Die Wahl des Bikepacking-Taschen-Sets ist eine wichtige Entscheidung für jede Gravelbike-Tour, sei sie kurz oder lang: Damit legt man fest, ob im mobilen Hausstand Ordnung herrscht, ob der Tascheninhalt gut geschützt und das Gepäck so am Rad untergebracht ist, dass Fahrspaß und Fahrsicherheit auch unter schwierigen Bedingungen nicht auf der Strecke bleiben. Acht Hersteller stellen sich unserem Praxistest mit je einem Set, bestehend aus vier Taschen zur Montage an Lenker, Oberrohr, Sattel bzw. Sattelstütze sowie im Rahmendreieck. Dabei haben wir alle 32 Einzeltaschen „auf links gedreht“ und zahlreiche Erkenntnisse gesammelt.
Bikepacking-Taschen: Unterschiedliche Anforderungen
Wer länger unterwegs ist und viel Gepäck am Renner über Stock und Stein transportieren möchte, wird Wert darauf legen, dass die Taschen weder wackeln noch schaukeln und auch möglichst nicht knirschen oder knarzen. Darüber entscheiden die Kontaktflächen von Taschen und Rad sowie geeignete Halterungen an Lenker und Sattelstütze. Das Gewicht spielt ebenfalls eine wesentliche Rolle. Taschen-Sets, die in Summe weniger als ein Kilogramm wiegen, setzen den Maßstab, kosten dafür jedoch auch ein paar Euro mehr. Details wie eine Fächeraufteilung im Inneren der Taschen helfen dabei, Ordnung zu halten; Schnüre oder Laschen außen an den Taschen erschließen zusätzliche Transportplätze mit schnellem Zugriff, beispielsweise für Windweste oder Sonnenschutz.
Die Preisspanne der acht Test-Sets ist groß. Bei 215 Euro markiert Topeak den Einstieg ins Transport-Business bei gleichzeitig solider Qualität. Am anderen Ende der Skala rangiert Tailfin; das Taschen-Set des britischen Herstellers für 805 Euro betont Stabilität und Lebensdauer, legt aber weniger Wert auf geringes Gewicht.
Fest montierte Halterungen, wie sie Tailfin und Revelate Designs bieten, sind Alleinstellungsmerkmale im Markt, auf dem ansonsten Riemen und Klettverschlüsse dominieren. Die genannten Produkte benötigen zwar etwas mehr Zeit für die Erstmontage, die man unterwegs aber wieder einspart, weil das Anbringen und Abnehmen der Taschen nur noch einen Handgriff erfordert. Tasche und Halterung sind in Summe etwas schwerer, punkten aber mit sicherem Sitz auch auf holperigem Untergrund, was insbesondere Viel-, Weit- und Offroad-Radler zu schätzen wissen.
Wer eher ein einfach zu montierendes Taschen-Set für die gelegentliche Bikepacking-Tour sucht, findet bei Anbietern wie Topeak und Acid (der Zubehörmarke von Radhersteller Cube) geeignete Taschen-Sets für knapp über 200 Euro. Zusammengefasst: Der Markt bietet eine erfreulich große Bandbreite von Taschen-Sets mit ganz verschiedenen Eigenschaften, die unterschiedlichste Ansprüche bedienen können, je nachdem, ob das Gepäck-Ensemble besonders leicht, besonders robust oder besonders praktisch sein soll. Das nächste Bikepacking-Abenteuer mit dem Gravelbike kann jedenfalls starten!
Bikepacking-Taschen unterscheiden sich in der Handhabung
Eine davon lautet: Taschen mit Rollverschluss sind zuverlässiger wasserdicht als solche mit Reißverschlüssen oder Deckeln, die trotz Dichtlippen oder Überstand immer anfällig bleiben gegen das Eindringen von Wasser und Staub. Die größten Unterschiede zwischen den Sets ergeben sich bei Montage und Befestigung.
