Verkehrshindernis oder ernsthafte Alternative zum ÖPNV - der Ellenrieder Ellenator, der Fiat Topolino und der Micro Microlino wollen letzteres sein. Auch für den minderjährigen Nachwuchs. Doch können wir den Microcars wirklich ruhigen Gewissens unsere Kinder anvertrauen?
Als die drei Testprobanden auf das AUTO ZEITUNG-Testgelände in der Eifel rollen, freuen wir uns auf einen alles andere als alltäglichen Vergleichstest. Schließlich bekommen auch wir es eher selten mit gleich drei derart ungewöhnlichen Exoten in einem Vergleichstest zu tun.
Bei der vorangegangenen Konzeption des Vergleichstests stellten wir uns hauptsächlich die Frage, ob diese drei Gefährte eine wirklich sichere Alternative zum ÖPNV oder zum motorisierten Zweirad à la Vespa & Co. sind. Die Antwort darauf fällt überraschend komplex aus.
Ellenrieder Ellenator: Der Fiat 500 als Dreirad
Wer den Ellenator schon einmal in freier Wildbahn gesehen hat, dürfte sich verwundert die Augen gerieben haben: ein Fiat 500, okay. Aber da hinten fehlt doch etwas? Das Heck des skurrilen Gefährts sieht beinahe so aus, als würde es schweben. Der Grund: Im Allgäu baut die Firma Ellenrieder den Italiener zum Quasi-Dreirad mit verkleideten hinteren Radhäusern um.
Weniger als 460 mm Spurweite an der selbst konstruierten Hinterachse ist die Voraussetzung, damit der Gesetzgeber das Auto als Dreirad durchgehen lässt.
Der Ellenator ist die perfekte Lösung für Jugendliche ab 16, die selbstständig, sicher und trocken unterwegs sein wollen - auch ohne ÖPNV oder begleitendes Fahren.
Ob zur Ausbildungsstätte, einer weiter entfernten Schule, zum Sport oder Musikunterricht - dieses Fahrzeug ermöglicht jungen Fahrern echte Unabhängigkeit und den Eltern deutlich mehr Alltagserleichterung.
Gerade im ländlichen Raum ist der Ellenator eine durchdachte Alternative - sicher, sparsam und fahrbar mit dem A1-Führerschein.
Der Ellenator verfügt über Sitze, die auch auf längerer Fahrt bequem sind. Auch hinten ein echtes Auto: Für kurze Strecken reicht der Platz im Ellenator.
Der umgebaute Italiener bietet als Einziger im Vergleichstest vier richtige Sitzgelegenheiten, eine wohnlichere Auskleidung des Innenraums und diverse Komfort-Güter wie DAB-Radio mit Navigation, eine Sitzheizung und eine Klimaautomatik. Außerdem bringt er im Gegensatz den anderen beiden Wurzeln Airbags, ABS und ESP mit.
Auch beim Fahrkomfort hat der Ellenrieder Ellenator im Vergleichstest die altbekannte Nase deutlich vorn. Er bietet hier noch halbwegs bequeme Sitze, eine durchaus schluckfreudige Federung, eine wirkungsvolle Geräuschdämmung und einen Antrieb, der nicht mit übertriebenen Störgeräuschen nervt.
Den erwachsensten Eindruck beim Fahren am Limit vermittelt auch hier der Ellenrieder Ellenator, der sich weitgehend wie ein herkömmlicher Kleinwagen benimmt. Ansonsten sorgen ABS und ESP dafür, dass aufkeimende Gefahrensituationen stets wirkungsvoll unterbunden werden.
Technische Daten Ellenrieder Ellenator
- Motor: 3-Zylinder, 4-Vent.; Mild-Hybrid
- Hubraum: 999 cm³
- Leistung: 14,4 kW (19 PS)
- Getriebe: 6-Gang, manuell
- Antrieb: Vorderrad
Ellenator: Fahren ab 16
Durch den Ellenator-Umbau ist das Fahrzeug ein dreirädriges Kfz, das mit dem A1-Führerschein ab 16 Jahren gefahren werden darf.
Mit 90 km/h Spitze kann man sogar auf der Autobahn mitschwimmen und den einen oder anderen Lkw überholen.
Fiat Topolino: Der kleine Stadtflitzer
Deutlich weniger Auto und noch konsequenter auf die Großstadt zugeschnitten ist der Fiat Topolino. Das elektrisch angetriebene Wägelchen wiegt lediglich 502 kg und läuft maximal 45 km/h. Damit kann der pfiffige Kleine bereits von 15-Jährigen bewegt werden, sofern sie die Prüfung für den Führerschein AM erfolgreich absolviert haben.
Wer im Fiat Topolino etwas zu transportieren hat, muss mit dem Beifahrsitz sowie dem63 l großen Staufach in dessen Fußraum vorliebnehmen. Ein separates Gepäckfach gibt es in Fiats charmantem Winzling nicht - dafür aber überraschend viel Bewegungsfreiraum. Die Beinfreiheit und der Kopfraum sind schon fast gewaltig, was auch daran liegt, dass man ganz am hinteren Ende des Innenraums und somit auch des Fahrzeugs untergebracht ist.
