Motorrad Gangwechsel Technik: Eine detaillierte Anleitung

Die Motorrad Gangwechsel Technik ist ein komplexes Thema, das viele Aspekte umfasst, von der grundlegenden Bedienung der Kupplung bis hin zu fortgeschrittenen Techniken wie dem Schalten ohne Kupplung und der Verwendung von Quickshiftern.

Grundlagen des Gangwechsels

Im Wesentlichen wird die Motorkraft von der Kupplung auf die Getriebeeingangswelle übertragen. Dort sitzt das mit der Welle verzahnte Festrad, in diesem Fall ein Doppelrad, und verbindet über die Schaltklauen das sogenannte Losrad mit der Welle. Losrad deshalb, weil es sich auf einem Nadellager dreht und keine formschlüssige Verbindung mit der Getriebewelle hat. Das gegenüberliegende Zahnrad auf der Ausgangswelle nimmt die Antriebskraft auf und leitet sie an das Kettenritzel weiter. Die ineinandergreifenden Schaltklauen sind mit einem sogenannten Hinterschliff von etwa drei Grad versehen. Der bewirkt, dass sich die Schalträder unter Last aneinander ziehen. Somit wird die Schaltgabel von zerstörerischen Seitenkräften verschont.

Der Schaltvorgang

Erst beim Hochschalten schiebt die Schaltgabel das Doppelzahnrad nach rechts und unterbricht, sobald die Klauen keinen Eingriff mehr haben, die Kraftübertragung. Dieser Vorgang dauert bei einem sportlich flotten Schaltvorgang rund sieben Hundertstelsekunden. Dazu muss jedoch das Getriebe, namentlich die Schaltklauen, komplett entlastet sein. Dies geschieht beim normalen Schaltvorgang durch das Trennen der Kupplungsscheiben. Im Rennsport wird die Entlastung im Antriebsstrang lediglich durch ein kurzes Zurückdrehen des Gasgriffs bewirkt. Was aber nur dann ohne Folgeschäden funktioniert, wenn der Gang konsequent durchgeschaltet wird und blitzschnell seine Position wechselt. Nachteil: Die Belastungsspitzen im Getriebe sind größer.

Nach weiteren rund drei Hundertstelsekunden katapulitiert die Schaltgabel das Zahnrad in die nächst höhere Gangposition. Dabei kommt es in rund 70 Prozent der Fälle vor, dass für einen kurzen Moment (etwa drei Hundertstelsekunden) Klaue auf Klaue steht und sich der Schaltvorgang entsprechend sperrig und hart anfühlt. Durch den freien Verdrehwinkel der Zahnräder schlüpfen die Klauen doch noch in ihre Position und stellen die Kraftübertragung sicher.

Der Schaltautomat

Um durch die Drehbewegung der Schaltwelle die Getrieberäder in ihrer Position zu verschieben, wird die Kraft am Schalthebel zu einer Ratschenmechanik geleitet. Im Fall des abgebildeten Suzuki GSX-R 600-Getriebes greifen zwei Sperrklinken in die Verzahnungen der Schaltwalze ein und verdrehen, je nachdem, ob hoch- oder heruntergeschaltet wird, die Walze in eine bestimmte Richtung. Nach dem Schaltvorgang wird die Sperrklinke mitsamt Übertragungshebel durch die Haarnadelfeder in ihre Nulllage zurückgestellt.

Eine feder-belastete Arretierung hält die Schaltwalze in ihrer jeweiligen Position. Die Bauteile der Motorrad-Klauenschaltung Motorradgetriebe kommen dank einer engeren Stufung und weniger rotierenden Massen im Vergleich zum Auto ohne die aufwendige Synchronisierung des Schaltvorgangs aus. Entsprechend kurz fallen die Getriebewellen aus, auf denen die Zahnräder im direkten Eingriff über sogenannte Schaltklauen die Antriebskraft übertragen.

Schalten ohne Kupplung

Es ist eine Fahrtechnik, die nicht nur auf der Rennstrecke gerne genutzt wird: Schalten ohne Kupplung. Sie trennt Motor von Getriebe und sorgt für den Kraftschluss, der letztendlich das Hinterrad antreibt. Beim Anfahren verwenden wir sie, um eben jenen Kraftschluss geschmeidig zu gestalten, sodass der Motor nicht abstirbt und wir flüssig losfahren. Beim Stehenbleiben arbeiten wir nach demselben Prinzip: Die Kupplung wird gezogen, damit wir Motor und Hinterrad entkoppeln und die Motordrehzahl nicht auf dasselbe Niveau wie die Raddrehzahl - nämlich Null - fällt.

Während der Fahrt hat die Kupplung eine andere Aufgabe. Denn egal ob beim Beschleunigen, bei konstanter Fahrt oder beim Schubbetrieb übertragt der Motor immer Last auf das Getriebe. Die Zahnräder sind unter Zug und lassen somit keinen Gangwechsel zu. Zieht man die Kupplung wird das Getriebe lastfrei, die Zahnräder stehen nicht unter Zug und man kann in den nächsten Gang schalten. Wir wissen also: Will man einen sauberen Schaltvorgang durchführen, muss das Getriebe lastfrei sein.