Das Testprozedere
Für die Gesamtnote der Taschen-Sets haben wir die Einzelnoten der Taschen unterschiedlich gewichtet. Dabei hat die Satteltasche aufgrund ihrer komplexen Konstruktion den größten Anteil mit 40 Prozent, gefolgt von der Rahmen- und der Lenkertasche mit je 25 Prozent und der Oberrohrtasche mit 10 Prozent. Die vier Produktkriterien Wasserdichtigkeit, Ausstattung/Verarbeitung, Montage/Halt sowie die Handhabung haben wir mit jeweils 25 Prozent gleich gewichtet.
Wasserdichtigkeit
Die Taschen-Sets wurden jeweils mit einem definierten Wasserstrahl zehn Minuten lang bewässert. Papiertaschentücher im Inneren dienten dabei als Feuchtigkeits-Indikator. Die Rollverschlüsse - Mindesteinschlag drei Umdrehungen - hielten alle dicht, bei Reißverschlüssen oder geklebten Nähten an Rahmen- und Oberrohrtaschen drang Wasser ein.
Ausstattung / Verarbeitung
Die meisten Taschen zeigten sich gut verarbeitet; kleine Mängel stellten wir an manchen Befestigungen der Lenkertaschen oder an Nahtstellen bei Oberrohr- und Rahmentaschen fest. Positiv bewertet wurden Ausstattungsdetails wie zusätzliche Riemen an Lenker- oder Satteltaschen, Kompressionsventile oder sinnvolle Befestigungsteile.
Montage / Halt
Bei der Erstmontage der Sets haben wir die Zeit gemessen vom Auspacken bis zum fertig bestückten Rad. Sehr schnell geht das beispielsweise bei Evoc, während die Adaptermontage für die Lenker- und Satteltasche von Tailfin Geschick und Geduld verlangt. Dafür überzeugt das Set mit dem besten Halt in jeder Fahrsituation und in jedem Gelände.
Handhabung
Bei manchen Herstellern braucht es mehr Übung als bei anderen, bis die Benutzung eingespielt ist. Ortliebs Rahmentasche mit Rollverschluss beispielsweise verfügt über ein gut zugängliches Ladefach, wird aber leicht bauchig und stört beim Treten an den Knien.
Einzelne Taschen und ihre Besonderheiten
Jedes Pack hat seine individuellen Stärken und es ist sehr wichtig, dass Du darauf achtest, wie Du es bepackst. Zum Beispiel ist es nicht sinnvoll, zu schwere Dinge im Seat-Pack zu verstauen, da dieser dann unnötig wippt. Auch solltest Du das Zelt nicht zuunterst in der Rahmentasche verstauen, da Du es ja täglich brauchst, und alles ausräumen ist gerade bei Regen ungünstig. Im Folgenden gehe ich auf jede Tasche einzeln ein und erzähle Dir zudem, wie ich sie bepackt habe.
Die Frame-Pack Rahmentasche
Mit sechs Litern Packvolumen in der größten Variante ist das Frame-Pack ideal für schwere und größere Gegenstände. Ich habe hier Dinge wie Lebensmittel, Wasser, eine Espressokanne und bei Bedarf auch mal ein Schloss verstaut. Der Vorteil ist, dass das Gewicht nahe am Schwerpunkt des Fahrrads bleibt. Zudem hat die Tasche einen robusten, wasserdichten Reißverschluss und gummierte Befestigungsgurte, welche somit nicht verrutschen können. Die Befestigung im Rahmendreieck war denkbar einfach und das Pack hat tadellos gemacht, was es sollte. Wasser ist nie eingedrungen und die Handhabung war intuitiv. Ein praktischer kleiner Klettstreifen im Inneren sorgt zudem dafür, dass die Wände zusammengehalten werden und sich nicht unnötig ausbeulen und an den Knien reiben. Natürlich darfst Du die Tasche auch nicht überladen, weil dies den gleichen Effekt hätte.
