Der Faraday-Käfig: Schutz vor Blitzen auf dem Motorrad und im Alltag

Sie sind gerade auf dem Weg in den Urlaub, als ein enormes Unwetter ausbricht. Da stellt sich die Frage, wie man sich verhalten soll und wie sicher man eigentlich im Auto vor Blitzen ist. Können Sie weiterhin auf der Autobahn fahren, um zügig an Ihren Zielort zu gelangen? Oder ist es besser den Naturgewalten nicht unnötig zu trotzen und den sicheren Parkplatz aufzusuchen? Wir informieren Sie über die Tücken bei Blitz, Regen, Wind und Donner.

Was ist ein Faraday-Käfig?

Der Faradaysche Käfig wurde nach seinem Erfinder, dem britischen Physiker und Naturforscher Michael Faraday, benannt. Er besteht aus einer geschlossenen Hülle um einen elektrischen Leiter. Diese Hülle dient als Schutz gegen elektrische Felder und Wellen, sodass das Innere frei von Elektrizität bleibt.

Dabei muss der Käfig selbst aus einer Hülle oder aus einem lockeren Geflecht von leitenden Materialien wie etwa Metall, Gold, Silber und Grafit bestehen. Diese haben die Fähigkeit, die Elektronen der elektrischen Ladungen nach außen zu transportieren. Der Strom wird von dieser Hülle in den Boden abgeleitet, sodass der Innenraum unversehrt bleibt.

Die Hülle des Faradayschen Käfigs besteht aus einem stark leitenden Material. Das heißt, er kann gut geladene Teilchen transportieren, da er einen geringen elektrischen Widerstand bietet und über eine hohe Dichte freibeweglicher Ladungsträger verfügt. Dies hängt von seiner chemischen Verbindung ab. Positive und negative Teilchen streben stets einen Ausgleich an und ziehen sich gegenseitig an. Ein Leiter löst die Spannung auf, indem sich negative Elektronen und positiven Protonen in ihm ideal verteilen können. Gemeinsam bilden sie neutrale Atome.

Faraday-Käfig im Alltag: Auto vs. Haus

Warum braucht ein Haus einen Blitzableiter? Ist es kein Faradayscher Käfig? Denn ein Auto braucht doch auch keinen Blitzableiter! Ein Auto ist tatsächlich ein Faradayscher Käfig per se, durch die stromableitende Außenfassade der Karosserie bleibt das Innere unversehrt. Dabei fungiert das Blech der Autobeschichtung als Leiter. Da der Innenraum von der leitenden Fassade vollständig umschlossen ist, bleiben die Insassen im Auto vom Blitzeinschlag unberührt.

Eine Hauswand besteht hingegen aus nicht leitenden Materialien wie Stein und Beton. Ist das Haus nicht durch einen Blitzableiter geschützt, verteilt sich der Strom entlang der Wasser- und Stromleitungen. Die Wände können an diesen Stellen bei einem Blitzeinschlag aufplatzen. Außerdem kann durch den nicht abgeleiteten Strom schnell der Dachstuhl, insofern er aus Holz besteht, in Brand geraten.

Sicherheitsvorkehrungen bei Gewitter

Auto und Cabrio

Kann ein Blitz ins Auto einschlagen? Ja. Trotzdem können Sie bei Gewitter Auto fahren. Tests haben bewiesen, dass Autoinsassen bei Blitzeinschlag völlig unbeschadet bleiben. Dass überhaupt ein Blitz in ein Auto einschlägt, kommt äußerst selten vor.

Wenn auch nicht Sie, so kann doch Ihr Auto bei Blitzeinschlag Schaden nehmen. Es können sich Brandspuren am Lack oder den Reifenflanken befinden. Nur eine rundum geschlossene Hülle kann ableiten. Demnach sollten Sie bei aufkommendem Gewitter möglichst alle Klappen und Türen geschlossen halten.

Fahren Sie bei Unwetter alle Antennen ein und berühren Sie nach dem Einschlag möglichst keine Metalle im Innenraum, die mit der metallenen Karosserie in Verbindung stehen. Wenn Ihr Auto vom Blitz getroffen wird, ist das keine Kleinigkeit, auch wenn Sie als Fahrer nicht direkt dem Strom ausgesetzt sind. Zunächst werden Sie stark geblendet und es wird sehr hell. Dann folgt ein ohrenbetäubender Donner. Der plötzliche Schrecken kann außerdem, wenn Sie während dem Einschlag fahren, zu einem Unfall führen.

Dass ein Auto vom Blitz getroffen wird, ist, wie oben erwähnt, äußerst unwahrscheinlich. Deswegen empfehlen wir, im Falle eines starken Unwetters, einen Parkplatz aufzusuchen und abzuwarten, bis das Unwetter vorüberzieht.

Auch ein Cabrio funktioniert wie ein Faradayscher Käfig, so wie jedes andere Auto auch. Allerdings ist es in diesem Fall sehr wichtig, das Cabrio-Verdeck zu schließen. Hier gilt ebenfalls: Nur ein geschlossener Käfig kann ableiten. Innerhalb des Verdecks sind sogenannte Spriegel eingebaut, die den Strom in den Boden leiten. Dabei handelt es sich um einfache Metallstangen, die genauso wie Windschutzscheibenrahmen, Überrollbügel und Verdeck-Mechanik helfen, den Blitz mit abzuleiten.

