsse immer wieder längs dehnen, denn sonst bleibt am Ende eine Lücke im Profil. Arbeitet man hier aber sauber, schließen die Skins nahtlos ab. Mit etwas Übung fallen hier keine zwei Minuten pro Reifen an - im Reifenumdrehen sind also die Spikes einsatzbereit.

Bei der Montage ist es wichtig, die Skin immer wieder längs zu dehnen, sonst bleibt am Ende eine Lücke im Profil. Wichtig zu wissen: Zu den ETRTO- & Zollmaßen des Reifens sollte man etwas Puffer einrechnen. Denn die Spikes der Winterbereifung bauen höher als herkömmliche Reifen mit gleichen Abmessungen. Nach oben zum eventuell vorhanden Schutzblech sollte man also etwa einen halben Zentimeter einrechnen. Links und rechts am Reifen befinden sich die Zipper des Reißverschlusses - diese stehe jeweils fast einen halben Zentimeter über den Reifen hinaus. Die Spikeskins brauchen Platz - besonders seitlich für die Reißverschlüsse.

Haltbarkeit und Fahrverhalten im Test

Beim Anblick des Systems drängt sich all unseren Testfahrern sofort eine Frage auf: Halten die Reißverschlüsse einer Vollbremsung mit den Spikes auf Teer stand? Ja, das tun sie - das System macht einen erstaunlich robusten Eindruck. Unsere wiederholten Versuche, das System hier über seine Belastungsgrenze zu beanspruchen, sind gescheitert.

Mit den aufgezogenen Spike-Skins Nordic Commuter ist das Fahrverhalten auf Teer etwas schwammig, was an der Anordnung der Spikes liegt: Im Profil sind diese seitlich in zwei Linien angeordnet. Bei Kurvenfahrten auf Teer kippt man also über die Spikes - das fühlt sich etwas schwammig an. Dabei darf man aber nicht vergessen: Die Anordnung der Spikes macht auf Schnee und Eis Sinn und dafür sind die Skins auch konzipiert. Dennoch gibt es natürlich Situationen, in denen man auf einen Mix aus Teer und Schnee treffen wird. Unauffällig zeigt sich die Basisbereifung - und das ist ein gutes Zeichen. Die Reifen rollen gut und sorgen auch für verlässlichen Halt auf nasser Fahrbahn.

Grip und Bremsleistung auf winterlichem Untergrund

Auf winterlicher Fahrbahn liefert die Spikeskin erstaunlich guten Grip. Auf festem Schnee zeigen die Nordic Commuter Skins einen erstaunlich guten Grip. Selbst kleine Kanten im Schnee parallel zur Fahrtrichtung können den Reifen kaum aus der Ruhe bringen. Auch die Bremspower ist ordentlich und der Bremsvorgang fühlt sich sicher an. Auf Eis macht der Reifen eine gute Figur, die Spikes krallen sich zuverlässig fest. Wer allerdings auf eisige Fahrbahnen trifft, sollte für noch mehr Grip mit weniger Luftdruck ( 1,5 - 2 bar) fahren. Erstaunlich guten Halt bietet der Nordic Commuter auch auf nassem Schnee. Natürlich wird das Fahrverhalten schwammiger, bis zum Kontrollverlust ist allerdings viel Luft.

Schwächen zeigt der Reifen wie fast alle Spike- und Winterreifen in engen, dynamischen Kurven. Hier fehlt dem Nordic Commuter etwas Führungsprofil - dementsprechend bricht er bei höherer Geschwindigkeit und engeren Radien aus. Das Profil mit den 160 Spikes ist grobstollig und bietet guten Grip.

Langzeittest und Verschleiß

Unser Langzeit-Test über die Wintersaison 2022 - 2023 zeigt, dass auch Matsch und Streusalz dem System wenig anhaben kann. Eventuelle Ablagerungen bröseln beim Schließen der Reißverschlüsse ab oder können mit warmen Wasser abgewaschen werden. Zu beachten ist allerdings, dass sich eine stärkere Abnutzung des Basisreifens auf den Sitz der Spike-Skins auswirken kann. Denn wird das Profil des Basisreifens abgenutzt, so reduziert sich dessen Umfang etwas - wodurch die Spike-Skins mehr Luft haben. Daraus wird ein schwammigeres Fahrgefühl resultieren. Es kann also ein Austausch der Basisbereifung nötig sein, bevor diese gänzlich abgenutzt ist. Ein teilweise abgenutzter Basisreifen lässt sich im Zweifelsfall aber immer noch an einem Fahrrad nutzen, das nicht für den Wintereinsatz gedacht ist.

Dieser Thematik wird Retyre in Zukunft mit einer Premium-Version des Systems begegnen, bei der der Basisreifen nicht mehr zum Fahren gedacht ist. Retyre hat mit Ice Racer eine weitere Skin im Angebot, die über noch mehr Spikes und gröberes Profil verfügt. Für den winterlichen Einsatz an schweren E-Bikes könnte das die bessere Wahl sein - je nach dem, wie häufig und intensiv man im Winter auf eine Schneefahrbahn trifft. Interessant sind diese Skins auch für Biker, die im Winter abseits von Straßen unterwegs sein möchten. Deren grobstolliges Profil verfügt mit 300 Spikes pro Reifen über fast doppelt so viele, wie unser Testreifen Nordic Commuter.

