Mit dem Aufkommen der Scheibenbremse schienen die Zeiten vorbei für sechs Kilogramm leichte Rennräder. Doch die Konstrukteure arbeiten fieberhaft daran, die Renner wieder leichter zu machen, als es die UCI erlaubt. Wir haben sechs - leider ziemlich kostspielige - Kandidaten getestet, sie zeigen den aktuellen Stand.
Das Giant TCR Advanced SL im Detail
Schon bei seiner Einführung 2020 wirkte das Giant TCR eher konservativ. Dass ein großer Hersteller ein Top-Modell ohne integrierte Lenker-Vorbau-Kombi und mit frei vor dem Rahmen verlaufenden Bremsleitungen auf den Markt bringt, war seinerzeit schon eine Überraschung. Im heutigen Testumfeld wirkt das TCR damit fast wie aus der Zeit gefallen, auch die serienmäßigen 25-Millimeter-Reifen gelten inzwischen als unmodern. Doch mit seinen inneren Werten kann der Klassiker immer noch punkten.
Das Giant TCR Advanced SL ist einer der leichtesten Renner im Test: Seine Domäne ist bergiges Gelände, das es schnell und sicher meistert. Bei der Aerodynamik zeigt das Rad allerdings Schwächen.
Mit einem Gewicht von 6,5 Kilo gehört es zu den leichtesten Testteilnehmern; beruhigende Steifigkeitswerte lassen das Rad auch bei hohem Tempo bergab fahren wie auf Schienen. Hinzu kommt der hervorragende Komfort des integrierten Sitzdoms. Mit diesen Zutaten brilliert das Rad vor allem in bergigem Terrain: Auch dank der leichten Laufräder mit Carbonspeichen reagiert das TCR explosiv auf Antritte; die Souveränität, mit der es schnelle Abfahrten meistert, beeindruckt.
Als kleiner Wermutstropfen bleibt der relativ hohe Luftwiderstand. Zwar ist gute Aerodynamik bei keinem der Testräder eine besondere Stärke, trotzdem bedeuten 227 Watt bei 45 km/h in diesem Testfeld einen hinteren Platz.
Giants TCR trägt frei verlaufende Leitungen und einen klassischen, runden Lenker - eine seltene Ausnahme in dieser Preisklasse.
Technische Daten und Noten Giant TCR Advanced SL
Hier eine Übersicht der technischen Daten und Bewertungen des Giant TCR Advanced SL:
| Merkmal | Wert |
|---|---|
| Preis | 11.599 Euro |
| Rahmengrößen | S, M, M/L (getestete Größe), L, XL |
| Gesamtgewicht | 6,5 Kilo |
| Gewicht Rahmen/Gabel/Steuerlager | 853/378/46 Gramm |
| Sitz-/Ober-/Steuerrohr | 715/565/165 Millimeter |
| Stack/Reach/STR | 564/394 Millimeter/1,43 |
| Radstand/Nachlauf | 995/55 Millimeter |
| Antrieb/Schaltung | Shimano Dura-Ace (52/36, 11-34 Z.) |
| Bremsen | Shimano Dura-Ace (160/140 mm) |
| Laufräder/Reifen | Cadex 36 Disc Carbon/Cadex Race 25 mm (v./h. 1.070/1.418 g) |
| PLUS | sehr fahrstabil, hoher Komfort am Sattel, großzügige Garantie |
| MINUS | schwache Aerodynamik, Sitzdom erschwert Transport und Anpassung |
| TOUR Note | 1,7 |
Giant TCR Advanced Pro 0: Ein echtes Leichtgewicht
Erst seit wenigen Wochen ist das neue TCR von Giant auf dem Markt - und schon muss sich der neu aufgelegte Klassiker einem ausführlichen Test stellen. Das Ergebnis des leichtläufigen Renners kann sich sehen lassen.
Das TCR meistert diese Hürde fast so leichtfüßig wie jeden Anstieg, der sich ihm entgegenstellt. Mit schlanken 7,2 Kilo schnappt es sich auf Anhieb die Leichtbaukrone in diesem Test. Und auch die SLR-0-Disc-Laufräder lassen mit 2682Gramm die Konkurrenz hinter sich. Damit ist klar: In den Bergen ist das TCR Advanced Pro 0 in seinem Element.
Leichtfüßig schwingt es sich nach oben, im Wiegetritt fühlt es sich fast schon schwerelos an. Zwar kommt es an der Front mit einer sportlichen 52/36-Semikompaktkurbel, die aber hinten durch eine Kassette mit 34er Ritzel gut aufgefangen wird, sodass auch kleine Gänge für steile Rampen zur Verfügung stehen.
