Fahrraddiebstahl ist ein weit verbreitetes Problem. Laut Bundeskriminalamt wurden im Jahr 2020 mehr als 260.000 Fahrraddiebstähle registriert. Schutz davor bieten Fahrradschlösser. Wichtig beim Kauf ist allerdings die Wahl des richtigen Schlosstyps.
Fahrradschloss-Typen im Vergleich
Es gibt viele Arten, das Fahrrad zu sichern. Im Test: starre Bügelschlösser, handliche Faltschlösser, massive Kettenschlösser. Aber auch fest verbaute Rahmenschlösser mit Zusatzkette untersuchten wir in unseren Tests, ebenso Textilschlösser. Auf dieser Seite nennen wir die grundsätzlichen Vor- und Nachteile der gängigen Fahrradschloss-Typen.
Bügelschlösser
Bügelschlösser gehören zu den sichersten Fahrradschlössern. Da der Stahlbügel komplett starr ist, musst Du manchmal etwas Kreativität beweisen, um einen guten Platz zum Anschließen zu finden. Es gibt Bügelschlösser in verschiedenen Größen. Je länger und größer der Bügel, desto besser kommst Du damit um beispielsweise Laternenmasten rum, desto sperriger und schwerer ist das Schloss aber auch.
Kettenschlösser
Kettenschlösser sind sehr flexibel und lassen sich einfach um Fahrradteile und Gegenstände herumfädeln. Je länger die Kette, desto mehr Möglichkeiten bietet sie Dir beim Anschließen. Wie sicher ein Kettenschloss ist, wird maßgeblich durch das Material und die Dicke der Kettenglieder bestimmt. Auf den ersten Blick ist das oft nicht sichtbar, da die Ketten meist mit Textil oder Kunststoff ummantelt sind, um Dein Rad vor Kratzern zu schützen.
Faltschlösser
Faltschlösser sind handlich, oft aber schwächer als andere Fahrradschloss-Typen. Faltschlösser kombinieren die Vorteile von Bügel- und Kettenschlössern. Durch die beweglich miteinander verbundenen Einzelsegmente sind Faltschlösser fast so flexibel wie Ketten. Zusammengefaltet lassen sie sich mit dem entsprechenden Halter an fast jedem Rahmen fixieren und brauchen dabei weniger Platz als ein Bügelschloss. Faltschlösser gibt es von den meisten Herstellern bis zu den höchsten Sicherheitsstufen.
Kabelschlösser
Kabelschlösser sind meist leicht und sehr flexibel. Je länger, desto mehr Möglichkeiten bieten sie beim Anschließen und Zusammenschließen mehrerer Fahrräder. Unter der Kunststoff- oder Textilummantelung haben sie ein Stahlseil bzw. -kabel. Je stärker es ist, desto sicherer ist das Kabelschloss. Bei Panzerkabelschlösser ist das Stahlkabel mit überlappenden Stahlhülsen verstärkt. Dadurch sind sie etwas weniger flexibel, aber deutlich sicherer.
Rahmenschlösser
Ein Rahmenschloss wird direkt an Deinem Bike montiert und bleibt dort - meist an den Sitzstreben. Beim Abschließen läuft ein Stahlbügel zwischen den Speichen hindurch und blockiert das Rad. Die großen Vorteile: Es ist immer dabei und das Abschließen ist nur ein Handgriff. Das ist besonders bei Alltagsrädern praktisch, die häufig abgestellt werden.
Zahlenschlösser: Eine sichere Alternative?
Mit einem Zahlenschloss müssen Radlerinnen und Radler keine Angst mehr haben, ihren Schlüssel zu verlieren. Sechs Zahlenschlösser in unserer Testdatenbank brauchen keinen Schlüssel, sondern lassen sich per Zahlenkombination sichern - je zwei Bügelschlösser, Faltschlösser und Kettenschlösser. Von den wenigen Zahlenschlössern im Test schneidet nur eines gut ab.
Übrigens: Zahlenkombinationen wie „1234“ oder das Geburtsjahr sind auch für Diebe zu leicht zu erraten, wählen Sie eine schwierigere Kombination.