Hochschalten ohne Kupplung

Für einen sanften Gangwechsel spannt man während der Beschleunigung den Ganghebel sanft vor und sobald der Gashahn geschlossen wird und wir in den lastfreien Moment fallen, erhöhen wir den Druck am Ganghebel und der nächste Gang springt ins Getriebe. Auch wenn dabei keinerlei Gewalt angewendet werden sollte, darf der Zug am Ganghebel durchaus bestimmt sein. Denn das Letzte was man will, ist zwischen Gängen zu landen, oder einen Gang der nicht korrekt eingelegt wurde und nach kurzer Zeit wieder herausspringt.

Herunterschalten ohne Kupplung

Im Prinzip gehen wir hier demselben Ziel nach: Getriebe entlasten, nur dieses Mal wählen wir den nächstniedrigeren Gang. Gleichzeitig muss die Motordrehzahl angehoben werden, um an die kürzere Abstufung des niedrigen Gangs angepasst zu werden. Befindet man sich im Schubbetrieb wird also der Ganghebel wieder leicht vorgespannt und ein kurzer Gasstoß gegeben. Der Gang flutscht ins Getriebe und die Drehzahl wird gleichzeitig angehoben. Hierfür braucht es mehr Übung, da man genau die richtige Menge an Gas geben muss, damit der Schaltvorgang geschmeidig passiert.

Ist das Schalten ohne Kupplung schädlich?

"Darf man ohne Kupplung Schalten?" oder "Beschädige ich mein Getriebe?" sind häufige Fragen, die man in Motorrad-Foren bei diesem Thema liest. Im Gespräch mit Experten hat er aber klar betont: "Nein, es schadet dem Getriebe nicht." Wichtig ist jedoch, dass man es richtig macht und das bedeutet, saubere Schaltvorgänge vornehmen und die Bewegungsabläufe zwischen Gashand und Schaltfuß einprägen. Dann muss man auch keinen Schaden am Getriebe befürchten, denn wie wir bereits geklärt haben, fällt nur die Verwendung der Kupplung aus, die lediglich die Last von den Zahnrädern nimmt.

Die Schritte, die ein Quickshifter erspart. Überraschend wenig! Denn mit dieser Vorrichtung wird dasselbe Prinzip ausgenutzt, nur übernimmt die Elektronik die ganze Arbeit. Erkennt der Sensor Druck am Schalthebel wird über verschiedene Art und Weisen (Zündung, Einspritzung) die Leistung des Motors gekappt und der gewünschte Gang wird eingelegt. Der große Vorteil des Quickshifters ist, dass wenn er ab Werk, oder nachträglich von Profis verbaut wurde, die Unterbrechung perfekt abgestimmt ist, was geschmeidige Gangwechsel bedeutet.

Zwischengas beim Runterschalten

Wenn ich mit anderen Motorradfahrern spreche und erzähle, dass ich bei jedem Herunterschalten in der Bremsphase manuell Zwischengas gebe, finden das die meisten erstaunlich. Ich selbst denke darüber gar nicht mehr nach, denn es ist zum absoluten Automatismus geworden. Doch welche Vorteile und Nachteile hat diese Fahrtechnik und wie kann man sie erlernen?

Den Begriff „Motorbremse“ haben die Meisten wohl schon gehört. Und die Meisten kennen wohl auch das Gefühl, welches entsteht, wenn ihr in einen niedriegeren Gang einkuppelt: durch eine höhere Motordrehzahl ergibt sich auch eine erhöhte Motorbremse. Die Trägheit des Motors, der auf die höhere Drehzahl beschleunigt werden muss, kommt hier hinzu und bremst das Hinterrad kurzzeitig weiter ab. Was passiert nun, wenn wir Zwischengas geben, während die Kupplung gezogen ist? Durch den Gasstoß fällt die Drehzahl des Motors gar nicht erst, sondern nähert sich der passenden Drehzahl für den niedriegeren Gang an. Im Optimalfall trifft man sogar die richtige Drehzahl perfekt, wenn man wieder einkuppelt. So wird das oben erwähnte extra Bremsmoment eliminiert und das Motorrad bleibt in der Bremsphase stabiler. Hier direkt vorweg: man muss die Technik gut beherrschen, damit dieser Punkt zutrifft.

Bei einem normalen Schaltvorgang ohne Zwischengas übernimmt die Kupplung die Arbeit des Drehzahlausgleichs. Hier entsteht beim einkuppeln Reibung. Je größer die Drehzahldifferenz, desto mehr muss die Kupplung arbeiten. Weniger Drehzahldifferenz durch Zwischengas - weniger Kupplungsverschleiß.

Trifft man die richtige Drehzahl und verwendet die richtige Technik erleichtert Zwischengas das herein rutschen des Gangs. Dies geht sogar so weit, dass man ganz ohne Kupplung herunterschalten kann. Populäres Beispiel für diese Technik ist Moto2-Fahrer Mattia Pasini, er hat durch einen Unfall nicht mehr genug Kraft und Gefühl in seiner rechten Handund bremst daher mit der linken.

