Das Ende einer Ära: Die Thüringen-Rundfahrt der Frauen

Die Thüringen-Rundfahrt der Frauen, zuletzt bekannt als Thüringen Ladies Tour, ist Geschichte. Nach 36 unvergesslichen Jahren findet die Internationale Frauenrundfahrt Ihr Ende. Augenblicke voller Emotionen, sportlicher Kampf, Tränen und Lachen prägten dieses älteste Frauen Radsport Etappenrennen der Welt.

Absage der 37. Auflage

Am 17. März 2025 hat der Organisationsstab der 37. LOTTO Thüringen Ladies Tour das für 2025 geplante und vorbereitete Rennen in einer Mitteilung an alle Beteiligten offiziell abgesagt und angekündigt, dass die unabwendbaren Gründe für diese harte Entscheidung nach einer gründlichen Auswertung der Situation für die Öffentlichkeit dargelegt werden.

Im März 2025 gaben die Veranstalter bekannt, dass die Ausgabe 2025 nicht stattfinden kann. Die eigentlich vom 17. bis 22. Juni 2025 geplante 37. Auflage der "LOTTO Thüringen Ladies Tour" ist abgesagt. Das gaben die Organisatoren um die beiden Direktoren Vera Hohlfeld und Marian Koppe am Montag (17. März) offiziell bekannt. Begründet wurde der Rückzug mit einer "unsicheren Finanzlage". "Bisher liegt uns [...] schriftlich nur eine Absage zur finanziellen Beteiligung an der LOTTO Thüringen Ladies Tour vor", hieß es in der Pressemitteilung. "Wir schätzen die verschiedenen Angebote aus der Thüringer Staatskanzlei in den letzten Tagen, die auf ein Bemühen schließen lassen, nach einer Lösung des Problems zu suchen.

Aufgrund eines unerwarteten finanziellen Rückschlags entstand ein Haushaltsdefizit von rund 200.000 Euro. Damals hatte man offenbar noch Hoffnung, dass die Rundfahrt 2026 wieder stattfinden könnte, doch nun verschwindet sie ganz aus dem Kalender.

Gründe für die Absage

Das nachfolgende Statement dokumentiert den Vorbereitungsstand des Rennens zum Zeitpunkt der Absage und skizziert die Vorgänge, die zu dieser Entscheidung führten.

Die LOTTO Thüringen Ladies Tour 2025 (LTLT) sollte in knapp drei Monaten am 17.06.2025 in Leinefelde-Worbis starten, die Auftaktetappe mit einem 18% steilen Zielanstieg zum Schloss Scharfenstein führen und das Rennen weitere 5 Etappen bis zum 22.6.2025 dauern.

Der LTLT-Termin war seit Juli 2024 im Terminkalender der Weltradsport-föderation UCI verankert. Die Besetzungsliste der Rundfahrt, die schon seit Januar feststand, umfasste 9 Teams der Women World Tour (höchste UCI-Kategorie im Frauen Radsport), mehrere Pro Conti Teams (zweithöchste Kategorie) und 3 deutsche Teams, einschließlich der Nationalmannschaft. An der Startlinie sollten drei deutschen Olympiasiegerinnen von Tokyo2020 stehen: Lisa Klein, Franziska Brauße und Mieke Kröger.

Nachdem die Unterstützung durch die alte Landesregierung für 2025 zugesichert war, arbeiteten wir bereits seit Mitte letzten Jahres motiviert und fleißig an der kommenden LTLT-Auflage vom 17.- 22.06.2025.

Seit Beginn des Kalenderjahres bemühten wir uns um einen persönlichen Kontakt zur neuen Landesregierung. Unsere anfänglichen Fragen und späteren Hilferufe wurden seitens der ThüringerStaatskanzlei ignoriert.

Die Chronologie des versuchten Dialogs:

