Die Freiheit auf zwei Rädern ist eine Leidenschaft, die viele Menschen teilen. Doch bevor man diese Freiheit geniessen kann, steht die praktische Motorradprüfung an. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über den Ablauf der praktischen Motorradprüfung in Deutschland, die verschiedenen Führerscheinklassen und gibt wertvolle Tipps zur Vorbereitung.
Die verschiedenen Motorrad-Führerscheinklassen
Welche Schritte Sie auf dem Weg zu Ihrem Motorradführerschein alle erledigen müssen, hängt von unterschiedlichen Faktoren ab - zum Beispiel von bereits vorhandenen Führerausweisen oder vom Alter. Es gibt verschiedene Kategorien von Motorradführerscheinen, die sich nach Motorleistung und Hubraum unterscheiden:
- Kategorie A1: Motorräder mit einem Hubraum von höchstens 125 ccm sowie einer Motorleistung von maximal 11 kW (15 PS).
- Kategorie A2: Motorräder mit einer Motorleistung bis maximal 35 kW (48 PS) und nicht mehr als 0.20 kW/kg. Eine Hubraumbeschränkung existiert in dieser Kategorie nicht - solange die maximale Leistung von 35 kW nicht überschritten wird.
- Kategorie A: Motorräder mit einer Motorleistung von mehr als 35 kW (48 PS). Um diesen Führerausweis zu erwerben, brauchen Sie mindestens zwei Jahre klaglose Fahrpraxis mit einem Motorrad aus der Kategorie A beschränkt (A2).
Abhängig davon, ob Sie bereits einen Führerausweis einer anderen Kategorie besitzen, ist der Erwerb des Scheins für diese Kategorie weniger aufwändig. So müssen Sie zum Beispiel nicht noch einmal den Nothelferkurs besuchen.
Direkteinstieg in die Klasse A
Der sogenannte Direkteinstieg für alle, die mindestens 25 Jahre alt sind, ist seit dem 1. Januar 2021 nicht mehr möglich. Neu müssen jedoch alle - unabhängig vom Alter - zunächst mindestens zwei Jahre mit einem Motorrad von maximal 35 kW Leistung fahren.
Voraussetzungen für die praktische Prüfung
Um überhaupt für die praktische Prüfung zugelassen zu werden, müssen Sie als Fahrschüler zunächst einmal bestimmte Voraussetzungen erfüllen:
- Du hast die theoretische Prüfung erfolgreich bestanden.
- Du hast die Grundausbildung und alle vorgeschriebenen Sonderfahrten gemacht.
- Du fühlst Dich sicher.
- Dein Fahrlehrer ist überzeugt, dass Du fit für die Prüfung bist und hat Dir einen Ausbildungsnachweis ausgestellt.
- Du erreichst in spätestens einem Monat das vorgeschriebene Mindestalter für die beantragte Führerscheinklasse und hast die Prüfgebühren eingezahlt.
Doch auch, wenn Sie die gerade beschriebenen Voraussetzungen erfüllen, gilt: Sie selbst sollten sich sicher im Umgang mit einem Kraftfahrzeug im Straßenverkehr fühlen.
Ablauf der praktischen Motorradprüfung
Es ist soweit: Der Tag der Motorradprüfung ist gekommen! Schauen Sie, dass Sie pünktlich zur praktischen Fahrprüfung erscheinen - verpassen Sie Ihren Termin, müssen Sie die verpasste Prüfung zum einen bezahlen und zum anderen nachholen.
Die praktische Fahrprüfung aller Motorrad-Kategorien besteht aus zwei Teilen: aus der Manöverprüfung und aus dem Fahren im Verkehr. Als erstes wird Ihnen - meist auf dem Gelände des Strassenverkehrsamts - eine Abfolge von unterschiedlichen Manövern vorgegeben, die Sie mit dem Töff vorzeigen müssen. Wenn Sie diesen ersten Teil der Prüfung bestehen, geht’s auf die Strasse, damit Ihre Fahrtauglichkeit im normalen Verkehr geprüft werden kann. Haben Sie beide Teile erfolgreich absolviert, bekommen Sie anschliessend vom Experten bzw. der Expertin eine entsprechende Bescheinigung oder einen Vermerk in Ihrem Lernfahrausweis.
