Die Frage, ob man einen sterbenden Motorradfahrer fotografieren sollte, ist ethisch komplex. Es gibt unterschiedliche Ansichten und kein klares, unstrittiges "ungeschriebenes Gesetz" für Fotografen.
Das Spannungsfeld zwischen öffentlichem Interesse und Persönlichkeitsrecht
Unter Umständen wird hier das Persönlichkeitsrecht des Gestürzten verletzt. Ohne nähere Prüfung lässt sich das aber nicht genau sagen. Vielleicht sollte man sich selber fragen, ob das Foto einen weiteren Zweck erfüllt - z.B. Informationsinteresse der Bevölkerung bei redaktionellen Aufträgen.
Es ist immer schwierig und auch davon abhängig, wie die Bilder/Filme etc. später präsentiert, moderiert oder betextet werden. Sportfotografie ist Emotionen einfangen, da gehört ein schmerzverzerrtes Gesicht bei einem Unfall dazu.
Wichtig ist, was passiert, wenn diese Bilder veröffentlicht werden. Ein extremes Beispiel wäre: Was passiert, wenn die Eltern eines jungen Sportlers direkt nach seinem Tod Bilder ihres blutend auf dem Asphalt liegenden Kindes zu Gesicht bekommen.
Die Rolle der Helfer und der Medien
Helfer versuchen immer bestmöglich, Patienten vor Blicken und Fotos zu schützen. Eigentlich handeln alle Profis verantwortungsvoll.
Wir sehen Bilder von Unfällen fast täglich in den Nachrichten, aber so gut wie immer abfahrende Krankenwagen. Die Feuerwehr bei der Arbeit oder die Polizei beim Vermessen des Unfallorts. Oder auch sehr beliebt, das Autowrack wird von der Feuerwehr zerlegt.
Der Rettungsassistent oder Notarzt ist im Fahrzeug beim Patient. Doch der ist dummerweise von der Leitplanke, einem Feuerwehrmann, der A-Säule oder etwas ähnlichem verdeckt. Eine geschickt gewählte Perspektive des Fotografen.
Ski Abfahrtslauf: Man sieht den Sturz, sobald der Sportler zum Liegen kommt, wird auf den Reporter geschaltet. Welche Fehler kann man auf den Fotos oder Filmen den erkennen?
Eigene Erfahrungen und Überlegungen
Ich bin selbst mal auf der Radbahn bei ca. 40 km/h gestürzt. Ich habe danach keine Bilder vom Sturz gesehen und nur eins von den Verletzungen. Ich persönlich hätte schon gerne mal von außen gesehen, wie das war. Allerdings würde mich eher der Sturz selbst interessieren.
Es gab Situationen, in denen Hilfsorganisationen das Absagen von Veranstaltungen gefordert haben und die Veranstalter haben trotzdem weiter gemacht. Berichten ja! Dem Veranstalter genau auf die Finger schauen ja!
Der schmale Grat zwischen Dokumentation und Voyeurismus
Wo ist das Problem? Demnächst dürfen Sportler nur noch fotografiert werden, wenn sie gewonnen haben, frisch geduscht und umgezogen sind. Und bei der Formel 1 wird bei einem Crash nur ein Testbild eingeblendet. Und wenn das einer für sein Privatarchiv ablichtet, so what. Es ist dann Sache des Fotografen, der muss das mit sich ausmachen, solange keine rechtlichen Aspekte dagegen sprechen.
Bei der Formel 1 siehst du zumindest nichts von den Rettungsmaßnahmen. Es gibt auch so schon zu viele Gaffer.
Was für Gerüchte sollen das sein? Gerüchte über schwere der Verletzung oder Heilungschancen ohne Kenntnis des Gesamtbilds. Sie schaden dem Patienten.
Aha, das heißt, wenn Veranstalter Menschen unwürdig behandeln oder durch eine Behandlung in eine unwürdige Position bringen, dann darf man das nicht unwürdig wie es ist zeigen?
Ich denke, "Gaffer" haben in den Zeitungen auch deswegen einen schlechten Ruf bekommen, weil es wohl mal irgendwo zu Behinderungen der Helfer gekommen ist bzw.
Dennoch denke ich, dass es irgendwie schon einen ungeschriebenen Kodex gibt. Man denke an die Bilder der sterbenden Prinzessin Diana. Solche Bilder waren für die Öffentlichkeit auch tabu. Beim Unfall von Samuel Koch wurde eine Decke vorgehalten.
Vielleicht fühlen sich Helfer zu sehr beobachtet und blockieren dabei aus Angst, etwas falsch zu machen. Dabei sollten Helfer manchmal schon beherzt agieren können. So brechen meines Wissens nach zu ca. 70% die Rippen bei einer Herzmassage. Doch das spielt keine Rolle, da es um das Leben geht.
Ein persönliches Fazit
Solange Du da als "Privatmann" bist, kann ich die Frage nicht nachvollziehen: Wenn Du Dich beim Fotografieren unwohl fühlst, dann verzichte doch einfach darauf. Diejenigen, die dort von Berufs wegen sind, werden sich hüten, nicht zu fotografieren, weil sie sonst vom Redakteur eine hinter die Löffeln kriegen, wenn der Unfall nicht dokumentiert wurde.
Was ich dann mit den Aufnahmen mache, kann ich später immer noch in Ruhe und in Bewusstsein der Verantwortung entscheiden.
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