Dreirad-Lieferwagen von 1907 bis in die 1950er-Jahre - eine ganze Fahrzeugklasse für sich! Besonders gern wurde die Fahrzeug-Gattung der Dreirad-Lieferwagen von kleinen Gewerbetreibenden und Handwerkern für ihre Transporte eingesetzt, aber auch die deutsche Reichspost fuhr vor dem zweiten Weltkrieg Dreirad-Lieferwagen.
Um den steigenden Bedarf an Zubehörteilen, wie Motorradsättel, Vergaser und Kupplungen decken zu können, erwarb J. S. Rasmussen in Frankenberg/Sachsen eine ehemalige Kaserne. Am 28.4.1923 gründete er dort mit den Ingenieuren Blau und Figura die Metallwerke Frankenberg/Sa. GmbH. Framo wurde schnell bekannt für seine Qualität und bald bezogen die meisten Motorradhersteller Deutschlands ihre Sättel aus Frankenberg. Die Firma Framo wurde ursprünglich als Metallwerke Frankenberg von DKW-Gründer Jorge Rasmussen und seinen Geschäftspartnern Paul Figura und Richard Blau gegründet. Ursprünglich in einer ehemaligen frankenberger Militärbaracke untergebracht, stellten die Werke Metallbeschläge für DKW-Motorräder und Autos her.
Die Anfänge der Framo-Werke und die ersten Dreirad-Lieferwagen
Unter dem Markennamen Framo wurden seit 1927 erst dreirädrige Fahrzeuge, teils mit DKW-Motor, produziert. 1927 wurde aus der Kombination eines Motorrades mit einer Ladefläche der robuste und preiswerte DKW-Eil-Lieferwagen (Typenbezeichnung TV 300) als motorisiertes Dreiradfahrzeug hergestellt und schnell erfolgreich abgesetzt. Das erste ab 1931 produzierte Modell war der hier gezeigte Goliath Pionier.
Ein in Fahrtrichtung geneigter gebläsegekühlter Einzylinder-Zweitaktmotor trieb über Getriebe und Kette das Vorderrad an. Das Vorderrad konnte durch einen trapezförmigen Hebel gelenkt werden. Das Fahrzeug kostete mit 1375,- Reichsmark weniger als manche Motorräder und war mit den 200ccm-Motoren steuerfrei. Mit dem größeren 300ccm- Motor kosteten sie 29,- RM Fahrzeugsteuer im Jahr. So ein praktisches Gefährt konnten sich auch kleinere Händler und Handwerker leisten.
1926 entwickelte das Frankenberger Unternehmen den TV 300, eine dreirädrige Kombination aus einem Motorrad und einer Ladefläche. Der DKW-Eil-Liferwagen TV 300 wurde von einem 300-cm³-DKW-Motor angetrieben und hatte ein Zwei-Gang-Getriebe. Bis 1928 hatte das Frankenberger Werk 1000 Dreiräder gebaut und beschäftigte rund 700 Mitarbeiter. 1930 wurde der TV 300 mit einer einfachen Holzkabine und einem Drei-Gang-Getriebe modernisiert. Als LT300 bezeichnet, war das Fahrzeug aber noch ziemlich primitiv und wurde weiterhin mit einem Lenker statt einem Lenkrad gelenkt.
Entwicklung und Modelle der Framo Dreirad-Lieferwagen
Nun folgten etliche Weiterentwicklungen wie die Typen ZW 200, LT 200, LTH 200 und LTH 300. Bei den ersten Modellen der Transportdreiräder, wie LT und TV war der Fahrer weitgehend ungeschützt. Bald gab es aber eine Windschutzscheibe und ein sogenanntes Spritzleder. Ab 1933 boten die Lastendreiräder dann etwas mehr Komfort. Der LT 300 PV beispielsweise hatte schon ein festes geschlossenes Fahrerhaus und erstmals auch ein Lenkrad. Die Typen LTH, LTG, LTS und LTP hatten dann auch eine Motorhaube aus Blech und wirkten nicht mehr so spartanisch.
Zu den Einzylindermotoren mit 200 und 300ccm Hubraum, welche 6 und 7 später 9PS leisteten, kam ein luftgekühlter Zweizylinder mit 500ccm und 15 PS dazu. Dieser LTG 500 konnte bis zu 700kg Nutzlast transportieren.
Die Firma zog 1933 nach Hainichen um und versuchte sich mit einem dreirädrigen Personenwagen mit “richtiger” Karosserie. Ab 1933 wurden die Werke mit inzwischen 700 Mitarbeitern schrittweise nach Hainichen verlegt, wo Rasmussen die ehemaligen Werkhallen einer Kämmerei- und Spinnerei erworben hatte. Obwohl die Fabrik nun nicht mehr am Ursprungsort ansässig war, erfolgte am 1. Januar 1934 die Umbenennung der Metallwerke in Framo-Werke GmbH; der Name war eine Abkürzung aus dem Herstellungsort "FRAnkenberg" und "MOtorenwerke".
