Die Entwicklung fliegender Motorräder in Japan

Für Generationen von Motorradfahrern war Japan das Motorrad-Wunderland. Erst hat Honda mit der CB 750 unser gängiges Bild vom Großserienmotorrad revolutioniert, dann haben Honda CBX und Kawasaki Z 1300 unsere Vorstellungen von Leistung neu definiert, bevor die Zweitakt-Raketen Yamaha RD 500 oder Suzuki RG 500 uns die Rennstrecke vor der Haustür servierten. Doch der Reihe nach, zunächst ein paar Worte zu den grundsätzlichen Größenordnungen.

Über zehn Millionen motorisierte Zweiräder verließen allein 2016 die Honda-Produktionshallen auf der ganzen Welt, jeweils rund vier Million pro Jahr allein in Indonesien und Indien. Dementsprechend breit gestreut ist die Zulieferindustrie, darunter Namen wie NGK, Mikuni, Denso, Keihin, Showa und Tokico. Prominent geht es auch zu, wenn wir von Zubehör wie Helmen und Lederkombis reden. Arai und Shoei sind Firmen von Weltruhm, ihr Top-Image ist wohl auch auf die nächsten Dekaden betoniert, ihre Namen stehen für High-End-Produkte und eine ebenfalls über Jahrzehnte gewachsene Philosophie.

Modernste Technik, appetitlich verpackt, bezahlbarer Preis - das war Japan. Aber Japan war damals auch noch etwas anderes. Japan war ein Labor, die reine Experimentierfreude, eine Ideenschmiede par excellence. Was Nippon uns, beginnend mit der magischen Honda CB 750, in den 70er-, 80er- und auch noch den 90er-Jahren in Zyklen von zwei Jahren präsentierte, war schlicht atemberaubend.

Doch dann kam Yamaha und machte mit einer komplett neu entwickelten Motorengeneration, dem MT-07-Twin und dem MT-09-Triple, vor, dass clever gemachte und kostengünstig zu produzierende Motoren auch in den entwickelten Märkten ganz neue Optionen eröffnen.

Fliegende Motorräder: Realität oder Fiktion?

Während fliegende Autos bisher nur in Science-Fiction-Filmen zu sehen sind, ist die Motorradsparte hier schon etwas weiter. Das fliegende Motorrad LVM 496 des französischen Designers Ludovic Lazareths sieht in den Farben Rot und Schwarz schlank und futuristisch aus. Es hat vier Turbinen, die den Flug ermöglichen. Das LVM 496 ist limitiert: Nur fünf dieser Fahrzeuge sollen jemals gebaut werden. Es ist also unwahrscheinlich, das Motorrad jemals auf der Straße zu sehen. Das Motorrad soll in der Lage sein, bis zu zehn Minuten in der Luft zu fliegen. Es wurde für ein einfaches Handling gebaut. Das Design ist von anderen Lazareth-Fahrzeugen inspiriert. Ein Schalter auf dem Armaturenbrett versetzt das Fahrrad in den Straßen- oder Flugmodus.

Allerdings dürften die Kosten von rund 600.000 Euro den Käuferkreis erheblich einschränken. Wüstensand, Staus oder gar ein Fluss? Alles wohl kein Problem für das fliegende Motorrad XTurismo des japanischen Start-up-Unternehmens A.L.I. Technologies, zu dessen Unterstützern auch Mitsubishi Electric gehört. Das Motorrad, das als „Ein-Personen-Fluggerät“ vertrieben wird, soll seinen „Piloten“ bis zu 40 Minuten durch die Lüfte tragen können.

Das XTurismo Hoverbike von A.L.I. Technologies

Das Hoverbike sieht aus wie eine Mischung aus Jetski und Motorrad. Statt Rädern hat es Rotoren - damit ähnelt es wiederum einer Riesen-Drohne. Das Basismodell wiegt laut Hersteller 300 Kilogramm bei einer Länge von 3,7 Metern, einer Breite von 2,4 Metern und einer Höhe von 1,5 Metern. Es kann auf eine Geschwindigkeit von bis zu 80 km/h beschleunigen, dabei schaffen die Akkus aktuell eine Flugzeit von 30 bis 40 Minuten. Ist es nicht in der Luft, ruht das Flug-Bike auf Landekufen.