Zwischengas richtig lernen

Um Zwischgas zu geben muss man die Hand bewegen - das ist Fakt. Doch die Hand zu bewegen, während die Finger an der Bremse sind ist so eine Sache. Denn man zieht automatisch die Finger etwas mit. Es braucht also sehr viel Übung und Routine, um den Bremsdruck möglichst wenig zu beeinflussen.

Zuerst muss man sich auf eine lange Lernphase einstellen, um nicht die Motivation zu verlieren. Am besten kann man auf der Landstraße anfangen zu üben, denn hier hat man nicht den Stress, den man auf der Rennstrecke hat. Ein guter Anfang ist, sich ein Gefühl für die Dosierung des Gasstoßes anzueignen. Dafür nimmt man sich bestenfalls eine ruhige gerade Strecke, schaltet herunter und probiert, in der Phase, in der die Kupplung gezogen ist, einen Gasstoß zu geben. Also quasi gleichzeitig mit dem Betätigen des Schalthebels. Trifft man die richtige Drehzahl, sollte beim Einkuppeln kein spürbarer Ruck mehr durch das Motorrad gehen. Probiert dabei verschiedene Gänge und Drehzahlen aus, um alle Variablen kennenzulernen. Nehmt euch für diesen Schritt Zeit und versucht nicht zu schnell zum nächsten überzugehen.

Die Königsdisziplin: Bremsen mit Zwischengas

Alles was ihr in Schritt 1 gelernt habt bekommt jetzt noch eine weitere Variable, die an sich auch schon schwer genug ist: das richtige Bremsen. Diese Technik wird nichts für Vier-Finger-Bremser sein, sondern am besten mit zwei oder einem Finger an der Bremse funktionieren. Tastet euch hier bitte sehr vorsichtig heran, denn ein Fehler beim Bremsen kann ziemlich schnell in einem Crash enden!

Die ersten paar Versuche werden euch hier wahrscheinlich wieder komplett verunsichern, denn ihr werdet automatisch die Bremsfinger mitziehen und stärker bremsen. Ihr müsst jetzt lernen, eure Bremsfinger entsprechend etwas lockerer zu lassen, wenn ihr den Handrücken nach hinten zieht. Einen Masterplan dafür habe ich nicht, außer Zeit und viel viel Übung.

Dass die Vorteile von Zwischengas nicht zu vernachlässigen sind, zeigen die aktuellen Veränderungen am Motorradmarkt. Immer mehr Modelle werden von Werk aus mit sogenannten „Blippern“ ausgerüstet.

Der Quickshifter/Blipper

Heutzutage liest man öfter, dass ein Motorrad einen Quickshifter besitzt, der das Schalten vereinfacht. Bei manchen Motorrädern ist er ab Werk vorhanden, bei anderen kann man ihn nachrüsten. Einfach ausgedrückt, nimmt er dem Fahrer das Gaswegnehmen und Kuppeln beim Gangwechsel ab.

Ein Quickshifter erkennt auch den Gangwechsel, aber er kann unterscheiden, ob man rauf- oder runterschaltet. Beim Raufschalten verhält er sich wie ein normaler Quickshifter. Beim Runterschalten gibt er im richtigen Moment Zwischengas.

Ein solches Teil nimmt uns im einfachsten Fall nur das Gaswegnehmen beim Schalten ab. Deswegen funktionieren einfache Quickshifter nur beim Raufschalten. Das passiert sehr schnell und benötigt viel weniger Zeit, als das Zurück- und wieder Aufdrehen des Gasgriffes.

Häufige Probleme und Lösungen

Viele Motorradfahrer bemerken, dass die Gänge, insbesondere der erste Gang, recht streng reingehen oder ein lautes Geräusch verursachen. Dies ist oft normal, besonders bei Low-Cost-Getrieben. Es gibt jedoch einige Tipps, um dies zu minimieren:

  • Vor dem Ziehen der Kupplung den Ganghebel bereits auf Zug bzw. Druck bringen. Dann erst Kupplung ziehen. Das sollte das Geräusch deutlich mindern.
  • Mit der Viskosität des Motoröls spielen. Ein anderes Öl kann die Schaltperformance verbessern.
  • Kupplungsspiel überprüfen und richtig einstellen. Eine falsche Einstellung kann dazu führen, dass die Kupplung nicht ausreichend trennt.

Einige Fahrer haben auch Erfolg damit, den Schalthebel beim Hochschalten vor dem Ziehen der Kupplung auf Spannung zu bringen und dann nur ein wenig zu kuppeln.

Zusammenfassung

Ob für euch die Vorteile die Nachteile und die steile Lernkurve überwiegen, muss jeder selbst wissen. Für mich persönlich ist es ein Automatismus geworden und ich kann quasi gar nicht mehr ohne Zwischngas schalten. Bis dahin!

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