Kleinwagen kosteten in den Zwanziger Jahren etwa 2500 Mark. Normale Arbeiter, Angestellte und Handwerker konnten sich kein Auto leisten. Viele Konstrukteure versuchten sich deshalb an “Fahrmaschinen” - Mehrspurfahrzeugen, die deutlich unter diesem Preisniveau angesiedelt waren. Bei diesen Fahrmaschinen wurde praktisch alles weggelassen, was nicht unbedingt notwendig war. Die dreirädrigen Framo-Lieferwagen sind dafür ein gutes Beispiel. Ein DKW-Motorradmotor trieb über eine Kette das Vorderrad des Dreirads an, das als Pritschen- oder Kastenwagen etwa eine halbe Tonne transportieren konnte. Diese primitiven Dreiräder gab es auch in Versionen, die in Richtung “Minimal-PKW” gingen.
Die Zeit des "Schell-Programms" und die Entwicklung des V 500
Nach dem staatsmonopolistisch-regulierten Typenprogramm der Nazis, das auch als “Schell-Programm” bekannt wurde, sollten die Liefer-Dreiräder nur noch von den Firmen Tempo und Goliath hergestellt werden. Framo entwickelte nun einen oberhalb dieser Transporter-Klasse angesiedeltem “Einheitstyp” V 500. Dieser hatte einen luftgekühlten Zweizylinder-Zweitaktmotor mit 500 ccm und 15 PS Leistung. Der V 501 dagegen hatte ähnlich wie sein Vorgänger - der HT 600 - einen wassergekühlten Zweizylinder-Zweitakter.
1938 kam als erstes neues vierrädriges Transport-Nutzfahrzeug der V 500 mit einem Motor von 500 cm³ Hubraum und einer Leistung von 15 PS auf den Markt. Die Höchstgeschwindigkeit betrug 60 km/h.
Weitere Entwicklungen und das Ende der Marke Framo
Erst 1948 konnte die Wiederaufnahme der Autoproduktion erfolgen. Ab Baujahr 1951 wurde mit dem Modell V 901 die erste Framo-Neuentwicklung der DDR vorgestellt. Äußerlich wurde die LKW gegenüber dem Vorgängermodell wenig geändert. Die Weiterentwicklung des kleinen LKW kam ab Baujahr 1954 mit dem neuen Modell V 901/2 auf den Markt. Diese Nutzfahrzeuge wurden dann bis 1961 produziert wurde. Die Fahrzeuge wurden vorwiegend als Pritsche produziert, aber auch Busse, Krankenwagen, Kombi und Kastenwagen wurden in dieser Zeit als Fahrzeugtypen ausgeliefert. Mit der Überarbeitung der Karosserie und auch des Fahrwerks, insbesondere der Bremsen, bekam der Framo mit 20,6 kW (28PS) auch mehr Leistung.
Ab 1953 wurde systematisch an der Entwicklung von Kleintransportautos in einer großen Breite von Spezialaufbauten gearbeitet. Als sichtbares Zeichen eines absoluten Neuanfangs erfolgte 1957 eine Umbenennung der früheren Marke Framo in "Barkas", die Hauptproduktion wurde im Folgejahr nach Chemnitz verlegt und mit den Motorenwerken und den Fahrzeugwerken vereinigt; der Typ Barkas B 1000(mit einem Zweitakt-Motor mit 900 cm³ Hubraum und 28 PS (=20,6 kW)) ging 1961 in Serie.
Die klassische Automobil-Marke Framo aus Sachsen, ist für viele Menschen in den Bundesländer auf dem Gebiet der ehemaligen DDR noch ein Begriff. Vor der Wende waren es die kleinen Lieferwagen aus Hainichen, die im Dienste der kleinen Handwerker und der volkseigenen Betriebe als Nutzfahrzeuge ihre Arbeit verrichteten. Mit der Umbenennung in IFA Barkas und später nach der Wende schienen die letzten Fahrzeuge in Vergessenheit zu geraten. Wir haben es uns zur Aufgabe gemacht, vielen der Framo Oldtimer bei der Wiederbelebung unter die Arme zu greifen. In unserer langen Firmengeschichte haben wir den Framo V901/2 bereits in unserer Framo-Werkstatt instand gesetzt, als er noch zum Straßenbild der DDR gehörte und kein Oldtimer war. Nach bewegten Zeiten nach der Wende, widmen wir uns seit 2003 wieder der Restauration und Ersatzteilversorgung der Barkas Kleintransporter. Mit Liebe zum Detail restaurieren wir jede Bauart des Framo, egal ob das Fahrzeug eine Pritsche, Bus oder Kastenwagenist. Die Oldtimer werden in unserer Manufaktur und Framo-Werkstatt individuell behandelt.
Bis zum Ende der DDR waren viele der kleinen LKW aus Hainichen noch für die Werkslogistik in Betrieben oder bei Handwerkern im Einsatz und verschwanden danach. Viele der Oldtimer, die heute unterwegs sind, schlummerten über Jahre und Jahrzehnte im Verborgenen. Die Wartburg Motoren mit 901cm³, die ursprünglich verbaut wurden, sind in den meisten Oldtimern heute nicht mehr zu finden.
Bekannte Dreirad-Lieferwagen
- Cyclonette (Cyklon-Maschinenfabrik GmbH, Berlin)
- Brennabor Brennaborette (Brennabor-Werke AG, Brandenburg an der Havel)
- Phänomobil (Phänomen, Zittau)
- Framo LT 200
- Goliath Pionier
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