Wohnwagen und Camping

Wenn Sie bei Gewitter campen, sollten Sie aufpassen! Nicht jeder Wohnwagen funktioniert als Faradayscher Käfig. Wenn Sie also Urlaub mit dem Wohnwagen machen wollen, empfiehlt es sich, diesen vor Kauf gut zu prüfen. Ein reines Kunststoffgehäuse kann nämlich nicht leiten. In diesem Fall funktioniert das Prinzip des Faradayschen Käfigs nicht, weil die äußere Hülle nicht leitfähig ist. Falls ein Unwetter aufkommen sollte, vermeiden Sie es zu duschen und zu spülen. Entfernen Sie auch sämtliche Strom-Kabel aus den Steckdosen.

Motorrad und Fahrrad

Es erklärt sich von selbst, dass ein Fahrrad nicht über eine schützende Hülle verfügt und gleichzeitig durch Metall-Konstrukte bei Blitzeinschlag leiten kann. Dementsprechend sollten Sie besser einen schützenden Unterstand aufsuchen, keinesfalls aber Anhöhen, Bäume und Metallmasten. Besser Sie suchen sich bspw. eine Tankstelle als Unterschlupf oder gehen unter die nächstgelegene Brücke.

Da Motorräder keinen faradayschen Käfig besitzen, ist die Besatzung theoretisch der Gefahr von Blitzeinschlägen ausgesetzt. Die tatsächliche Gefahr indes ist äußerst gering.

Weitere Tipps für sicheres Verhalten bei Gewitter

Wenn Sie sich fragen, warum Sie trotz dem Faradayschen Prinzip in Ihrem Auto ein elektrisches Handynetz haben, lässt sich dies dadurch erklären, dass die elektrischen Schwingungen des Mobilfunknetzes sehr viel kleiner sind und eine niedrigere Frequenz haben als ein Blitzeinschlag. Diese feinen Schwingungen können durch die Fugen und Spalten und vor allem durch die recht große Frontscheibe beim Auto dringen.

Durch die Blechhülle Ihres Autos sind Sie im Innenraum sicher, vorausgesetzt Sie halten alle Fenster und Klappen geschlossen. Da eine viel höhere Gefahr durch die beim Gewitter hervorgerufenen Windböen, Regengüsse und Hagelschauer entsteht, empfiehlt es sich dennoch, das Fahren bei starkem Gewitter zu unterlassen und lieber einen Parkplatz aufzusuchen.

Hier eine Zusammenfassung der wichtigsten Verhaltensweisen bei Gewitter:

  • Im Auto: Fenster und Türen schließen, keine Metallteile berühren.
  • Im Wohnwagen: Auf leitfähige Hülle achten, Kabel entfernen, Duschen vermeiden.
  • Auf dem Motorrad/Fahrrad: Unterstand suchen, Bäume und Metallmasten meiden.
  • Allgemein: Hohe Orte, Bäume und Gewässer meiden.

Was tun, wenn das Gewitter überrascht?

Wenn man in der freien Natur von einem Gewitter überrascht wird, sollte man nicht in der Gruppe mit anderen Menschen Schutz suchen. Der Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik (VDE) rät, sich einzeln in eine Bodenmulde zu kauern. Am besten in die Hocke gehen, Füße geschlossen halten und die Arme um die Knie legen, Kopf darauf. Zu anderen Lebewesen - auch den eigenen Kindern und dem Hund - einen Abstand von mindestens einem Meter, besser sogar drei Metern einhalten. Wichtig: Die Gefahr ist erst vorbei, wenn man eine halbe Stunde lang keinen Donner mehr wahrgenommen hat.

Irrtümer und Fakten rund um Gewitter

Ein altes (deutsches) Sprichwort sagt: Vor den Eichen sollst du weichen. Und die Weiden sollst du meiden. Zu den Fichten flieh mitnichten, Linden sollst du finden, Doch die Buchen musst du suchen! Die Debeka sagt: falsch! Schlägt der Blitz in den Stamm ein, kann die Spannung überspringen oder Äste brechen ab. Wer beim Gewitter unterwegs ist, sollte besser ein Gebäude aufsuchen oder sich ins Auto setzen.

Falsch! Tatsächlich kann ein Blitz mehrmals an derselben Stelle einschlagen. Insbesondere, wenn der Ort eine hohe Anziehungskraft für Blitze hat bzw. Blitze schlagen in der Regel an Orten mit dem Weg des geringsten elektrischen Widerstands ein. Hohe, spitze Strukturen wie Bäume, Gebäude, Türme und Berge sind typische Angriffsziele für Blitze, weil sie den kürzesten Weg zur Erde bieten.

Wahr! Sofort raus aus dem Wasser! Das gilt sogar in mehr als 100 Metern Entfernung.

Jein, in Gebäuden mit Blitz- und Überspannungsschutz ist es eigentlich nicht nötig, alle Stecker der Elektrogeräte bei Gewitter herauszuziehen. Überspannungsschäden an Elektrogeräten sind über die Hausratversicherung abgesichert.

Statistiken und Gefahren

An bis zu 210 Tagen pro Jahr gewittert es irgendwo in der Bundesrepublik, besonders häufig in der Gewittersaison zwischen Mai und August. Dabei registrierten Wetterbeobachter im Jahr 2024 rund 200.000 Blitze, die in den Boden einschlugen. Dabei ist das Risiko, von einem Blitz getroffen zu werden, äußerst gering.

Blitzaktivität in Deutschland (Beispieljahr)

Jahr Blitzeinschläge
2023 316.000
2022 242.000

Viel gefährlicher als der Blitzschlag sind für Autofahrer aber die oftmals auftretenden Begleiterscheinungen wie Starkregen, Sturm und eingeschränkte Sicht. Deshalb gilt bereits bei den ersten Regentropfen - Fuß vom Gas und Scheibenwischer frühzeitig einschalten.

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