  • 09.01.2025 - erste telefonische Kontaktaufnahme mit der Thüringer Staatskanzlei (Sportministerium) mit der Bitte um eine kurzfristige Terminvereinbarung, die telefonisch zugesagt wurde. Es erfolgte ein Anruf mit der sinngemäßen Bitte, von weiteren Kontaktaufnahmen abzusehen - man würde sich zu gegebener Zeit bei uns melden.
  • 27.01.2025 - erneuter Versuch der Kontaktaufnahme - diesmal über Dritte - mit Minister Gruhner, um zu einer Terminvereinbarung zu kommen. Die Antwort des Ministers, er wird auf uns zukommen.
  • Anfang Februar - Einladung in die Staatskanzlei zum 12.02.2025
  • 12.02.2025 - zu Beginn des Termins lässt sich der Minister Gruhner entschul-digen und nimmt an dem Gespräch nicht teil.
  • 07.03.2025 - die Organisatoren waren gezwungen die Mitarbeiter und Partner über den Stand zu informieren und gemeinsam mit dem MDR als langjährigen und wichtigsten Medienpartner eine Pressemitteilung herauszugeben mit der Überschrift: „Der Tour droht die Absage“.
  • 10.03.2025 - im Briefkasten der LTLT-Organisation landet die schriftliche Absage der Staatskanzlei, bis heute die einzige verbindliche Aussage in schriftlicher Form.
  • 11.03.2025 - Ein Anruf aus der Thüringer Staatskanzlei, ein Mitarbeiter des Sportministers signalisiert den LTLT-Organisatoren Interesse an Gesprächen, aber die Angebote - noch dazu in Möglichkeitsform - lagen weit unter dem Notwendigen.
  • 12.03.2025 - Onlinemeeting mit Minister Gruhner - Eine Variante, die vorge-schlagen wurde, ist für uns nicht akzeptabel: Fördermittel aus der dem „Ehrenamtsgesetz“ bereitzustellen und der LTLT zur Verfügung zu stellen. Wir wollen kein Geld, das vielleicht anderen Ehrenämtlern abgezweigt wird.
  • 17.03.2025 - offizielle Absage der 37. Auflage der LTLT. An diesem Tag bestand die letzte Möglichkeit, Hotels für die Teams, Fahrerinnen, UCI-Kommäre und Mitarbeiter ohne Stornierungskosten abzusagen. Zudem wären erste größere verbindliche Summen zu zahlen gewesen.

Die Thüringer Staatskanzlei wiederum teilte am frühen Montagabend mit: "Wir bedauern es sehr, dass sich die Organisatoren zur Absage der LOTTO Thüringen Ladies Tour entschlossen haben. Aufgrund der besonderen Bedeutung dieses Events für die Thüringer Sportlandschaft, hatte die Thüringer Staatskanzlei in der vergangenen Woche das Angebot des Freistaats nachgebessert, die Tour auch in diesem Jahr zu unterstützen."Demnach habe es dazu ein persönliches Gespräch mit den Organisatoren gegeben, "um einen ausgewogenen Kompromiss zu erzielen.

Ministerpräsident Voigt behauptete am 18.03.2025 in der MDR-Sendung „Sport im Osten“, „Eine privatwirtschaftlich organisierte Tour könne nicht zu fast 80 Prozent aus öffentlichen Mitteln bezahlt werden“. Diese Aussage ist falsch und empfanden alle Beteiligten an der Organisation der LTLT als eine Brüskierung und einen direkten Schlag ins Gesicht.

Kritik und Bewertung

Diese Vertrauensbasis wurde durch das Agieren der Thüringer Staatskanzlei komplett zerstört. Unsere langjährige Arbeit wurde respektlos mit Füßen getreten. Was letztendlich der Dolchstoß für die 37. Auflage der LOTTO Thüringen Ladies Tour war.

Es bleibt festzuhalten, dass seitens der Staatskanzlei sich niemand auch nur im Geringsten mit der Tour und ihrem Wert für den Freistaat Thüringen, sowie mit der Historie der internationalen Frauenrundfahrt durch Thüringen seit 1986, beschäftigt hat.

Die Thüringer Staatskanzlei, mit ihrem Ministerpräsidenten Mario Voigt (CDU) und dem Minister für Bundes- und Europaangelegenheiten, Sport Ehrenamt und Chef der Staatskanzlei Stefan Gruhner (CDU) haben sich damit als nicht verlässliche Partner für eine Zusammenarbeit mit der LTLT erwiesen, denen es an einem respektvollen, fairen und vertrauensvollen Umgang mit der LTLT fehlt.

Unter diesen Bedingungen ist die Durchführung nicht mehr möglich.

Abschiedsveranstaltung in Meiningen

«Eine große Ära geht zu Ende. Mit einem besonderen Event am 22. Juni in Meiningen möchte sich die Organisation gebührend verabschieden. «Wir möchten diese außergewöhnliche Reise mit einem besonderen Dankeschön-Event feiern. Dazu laden wir alle herzlich ein, Teil dieser Feier zu sein, gemeinsam mit uns und den vielen Radsportfans die Erfolge und Erinnerungen unserer Tour zu würdigen.

Datum: 22. Juni. Bringe Deine Familie und Freunde mit!