Vorstellung verschiedener Bikepacking-Taschen Sets
Im Folgenden werden einige der getesteten Bikepacking-Taschen Sets detaillierter vorgestellt:
Acid Bikepacking-Set
Fazit: Acid ist die Hausmarke von Cube und bietet viel Tasche fürs Geld. Sattel- und Lenkertasche mit Rollverschluss lassen sich aus dem Halfter entnehmen, das ist praktisch und verkürzt die Ladezeiten. Mit knapp zwei Kilo bei 34 Liter Volumen gehört das Set zu den schweren im Test.
Cyclite Bikepacking Set
Fazit: Der Anspruch des deutschen Herstellers ist Leichtbau. Dem wird das Set-Gewicht von 900 Gramm für 30 Liter Stauraum vollauf gerecht. Viele gute und durchdachte Details.
Evoc Bikepacking Set
Fazit: Das Set von Evoc zählt zu den leichtesten im Test, bietet dafür jedoch weniger Stauraum. Top ist die kurze Montagezeit; nach maximal zehn Minuten ist das komplette Set am Renner. Dabei sind die Boa-Verschlüsse praktisch, bieten jedoch nur wenig Zugkraft.
Ortlieb Bikepacking Set
Fazit: Der deutsche Fahrradtaschen-Pionier spielt bezüglich Preis, Gewicht und Stauraum in einer ähnlichen Liga wie Evoc, schützt den Inhalt dank perfekter Rollverschlüsse jedoch etwas besser. Rahmen- und Oberrohrtasche fallen in der Handhabung und beim Halt etwas ab.
Restrap Bikepacking Set
Fazit: Das Set wiegt weniger als ein Kilo, ist sehr flexibel, bietet jedoch nicht so viel Stauraum wie das gleich schwere Set von Cyclite. Die Montage geht schnell von der Hand; gute Ausstattungsdetails wie Magnetverschlüsse oder die Fächereinteilung der Rahmentaschen. Das Material raschelt.
Revelate Designs Bikepacking Set
Fazit: Robustes und durchdachtes Set aus den USA; aufgrund seiner Bauweise vergleichsweise schwer, aber mit reichlich Stauraum. Dank der Spinelock-Halterung kann die Satteltasche in Fahrt nicht taumeln. Die Rahmen- und Oberrohrtasche könnten ihren Inhalt besser vor Nässe und Staub schützen.
Tailfin Bikepacking Set
Fazit: Das teuerste und schwerste Set im Test ist unzerstörbar und für den Dauereinsatz gemacht. Selbst voll beladen bleibt das Rad sehr fahrstabil, das Gepäck ist gut geschützt. Benötigt mehr Zeit zur Erstmontage, überzeugt danach aber mit sehr einfacher Anbringung und Entnahme von Lenker- und Hecktasche.
Topeak Bikepacking Set
Fazit: Topeaks Komplett-Set ist knapp kalkuliert und eine Empfehlung für die erste oder nur gelegentliche Schotter-Fluchten; Halfter für Sattel- und Lenkertasche erleichtern das Handling. Auf Dauer stören Details wie die voll beladen bauchige Rahmentasche, die leicht taumelnde Satteltasche oder die teils hakeligen Riemenverschlüsse.
Weitere Hersteller von Bikepacking-Taschen im Überblick
- Apidura
- Birzman
- Cyclite
- Deuter
- Evoc
- Fara Cycling
- fO.Goods
- Gramm Tourpacking
- Jack Wolfskin
- Lezyne
- Miss Grape
- Ortlieb
- Restrap
- Reisefix
- Relevate Designs
- Specialized & Fjäll Räven
- Tailfin
- Topeak
- Wit Slingers
Worauf kommt es beim Kauf von Bikepacking-Taschen an?
Bei der Auswahl der richtigen Bikepacking-Taschen spielen mehrere Faktoren eine entscheidende Rolle. Hier sind einige wichtige Aspekte, die du berücksichtigen solltest:
- Wie viel Gepäck muss mit? Die benötigte Gepäckmenge ist entscheidend. Überlege, ob du eine große Satteltasche, eine Lenkerrolle oder zusätzlichen Stauraum in Form von Gabel- oder Unterrohrtaschen benötigst.
