Der Fulda-Radweg in Hessen ist einer der weniger bekannten Radfernwege in Deutschland. Über mehr als 200 Kilometer schlängelt sich der Fluss durch die idyllischen Landschaften des hessischen Berglandes von der Rhön bis zum Zusammenstoß mit der Werra zur Weser in Hann. Münden. Eine Radreise entlang der Fulda hat für jeden Geschmack etwas zu bieten: Reizvolle Mittelgebirge, weite Flussauen, sehenswerte Städte und verträumte Dörfer säumen den Weg.
Die gesamte Strecke ist sehr gut ausgebaut und beschildert. Fast die gesamte Route verläuft auf separaten und meist asphaltierten Wegen, lediglich einige Ortsdurchfahrten müssen auf wenig oder mäßig befahrenen Straßen bewältigt werden. Dadurch eignet sich die mehrtägige Tour auch sehr gut für Familien, wobei die Abschnitte zwischen Gersfeld und Fulda sowie Kassel und Hann. Münden am einfachsten sind. Zwischen Fulda und Kassel stellen sich einige Hügel in den Weg, die allerdings keine größeren Probleme mit dem Rad darstellen.
In vier Tagesetappen mit Längen zwischen 42 und 64 Kilometern lässt sich eine Route entlang des Fulda-Radweges bequem erradeln. Entlang des Flusses liegen zauberhafte Städte, für die sich der Radtourist ein wenig Zeit nehmen sollte. Dem wurde bei der Tourenplanung auch Rechnung getragen, um den einen oder anderen ausgiebigen Stadtbummel zu machen und die Schönheiten entlang der Fulda kennen zu lernen. Besonders reich an Sehenswürdigkeiten in Hessen sind Gersfeld, Fulda, Schlitz, Bad Hersfeld, Rotenburg, Melsungen, Kassel und am Ende der Reise Hann. Münden.
Etappe 1: Von der Wasserkuppe nach Fulda (ca. 42 km)
Gestartet wird die Tour auf der Wasserkuppe, an deren Hängen die Fulda entspringt und mit 950 Metern der höchste Gipfel der Rhön ist. In luftiger Höhe und einer fantastischen Sicht auf das weite Umland geht die Reise auf dem Fulda-Radweg los. Zum Einstieg sind es recht einfache 42 Kilometer bis in die Bischofsstadt Fulda, die keine besonderen Ansprüche an die Radler stellt und praktisch keine Steigungen enthält.
Gersfeld hat einige Sehenswürdigkeiten zu bieten, die einen Stopp lohnenswert machen. Ein besonders Kleinod ist der Marktplatz, welcher von prächtigen Fachwerkhäusern des 17. und 18. Jahrhunderts gesäumt wird. Ein einzigartiges Ensemble ist der Schlosspark mit dem Barockschloss sowie dem Oberen und Mittleren Schloss. Nur wenige Minuten vom Stadtzentrum entfernt befindet sich der Wildpark im Ehrengrund. Abseits befahrener Straßen geht es dann bei geringem Gefälle ohne große Anstrengung weiter in Richtung Fulda.
Während der Tour werden zunächst die Orte Hettenhausen, Schmalnau und Ried passiert, ehe Eichenzell erreicht ist. Hier empfiehlt sich, einen Zwischenstopp einzulegen. Das Rathaus von Eichenzell ist in einem sehenswerten Renaissance-Schlösschen untergebracht. Etwas außerhalb des Ortes ist das Schloss Fasanerie ein prächtiges Ensemble und gilt als das schönste Barockschloss Hessens. Von Eichenzell sind es nur noch wenige Kilometer bis nach Fulda.
Nachdem der Eichenzeller Ortsteil Löschenrod passiert ist, folgen bereits die ersten Stadtteile Fuldas. Bevor die Altstadt erreicht ist, kann im Stadtteil Johannesberg das Deutsche Feuerwehr-Museum besichtigt werden. In der Stadt selbst warten zahlreiche Sehenswürdigkeiten auf den Radtouristen.
