Rasselnde Ketten und springende Gänge müssen nicht sein. Mit der richtigen Anleitung und etwas Geduld können Sie Ihre Shimano Gangschaltung selbst perfekt einstellen. Ob es sich um eine 3-fach-, 2-fach- oder moderne 1-fach-Gangschaltung handelt, das Prinzip bleibt gleich.
Vorbereitung und Überprüfung der Komponenten
Bevor Sie mit der eigentlichen Einstellung beginnen, ist es wichtig, die einzelnen Komponenten zu überprüfen und gegebenenfalls zu reinigen oder zu warten. Eine gut gewartete Schaltung ist die Grundlage für präzise Schaltvorgänge.
Reinigung und Schmierung
Grobe Verschmutzungen, besonders an Ritzeln, Kette und Schaltröllchen, können Probleme beim Schalten verursachen. Eine gründliche Reinigung ist daher obligatorisch. Für geschmeidige Schaltvorgänge muss die Kette sauber und gut geschmiert sein. Die Gelenke des Schaltwerks müssen leichtgängig sein. Sind sie verdreckt oder ist die Schmierung durch häufiges Waschen mit dem Hochdruckreiniger nicht mehr gegeben, dürfen Sie ihnen nach dem Säubern gern einen Tropfen Kettenöl spendieren. Dasselbe gilt für die Lager der Schalträdchen.
Bauteile Prüfen
- Kassette: Die Kassette sollte fest und spielfrei auf dem Freilaufkörper montiert sein. Kontrollieren Sie das Anzugsmoment der Kassette am Freilauf (40Nm). Achten Sie auf verschlissene oder beschädigte Zähne.
- Schaltwerk: Das Schaltwerk muss fest und mit dem vorgeschriebenen Drehmoment am Schaltauge verschraubt sein. Es darf nicht verbogen oder verzogen sein. Überprüfen Sie das seitliche Spiel der Schalträdchen.
- Kette: Messen Sie die Längung der Kette mit einer Kettenlehre. Bei starkem Spiel oder seitlicher Auslenkung muss sie getauscht werden.
- Schaltauge: Ein verbogenes Schaltauge kann eine saubere Einstellung der Schaltung verhindern. Überprüfen Sie es auf Verbiegungen und richten Sie es gegebenenfalls oder tauschen Sie es aus.
- Schaltzug und Außenhülle: Der Schaltzug muss reibungsarm durch die Hülle gleiten. Beschädigte oder verrostete Außenhüllen müssen ausgetauscht werden.
Reibungsdämpfer
Moderne 11- und 12-fach-Schaltwerke von Shimano und SRAM verfügen über eine Mechanik zur Erhöhung der Kettenspannung. Kontrollieren Sie die Funktion bzw. die Wirkung der Kupplung: Der Käfig darf sich nur mit spürbarem Kraftaufwand nach vorne bewegen lassen.
Die Richtige Einstellung der Shimano Schaltung
Die richtige Einstellung des Schaltwerks wird durch drei Schrauben gewährleistet. Am Schaltwerk selbst, können drei Dinge eingestellt werden, oberer Anschlag, unterer Anschlag und die Umschlingung. Über die Anschläge stellen Sie die Maximalauslenkung der Schaltung ein.
Bevor es an das Einstellen geht, hier noch ein kurzer Überblick der 3 Einstellschrauben eines modernen Schaltwerks. Als Anschauungsobjekt dient hier ein SRAM Eagle 12-fach-Schaltwerk. Die Schrauben und deren Funktion sind bei SRAM und Shimano aber gleich, auch deren Anordnung ist sehr ähnlich.
- B-Schraube (B-Screw): Diese Schraube ist für den Grad der Umschlingung der Kette auf der Kassette und für den Abstand des oberen Schalträdchens zum jeweiligen Ritzel zuständig.
- L-Schraube (Low Limit Screw): Diese Schraube stellt die obere Begrenzung des Schaltwerk-Schwenkbereichs ein, am größten Ritzel der Kassette.
- H-Schraube (High Limit Screw): Diese Schraube stellt die untere Begrenzung des Schaltwerk-Schwenkbereichs ein, am kleinsten Ritzel der Kassette.
1. Endanschlag Unten (H-Schraube)
Zuerst wird der „untere“ Endanschlag eingestellt, also für die Begrenzung auf dem kleinsten Ritzel. Dies machst Du mit der H-Schraube (High Limit Screw oder H-Screw). Hierbei steht das „high“ sinnbildlich für den schwersten Gang. Wenn Du auf das kleinste Ritzel schaltest, muss das obere Schaltröllchen in einer Flucht unter dem kleinsten Ritzel der Kassette stehen und darf nicht weiter Richtung Rahmen verfahren.
Drehst Du die Endanschlags-Schraube im Uhrzeigersinn, wird der Anschlag nach links, also Richtung Speichen, verschoben. Durch Drehen der Schraube gegen den Uhrzeigersinn stellst Du den Anschlag weiter nach rechts, Richtung Rahmen.
