Motorrad Gabelservice Anleitung

Diese Anleitung basiert auf der Gabel einer R1 von 2003 mit 43er Kayaba (KYB) Gabel und soll Ihnen helfen, einen Gabelservice selbst durchzuführen. Nehmen Sie sich Zeit und arbeiten Sie sauber und gewissenhaft. Informieren Sie sich vorab über die Ersatzteilkosten und beachten Sie, dass relativ viel Spezialwerkzeug benötigt wird. Auf die nicht alltäglichen Werkzeuge wird im Laufe der Anleitung eingegangen.

Vorbereitung und Warnhinweise

Als allererstes müssen Sie sich Ihre Einstellwerte notieren und analysieren, ob etwas defekt ist. Für die Analyse eines Defekts können Sie sich gern an Experten wenden. Eine kleine Anmerkung an der Stelle: Wenn die Gabel ölt, dann muss nicht immer (nur) der Simmerring defekt sein - die Gründe können sehr vielfältig sein.

Warnungen:

  • Arbeiten Sie sauber!
  • Lassen Sie um Himmels Willen nichts umfallen. Wenn eine montierte Gabel oder die Rohre umfallen, sind sie krumm, verkratzt oder verbeult.

Für die Leute, denen jetzt schon die Möglichkeit oder das Know-How fehlt, um die Gabel fachlich gut aus- und wieder einzubauen, die sollten die Finger von der Arbeit lassen. Die Teile sind alle sehr teuer und man ist immer kurz davor, etwas kaputt zu reparieren. Ihr Leben hängt ja auch noch von dem Bauteil ab!

Es wird empfohlen, das Werkstatthandbuch (WHB) mehrmals sehr genau durchzulesen! Diese Anleitung stellt außerdem noch ein paar Tipps, Tricks und Kniffe für diese Arbeiten bereit.

Demontage der Gabel

  1. Die Gabeldeckel sollten schon im eingebauten Zustand einmal angelöst werden.
  2. Nun kann man im ausgebauten Zustand das Aussenrohr lose schrauben und runter schieben. Die perfekte Gelegenheit um das Öl aus der Gabel laufen zu lassen.
  3. Jetzt muss man einen Federspanner ansetzen. Das Spannen der Feder dient dazu, die Kontermutter frei zulegen. Diese wird mit einem 14er Schlüssel gehalten und mit einem 30er Schlüssel der Deckel auf der Dämpferstange gelöst und abgeschraubt.
  4. Nun kann man der Gabel den Distanzhalter, das Koppelstück zur Feder, die Dämpferstange im Inneren und die Feder entnehmen.
  5. Jetzt ist auch das Aussenrohr frei und kann abgezogen werden - dazu ist kein Kraftaufwand notwendig.
  6. Den unteren Gabelteil nochmal ausgießen/auslaufen lassen. Dabei die Dämpferstange mehrmals rein und raus pumpen.
  7. Optional: Mit einem Dämpferhalter und einem langen 10er Innensechskant die Dämpfereinheit lösen und entnehmen. Dabei ist darauf zu achten, dass der Kupferdichtring unten auch wieder durch einen neuen in 12x18 (!) ersetzt wird.
  8. Das obere Gabelrohr nehmen und die Staubkappe vorsichtig abhebeln. Dabei darauf achten, dass man das Rohr bzw. die Eloxalschicht nicht verschrammt oder verkratzt.
  9. Sicherungsring entnehmen.
  10. Gabeldichtung heraushebeln, Achtung...dabei nichts zerkratzen, Unterlegscheibe entnehmen - hier unbedingt darauf achten, welche Richtung wohin zeigt. Die Aussenseiten sind nicht symmetrisch.
  11. Das Gabelrohr jetzt mit Bremsenreiniger sauber spülen und kurz trocknen lassen. Das Rohr an der Aussenseite erwärmen, an der Stelle an der die Gleitbuchse unten sitzt. Von der anderen Seite mit einem Kunststoffstab die Gleitbuchse austreiben und gleich eine Neue einsetzen.

Jetzt ist alles zerlegt und eine neue Gleitbuchse eingesetzt. Alle Teile ohne Gummi mit Bremsenreiniger säubern und trocknen. Alle Teile die Kunststoffe bzw. Gummi beinhalten mit Maxima Suspension Clean reinigen. Bei den Tüchern drauf achten, dass sie nicht fusseln. Ölbohrungen mit Druckluft sauber pusten.

Sollte man den inneren Dämpfer nicht entfernt haben, dann diese Baugruppe nur mit dem Maxima Reiniger säubern und besonders lange trocknen lassen. Das Tauchrohr sollte man jetzt mal inspizieren. Man kann es auch Aufpolieren in dem man 800er Nassschleifpapier verwendet und entgegen der Gabelgleitrichtung die Laufspuren eleminiert. Alle anderen Teile sollte man auf Defekte prüfen und ggf. austauschen. Es ist ratsam neue Dichtringe, Staubkappen und Gleitbuchsen einzusetzen, um die Wahrscheinlichkeit zu minimieren, dass nachher etwas undicht ist.

