Fahrradhelm und Sicherheit: Eine statistische Betrachtung

Die Frage der Sicherheit beim Radfahren, insbesondere in Bezug auf das Tragen eines Fahrradhelms, ist ein viel diskutiertes Thema. Dieser Artikel beleuchtet die aktuelle Situation in Deutschland, basierend auf Statistiken und Forschungsergebnissen, und geht auf die Argumente für und gegen das Tragen eines Helms ein.

Helmnutzung in Deutschland: Eine aktuelle Übersicht

Einer aktuellen Befragung der Expertenorganisation DEKRA und des Marktforschungsinstituts Ipsos zufolge besitzen sieben von zehn Deutschen, die ein Fahrrad besitzen, auch einen Helm. Von diesen Helmbesitzern tragen 58 Prozent den Kopfschutz bei jeder Fahrt, unabhängig von der Streckenlänge. Allerdings gibt es auch Unterschiede in der Nutzungshäufigkeit: 28 Prozent tragen ihren Helm eher häufig, während 11 Prozent ihn eher selten aufsetzen.

Es gibt klare Gründe für den Besitz eines Helms: die Sicherheit und der Schutz des Kopfes vor Verletzungen. Die Argumente gegen das Tragen eines Helms sind vielfältiger. 14 Prozent der Nicht-Helmträger begründen dies damit, dass sie nur Kurzstrecken fahren oder insgesamt wenig Fahrrad fahren. Weitere Gründe sind Unbequemlichkeit (11 Prozent), Eitelkeit (10 Prozent) und die generelle Meinung, keinen Helm zu benötigen (35 Prozent).

Fahrradhelm Nutzung nach Art des Fahrrades

Ein interessanter Aspekt ist der Unterschied in der Helmnutzung zwischen Fahrern von Pedelecs und Fahrrädern ohne Elektroantrieb. Während 65 Prozent der Pedelec-Fahrer einen Helm trugen, waren es bei den Fahrern ohne Elektro-Antrieb nur 35 Prozent.

Die Helmtragequote lag 2022 bei 40,3 Prozent. Dabei war sie bei Pedelecfahrern mit 60,1 Prozent deutlich höher als bei konventionellen Radfahrerinnen und -fahrern (34 Prozent). Am höchsten - 81,3 Prozent - war sie 2022 bei den Jüngsten, nämlich bei Kindern von sechs bis zehn Jahren. Mit 31,2 Prozent liegt die Gruppe der 17- bis 21-Jährigen in der Statistik ganz hinten.

Die Rolle des Alters und der Streckenlänge

Personen, die den Helm nur zeitweise tragen, lassen ihn eher bei kurzen Fahrten weg als auf längeren Strecken. In der Stadt wird der Helm häufiger getragen als bei Fahrten in der Natur. Verletzte oder getötete Pedelec-Fahrende waren im Durchschnitt 53 Jahre alt, die auf einem nicht motorisierten Fahrrad 42.

Wie ein Fahrradhelm schützt

Bei einem Verkehrsunfall erleiden viele Radfahrende schwere Kopf- und Hirnverletzungen. Ein Helm lässt diese deutlich weniger schwer ausfallen: Ohne Helm trifft die Aufprallkraft konzentriert auf eine kleine Fläche und kommt dadurch mit großem Druck zur Wirkung. Mit Helm aber verteilt sich die Kraft auf eine viel größere Fläche, im Optimalfall auf die gesamte Helmauflagefläche.

Die ADAC Unfallforschung belegt, dass ein Helm beim Sturz effektiv vor vielen Kopfverletzungen schützen kann. Eines der Resultate: Sogar ein schlechter Helm kann im Ernstfall Leben retten, wenn er richtig getragen wird.

Empfehlungen für den Helmkauf und die Nutzung

Die wichtigste Empfehlung ist, auch für jede noch so kurze Strecke auf dem Rad einen Helm zu tragen. Vor dem Kauf sollte man ihn unbedingt anprobieren. Dass der Helm den geltenden Anforderungen genügt, zeigt das CE-Kennzeichen als Mindestanforderung. Der Helm sollte mit einer LED-Beleuchtung und reflektierenden Elementen an der gesamten Helmschale sowie im Kinnriemen ausgestattet sein. Noch besser wird die Sichtbarkeit mit einem hellen Design in auffälligen Farben.