Im Topolino gibt es nur ganz wenige, sprich: sechs Tasten, wovon die Hälfte für den Fahrregler (D, N, R) reserviert ist - das wars! Das monochrome Display weist lediglich die notwendigsten Informationen auf, und von moderner Konnektivität fehlt auch jede noch so kleine Spur.
Auch der Fiat Topolino bewältigt kurviges Geläuf trotz ausgeprägter Aufbaubewegungen unkritisch, was auch am langsamen Tempo liegt, mit dem er unterwegs ist. Die servolose Lenkung trägt mit ihrer indirekten Übersetzung ebenfalls einen großen Teil zum unaufgeregten Fahrverhalten bei: Wer mit dem Fiat halbwegs flott ums Eck will, muss reichlich kurbeln - und das anschließend auch wieder zurück zur Anfangsstellung, denn ein ausgeprägtes Rückstellmoment lässt die Lenkung vermissen.
Technische Daten Fiat Topolino
- Motor: permanenterregte Synchronmaschine
- Leistung E-Motor: 6 kW (8 PS)
- Max. Drehmoment E-Motor: 44 Nm
- Batterie: Lithium-Ionen
- Getriebe: Konstantübersetzung
- Antrieb: Vorderrad
Sein nur 5,4 kWh großer Akku ist bereits nach 52 km am Ende. Aufgeladen wird der Topolino dann an der Haushaltssteckdose, was laut Hersteller keine vier Stunden dauern soll.
Micro Microlino: Retro-Charme mit Einschränkungen
Eine Reminiszenz an die legendäre Isetta ist hingegen der Microlino. Bei dem in der Schweiz konzeptionierten und im Auftrag in Italien gefertigten City-Vehikel handelt es sich um ein batterieelektrisches Stadtfahrzeug, das wie der Ellenator mit seiner Höchstgeschwindigkeit von 90 km/h auch auf Landstraßen und gar Autobahnen fahren darf.
Wie beim offensichtlichen historischen Vorbild gibt eine überraschend schwere und nach vorn aufschwingende Fronttür den Innenraum frei. Darin befinden sich eine Bank mit zwei Sitzmulden und eine feststehende Lenksäule. Das Platzangebot bedingt, dass sich die zwei Personen im Microlino zumindest nicht gänzlich unsympathisch sein sollten. Es herrscht nämlich drangvolle Enge, gerade auch durch die weit in den Innenraum ragenden Radhäuser.
Der Microlino bietet so gut wie keine Komfortfeatures. Innen ist er hier der Engste. Mitfahrenden sollten sich mögen, wenn sie auf der engen Bank sitzen. In der Türstrebe sitzt ein kleiner Touchscreen für die wenigen Funktionen. Skurriles Detail: Das Auffüllen des Wischwassers erfolgt im Innenraum.
Hinter der kleinen Heckklappe verbirgt sich ein mit 230 l Fassungsvermögen durchaus praxistauglicher Kofferraum.
Technische Daten Micro Microlino
- Motor: permanenterregte Synchronmaschine
- Leistung E-Motor: 12 kW (16 PS)
- Max. Drehmoment E-Motor: 89 Nm
- Batterie: Lithium-Ionen
- Getriebe: Konstantübersetzung
- Antrieb: Hinterrad
Der Microlino beschleunigt flotter als die beiden Wettstreiter von der Ampel weg. Erst bei etwa 70 km/h wird es dann doch reichlich zäh. Für den Test hat uns der Hersteller die Variante mit der mittleren Reichweite bereitgestellt. Ihr Akku speichert 10,5 kWh Strom, die im Test für 100 km genügen.
Bei flotter angegangenen Richtungswechseln rollt der Micro spürbar um die Längsachse und neigt ferner zum Untersteuern. Bei der Bremsprüfung bestätigt sich unser eher negatives Grundgefühl auf dramatische Art und Weise: Bei einer Vollbremsung aus der Höchstgeschwindigkeit von 90 km/h verliert der Microlino gleich mehrfach die Bodenhaftung und droht, sich zu überschlagen.
Kosten und Umwelt
Die von uns getestete Variante kostet schließlich satte 21.490 Euro und somit 11.600 Euro mehr als der Fiat Topolino, ohne dafür jedoch im direkten Vergleich einen nennenswerten Mehrwert zu bieten. Noch teurer ist der Ellenator, der beim Hersteller für 26.370 Euro inklusive Basisfahrzeug, Umbau und Einzelabnahme für die Zulassung erhältlich ist. Sicherlich bietet er absolut gesehen das meiste Auto fürs Geld.
Somit ist es kaum verwunderlich, dass der pfiffige Fiat das Kostenkapitel im Vergleichstest mit großem Vorsprung für sich entscheiden kann.
Vergleichstabelle der technischen Daten
| Merkmal | Ellenrieder Ellenator | Fiat Topolino | Micro Microlino |
|---|---|---|---|
| Motor | 3-Zyl., Mild-Hybrid | permanenterregte Synchronmaschine | permanenterregte Synchronmaschine |
| Hubraum | 999 cm³ | - | - |
| Leistung | 14,4 kW (19 PS) | - | - |
| Leistung E-Motor | - | 6 kW (8 PS) | 12 kW (16 PS) |
| Getriebe | 6-Gang, manuell | Konstantübersetzung | Konstantübersetzung |
| Antrieb | Vorderrad | Vorderrad | Hinterrad |
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