Fliegen kann XTurismo wegen seiner zwei Primärpropeller und seiner vier Sekundärpropeller, die das Flug-Bike stabilisieren. A.L.I. Technologies stellte sein fliegendes Motorrad bereits im November 2021 auf einer Rennstrecke in der Nähe von Tokio vor - allerdings flog das Hoverbike nur etwas mehr als eine Minute knapp über dem Boden. Das Xturismo wird als ultraleichtes Flugzeug klassifiziert. Es wird also keine Piloten-Lizenz benötigt, um das Hoverbike fliegen zu dürfen. Dennoch ist ungewiss, ob das fliegende Motorrad je im Straßenverkehr zugelassen werden wird - derzeit gibt es in keinem Land einen regulativen Rahmen. Zunächst dürfte der Flug mit dem Hoverbike also auf Privatgrundstücke und Renn- oder abgesperrte Strecken beschränkt sein.

Aerwins XTurismo: Eine neue Ära des Fliegens

Im Rahmen der Detroit Auto Show im September 2022 stellte die Firma Aerwins das Hoverbike vor. Das Xturismo wird als Limited Edition für 777.000 Dollar angeboten.

Weitgehend aus leichtem und zugleich hochfestem Carbon gefertigt, wiegt das Xturismo angeblich 300 Kilogramm. Schwerer als 100 Kilogramm sollte der Pilot oder die Pilotin übrigens nicht sein.

Während die vier Lenk-Propeller elektrisch angetrieben und elektronisch gesteuert werden, kommt die für den Auftrieb erforderliche Power - deutlich hörbar - von einem leistungsstarken Motorrad-Reihenvierzylinder. Dem Vernehmen nach handelt es sich um einen Motor von Kawasaki, entweder vom Typ Ninja ZX-10 R oder vom Typ Ninja H2R - also mit Kompressor. Für Aufladung spricht die von Hersteller Aerwins genannte Leistung: bis zu 170 kW, circa 230 PS.

100 km/h werden als Höchstgeschwindigkeit angesagt, und mit 40 Litern Sprit soll das Xturismo 40 Minuten in der Luft gehalten werden können. Das würde einem Spritverbrauch von einem Liter pro Minute entsprechen, was wiederum für ein Fluggerät relativ sparsam wäre.

Hervorgegangen ist die neu gegründete Marke Aerwins mitsamt Niederlassung in Delaware, USA, aus der japanischen Firma A.L.I. Technologies mit Hauptsitz in Tokio. Die Ingenieure sind bekennende Star-Wars-Fans.

Außerhalb Japans sind Zulassung und Flugerlaubnis sowie die dazu erforderlichen Lizenzen noch nicht geklärt. Und: Ein Xturismo kostet 777.000 Dollar. Reservierungen werden für jeweils 20.000 Dollar entgegengenommen.

Im Gegensatz zu vielen eVTOL sitzt ihr auf Xturismo wie auf einem E-Motorrad. Das Hoverbike aus Japan nutzt Verbrenner und E-Motoren für den Antrieb.

Das Fluggerät wiegt knapp 300 Kilogramm, die Zuladung beträgt 100 Kilogramm. Neben einem Reisenden bleibt also nicht viel Zuladung für Gepäck übrig. Zahlreiche Sensoren und Systeme sorgen dafür, dass ihr in der Luft nicht aus Versehen gegen ein Hindernis prallt.

Für den Auf- und Antrieb sorgt eine Kombination aus Elektro- und Verbrennungsmotoren, die zwei mächtige Rotoren und mehrere kleine Rotoren zur Steuerung antreiben. In einem vom Hersteller veröffentlichten Video ist zu sehen, wie das Xturismo in der Luft "driftet". Bis das ungewöhnliche Fluggerät im Alttag ankommt, dürfte indes noch Zeit vergehen.

Honda: Eine Ikone des japanischen Motorradbaus

Soichiro Honda wird als Sohn eines Schmieds in einem kleinen Dorf in der Nähe des Bergs Fuji geboren. Schon früh faszinieren ihn Maschinen aller Art und bald hilft er in der Fahrradwerkstatt seines Vaters aus.

Soichiro Honda verlässt die Schule und geht nach Tokio, wo er eine Lehre als Mechaniker macht. Nach sechs Jahren kehrt er nach Hause zurück und eröffnet seine eigene Werkstatt.

Soichiro gründet die Firma Tokai Seiki zur Herstellung von Kolbenringen. Das Unternehmen wächst, erleidet jedoch in kurzer Abfolge den doppelten Schicksalsschlag der Zerstörung durch einen Luftbombenangriff sowie durch ein schweres Erdbeben. Die zerstörten Überreste des Unternehmens werden verkauft und mit dem Erlös gründet Soichiro ein neues Unternehmen: Honda Technical Research Institute.

