Fiat 500 Dreirad Umbau: Vorteile des "Ellenator" für Jugendliche

Ein neues Auto sorgt momentan für mächtig Begeisterung bei Jugendlichen. Das Besondere: Es ist ein Dreirad-Auto. Statt zwei Rädern hinten links und hinten rechts hat der sogenannte „Ellenator“ zwei Räder in der Mitte an der Hinterachse. Der Autohändler Wenzel Ellenrieder hat es auf den Markt gebracht und verkauft den Wagen nun in ganz Deutschland. Die Nachfrage ist riesig: Über 1.000 Modelle hat Ellenrieder bereits verkauft.

Was ist der Ellenator?

Der leidenschaftliche Tüftler aus Dösingen im Allgäu baute 2015 für seinen damals 16 Jahre alten Sohn Markus das erste Dreirad-Auto aus einem Fiat 500. Seinen Namen hat der „Ellenator“ auch von seinem Erfinder. „Ich habe gearbeitet, im Brotzeitraum geschlafen und bin direkt wieder in die Werkstatt“, sagte er gegenüber merkur .

Der Weg zur Erfindung des Dreirad-Autos war emotional: „Mein Bruder ist als 17-Jähriger tödlich mit dem Motorrad verunglückt“, sagte er der Bild. „Das hat mich seitdem nie losgelassen. Als mein Sohn 16 wurde, hat das Grübeln begonnen. Es muss doch eine sicherere Fortbewegungsart für Minderjährige geben als das Mofa, Moped, Roller und Co. So kam mir die Idee für den Ellenator.“

Vorteile des Ellenator

Das Dreirad-Auto darf bereits von Jugendlichen ab 16 Jahren mit Führerschein A1 gesteuert werden, da der Motor gedrosselt wurde. Nach der Drosselung erreicht das Fahrzeug Geschwindigkeiten bis zu 90 Stundenkilometern. Der kleine Vierzylinder-Benziner des Dreirads kommt mit 15 kW/20 PS aus. Da die Räder nicht weiter als 46,5 Zentimeter auseinander sind, wertet das Gesetz sie als einen Reifen, der „Ellenator“ wird damit vom PKW zum Leichtkraftrad.

Die Preise für den Ellenator sind abhängig vom Wert des umgebauten Basisfahrzeugs, sie starten bei 10.490 Euro. Wer ein geeignetes Grundauto besitzt, kann allein den Umbau in Auftrag geben, die Kosten belaufen sich dann auf rund 5.000 Euro. Im Preis sind fünf Jahre Garantie auf den Umbau inbegriffen.

Der Ellenator fühlt sich immer noch wie ein Fiat an, schafft 90 Kilometer pro Stunde. In der Kurve bleibt er stabil, trotz Dreiradkonstruktion. "Alles wie in einem normalen Auto", sagt Ellenrieder und kurvt quer durchs Dorf. Er hat sich mit drei anderen Autohäusern zusammengetan. Bei den Kollegen kann man einen gebrauchten Fiat kaufen, Ellenrieder und seine Leute bauen ihn dann zum Ellenator um. 5000 Euro kostet das. Obendrauf kommt der Preis für den Fiat, je nach Alter, Zustand und Ausstattung. Das ist deutlich mehr als für ein Moped, aber dafür habe man mehr Komfort und Sicherheit, findet Ellenrieder. "Ich habe sieben Airbags hier drin." Außerdem könne man im Ellenator Leute mitnehmen. "Wenn ich als Jugendlicher mit dem Ding irgendwo aufgekreuzt wäre, da wäre ich der Größte gewesen."

Wie funktioniert der Umbau?

Ellenrieder baut Fiat 500 um. Die hintere Achse wird entfernt, die Hinterreifen mittig unter dem Kofferraum zusammengeschoben. Solange die Räder nämlich nicht weiter als 46,5 Zentimeter auseinander sind, wertet der Gesetzgeber die beiden Reifen als einen Reifen. Die Erfindung wurde von Ingenieuren geprüft und vom TÜV abgesegnet.