Sehenswürdigkeiten in Gersfeld und Umgebung:
- Wasserkuppe
- Wildpark Gersfeld
- Schloss Fasanerie in Eichenzell
- Dom und Residenzschloss in Fulda
- Michaelskirche und Stadtschloss Fulda
Etappe 2: Von Fulda nach Bad Hersfeld (ca. 55 km)
Am zweiten Tag der Radreise auf dem Fulda-Radweg steht die Etappe von Fulda nach Bad Hersfeld auf dem Programm, die mit einer Länge von 55 Kilometern etwas länger, aber ohne größere Schwierigkeiten zu bewältigen ist. Nachdem die Kernstadt von Fulda hinter den Radtouristen liegt, wird zunächst der nordwestlich gelegene Stadtteil Kämmerzell passiert, bevor Lüdermünd erreicht wird, was ebenfalls noch zur Stadt Fulda gehört.
Hier lohnt sich ein erster Stopp, denn der teilweise unter Denkmalschutz stehende Ortskern besitzt sehenswerte Fachwerkhäuser. Auch der mittelalterliche Wachtturm aus dem 12. Jahrhundert ist ein Blickfang. Weiter geht es durch Felder und Wiesen entlang des von Büschen und Bäumen gesäumten Flusslaufs der Fulda bis nach Pfordt. Bei Pfordt wird das Tal der Fulda für einen kurzen Abstecher verlassen, um das wunderschöne Städtchen Schlitz anzusteuern.
Sie ist als Burgenstadt weithin bekannt und wirklich sehenswert, daher ist ein längerer Stopp nur zu empfehlen. Beeindruckend sind die fünf Burgen, wobei vier davon in die mittelalterliche Stadtmauer integriert sind. Sehr lohnenswert ist eine Fahrt mit dem Aufzug auf den Hinterturm. Von oben bietet sich ein herrlicher Blick auf das Fachwerkstädtchen und seine reizvolle Umgebung zwischen Vogelsberg, Knüllgebirge und Rhön.
Bevor der Weg auf dem Fulda-Radweg in Richtung Bad Hersfeld eingeschlagen wird, lohnt sich noch ein kurzer Abstecher zur Evangelischen Kirche in Fraurombach. Über Queck und Unterschwarz geht es weiter nach Niederjossa. Hier weitet sich das Tal der Fulda merklich. Ab Niederaula folgt der Fulda-Radweg der Bahnlinie, die nur noch für den Güterverkehr genutzt wird.
Schon vor den Toren von Bad Hersfeld lohnt die wieder instandgesetzte Wassermühle in Asbach einen kurzen Abstecher. Auch am Schloss Eichhof, das einen sehr schönen Innenhof besitzt, sollte man nicht vorbeiradeln.
Sehenswürdigkeiten entlang der Strecke:
- Altstadt von Schlitz mit vier Burgen
- Korn- und Edelobstbrennerei in Schlitz
- Stiftsruine und Altstadt in Bad Hersfeld
Etappe 3: Von Bad Hersfeld nach Melsungen (ca. 53 km)
Der dritte Tag auf dem Fahrrad führt über rund 53 Kilometer von Bad Hersfeld nach Melsungen. Auch heute warten entlang des Fulda-Radwegs zahlreiche Höhepunkte auf die Radler. Nach dem Start in Bad Hersfeld führt die Radroute zunächst ein kurzes Stück an der Solz entlang, bevor man über wenig befahrene Nebenstraßen nach Friedlos gelangt.
Von hier folgt der Radweg wieder dem Lauf der Fulda und über Mecklar und Breitenbach ist nach etwa 18 Kilometern Bebra erreicht. Markantes Wahrzeichen des bedeutenden Eisenbahnknotenpunktes ist der Wasserturm, der im Jahr 1910 errichtet wurde, um die Versorgung des Eisenbahnbetriebs zu gewährleisten. Hier ist auch ein Eisenbahnmuseum untergebracht, das die Geschichte der Eisenbahn in Bebra präsentiert. Für Rotenburg sollte etwas Zeit eingeplant werden, da es sich um ein reizvolles Städtchen mit zahlreichen mittelalterlichen Fachwerkhäusern handelt.
Nicht weit von der über den Fluss führenden Brücke befindet sich eine historische Wehranlage mit einer Schleuse aus dem ausgehenden 16. Jahrhundert. Rund um die historische Altstadt sind noch Reste der Stadtmauer einschließlich zweier Rundtürme erhalten geblieben. Nachdem Rotenburg passiert ist, geht es in zügiger Fahrt in Richtung Melsungen weiter. Dabei werden einige Ortsdurchfahrten befahren.
