Federsattelstützen erhöhen tendenziell den Komfort beim Fahrradfahren. Gefederte Sattelstützen können dabei in zwei Kategorien mit ganz spezifischen Eigenschaften sowie Vor- und Nachteilen eingeteilt werden. Zum einen sind einfache Teleskop-Sattelstützen erhältlich, sowie die komplizierter aufgebauten Parallelogramm-Sattelstützen.
Wer braucht eine gefederte Sattelstütze?
Verschiedene Umfragen beweisen: Sitzprobleme sorgen mit am häufigsten für Verdruss beim Radfahren. Gelegenheits-Radfahrer klagen dabei häufig über Schmerzen an den Sitzknochen, Vielfahrer hingegen leiden unter Problemen am unteren Rücken - vor allem im Bereich der Lendenwirbelsäule. Ein Grund dafür ist, dass je nach Sitzposition bis zu 70 Prozent des Fahrergewichts auf dem Sattel lasten. Sitzknochen und Wirbelsäule tragen dieses Gewicht. Je nach Fahrrad werden mehr oder weniger Stöße und Vibrationen zum Fahrer weitergeleitet. Federstützen arbeiten dann als Stoßfänger.
Wissenschaftler der Deutschen Sporthochschule Köln unter der Leitung von Prof. Dr. Ingo Froböse haben die Belastungen, welche beim Radfahren auf die Lendenwirbelsäule auftreten können, gemessen. So ist es möglich, dass Beschleunigungen von bis zu 8 g auf die Wirbelsäule einwirken können. Gefederte Stützen können diese Belastungen deutlich reduzieren. Bei sportlichen Bike-Disziplinen mit den entsprechenden Sitzpositionen können solche Sattelstützen die Belastung um bis zu 30 Prozent reduzieren.
Teleskop- oder Parallellogrammsattelstützen?
Gefederte Sattelstützen können aufgrund ihrer Bauform in zwei Kategorien eingeteilt werden. Zum einen gibt es Feder, beziehungsweise Teleskop-Sattelstützen oder Parallelogramm-Sattelstützen. Bei den gefederten Teleskop-Sattelstützen bewegt sich der obere Teil, das Standrohr in das untere Tauchrohr, ähnlich wie bei einer Federgabel. Teleskop-Sattelstützen federn ausschließlich nach unten, wodurch sich die Sitzhöhe verändert. Dies muss beim Einstellen der Sitzhöhe berücksichtigt werden, sowie ein gewisses Einsinken beim Draufsetzen.
Teleskopstützen leiten die Erschütterungen parallel zum Sattelrohr ab, wodurch es bei nach vorn gebeugter Sitzhaltung innerhalb der Stütze zu Reibungen kommen kann, welche die Effizienz mindern. Somit sind solche Stützen eher für aufrechte Sitzpositionen, wie bei City- oder Trekkingrädern, geeignet. Parallelogramm-Federsattelstützen sehen zunächst wuchtiger aus als Teleskop-Sattelstützen, allerdings sind sie wesentlich effektiver, was das Ansprechverhalten und somit die Dämpfung angeht, da sie nicht nur nach unten, sondern nach unten und hinten abfedern.
Vor- und Nachteile der jeweiligen Bauart:
- Teleskopstützen:
- Vorteile: Günstig, geringes Eigengewicht, fein einstellbar
- Nachteile: Weniger sensibles Ansprechverhalten, Veränderung der Sitzhöhe beim Einfedern
- Parallelogrammstützen:
- Vorteile: Sensibleres Ansprechverhalten, bieten selbst bei geringen Stößen mehr Komfort
- Nachteile: Veränderung der Sitzhöhe und Sitzposition, potenziell erhöhter Druck zwischen Damm und Sattel
Die Redshift ShockStop Suspension Sattelstütze
Die Redshift ShockStop Suspension Sattelstütze ist eine Parallelogramm Sattelstütze die sich sehr gut für Rennrad und Gravelbike eignet. Das Design ist minimalistisch dadurch fällt die Stütze trotz Parallelogramm kaum auf. Anders als der Vorbau funktioniert die Federung bei der Redshift ShockStop-Stütze per Parallelogramm, das im Inneren der Stütze auf eine normale Feder drückt. Die Gewichtsanpassung/Federvorspannung erfolgt über ein Gewinde am Boden der Stütze und für Fahrer über 80 kg wird einfach eine zweite Feder eingebaut. Das System ist super simpel im Aufbau und lässt sich durch die freie Vorspannung aufs Kilogramm genau anpassen - man kann es also z. B. einfach für das Zusatzgewicht einer Satteltasche ändern.
Ähnlich einer Federgabel ist das System auf Negativfederweg ausgelegt, das heißt ca. 20 % des Federwegs werden bereits beim Draufsetzen genutzt und der Fahrer schwebt sozusagen in der Stütze. Die Redshift ShockStop-Stütze verfügt über keine extra Dämpfung, wie man sie aus Federgabeln etc. kennt. Dank der Umlenkung und der Reibungskräfte des geschmierten Kolbens, der im Inneren auf die Feder drückt, ergibt sich aber ein vergleichbares Gefühl. Die Redshift ShockStop-Stütze wird wie eine Federgabel mit Negativ-Federweg gefahren und ist darauf ausgelegt, den Fahrer permanent in der Schwebe zu halten.