Dabei klingt seine Idee eigentlich einfach: Man nehme einen Fiat 500, drossle ihn auf 20 PS, reiße die Hinterachse heraus und lege eine neue quer durch den Kofferraum. Von der Seite sieht es dann aus, als würde der Fiat hinten in der Luft hängen, die Räder scheinen verschwunden zu sein. Tatsächlich aber sind sie jetzt in der Mitte, im Kofferraum. Direkt nebeneinander mit nur einigen Zentimetern Abstand. Weil die Räder so nah beisammenstehen, werden sie vor dem Gesetz zu einem. Das Auto ist plötzlich kein Auto mehr, sondern ein motorisiertes Dreirad, das man mit einem A-1-Führerschein fahren darf.

Sicherheit und ADAC-Bewertung

Kürzlich machte jedoch ein Unfall Schlagzeilen. Ein Ellenator kippte auf die Seite. Die Insassen wurden bei dem Unfall in Feldafing, Kreis Starnberg, verletzt. Einer brach sich das Bein. Der Unfall ist aber laut Oliver Jauch, Verkehrsexperte der Starnberger Polizei, nicht auf die Konstruktion des Ellenators zurückzuführen: Der 17-jährige Fahrer war alkoholisiert und zu schnell in der Kurve unterwegs. Sieben Jugendliche quetschten sich in den Viersitzer. Der Fahrer des Unglücksabends war das erste Mal mit dem Ellenator eines Freundes unterwegs. Den nötigen Führerschein besaß der junge Mann. Dieses Problem sieht der Verkehrsexperte: „Die Jugendlichen, die das Auto fahren, machen ihren Führerschein auf zwei Rädern.“

Jeder Ellenator-Kunde bekommt von ihm einen Fahrschul-Gutschein über 100 Euro, um Erfahrung zu sammeln. In der Werkstatt steht ein Fahrschul-Ellenator. Er wirbt mit „Fahren ab 16“ auf der Motorhaube.

Grundsätzlich hat Verkehrsexperte Jauch keine Bedenken bei dem Modell. „Die meisten jungen Leute wissen, was sie für ein Geschoss unter sich haben.“ Außerdem hat der TÜV grünes Licht für die Dreiräder gegeben. Rechtlich ist der Ellenator sicher.

Der ADAC stellte bei einem Test im Jahr 2018 jedoch ein mittelprächtiges Zeugnis aus. Abschlussnote: 3,2, befriedigend. Die Fahrstabilität wurde in dem Test bemängelt. Ab einem Tempo von 65 km/h drohte der Wagen bei einem Ausweichtest zu kippen. Bei einer Testfahrt mit dem Ellenator fällt das nicht auf. Der Wagen beschleunigt recht behäbig, aber die Position der Hinterreifen macht keinen merklichen Unterschied im Fahrverhalten. Die anderen Autos, die man mit dem A1-Führerschein fahren darf - Aixam und Renault Twizy - wurden im ADAC-Check mit „mangelhaft“ abgestraft.

„Der Wagen hat die Ausstattung eines Autos, das mehr als doppelt so schnell fahren kann“, sagt er. Sieben Airbags, ABS, ESP - alles auf Pkw-Niveau. Ein gefährlich lahmes Hindernis für andere Verkehrsteilnehmer ist er mit bis zu 90 km/h nicht einmal auf der Landstraße. „Uns ist es am wichtigsten, dass junge Menschen sicher von A nach B kommen“, sagt Ellenrieders Sohn Markus, der Pionier. Er war der Erste, der einen Ellenator fahren durfte. Er hat sich immer sicher gefühlt in dem Wagen aus der Werkstatt seines Vaters, in der er heute als Kfz-Meister selbst arbeitet.

Alternativen zum Ellenator

Es gibt spezielle Fahrzeuge für 16-Jährige, sogenannte Rollermobile. Sie sehen meist wie Autos aus und sind auch so gebaut. Ellenrieder nennt sie trotzdem "Pappendeckelkisten": Die Verkleidung sei zu dünn und biete zu wenig Sicherheit, außerdem seien die Fahrzeuge vom Preis-Leistungsverhältnis her zu teuer. Nein, wenn dann müsse schon ein richtiges Auto her. Aber das darf man in Deutschland ja erst von 18 an und mit einem B-Führerschein fahren.

Hier eine Übersicht über weitere Alternativen:

Fahrzeug Führerscheinklasse Leistung Höchstgeschwindigkeit Preis (ca.)
Renault Twizy 45 AM 5 PS 45 km/h 6.950 € (zzgl. Batteriemiete)
Aixam City AM 8 PS 45 km/h ab 11.290 €
Microcar MGO AM 5,5 PS 45 km/h N/A

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