Ein weiterer Stopp empfiehlt sich in Altmorschel, denn das ehemalige Kloster Haydau befindet sich in ausgezeichneten Zustand. Ein Spaziergang durch den dazugehörigen Park rundet den Aufenthalt ab. Einige Kilometer weiter zwischen Binsförth und Beiseförth wartet mit der einzigen Fahrseilbahn Deutschlands eine Besonderheit auf die Radler. Hier kann man sich mittels Muskelkraft mitsamt dem Fahrrad an das östliche Ufer der Fulda befördern und so einen Anstieg von 20 Höhenmetern umgehen. Beide Wegvarianten treffen am Ortseingang von Beiseförth wieder aufeinander.
Highlights dieser Etappe:
- Historischer Wasserturm in Bebra
- Schloss und historischer Stadtkern in Rotenburg a. d. Fulda
- Bauern-Barock-Kirche in Alheim
- Kloster Haydau in Morschen
- Fahrradseilbahn in Morschen-Binsförth und Malsfeld-Beiseförth
- Historische Altstadt von Melsungen
Etappe 4: Von Melsungen nach Hann. Münden (ca. 64 km)
Der vierte Tag auf dem Fulda-Radweg führt von Melsungen über Kassel bis nach Hann. Münden, dem Zielort dieses Fernradweges. Auch am letzten Tag liegen wieder zahlreiche Höhepunkte vor den Radtouristen und mit 64 Kilometern ist es die längste Etappe, bis die Weser am Zusammenfluss von Fulda und Werra erreicht ist. Große Teile der Strecke sind flach und ohne Schwierigkeiten zu meistern.
Nach der Abfahrt in Melsungen geht es durch Wiesen und Felder, die Fulda immer in Sichtweite, flach dahin. Erst in der Umgebung von Guxhagen sind zwei nennenswerte Steigungen mit bis zu 30 Höhenmetern zu bewältigen. Über Guntershausen und Bergshausen ist schon bald der Stadtrand von Kassel erreicht.
Wenige Kilometer, bevor die Metropole Nordhessens erreicht ist, kann zwischen zwei Varianten gewählt werden, die zu beiden Seiten des Flusses entlangführen und in der Karlsaue wieder zusammen kommen. Nach zwei weiteren Kilometern ist die Orangerie erreicht, die den nördlichen Ausgangspunkt zur Karlsaue bildet. Sie ist ein sehenswertes Bauwerk, das zu Beginn des 18. Jahrhunderts sein barockes Aussehen erhielt. Kassel hat herrliche Sehenswürdigkeiten zu bieten und die Auswahl fällt nicht ganz leicht. Eine herausragende Stellung nimmt dabei der Bergpark Wilhelmshöhe ein, welcher im Juni 2013 zum Weltkulturerbe erklärt wurde. Einen Rundgang durch diesen einzigartigen Landschaftspark sollte man nicht versäumen.
Nach dem Aufenthalt in Kassel sind es keine 30 Kilometer mehr bis nach Hann. Münden, dem Zielort auf dem Fulda-Radweg. Überwiegend geht es auf gut ausgebauten Wegen flach dahin, lediglich kurz vor dem Ziel muss noch eine nennenswerte Steigung erklommen werden. Einzig zwischen Kassel-Wolfsanger und Fuldatal-Wahnhausen ist die Wegstrecke auf acht Kilometern in keinem besonders guten Zustand und lediglich geschottert.
Kurz bevor das Ziel Hann. Münden mit seinem mittelalterlichen Stadtbild erreicht ist, wartet in Fuldatal-Wilhelmshausen noch ein architektonisches Kleinod auf die Radtouristen. Am Zusammenfluss von Fulda und Werra endet die mehr als 200 Kilometer lange Reise durch das Ost- und Nordhessische Bergland auf dem Fulda-Radweg. Eine Radtour kann aber durchaus entlang der Weser fortgesetzt werden.
Kulturelle und natürliche Höhepunkte:
- Gedenkstätte Breitenau bei Guxhagen
- UNESCO-Welterbe Bergpark Wilhelmshöhe in Kassel
- Schloss Wilhelmshöhe und Orangerie in Kassel
- Grimmwelt in Kassel
- Zusammenfluss von Fulda und Werra in Hann. Münden
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