Montage der Gabel

  1. Dämpfereinheit in Tauchrohr einsetzen und miteinander verschrauben.
  2. Mutter in der richtigen Richtung auf die Dämpferstange aufschrauben - auf eine Distanz von 11mm von der Oberkante positionieren.
  3. Gleitbuchse mit etwas frischem Gabelöl schmieren und Unterlegscheibe in oberes Dämpferrohr einlegen - dabei auf die Richtung achten.
  4. oberes Dämpferrohr an der Position des Gabelsimmerrings etwas mit Fett schmieren.
  5. Gabelsimmerring positionieren und mit 36er Nuss in Position flutschen lassen. Die Lage ist erreicht, wenn die Nut für den Sicherungsring sichtbar ist. Die Schrift des Sicherungsrings zeigt von der Unterlegscheibe weg!
  6. Gabelsimmerring innen mit Fett schmieren.
  7. Etwas Tape bzw. Tesastreifen für den oberen Rand des Tauchrohrs kleben. Das Rohr läuft dort etwas schräg zu und besitzt eine scharfe Kante die Gleitbuchsen oder Gabelsimmerringe beschädigen könnte. Bei dem Tape ist drauf zuachten, dass wenn beide Rohre ineinander stecken eine Lasche da ist, die das Abziehen ermöglicht.
  8. Staubkappe in der richtigen Richtung und Sicherungsring auf Tauchrohr stülpen.
  9. Für Rechtshänder: oberes Gabelrohr in die rechte Hand, Tauchrohr in die linke Hand - jetzt die beiden mit Gefühl in einander gleiten lassen und dabei vorsichtig an den inneren Gleitbuchsen vorbei führen.
  10. Tesastreifen vom Tauchrohr entfernen -> Lasche benutzen.
  11. Sicherungsring einsetzen.
  12. Staubkappe zum Gabelfuss gleiten lassen und oberes Tauchrohr auf Staubkappe aufschlagen, damit es in die Passung rutscht.
  13. Langsam das Gabelöl einfüllen - dafür genug Zeit lassen und zwischendurch die Dämpferstange langsam(!) betätigen damit die Dämpfereinheit mit Öl gefüllt wird und die Luft entweicht.
  14. Weiter Öl auffüllen und das vorgebene Luftpolster einstellen. Das Luftpolster wird ohne Feder und ohne innere Dämpferstange gemessen...ausgehend von der oberen Kante des Tauchrohrs. Die Gabel dabei natürlich schön gerade halten oder mit Kabelbindern vorsichtig gegen ein gerades Tischbein binden.
  15. Idealerweise die Gabel etwas stehen lassen, damit alle Luft nach oben entweichen kann; nochmal Luftpolster prüfen.
  16. Prüfen ob alles dicht ist!
  17. obere Einstelleinheit nehmen und auf 13mm Innenabstand einstellen; dazu die Zugstufenschraube betätigen.
  18. Feder in richtiger Richtung einsetzen, Kappe auf Feder aufsetzen, Distanzstück auf Kappe setzen.
  19. Federspanner nutzen um die Einheit zu komprimieren.
  20. oberen Gabeleinsteller auf die Dämpferstange aufschrauben - handfest.
  21. Kontermutter gegenhalten und Gabeleinsteller befestigen.
  22. Federspanner entfernen.
  23. Aussenrohr nach oben ziehen und mit Gabeleinsteller verschrauben.
  24. Druckstufe, Federvorspannung, Zugstufe auf vollen Funktionsumfang (alle Klicks möglich?) prüfen und danach auf eigene Werte einstellen.
  25. Gabel auf den Boden stellen und manuell mit Körperkraft durchfedern -> Funktionsprüfung: funktioniert die Dämpfung in beide Richtungen? funktioniert die Federung? Laufen beide Gabelteile gleichmäßig? Alles dicht?

Fertig...bereit für den Widereinbau.

Kleine Tipps

  • Vor dem Widereinbau die Federn an der Aussenseite mit Schleifpapier 600/800 etwas abziehen verringert die Reibung gegen die Hülsen und reduziert den Abrieb der im Öl landet.
  • Mit einer Drehbank kann das Tauchrohr super aufpoliert werden - insbesondere bei derberen Riefen ist das notwendig.

Spezial-Werkzeuge

  • 30er und 36er Nuss
  • Langen 10er Innensechskant
  • Federspanner
  • Gabelölabsaugvorrichtung

Gabelsimmerringe/Staubkappen

Diese Teile gibt es von viele Herstellern; Unterschiede gibt es im Material, Bauform und Preis. Originale Teile sind NOK. Auch Athena bietet NOK an, aber auch günstigere Dichtungen, die nicht aus NOK sind - AUFPASSEN!

Zuordnung anhand von typischen Fahrerprofilen:

Fahrerprofil Empfehlung für Staubkappen und Simmerringe
Schön-Wetter-Fahrer (LS) OEM-Teile oder Teile von AllBallsRacing; auch ein Mix ist möglich
Service-Racer Günstige Sets von Louis, Ariete und Athena (Nicht-NOK)
Faulpelz-Racer OEM Teile
Ganzjahresfahrer/Schlechtwetterfahrer/Draußenparker SKF Simmerringe und Staubkappen

Merke: Nicht immer sind die Simmerringe schuld an einem Ölverlust. Oft sind Riefen oder die abgenutzte Gleitbuchse in der Nähe des Simmerrings schuld. Bei Riefen kann das Öl durch die Sicke kriechen. Bei den Gleitbuchsen bekommt das Tauchrohr etwas Spiel und das Öl drückt sich dann am Simmerring vorbei.

Bevor man allerdings überhaupt etwas macht, plant oder anderweitig Geld ausgibt, sollte man versuchen, Schmutz am Simmerring zu beseitigen. Das geht einfach mit einer alten Scheckkarte, altem Personalausweis - den schneidet man sich zurecht und kratzt den Schmutz am Simmerring weg. Anschließend sollte man versuchen, das Fettlager wieder etwas aufzupolstern - das geht folgendermaßen:

Während das Motorrad steht, schmiert man auf die sauberen Tauchrohre etwa 2 Finger breit einen keinen Fettfilm. Jetzt lässt man das Motorrad 5-6 mal über diese Fettstelle gleiten. Jetzt hat sich ein großer Teil in den Simmerring getragen.

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