Kraft und Beweglichkeit sind die beiden Säulen der Fitness, die Radsportlern wohl am meisten am Herzen liegen, wenn sie ausnahmsweise mal nicht im Sattel trainieren. Viele meinen, das sei nur etwas für Profisportler. Für Koordinationsübungen finden sie dagegen weniger Zeit.
Es ist unsere Pflicht, auch den oberen Teil der Maschine, den Menschen auf Vordermann zu bringen. Natürlich kann es kein Standardfitnessprogramm geben, das für jeden Typ Motorradfahrer gleichermaßen geeignet ist. Viel zu unterschiedlich sind Fahrer und Maschinen.
Warum Fitness für Motorradfahrer wichtig ist
Wer auf dem Motorrad körperlich fit ist, kann die Dynamik mehr genießen, macht weniger Fehler, ermüdet langsamer und ist im Sturzfall weniger verletzungsanfällig. Da Motorradfahrer im Vergleich zu anderen Verkehrsteilnehmern viel höheren körperlichen Anforderungen genügen müssen, um sicher unterwegs zu sein, sollten sie vor dem Start in die Saison auch etwas für die eigene Kondition tun.
Schon kleine Fahrfehler können sich schneller negativ auswirken als etwa bei einem Auto: Zweiradfahrer haben nun einmal keine Knautschzone. Zur sicheren Beherrschung eines Motorrades wird deutlich mehr abverlangt als dem durchschnittlichen Autofahrer: Die Kräfte, die beim Beschleunigen und Bremsen auf den Fahrzeugführer wirken, sind ungleich höher, sie fordern die Muskulatur in Armen, Schulter und Oberkörper, zudem beanspruchen Fliehkräfte die Muskeln im Nacken.
Auch „normales“ Motorradfahren verlangt zahlreiche motorische Fähigkeiten wie etwa das Gleichgewicht zu halten, die Koordination verschiedener Bewegungen oder Ausdauer, wie beim Stemmen gegen den Fahrtwind. Wenn Balancegefühl, Oberkörper- und Armmuskulatur und am besten auch das Herz-Kreislaufsystem trainiert sind, fährt es sich erwiesenermaßen entspannter, sicherer und mit mehr Freude.
Also die Basis für Sicherheit auf dem Rad, denn beide beugen Stürzen vor, und wenn es doch passiert, reagiert der Körper geschickter. Koordination und Balance sind nicht nur für die Fahrtechnik wichtig, sondern auch für den nötigen Druck auf dem Pedal. Diese Übungen stärken zum Beispiel den Rumpf, der für die Kraftübertragung so wichtig ist.
“Das wiederum steigert die Leistung und Ausdauer beim Fahren”, sagt Expertin Westner. Schöner Nebeneffekt: Ein starker Rumpf bedeutet auch mehr Balance und Koordination. Daher rät unsere Expertin, die gezeigten Übungen mindestens zweimal pro Woche zu trainieren. Ein Durchgang pro Übung reicht aus, um einen positiven Effekt zu erzielen.
Die Bedeutung von Koordinationstraining
“Diese Säule ist auch für Hobbysportler sinnvoll, macht außerdem Spaß und kostet wenig Zeit.” Je besser ein Bewegungsablauf koordinativ gesteuert werden kann, desto weniger Kraftaufwand erfordert er. Die Reaktionen werden schneller, Bewegungen laufen präziser ab, eine Ermüdung tritt später ein, es entstehen weniger muskuläre Verspannungen, die Unfallgefahr wird herab-gesetzt.
Das Training auf instabilen Untergründen verbessert die Koordination, weil der Körper um Gleichgewicht kämpfen muss. Es kommt zu reflektorisch gesteuerten Ausgleichsbewegungen, die unser Nervensystem fordern und schulen.
Ein solches Training heißt in der Physiotherapie „propriozeptives Training“. Sie geben Auskunft über die Spannungszustände der Muskeln sowie die Stellung der Gelenke, und sie regulieren blitzschnell das Zusammenspiel aller an einer Bewegung beteiligten Organe. Die Propriozeptoren sind Bewegungsorgane, die in Gelenken, Sehnen, Bändern und Muskeln eingelagert sind.
Übungen für Motorradfahrer
Hier sind einige Übungen, die speziell auf die Bedürfnisse von Motorradfahrern zugeschnitten sind:
Übung 1: Rumpf-Rotation
Diese Übung stärkt den Rumpf und schult die Koordination. Zwei Punkte, die jedem Biker helfen.
So funktioniert’s:
- Gehe in die Liegestützposition: Die Füße sind für mehr Stabilität etwas breiter gestellt.
- Schiebe die Fersen nach hinten, als ob du sie gegen eine Wand drücken wolltest.
- Achte darauf, dass die Hände etwas nach vorne geschoben sind, das sorgt für Spannung und schützt den Rücken.
- Strecke nun einen Arm über außen nach oben. Der Blick folgt dieser Bewegung. Dabei ist viel Spannung im Rumpf und Bauch wichtig.