Weitere Winterreifen-Optionen im Überblick

Neben Retyre gibt es zahlreiche andere Hersteller, die Winterreifen für Fahrräder anbieten. Hier ein Überblick über einige Modelle und ihre Eigenschaften:

  • Schwalbe Marathon Winter Plus: Bekannt für hohen Grip auf Eis und Schnee, bietet dieser Reifen bis zu 240 Spikes und einen hohen Pannenschutz.
  • Specialized Icebreaker Reflect: Ausgestattet mit Wolframcarbid-/Stahlstollen und einem offenen Profil für hohe Traktion bei winterlichen Bedingungen.
  • Continental Contact Spike 240: Bietet volle Kontrolle auf Eis und Schnee durch zwei Reihen an Spikes und einen seitlichen Reflexstreifen.
  • Schwalbe Ice Spiker Pro: Ein Mountainbike-Reifen mit bis zu 402 Wolframcarbid-Spikes, ideal für den Einsatz im Schnee.
  • Kenda Klondike Elite: Winterreifen mit seitlich angebrachten Hartmetall-Spikes für guten Grip in Kurvenlagen.

Testergebnisse und Empfehlungen

Der TCS (Touringclub der Schweiz) und der ADAC haben 2021 acht verschiedene Winterreifen unter die Lupe genommen. Alle Modelle boten im Vergleich zu herkömmlichen Fahrradreifen mehr Grip und somit einen besseren Halt auf rutschiger Fahrbahn und einen kürzeren Bremsweg.

Ergebnisse des ADAC/TCS Tests:

  • Continental Top Contact Winter II (ohne Spikes):
    • Grip auf Eis: drei von fünf Sternen
    • Grip auf Schnee: vier von fünf Sternen
    • Grip auf Asphalt: fünf von fünf Sternen
  • Schwalbe Marathon GT 365 (ohne Spikes):
    • Grip auf Eis: drei von fünf Sternen
    • Grip auf Schnee: vier von fünf Sternen
    • Grip auf Asphalt: vier von fünf Sternen
  • Continental Contact Spike 240 (mit Spikes):
    • Grip auf Eis: fünf von fünf Sternen
    • Grip auf Schnee: vier von fünf Sternen
    • Grip auf Asphalt: zwei von fünf Sternen

Im Detail begeistern bezüglich Preis-Leistung vor allem CST (Fatbike, Trekking) und ReTyre (MTB). Empfehlungen heimsen beim Mountainbike Suomi und im Trekkingbereich Continental und Specialized ein. Die Testsiege in den Kategorien gehen an Vee Tire Co. (Fatbike) sowie Schwalbe (MTB und Trekking).

Rechtliche Aspekte und Sicherheitshinweise

Klassische Räder ohne Motor und Pedelecs dürfen mit Spikes im Straßenverkehr teilnehmen. Achtung aber bei S-Pedelecs (also E-Bikes mit 45 km/h Höchstgeschwindigkeit): Hier gelten Sonderregeln und Spikes sind NICHT erlaubt.

Sicherheitstipps für das Radfahren im Winter

  • Reifendruck anpassen: Bei Schnee oder Eis den Reifendruck auf 2 bis 3 bar absenken, um die Gripverhältnisse zu verbessern.
  • Vorsichtig bremsen: Auf winterlichen Straßenbelägen die Vorderradbremse mit Bedacht einsetzen, besonders ohne Spikes.
  • Eis meiden: Fahrten auf großflächig blankem Eis sollten vermieden werden, da das Risiko von Stürzen unkalkulierbar ist.
  • Fahrradbeleuchtung: Eine funktionstüchtige Fahrradbeleuchtung ist im Winter besonders wichtig, um potenzielle Gefahren zu erkennen und Unfällen vorzubeugen.
  • Kleidung: Tragen Sie reflektierende Elemente an Kleidung und Taschen, um die Sichtbarkeit im Straßenverkehr zu erhöhen.

Tabelle: Winterreifen im Vergleich

Reifenmodell Spikes Grip auf Eis Grip auf Schnee Grip auf Asphalt Besondere Merkmale
Continental Top Contact Winter II Nein 3/5 4/5 5/5 Guter Allrounder, temperaturbeständig
Schwalbe Marathon GT 365 Nein 3/5 4/5 4/5 Ganzjahresreifen, hoher Rollwiderstand
Continental Contact Spike 240 Ja 5/5 4/5 2/5 Hoher Grip auf Eis und Schnee, laut auf Asphalt
Schwalbe Marathon Winter Plus Ja 4/5 4/5 2/5 Hoher Grip auf Eis und Schnee, laut auf Asphalt

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