Dauer der Prüfung
Je nachdem, für welche Führerscheinklasse Sie sich entschieden haben, beeinflusst dies die Dauer der Fahrprüfung. Die praktische Prüfung fürs Motorrad (Klasse A) dauert beispielsweise insgesamt 60 Minuten, wovon 25 Minuten reine Fahrzeit sind. Für die Klasse A1 (Leichtkraftrad) dauert sie insgesamt 45 Minuten, für A2 & A (Motorrad) 60 Minuten. Eine Aufstiegsprüfung (A1->A2 oder A2->A) geht 40min.
Grundfahraufgaben
Vor der Prüfungsfahrt musst Du eine bestimmte Anzahl an Grundfahraufgaben absolvieren. Die Grundfahraufgaben dienen dem Nachweis, dass der Bewerber ein Kraftrad der Klasse A selbständig handhaben kann, die Grundbegriffe der Fahrphysik kennt und sie richtig anwenden kann (Fahrzeugbeherrschung). Wer die Motorrad-Fahrprüfung der Klasse A bestehen will, muss in der Regel sechs von neun möglichen Grundfahraufgaben beherrschen.
Hier eine Übersicht der möglichen Grundfahraufgaben:
- Langsames Fahren mit Schrittgeschwindigkeit: Der Bewerber hat eine Slalomstrecke (6 Leitkegel, Abstand 3,5 m) mit Schrittgeschwindigkeit (ca. 5 km/h im 1. Gang) unter Beibehaltung des Gleichgewichts und mit richtiger Handhabung von Kupplung, Gas und Bremse zu durchfahren.
- Gefahrenbremsung: Der Bewerber hat das Kraftrad unter gleichzeitiger Benutzung beider Bremsen mit höchstmöglicher Verzögerung aus einer Geschwindigkeit von ca. 50 km/h zum Stillstand zu bringen, ohne dass das Kraftrad dabei wesentlich von der Fahrlinie abweicht.
- Ausweichen ohne Bremsen: Beschleunigen auf etwa 50 km/h, vor einer markierten Stelle um etwa 1 bis 1,5 m nach links ausweichen und, ohne zu bremsen, auf die ursprüngliche Fahrlinie zurückkehren.
- Ausweichen nach Bremsen: Beschleunigen auf etwa 50 km/h, dann rechtzeitig kurz abbremsen und nach Lösen der Bremsen mit einer Geschwindigkeit im eigenstabilen Bereich (ca. 30 km/h) vor einer markierten Stelle um etwa 1 bis 1,5 m nach links ausweichen und, ohne zu bremsen, auf die ursprüngliche Fahrlinie zurückkehren.
- Slalom mit 30 km/h: Der Bewerber hat eine Slalomstrecke (Länge ca. 80 m, 5 Leitkegel Abstand 9 m, anschließend 2 Leitkegel Abstand 7 m) mit einer Anfangsgeschwindigkeit von ca. 30 km/h mit annähernd gleichbleibender Geschwindigkeit zu durchfahren.
- Kreisfahrt: Einfahren in einen Kreis mit einem Halbmesser von 4,5 m, mehrfaches Kreisfahren und Verlassen des Kreises. Die Geschwindigkeit ist so zu wählen, dass Schräglage entsteht.
- Stop and Go: Mehrfaches Anhalten und Anfahren, abgestimmtes Betätigen von Gas, Kupplung und Bremse, Füße nur zum Abstützen des Kraftrades im Stand von den Fußrasten nehmen und auf die Fahrbahn absetzen.
Höchstens drei Grundfahraufgaben dürfen je einmal wiederholt werden. Eine Aufstellung und Herunternehmen vom Ständer sowie das Anlassen des Kraftrades gehören ebenfalls dazu.
Die Fahrt imRealverkehr
Ein Prüfer der DEKRA oder vom TÜV leitet die praktische Prüfung und navigiert Sie durch die Region, in der Sie leben. Auf der Prüfungsstrecke wird Ihnen der Prüfer verschiedene Anweisungen geben und Ihnen Aufgaben stellen.