Nach dem Krieg muss Japan schnell und günstig mobil werden. Soichiro hat die Idee, Fahrräder mit überschüssigen Generatormotoren auszustatten. Damit schafft er die erste „Honda“.

Das Motorrad wird weiterentwickelt. Es ist clever, stilvoll und beliebt. Innerhalb weniger Monate wird der von Honda entworfene Motor an seinem ersten Fließband gebaut.

Soichiro Honda nimmt sich einen Geschäftspartner, Takeo Fujisawa, und zusammen gründen sie eine neue Firma. Soichiro wird der Produktentwickler und Fujisawa-san bringt das notwendige geschäftliche Know-how.

Honda wird die größte Motorradmarke in Japan. Heute ist Honda die größte Motorradmarke der Welt und verfügt über Produktionsstätten rund um den Globus.

Die Prinzipien, nach denen Honda bis heute handelt, werden herausgearbeitet. Unsere erste Niederlassung außerhalb Japans entstand in Kalifornien. Dort arbeiteten zunächst nur acht Leute.

Die Honda Super Cub ist ein einfaches, bezahlbares Motorrad für den Weltmarkt. Super ist nicht nur der Name: Ihre direkten Nachfolger werden bis heute produziert. Da die Super Cub ein erschwingliches Fortbewegungsmittel für die Massen ist, ist sie das meistverkaufte Transportmittel aller Zeiten. Vielleicht sogar das wichtigste?

Die weltweit größte Motorradmarke beginnt erstmals mit dem Verkauf im Ausland, in den USA. Die American Honda Motor Co.

Ein spezielles Honda R&D-Unternehmen wird als Schwesterunternehmen der Honda Motor Co. gegründet. Stellen Sie es sich als Soichiros Traumfabrik vor.

Soichiro sagte immer, dass Erfolg zu 99 Prozent aus Scheitern besteht. Unser Debüt bei der Tourist Trophy auf der Isle of Man ist eine Enttäuschung, aber wir geben nicht auf. Zwei Jahre später kehren wir zurück und dominieren. Zum ersten Mal feiern wir einen internationalen Rennerfolg, und es bleibt nicht der letzte: 1965 gewinnen wir auch in der Formel 1.

Im Zuge des TT-Motorrad-Erfolgs eröffnen wir im belgischen Aalst unsere erste ausländische Produktionsstätte, um die wachsende Nachfrage nach unseren Motorrädern zu decken. Wir sind schon länger in Europa vertreten, als Sie vielleicht denken.

Honda beginnt mit dem Verkauf von Autos und Nutzfahrzeugen. Der robuste Minilaster T360 wird bewundert. Der Honda RA271 war unser erster Formel-1-Wagen.

Nur ein Jahr nach dem Einstieg in den Automobilbau wagt Honda den mutigen Schritt in den Motorsport. Die Entscheidung, mit eigenem Chassis und eigenem Motor zu starten, wird bald belohnt: 1965 holt Richie Ginther in Mexiko unseren ersten Sieg.

Der kompakte, frontgetriebene Civic ist das perfekte Auto für die 1970er Jahre. Zehn Generationen und 24 Millionen Fahrzeuge später ist er so relevant und beliebt wie eh und je.

Die Gründer von Honda, Soichiro Honda und Takeo Fujisawa, gehen nach 25 Jahren in den Ruhestand und übernehmen lediglich noch Beraterrollen im Vorstand. Soichiro bleibt bis zu seinem Tod im Jahr 1991 ein eifriger Beobachter seines Unternehmens.

In Nordamerika bringen wir den erstaunlichen CVCC-Motor auf den Markt. Sein Verbrennungszyklus ist so effizient, dass er die strengen, neuen Umweltvorschriften ohne Katalysator erfüllt. Ein Honda Symbol: der erste Civic. Wir bauen ihn seit 1972: Heute fertigen wir die 10. Generation.

Der erste Mittelklasse-PKW von Honda, der Accord, wird vorgestellt. Zunächst wird er als 4-Türer mit Stufenheck und als 3-Türer mit Fließheck angeboten. Später folgen ein 5-Türer mit Fließheck und eine Coupé-Version, die wir Prelude nennen.