- Wie klein oder groß ist das Rad? Nicht alle Taschen passen an kleine Räder. Es kann zu Problemen mit dem Abstand zwischen Satteltasche und Hinterrad oder Lenkertasche und Vorderrad kommen.
- Welche Anschraubpunkte hat das Rad? Einige Taschen benötigen spezielle Anschraubpunkte am Rahmen oder der Gabel. Überprüfe die Kompatibilität vor dem Kauf.
Welche Bikepacking-Taschen gibt es?
Es gibt verschiedene Arten von Bikepacking-Taschen, die jeweils für unterschiedliche Zwecke konzipiert sind:
- Satteltasche: Wird an Sattelstütze und Sattelstreben befestigt.
- Rahmentasche: Füllt das Rahmendreieck aus und bietet Platz für schwere Gegenstände.
- Oberrohrtasche: Ermöglicht schnellen Zugriff auf wichtige Gegenstände während der Fahrt.
- Lenkertaschen: Werden am Lenker befestigt und bieten Stauraum für Zelt, Isomatte und Jacke.
- Snack Bag: Wird neben dem Vorbau montiert und bietet Platz für Snacks oder eine Trinkflasche.
- Sonstiges: Gabeltaschen, Panniers usw. für größere Gepäckmengen.
Oberrohrtaschen im Test
Oberrohrtaschen sind eine praktische Grundausstattung für Marathon- und Gravelradler. Schlank gebaut und leicht, bieten sie Platz für Werkzeug, Energieriegel oder Smartphones. Sie werden entweder mit Schrauben oder mit Riemen befestigt.
Bei der Montage ist zu beachten, dass die Radhersteller die Gewinde im Oberrohr in unterschiedlichem Abstand zum Steuerrohr anbringen. Der Abstand der vorderen Bohrung betrug im Test zwischen drei und acht Zentimetern. Bei nur drei Zentimetern Abstand kann es passieren, dass die Befestigungslöcher längerer Taschen nicht mehr auf die Gewinde im Oberrohr passen.
Ein weiterer entscheidender Aspekt ist die Art des Verschlusses. Es gibt Taschen mit Reißverschluss und solche mit Klappdeckel. Reißverschlüsse sollten mit einer Dichtlippe ausgestattet sein, um das Eindringen von Regen zu verhindern. Klappdeckel schützen den Inhalt besser vor Spritzwasser, sofern sie passgenau schließen.
Testergebnisse der Oberrohrtaschen
Im Praxistest konnten sich die Modelle von Cyclite und Topeak mit Einser-Noten leicht von der Konkurrenz absetzen. Beide Taschen überzeugen in der Handhabung, Ausstattung und Befestigung.
| Marke | Modell | VK-Preis | Gewicht | Volumen | Gesamtnote |
|---|---|---|---|---|---|
| Apidura | Bolt-on Top Tube Bag 1L | 64,90 Euro | 106 Gramm | 1 Liter | 1,9 |
| Cyclite | Oberrohrtasche | 89,90 Euro | 130 Gramm | 1,1 Liter | 1,3 (Testsieger) |
| Decathlon | ADVT 900 wasserdicht 1L | 35 Euro | 184 Gramm | 1 Liter | 1,9 |
| Ortlieb | Fuel Back | 65 Euro | 168 Gramm | 1 Liter | 1,8 |
| Restrap | Bolt-on Top Tube Bag 1L | 52 Euro | 118 Gramm | 1 Liter | 2,3 |
| Revelate Designs | Mag Tank Bolt-on | 85 Euro | 135 Gramm | 1 Liter | 2,8 |
| Tailfin | Top Tube Bag - Zip | 65 Euro | 145 Gramm | 0,8 Liter | 1,6 |
| Topeak | Fastfuel Dryback II | 39,95 Euro | 108 Gramm | 0,8 Liter | 1,4 |
So testet TOUR: Die Gesamtnote setzt sich zusammen aus den vier Teilnoten Wetterschutz, Ausstattung/Verarbeitung, Befestigung und Handling, wobei alle Kriterien gleich gewichtet wurden.
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