Sicherheitsstufen und ihre Bedeutung
Einige Hersteller haben ihre eigene Skala, zum Beispiel von 0 bis 6 oder von 0 bis 15. Auf ein hohes Sicherheitslevel achten. Die Hersteller teilen Fahrradschlösser in Sicherheitsklassen ein und mit denen steigt meist auch der Preis, da z. B. hochwertigere Materialien und Schließzylinder verbaut werden. Und je teurer Dein Commuter, E-Bike, Rennrad, Gravel- oder Mountainbike, desto besser will es geschützt werden, oder?
Hier ein Beispiel eines Schlossherstellers, der eine Skala von 1 bis 15 verwendet:
- Die Sicherheitsstufen 1 bis 4 bedeuten: grundlegender Schutz vor Diebstahl in Bereichen mit geringem Risiko.
- Die Sicherheitsstufen 5 bis 9 bedeuten: zusätzliche Sicherheit in Bereichen mit geringem bis mittlerem Risiko.
- Die Sicherheitsstufen 10 bis 15 bedeuten: maximaler Schutz für hochwertige Fahrräder und für Bereiche mit hohem Risiko.
Grundsätzlich gilt: Vor dem Kauf sollte man sich schlaumachen, wie die Sicherheitsstufen der Hersteller des Schlosses zu bewerten sind.
Die Stiftung Warentest im Einsatz für Ihre Sicherheit
Die Fachleute der Stiftung Warentest prüfen mit diversen Methoden, welches Fahrradschloss wie schwer zu knacken ist. Sie wollen außerdem wissen: Welche Schlösser sind leicht und einfach zu transportieren? Wir schicken die Fahrradschlösser aber auch ins Schadstofflabor. Denn immer wieder finden wir Fahrradschlösser, die Radelnde mit Schadstoffen in Kontakt bringen. Dazu gehören Weichmacher, sogenannte Phthalate, und polyzyklische aromatische Kohlenstoffe (PAK).
Die Stiftung Warentest hat Fahrradschlösser aller Kategorien auf Sicherheit, Handhabung und Schadstoffe getestet. Auch der Verband der Schadensversicherer (VDS) testet regelmäßig Schlösser für Zweiräder.
So testen wir den Diebstahlschutz
Die Stiftung Warentest kauft die Geräte für die Prüfungen anonym im Handel ein. Drei Experten versuchten, die Schlösser mit verschiedenem Werkzeug aufzubrechen. Ein weiterer Experte probierte, sie „intelligent“, etwa durch Picking, zu öffnen. Dafür standen jeweils bis zu drei Minuten zur Verfügung. Wir beurteilten Zeit und Schwierigkeit beim Öffnen.
Richtiges Abschließen: Tipps und Tricks
Das beste Schloss nützt nichts, wenn nur Rad und Rahmen zusammengeschlossen werden. Diebe können das Fahrrad dann einfach wegtragen und zum Beispiel in einem Lieferwagen abtransportieren. Die Polizei empfiehlt, Hinterrad und Rahmen an einen festen Gegenstand zu schließen. Das Schloss sollte möglichst weit oben angebracht werden, damit der Untergrund nicht als Widerlager für Werkzeuge wie Bolzenschneider dienen kann. Wer auf Nummer sicher gehen will, schließt mit einem zusätzlichen Schloss auch an einer zweiten Stelle an.
Fahrradschlösser im Test: Ausgewählte Modelle
Die Stiftung Warentest hat Kettenschlösser, Bügelschlösser, Faltschlösser, Rahmenschlösser und Kombinationen daraus geprüft. In der Testdatenbank können Sie die Ergebnisse individuell filtern, etwa nach Preis, Gewicht, Schlosstyp oder Marke. Unsere Testdatenbank zeigt Ergebnisse für 89 Schlösser von rund 30 bis 300 Euro, darunter Modelle von Abus, Axa, Decathlon und Kryptonite.
Testsieger Bügelschlösser (Flex-geprüft 2024)
- Abus Granit Super Extreme 2500
- Trelock U6/ U6L (🏆 Testsieger 2022 und 2024)
- Contec Powerloc (💰 Kauftipp 2022 und 2024)
- Master Lock 8195LW (💰 Kauftipp 2022)
- Zéfal K-Traz U17 Cable (💰 Kauftipp 2024)
Testsieger Faltschlösser
- Kryptonite Evolution 790 Folding Lock
- Trelock FS 580 Toro X-Press
Logisch: Du solltest es einem Dieb möglichst schwer machen, dein verschlossenes Rad zu entwenden. Je belebter der Abstellort, desto eher besteht die Möglichkeit, dass jemand bemerkt, wenn sich ein Dieb am Rad zu schaffen macht. Der geliebte Drahtesel sollte auf jeden Fall an einen festen Gegenstand angeschlossen werden, wie z. B. idealerweise ein fest verankerter Fahrradständer, ein Laternenpfahl oder ein einbetoniertes, gut dimensioniertes Geländer.