2. Schaltzug Klemmen und Zugspannung Einstellen
Von hier aus wird nun die Zugspannung eingestellt. Als Faustregel gilt: Befindet sich das Schaltwerk mit dem Röllchen unter dem kleinsten Ritzel, soll der Schaltzug minimal vorgespannt sein. Am Schaltgriff befindet sich am Ausgang für den Schaltzug-Außenhülle eine kleine Rändelschraube, die werkzeuglos verstellt werden kann. Sie sollte komplett im Uhrzeigersinn hereingedreht werden und dann ca. 1-2 Umdrehung gegen den Uhrzeigersinn wieder heraus. So hast Du in beide Richtungen Spielraum beim Einstellen.
3. Endanschlag Oben (L-Schraube)
Nun stellen wir den "oberen" Endanschlag ein, also am größten Ritzel der Kassette. Hierzu schalte in den leichtesten Gang. Der Endanschlag wird mit der L-Schraube (Low Limit Screw oder L-Screw) justiert.
4. Winkeleinstellung
Zur Winkeleinstellung verbleibt die Kette auf dem kleinsten Kettenblatt und auf dem größten Ritzel. Mit der B-Schraube (sie ist bei neueren Schaltwerken i.d.R. markiert) verstellst Du die Feder in der Schaltwerksaufhängung und somit die Höhe des oberen Schaltröllchens. Ist die Federspannung zu locker, kann das Röllchen das größte Ritzel berühren. Optimal ist die Spannung eingestellt, wenn zwischen den Zähnen des größten Ritzels und dem Schaltröllchen ca.
Shimano stanzt in der Regel eine kleine Hilfslinie auf der Hinterseite des Schaltwerkskäfigs ein. Diese Hilfslinie muss mit der oberen Kannte der Zähne des größten Ritzels der Kassette fluchten.
5. Zugspannung Feinjustieren
Schalte zuerst auf das mittlere Kettenblatt. Nun bewegt die Kurbel und schaltet die Gänge einzeln durch. Springt der Gang nicht sofort auf das nächsthöhere Ritzel, muss die Zugspannung etwas erhöht werden. Dies erreichst Du, indem Du die Einstellschraube um ca. eine viertel Drehung herausdrehst. Mach das so lang, bis der Gang sofort wechselt. Springt die Kette nicht direkt nach dem Schalten auf das nächstkleinere Ritzel, muss das Schaltseil etwas entlastet werden. Hierfür drehst Du die Einstellschraube wieder etwas hinein.
6. Probefahrt
Zu guter Letzt empfehle ich eine kleine Probefahrt.
Umwerfer Einstellen (Falls Vorhanden)
Bist Du mit einem Zwei- oder Dreifach-Antrieb unterwegs? So kannst Du Deinen Umwerfer einstellen.
- Dein Umwerfer hat dann die richtige Höhe, wenn zwischen Leitblech und den Zähnen des großen Kettenblatts ca. 1 bis 3 Millimeter Platz ist.
- Zur Einstellung des unteren Endanschlags musst Du zunächst auf das größte Ritzel und das kleinste Kettenblatt schalten. Löse nun den Schaltzug, indem Du die Inbusschraube lockert. Nun kannst Du wieder mit der mit L gekennzeichneten Schraube die Lage des Leitblechs verstellen. Du hast den Endanschlag dann korrekt eingestellt, wenn die Kette das Leitblech gerade so nicht mehr berührt und ca. Der untere Endanschlag des Umwerfers ist dann korrekt eingestellt, wenn zwischen Kette und Leitblech ca.
- Nachdem Du den unteren Endanschlag eingestellt hast, kannst Du den Schaltzug wieder am Umwerfer montieren.
- Schalte nun auf das größte Kettenblatt und das kleinste Ritzel. ACHTUNG: Stellt die Endanschläge eher etwas enger ein. Denn auch hier gilt: Ist der Endanschlag zu weit eingestellt, springt die Kette beim Schalten vom Blatt.
- Sind alle Endanschläge eingestellt, ist nun - wie beim Schaltwerk - die Zugspannung an die Reihe. Schaltet hierfür auf das mittlere Blatt und auf das größte Ritzel.
- Mache eine kleine Probefahrt.
Umwerfer-Standards von Shimano
Einfach schnell einen neuen Umwerfer kaufen, ist schon lange nicht mehr drin. Allein bei Shimanos Dauerbrenner XT gibt es 18 verschiedene Varianten. Darauf müssen Sie achten:
- Top Swing/Low Clamp: Diese Variante wird kurz oberhalb des Innenlagers geklemmt und verlangt ebenfalls ein klassisch rundes Sitzrohr. Den Durchmesser gleichen bei Shimano Spacer aus.
- Down Swing/High Clamp: Diese Version ist für die Montage an runden Sitzrohren geeignet. Bei Shimano werden verschiedene Rohrdurchmesser durch die beiliegenden Spacer ausgeglichen.