Auf der Prüfungsstrecke wird Ihnen der Prüfer verschiedene Anweisungen geben und Ihnen Aufgaben stellen. Je nach Fahrerlaubnisklasse müssen Sie bestimmte Grundfahraufgaben meistern, die in der Anlage 7 der Fahrerlaubnis-Verordnung (FeV) festgehalten sind.
Was tun bei nicht bestandener Prüfung?
Konnten Sie bei der Fahrprüfung weder praktisch noch theoretisch glänzen und sind dementsprechend durchgefallen, sollten Sie nicht gleich den Kopf in den Sand stecken. Haben Sie die praktische Prüfung nicht bestanden, können Sie diese nach zwei Wochen wiederholen. In dieser Zeit sollten Sie jedoch unbedingt weitere Fahrstunden nehmen und sich noch besser vorbereiten als beim letzten Mal, damit Sie die Prüfung beim zweiten Versuch erfolgreich meistern.
Bedenken Sie: Zwar können Sie die praktische Prüfung beliebig oft wiederholen, allerdings fallen bei jedem Versuch erneut die gesamten Prüfungsgebühren an, was langfristig extrem hohe Kosten verursacht.
Wichtige Tipps für die praktische Prüfung
- Seien Sie pünktlich: Schauen Sie, dass Sie pünktlich zur praktischen Fahrprüfung erscheinen - verpassen Sie Ihren Termin, müssen Sie die verpasste Prüfung zum einen bezahlen und zum anderen nachholen.
- Sichere Kleidung: Der Bewerber hat bei der Prüfung geeignete Schutzkleidung (Schutzhelm, Handschuhe, anliegende Jacke, mindestens knöchelhohes festes Schuhwerk) zu tragen.
- Motorrad Anforderungen: Damit Sie die Prüfung antreten können, müssen bestimmte Anforderungen an Ihr Motorrad erfüllt sein. Zum einen muss der Töff aus der Kategorie sein, für welche Sie die Prüfung ablegen möchten.
- Melden Sie sich erst dann für die praktische Prüfung an, wenn Sie sich absolut sicher fühlen.
- Behalten Sie während der gesamten Fahrt die Spiegel im Blick und drehen Sie auffällig den Kopf, damit der Prüfer sieht, wenn Sie in den Spiegel schauen.
- Sind Sie sich unsicher, ob Sie eine Anweisung des Prüfers richtig verstanden haben, fragen Sie nach.
Checkliste für den Prüfungstag
- Überprüfe am Abend vor der Prüfung alle notwendigen Unterlagen. Dazu gehören dein Personalausweis, deine Sehhilfe, falls erforderlich, und der Ausbildungsnachweis von deiner Fahrschule.
- Verzichte am Vorabend auf Alkohol und schwere Mahlzeiten. Eine ruhige Nacht und ein nahrhaftes Frühstück am Morgen helfen dir, konzentriert und ausgeruht in die Prüfung zu starten.
- Plane genug Zeit ein, um rechtzeitig vor Prüfungsbeginn am Treffpunkt zu sein. So kannst du noch einmal in Ruhe mit deinem Fahrlehrer sprechen und dich mental auf die bevorstehende Prüfung einstellen.
Sicherheitskontrolle
Entweder zu Beginn oder am Ende der Prüfung wirst du gebeten, eine Sicherheitskontrolle durchzuführen. Dabei überprüfst du wichtige Funktionen des Fahrzeugs, wie den Ölstand, den Reifendruck und die Funktionstüchtigkeit der Kontrollleuchten.
Bewertung während der Prüfung
Der Prüfer beobachtet genau, wie du das Lenkrad hältst, wie sicher du anfährst und schaltest, wie angemessen deine Geschwindigkeit ist und wie aufmerksam du den Verkehr beobachtest. Wichtig sind auch die Einhaltung der Verkehrsregeln, das richtige Abstandhalten und dein Verhalten an Kreuzungen und in anderen komplexen Verkehrssituationen.
Tabelle: Dauer der praktischen Prüfung nach Führerscheinklasse
| Führerscheinklasse | Gesamtdauer | Reine Fahrzeit |
|---|---|---|
| A1 (Leichtkraftrad) | 45 Minuten | Kürzer |
| A2 & A (Motorrad) | 60 Minuten | 25 Minuten |
| Aufstiegsprüfung (A1->A2 oder A2->A) | 40 Minuten | Kürzer |
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