Um es dem vermeintlichen Dieb möglichst schwer zu machen, ist es sinnvoll, das Fahrradschloss so weit wie möglich oben zu befestigen, damit der Boden nicht als Widerlager benutzt werden kann. Oder zumindest solltest du dein Rad so anschließen, dass das Gegenüber möglichst kein Widerlager für einen wohl dimensionierten Bolzenschneider bieten kann. Immer mindestens den Rahmen anschließen, der dann noch idealerweise Hinter- oder Vorderrad einschließt. Der Wert des Schlosses darf gerne bei rund 10 % des Radpreises liegen.
Die Rolle der Fahrradversicherung
Fahrradversicherungen werden von so gut wie allen Versicherungen angeboten und können unter anderem beim Fahrradhändler oder online abgeschlossen werden. Meist wird der Neuwert des Rades ersetzt. Einige Versicherer zahlen jedoch nur den Zeitwert oder ziehen eine Selbstbeteiligung ab. Auch Räder, die per Raub abhandenkommen oder im öffentlichen Raum gestohlen werden, fallen dann unter den Versicherungsschutz. In der Regel muss man jedes Fahrrad einzeln versichern.
Zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen
Wer sein Fahrrad oder Pedelec mit einem versteckten GPS-Sender ausstattet, kann mit Hilfe der dazugehörigen Software den Standort des Rades lokalisieren. GPS-Sender gibt es im Fachhandel, teilweise werden sie auch schon vom Hersteller verbaut. Sollte das Rad unbefugt bewegt werden, wird eine Nachricht auf das Smartphone geschickt und der Peilsender zeigt in Echtzeit den aktuellen Standort an.
Auf vielen Fahrrädern ist von den Herstelleren eine individualisierte Rahmennummer eingestanzt. Diese sollten sich Besitzerinnen und Besitzer notieren und gut aufbewahren. Im Fall eines Diebstahls können sie die Rahmennummer der Polizei mitteilen. So kann das Rad dem rechtmäßigen Besitzer zugeordnet werden, falls es gefunden wird.
ADFC-Checkliste: Qualitätsmerkmale für sichere Schlösser
- Schlosstyp: Bügel-, Falt-, Ketten- oder Panzerkabelschlösser bieten mehr Schutz als Schlösser mit Spiralkabeln, aus dünnen Drähten oder leichten Ketten.
- Materialqualität: Bügel, Ketten oder Faltglieder sollten aus hochwertigem gehärteten Stahl gefertigt sein, ebenso der Schlosskörper.
- Masse und Durchmesser: Schwerere Schlösser mit großen Bügel-Durchmessern sind stabiler. Deshalb wiegen qualitativ hochwertige Schlösser oft mehr als ein Kilogramm.
- Schließzylinder: Drehscheibenzylinder bieten hohen Schutz gegen das Lockpicking. Sie sind schwer zu manipulieren.
- Gesamtqualität: Ein Fahrradschloss ist nur so sicher wie seine schwächste Stelle. Die Qualität von Material, Schlosszylinder und Schlosskörper muss durchgängig hoch sein.
Fazit
Die Wahl des richtigen Fahrradschlosses ist entscheidend für die Sicherheit Ihres Fahrrades. Während Zahlenschlösser den Vorteil bieten, dass kein Schlüssel verloren gehen kann, haben Tests gezeigt, dass sie oft leichter zu knacken sind als Schlösser mit Schlüssel. Bügel-, Falt- und Kettenschlösser aus gehärtetem Stahl bieten einen höheren Schutz, wobei die Wahl des Schlosstyps auch von den individuellen Bedürfnissen und dem Wert des Fahrrades abhängt. Zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen wie GPS-Tracker und die Registrierung der Rahmennummer können im Falle eines Diebstahls hilfreich sein.
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