Redshift ShockStop vs. Cane Creek eeSilk
Redshift ShockStop und Cane Creek eeSilk unterscheiden sich recht stark voneinander. Beide Stützen sind nur in 27,2 mm Durchmesser und 350 mm Länge erhältlich und lassen sich daher gut direkt miteinander vergleichen. Die Cane Creek eeSilk mit ihrer Elastomer-Federung ist deutlich mehr auf sportives Fahren ausgerichtet. Der Federweg ist viel weniger stark spürbar und hauptsächlich darauf ausgelegt, Mikrovibrationen und kleine Schlagspitzen zu absorbieren. Die Beinlänge ändert sich beim Einfedern nur minimal, der Support beim Klettern ist gut und die Stütze wiegt außerdem nur knapp die Hälfte (292 g) der Redshift (565 g). Zudem lässt sich in der eeSilk ein Di2-Akku unterbringen. Bei einem 50/50-Mix von Straße und Offroad ist man mit ihr bestens bedient.
Je nach Federvorspannung kann mit der Redshift ShockStop-Stütze zwar ein ähnliches Setup erzeugt werden, ihr Haupteinsatzgebiet ist jedoch auf maximalen Komfort fokussiert. Sie zielt darauf ab, den Fahrer ähnlich wie ein Mountainbike-Fahrwerk permanent in der Schwebe zu halten und eignet sich deutlich besser für Fahrer, die zu 90 % Offroad unterwegs und eher an Distanz als an Maximal-Output interessiert sind. Vor allem, da die Federhärte einfach, genau und im Handumdrehen auf das Gewicht einer zusätzlichen Satteltasche angepasst werden kann. Dafür ist sie im Vergleich jedoch fast doppelt so schwer und ein Di2-Akku lässt sich im Rohr nicht unterbringen.
Weitere Testurteile und Empfehlungen
Wir haben 24 gefederte Sattelstützen getestet. Die Preise unserer Testprodukte liegen zwischen ca. 30 und 300 Euro. Die etwas aufwendigeren Parallelogramm-Federsattelstützen arbeiten hierbei effektiver, sind aber schwerer und teurer. Teleskop-Federsattelstützen hingegen sind leichter, bieten aber nicht ganz so hohen Komfort.
- Die Parallelogramm-Federsattelstütze SR SP12 von Suntour bietet tollen Komfort zum guten Preis.
- Die Teleskop-Sattelstütze Aaron Spring hat uns unter den Teleskop-Stützen vom Komfort her am meisten zugesagt.
- Die Redshift ShockStop City ist eine herausragende Parallelogramm-Sattelstütze mit den besten Dämpfungseigenschaften im Test und schlankem Design.
- Die SP-10.0 von Ergotec ist der absolute Preistipp: Wer nicht viel Geld für eine gefederte Teleskop-Sattelstütze ausgegeben möchte, findet hier eine gute Alternative. Sie ist zwar nicht die beste auf dem Markt, bietet aber für den Preis viel Komfort.
Technische Aspekte beim Kauf
Die technischen Daten spielen beim Kauf einer gefederten Sattelstütze ebenso eine Rolle wie das Fahrrad, die Sitzposition und das Gewicht des Fahrers. Komfort ist natürlich immer ein individuelles und subjektives Empfinden. Generell ist bei Fahrrädern das Sattelrohr schräg nach hinten geneigt. Somit liegt der Schwerpunkt des Fahrers nicht direkt darüber, sondern vor dem Sattelrohr. Je sportlicher die Sitzposition, desto weiter wandert der Schwerpunkt in Richtung Vorderrad.
Effizienz ist bei den gefederten Sattelstützen wichtiger als der Federweg. Dieser Wert solle beim Kauf nicht an erster Stelle stehen. Ein gutes Ansprechverhalten sowie eine stufenlose Anpassbarkeit der Sitzposition sind deutlich wichtiger. Viel Federweg bringt einem Rücken geplagten Biker wenig, wenn die Stöße ineffizient und unsensibel abgemildert werden. Dennoch kann man sagen, je unebener das Gelände, desto mehr Federweg sollte die Stütze haben. Mountainbiker werden also tendenziell eher zu einer Stütze mit mehr Federweg greifen als Radreisende, die ausschließlich auf gut ausgebauten Radwegen unterwegs sind.
Eine gute Anpassbarkeit ist essenziell. So sollte beim Kauf darauf geachtet werden, für welches Gewicht die Federstütze ausgelegt ist, und ob die Federhärte eingestellt werden kann. Weiter sollte man beim Kauf darauf achten, dass die Sattelneigung stufenlos einstellbar ist. Zwar kann bei allen Stützen die Neigung eingestellt werden, bei manchen Kandidaten ist dies aber nur stufenweise möglich. Bevor man eine gefederte Sattelstütze kauft, sollte man sich darüber informieren, welcher Rohrdurchmesser benötigt wird.
Montagehinweise
Die Montage der Stütze an und für sich ist sehr einfach. Zunächst wird der Sattel an der alten Stütze abmontiert und am besten zuvor noch der Abstand zwischen Sattel und Rahmen ermittelt. Dies spart bei der Montage der neuen Stütze etwas Zeit. Danach wird die Klemmschelle am Sitzrohr gelöst und die Stütze entfernt. Bevor die neue Stütze eingeschoben wird, sollte sichergestellt werden, dass sich kein altes Fett usw. im Inneren des Sitzrohres befindet. Gegebenenfalls muss hier zuvor etwas geputzt werden. Ist alles sauber, wird eine neue Montagepaste aufgebracht und die Stütze, gegebenenfalls mit einer Spacerhülle, eingeschoben. Danach wird die Stütze auf die zuvor ermittelte Länge grob eingestellt und die Klemmschelle festgezogen.
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