- E-Type: Der E-Type-Umwerfer wird über eine Montage-Platte auf das Innenlager geschraubt. Dafür fällt ein Distanzring auf der Montage-Seite weg. Vor allem bei ungewöhnlichen Rahmenformen, aber nur bei BSA Lagern geeignet.
- Direct Mount Low/Top Swing: Dieser Shimano-Umwerfer wird ohne Schelle direkt am Rahmen montiert. Die Umwerfer sind an verschiedene Kettenblattabstufungen (36, 38, 39, 42 Zähne) angepasst.
- Direct Mount High/Down Swing: Diese Umwerfer-Variante wird ohne Schelle am Rahmen montiert, jedoch schwenkt der Schaltkäfig nach unten. Die Klemmung verfügt über einen kleinen Verstellbereich. Achten Sie aber beim Kauf auf die Kapazität beim großen Zahnkranz.
Häufige Probleme und Lösungen
Wenn die Kette beim Fahrradfahren schleift oder rattert, sobald man zu treten beginnt, ist häufig eine falsch eingestellte Schaltung das Problem. Auch wenn die Kette beim Schalten nur schwer auf das nächste Ritzel springt, kann man das meist mit einfachen Mitteln selbst beheben.
Schaltauge Überprüfen und Richten
Bereits leichte Verbiegungen können dazu führen, dass die Schaltung nicht mehr präzise arbeitet. Ursachen für ein verbogenes Schaltauge sind häufig Stürze, Umfaller oder der Kontakt mit Fremdkörpern.
Um festzustellen, ob das Schaltauge verbogen ist, kann eine Sichtprüfung von hinten auf das Schaltwerk hilfreich sein. Dabei sollte die Leitrolle des Schaltwerks in einer Linie mit den Ritzeln stehen. Für eine präzisere Diagnose empfiehlt sich die Verwendung einer Schaltauge-Kontrolllehre oder eines Richtwerkzeugs, mit dem die genaue Ausrichtung überprüft werden kann.
Ist das Schaltauge nur leicht verbogen, kann es mit einem speziellen Richtwerkzeug vorsichtig zurückgebogen werden. Achtung: Das Material kann brechen, insbesondere wenn es bereits vorgeschädigt ist. In vielen Fällen ist es jedoch empfehlenswert, das Schaltauge auszutauschen.
Zugspannung Anpassen
Mit der Einstellschraube am Schalthebel lässt sich die Zugspannung der Schaltung erhöhen oder senken. Das ist nötig, wenn sich die Kette nur schwer in den jeweils höheren oder niedrigeren Gang schalten lässt. Auch hier reicht in der Regel wenig Drehung nach vorne (Spannung erhöhen) oder hinten (Spannung senken): Springt die Kette nur schwer vom kleineren auf das größere Ritzel, sollte die Spannung erhöht werden.
Kompatibilität
Um Deine Schaltung bestmöglich einstellen zu können, gibt es ein paar Voraussetzungen. Alle Teile des Antriebs und der Schaltung müssen zueinander kompatibel sein. Schaltwerk und Schaltgriff müssen vom gleichen Hersteller und idealerweise aus der gleichen Serie stammen. Essenziell sind hier aber die Schaltstufen: ein 12-fach Schaltwerk kann nur von einem 12-fach-Schaltgriff gleichen Herstellers angesteuert werden; es kann ausschließlich eine 12-fach-Kassette und -Kette benutzt werden. Shimano- und SRAM-Bauteile können NICHT gemixt werden. Dies führt unweigerlich zu Problemen bis hin zur kompletten Fehlfunktion.
Für beste Performance ist ein markenreines, in sich kompatibles System obligatorisch. Hier: Shimano XT 12-fach.
Werkzeuge und Hilfsmittel
Für die Einstellung einer Shimano Gangschaltung benötigen Sie in der Regel:
- Kreuzschlitzschraubendreher bzw. Inbusschlüssel
- Bowdenzugschneider
- Kettenlehre
- Montageständer (optional, aber hilfreich)
- Schaltauge-Kontrolllehre oder Richtwerkzeug (optional)
Tabellarische Zusammenfassung der Einstellschritte
| Schritt | Aktion | Hinweis |
|---|---|---|
| 1 | Komponenten prüfen und reinigen | Kassette, Kette, Schaltwerk, Schaltauge, Züge |
| 2 | Endanschlag unten (H-Schraube) einstellen | Schaltwerk und kleinstes Ritzel ausrichten |
| 3 | Schaltzug klemmen und Zugspannung einstellen | Rändelschraube am Schalthebel nutzen |
| 4 | Endanschlag oben (L-Schraube) einstellen | Schaltwerk und größtes Ritzel ausrichten |
| 5 | Winkeleinstellung (B-Schraube) | Abstand zwischen Schaltröllchen und größtem Ritzel |
| 6 | Zugspannung feinjustieren | Gänge einzeln durchschalten und Spannung anpassen |
| 7 | Probefahrt | Funktion der Schaltung testen |
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