Von „Grasgrün“ - Sommerkultur in Meiningen über die Meininger Kleinkunsttage bis hin zum Meininger Weihnachtszauber hat unsere Stadt für jeden etwas zu bieten. Wer schon immer einmal Lokführer werden wollte, ist bei den Meininger Dampfloktagen genau richtig. Liebhaber der Meininger Leibspeise kommen beim jährlichen Hütesfest ganz auf ihre Kosten.

Die Bedeutung der Thüringen-Rundfahrt

Sie wurde 1986 als Internationale Thüringen Rundfahrt der Frauen aus der Taufe gehoben, gewann stetig an sportlicher Bedeutung und galt bis zur Austragung 2024 als eines der bestorganisierten Events im femininen Bereich. Diese Qualität verdankt sie vor allem der Tour Direktorin Vera Hohlfeld, die es mit ihrem Team geschafft hat, die Tour stetig weiterzuentwickeln und als feste Größe im UCI-Kalender zu etablieren. Stets waren Olympiasiegerinnen, Welt- und Europameisterinnen am Start, Nationalteams aus Europa und Übersee als Stammgäste dabei und vor jeder Austragung bewarben sich mehr Teams für die Teilnahme als für das Rennen zugelassen werden konnten. Positive Bilder aus Thüringen, die weltweit sichtbar sind

Ab 2021 organisierte der Veranstalter Live-Fernsehübertragungen von der LTLT, die der MDR seither in täglichen Sonderprogrammen ausstrahlte und sogar als Leuchtturmprojekt mit höchster Priorität für den Freistaat Thüringen bezeichnete.

Auch das internationale Medieninteresse an der Tour wuchs, der US-Medienkonzern Discovery Channel mit seinen Sendern (wie z.B. Eurosport) sendete seit 2022 stundenlange Live-Übertragungen.

Unter Ministerpräsident Bodo Ramelow erkannte der Freistaat Thüringen das Werbe- Potential der Rundfahrt. Vor 2 Jahren kam es zu einer sehr frucht-baren Zusammenarbeit für beide Seiten. Die Rundfahrt nahm in ihre Medienkommunikation Sinnbilder auf wie die Burg (Historie Thüringens), den Wappenlöwen und den Baum (Thüringer Wald und Rennsteig). Ein spezielles Wertungstrikot des Freistaates Thüringen wurde eingeführt und die Kernmarken Thüringens auffälliger und werbewirksamer denn je über dieFernsehbilder sowie auf Fotos an nationale und internationale Medien-vertreter in alle Welt gesendet.

Dieses professionelles Marketingkonzept hat das Ansehen und die Sichtbar-keit des Freistaates Thüringen gefördert. Die Fernsehübertragungen sowie Fotos von der LTLT illustrierten Städte, Gemeinden, Landschaften, touristische Brennpunkte und Besucher an der Strecke und schufen einen medialen Mehrwert für Thüringen. Eine bessere Bühne für die Außendar-stellung eines Bundeslands kann man sich kaum wünschen.

Kurzum: Wir haben ein hochprofessionelles Marketingkonzept umgesetzt, das die Sichtbarkeit und das Ansehen des Freistaats Thüringen maßgeblich gestärkt hat.

Wir Organisatoren verstanden und behandelten die finanzielle Unterstützung des Freistaats Thüringen für die Durchführung und Darstellung der LOTTO Thüringen Ladies Tour nicht als eine Subventionierung mit Fördermitteln, sondern als einen Gegenwert für die mediale Promotion des Freistaats Thüringen, dessen Image als Tourismus-Ziel davon profitiert hat.

2024, als sich die US-Amerikanerin Ruth Winder den Gesamtsieg sicherte, war das über 100-köpfige Starterfeld mit zahlreichen Topfahrerinnen gespickt.

Die Strecke, die von Jena aus unter anderem über Dornburg, Bürgel, Schöngleina, Schlöben und Kahla führt, ist mit einigen Höhenmetern und Herausforderungen für die Fahrerinnen gespickt. Ein besonderes Highlight wird die Sprintwertung am Ende der Etappe sein.

Die 36. LOTTO Thüringen Ladies Tour umfasste folgende Etappen:

  • 25. Juni 2024 - 1. Etappe, Rund um Jena (24.06. Teampräsentation)
  • 26. Juni 2024 - 2. Etappe, Rund um Gera
  • 27. Juni 2024 - 3. Etappe, Rund um Erfurt
  • 28. Juni 2024 - 4. Etappe, Rund um Mühlhausen
  • 29. Juni 2024 - 5. Etappe, Rund um Altenburg, Einzelzeitfahren
  • 30. Juni 2024 - 6.

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