- Setze den Arm langsam und kontrolliert wieder ab und wiederhole die Übung mit der anderen Hand. 10-20 Mal pro Seite
Übung 2: Werfen & Fangen basic
Diese Übungen trainieren gezielt die Zusammenarbeit von linker und rechter Gehirnhälfte. Dadurch kann das Gehirn seine kognitiven Fähigkeiten besser nutzen und komplexe Aufgaben effektiver und schneller lösen. Für Radfahrer bedeutet das zum Beispiel, schneller die richtige Linie wählen zu können. Racer schwören auf diese Übung.
So funktioniert’s:
- Für diese Übung benötigst du idealerweise zwei kleine Bälle oder Säckchen - Sockenknäuel funktionieren auch.
- Stelle dich aufrecht hin. Dein Blick ist nach vorne gerichtet.
- Wirf nun die beiden Säckchen hoch und fange sie mit gekreuzten Händen wieder auf.
- Wichtig ist, dass nur die Hände gekreuzt werden, die Säckchen wechseln nicht die Seite.
- Meistens gibt es eine Schokoladenseite, also eine Hand, die man lieber oben hat. Benutze abwechselnd auch die andere Hand. 10-20 Mal
Übung 3: Werfen & Fangen advanced
Wird die Übung zu leicht, müssen neue Reize gesetzt werden. Durch die Hinzunahme des Wackelbretts werden nicht nur die rechte und linke Gehirnhälfte gefordert, sondern auch die Areale, die Arme und Beine versorgen. 10-20 Mal
Übung 4: Wackelbrett basic
Das Balancieren auf dem Wackelbrett schult die Stabilität und das Gleichgewicht. Diese Fähigkeiten fördern die Koordination auf dem Bike und die Feinmotorik, die besonders für fortgeschrittene Fahrtechniken wichtig ist.
So funktioniert’s:
- Die richtige Ausgangsstellung ist wichtig. Achte darauf, dass die Füße parallel zueinander stehen und der Abstand zum Ende des Brettes gleich ist.
- Finde nun deine Mitte und starte zu Beginn mit dezenten Ausgleichsbewegungen.
- Wenn du das geschafft hast, kannst du anfangen, bewusst von links nach rechts zu wippen. 20 Bewegungen
Übung 5: Wackelbrett advanced
Wenn die Wackelübung mit parallelen Füßen funktioniert, ist es Zeit für eine neue Herausforderung. Drehe dazu die Füße in eine Richtung. Beginne wieder mit leichten Bewegungen und steigere sie. Tipp: Hebe die Ferse des hinteren Fußes dezent an, dann fällt es leichter, das Gleichgewicht zu halten.
Übung 6: Kopenhagen-Plank basic
Diese Übung trainiert die seitliche Rumpfmuskulatur, insbesondere die Adduktoren und Abduktoren. Das wiederum stärkt das Gleichgewicht zwischen Rumpf und Beinachse und verbessert so die biomechanische Effizienz.
So funktioniert’s:
- Hierfür brauchst du einen etwa kniehohen Gegenstand.
- Gehe in den seitlichen Unterarmstütz, das obere Bein liegt mit der Innenseite auf dem Hocker, der Unterarm stützt den ausgestreckten Oberarm.
- Wichtig: Kopf, Schultern, Becken und Knöchel bilden eine Linie.
- Das untere Bein wird in einem Winkel von 90 Grad gehalten. Achte darauf, dass das Becken nicht zum Boden absinkt.
- Halte diese Position 15 bis 45 Sekunden und wechsle dann die Seite. 15-45 Sekunden pro Seite
Übung 7: Kopenhagen-Plank advanced
Mache die gleiche Übung, doch nun ist das gestreckte Bein unten und das gebeugte oben. Wiederum 15-45 Sekunden pro Seite halten.
Krafttraining für Motorradfahrer
Effektives Krafttraining soll das allgemeine Muskelkorsett aufbauen. Das schützt bei Stürzen, weil es Belastungen bis zu einem gewissen Grad abfangen kann. Krafttraining soll aber auch jene Muskeln kräftigen, die typischen Motorradfahrer-Haltungsfehlern entgegenwirken. Darüber hinaus müssen Muskeln dort aufgebaut werden, wo beim Fahren besondere Belastungen entstehen.
Dazu gehören die Unterarmmuskeln, die das Handgelenk bewegen und stabilisieren, sowie die Greifmuskulatur der Finger. Bei sportlich nach vorn gebeugter Sitzhaltung werden die Armstrecker dauerhaft belastet, harte Bremsmanöver geben ihnen den Rest. Brust- und schräge Bauchmuskulatur werden immer dann gefordert, wenn viel Kurvenkurbelei auf dem Programm steht.
Indem wir traditionelle Kraftübungen mit einem instabilen Untergrund versehen, erhalten diese Übungen alle Vorteile des bereits erwähnten propriozeptiven Trainings. Neben der Muskulatur, die bei der jeweiligen Übung im Vordergrund steht, werden die gesamte Rumpfmuskulatur und die Koordination intensiv mittrainiert.
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