Honda beginnt eine erfolgreiche 15-jährige Partnerschaft mit BL für den Technologietransfer, die gemeinsame Entwicklung und den Bau von Automobilen in Europa.

Honda begann 1979 mit der Produktion von Motorrädern in den USA. Im Jahr 1982 werden wir die erste japanische Marke, die Autos in den USA herstellt. Einführung des ersten Honda Luxusautos in den USA unter dem neuen Markennamen Acura. Das Acura Legend Coupé des Modelljahres 1988 verfügt über einen extrem laufruhigen 24-Ventil-2,7-Liter-V6-Motor.

McLaren-Honda gewinnt 15 von 16 Rennen, das Team gewinnt die Konstrukteurs-Meisterschaft, Ayrton Senna wird Formel-1-Weltmeister von 1988 und sein Teamkollege Alain Prost wird Zweiter.

In Europa werden zwei neue Honda Fabriken eröffnet. Das Werk im britischen Swindon baut den Accord und die Fabrik im türkischen Gebize beginnt mit der Produktion des Civic. Heute ist Swindon die globale Heimat des Civic 5-Türers mit Fließheck.

Honda stellt eine weitere Ikone seiner Firmengeschichte vor: den CR-V oder „Compact Recreational Vehicle“. Der wegweisende Kompakt-SUV erhielt sofort große Anerkennung und ist heute der weltweit meistverkaufte SUV. Im Jahr 1999 folgt der kleinere HR-V - „High-Riding Vehicle“.

Wir beschließen, uns selbst ein Geburtstagsgeschenk zu bauen, um unser erstes halbes Jahrhundert zu feiern. Was könnte es anderes sein als ein zweisitziger Sportwagen? Der wegweisende NSX kommt.

Unsere Ingenieure konzentrieren sich nicht nur auf die Vergangenheit. Der Insight ist unser erstes Benzin-Hybridfahrzeug, ein Auto mit unglaublich niedrigem CO2-Ausstoß.

Wir entwickeln den ersten ASIMO („Advanced Step in Innovative Mobility“), einen humanoiden Roboter, der zu einer der größten Berühmtheiten aus dem Hause Honda wird.

In Europa kommt der Civic Type R als leistungsstarker Kompaktsportwagen auf den Markt. Sein Ruhm wächst schnell und der Wagen wird immer beliebter. Er wird später in die ganze Welt exportiert. Es folgen drei weitere Generationen, die neueste im Jahr 2017.

Der clevere Kleinwagen Jazz wird eingeführt. Dank mittig platziertem Tank bietet er ungeahnte Platzeffizienz. Ausgeklügelte Magic Seats im Fond veranschaulichen die Honda Philosophie vom „Maximum für den Menschen und Minimum für die Maschine“ auf überaus kreative Art und Weise.

Honda strahlt den TV-Werbespot „Cog“ (Zahnrad) in Europa aus. Er wird zu einem der höchstgelobten Werbefilme überhaupt.

Die Honda Ingenieure haben schon lange von einer wasserstoffbetriebenen Zukunft geträumt, die ohne Abgasemissionen und ständiges Aufladen auskommt.

Die globalen Verkäufe von Honda Motorrädern und Rollern erreichen die kolossale Gesamtzahl von 300 Millionen. Doch das ist nicht die einzige beeindruckende Zahl: Nur ein Jahr später feiern wir unseren 700. Grand-Prix-Sieg im Motorrad-Rennsport.

Der ultimative Traum von Soichiro wird Wirklichkeit: Mit dem ersten HondaJet steigt Honda in den Flugzeugmarkt ein. Das Geschäftsreiseflugzeug für sechs Passagiere verfügt über eine Reichweite von über 2.200 km und mit einer Höchstgeschwindigkeit von 782 km/h ist es der schnellste Honda, der jemals gebaut wurde.

Die Honda Autoproduktion erreicht die Marke von 100 Millionen.

Honda präsentiert den neuen NSX, ein High-Tech-Supercar, das wie das Original seiner Zeit weit voraus ist. Es handelt sich um einen Hybrid-Supersportwagen mit einem V6-Benzinmotor und drei Elektromotoren. Ein paar Monate später gesellt sich der neue Civic Type R zum NSX. Er ist so schnell und so perfekt abgestimmt, dass er auf der anspruchsvollen Nordschleife des Nürburgrings eine neue Bestzeit erreicht.

Honda wird 70. Wohin werden uns unsere Träume als Nächstes führen?

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