Vor dem Aufsetzen ist darauf zu achten, dass die Riemen nicht verdreht sind. Beim aufgesetzten Helm sollen sie vor und hinter dem Ohr vorbeilaufen. Das Kinnriemenschloss darf bei straff gespanntem Riemen nicht direkt auf dem Unterkieferknochen aufliegen, sondern unter dem Kinn. Der Helm soll mittig auf dem Kopf sitzen und die Hälfte der Stirn bedecken. Bei geschlossenem Kinnriemen darf er sich nicht verschieben lassen. Der TÜV empfiehlt ebenso wie der ADAC, einen Helm nach fünf Jahren auszumustern. Nach einem Sturz ist der Helm zu entsorgen und zu ersetzen.

Argumente gegen das Tragen von Helmen

Argumente gegen Helme sind oft zu hören: Zu unbequem, zu uncool und die Frisur leidet. Doch auch darauf hat der Markt längst reagiert. Die Modelle werden bunter, windschnittiger und luftdurchlässiger. Fahrrad-Helme können längst mehr als nur bei Stürzen den Kopf schützen: Mit smarten Helmen können Biker Musik hören, telefonieren und bei einem Unfall setzt der Helm automatisch einen Notruf ab.

Das Werben für das freiwillige Tragen wäre nur die erste Stufe auf dem Weg zu einer Helmpflicht. Diese würde die Freiheit zu sehr einschränken und Angst verbreiten, was zur Folge hätte, dass weniger Menschen dann aufs Fahrrad steigen. Eine Radhelmpflicht gibt es in Deutschland jedoch nicht und die meisten Akteure in der Präventionsarbeit wie die Deutsche Verkehrswacht sprechen sich auch nicht dafür aus.

Die Rolle der Infrastruktur und Verkehrssicherheit

Um die Verkehrssicherheit für Radfahrer zu erhöhen, müssen die Kommunen, Landkreise und Bundesländer für sichere Radverkehrsanlagen sorgen. Dazu gehört - auch wegen der starken Zunahme von Pedelecs - die Realisierung durchgängiger Radverkehrsnetze mit ausreichend breiten Radwegen und sicheren Führungen über Knotenpunkte und Einmündungen. Auch Radschnellwege und Fahrradstraßen sind hilfreiche Maßnahmen. Wichtig ist mehr Aufklärungsarbeit, damit alle Verkehrsteilnehmenden, also Auto- und Radfahrende, Fußgänger und Nutzer öffentlicher Verkehrsmittel, mehr Verständnis füreinander entwickeln. Gefordert sind mehr gegenseitige Rücksichtnahme und die Einhaltung der Verkehrsregeln.

Statistiken und Forschungsergebnisse

Nach einer Studie war bei einem Viertel aller Fahrradunfälle der Kopf betroffen, und Helme konnten 20 Prozent der leichten und 80 Prozent der schweren Kopfverletzungen verhindern. Die Dekra Fahrzeugtechnik testete und bewertete 2020 das Nutzenpotenzial von Fahrradhelmen in realen Unfallszenarien. Als Fazit der zahlreichen Crashversuche stellte sie fest, dass richtig getragene Fahrradhelme das Risiko schwerer Kopfverletzungen bei einem Unfall - sowohl mit einem Unfallgegner als auch bei einem Sturz ohne Fremdbeteiligung - deutlich reduzieren.

Tabelle: Helmtragequote in Deutschland nach Altersgruppen (2022)

Altersgruppe Helmtragequote
6-10 Jahre 81,3%
17-21 Jahre 31,2%
Pedelecfahrer 60,1%
Konventionelle Radfahrer 34%

Der Standpunkt des ADAC

Unter diesen Rahmenbedingungen bieten Helme den Radfahrenden den bestmöglichen Schutz. Es ist in Deutschland nicht verboten, ohne Helm Fahrrad zu fahren. Das ist ein Grund dafür, wieso immer noch nur rund sieben Prozent der 17- bis 30-Jährigen regelmäßig einen Fahrradhelm nutzen. Völlig unbegründet, finden wir!

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