Außerdem fällt der agil-verspielte Charakter des TCR auf. Ein Grund dafür sind die mit 405 mm recht kurzen Kettenstreben, die ihren Teil zur Wendigkeit beitragen.
Beeindruckend auch der Antritt des TCR: Fast wie von selbst reagiert es auf jeden Pedaldruck, sodass die Konkurrenz beim Ortsschildsprint schon nach wenigen Metern zurückbleibt.
Die Sitzposition auf dem Rad fällt kompakt aus - und das trotz eines mit 120 mm für die Rahmengröße eher langen Vorbaus. Das Giant TCR Advanced Pro 0 Di2 zählt zu den Allround-Race-Modellen in diesem Testfeld. Die Sloping-Geometrie mit den verkleinerten Rahmendreiecken sorgt für eine hohe Steifigkeit und ein sehr agiles Fahrverhalten. Gleichzeitig sind die Laufruhe und die Komforteigenschaften auf einem recht hohen Niveau.
Ungewöhnlich schmaler Lenker
Außergewöhnlich auch das Lenkermaß: Das Testrad kam mit ungewohnt schmalem Lenker - 38 cm gemessen am Oberlenker Mitte-Mitte.
Giant TCR Advanced 0 im Dauertest
Das TCR von Giant hat eine lange Historie, präsentiert sich in seiner jüngsten Ausbaustufe dennoch hochmodern. Wir haben eine preis attraktive Ausstattungsvariante im Labor und Dauereinsatz getestet.
Total Compact Road - dafür steht das Kürzel TCR. Ein Name, unter dem Giant bereits in der 10. Generation sein leichtes Wettkampfrennrad anbietet. Mit dem Aero-Renner Propel teilt es sich die nahezu identische Geometrie - nur der Gabelnachlauf weicht eine Nuance ab.
Erhältlich in den drei Rahmenqualitäten Advanced SL, Advanced Pro und Advanced, bietet Giant sein TCR in insgesamt sieben Ausstattungsvarianten und jeweils fünf Rahmenhöhen an. Die Preise liegen zwischen 2799 und 12299 Euro. Getestet wurde die Version Advanced 0 - ein auch preislich attraktives Angebot, das für 3999 Euro neben einem Carbon-Rahmen-Set eine elektronische Shimano 105 Di2-Gruppe und Carbon-Laufräder mit 36-Millimeter-Felgen bietet. Alle weiteren Teile inklusive der Tubeless-Reifen kommen von Giant selbst.
Das verspricht der Hersteller
Das TCR will laut Giant ein kompetitives Allround-Rennrad sein: "Leicht, effizient und auf Geschwindigkeit ausgelegt", soll es "explosive Beschleunigung und kompromisslose Tretsteifigkeit" sowie eine "noch nie dagewesene Lenkpräzision" bieten. Trotz weitreichender Systemintegration verspricht Giant ein "bedienerfreundliches Set-up". Mit seinem "schlankeren Profil" soll das Rad zudem optisch überzeugen.
Die zehnte Generation des Giant TCR
Giant präsentiert die neueste Generation seines Allround-Klassikers TCR. Das TCR - die Buchstaben stehen für „Total Compact Road“ und damit für das kompakte Rahmendesign mit dem „geslopten“ Oberrohr - gilt als eines der prägenden Rennräder des Profistraßenradsports der letzten zwei Dekaden.
Nun präsentiert der taiwanesische Hersteller die TCR-Modelle für das Jahr 2024. Sie sollen leichter, steifer und aerodynamischer sein als die der Vorgängerserie.
„Die zehnte Generation des TCR steht für den Weg, den wir als Marke eingeschlagen haben und noch einschlagen werden“, erklärte Giants Global Marketing Director An Le. „Das neue TCR kombiniert Klassenbeste Leistung in den Kategorien Aerodynamik und Effizienz, aber vor allem ist es dafür gemacht, Rennfahrern einen echten Vorteil auf der Straße zu verschaffen.
Sein hohes Steifigkeit-Gewichts-Verhältnis ist eines der Markenzeichen des TCR - ein Parameter, den das Modell auch in mehreren Tests der RennRad bewiesen hat. Um diese Eigenschaften beizubehalten, wurden laut Giant neue, hochmoderne Produktionstechniken eingesetzt. So sollen für das Carbon-Layup des Rahmens weniger Schnitte verwendet worden sein als beim Vorgängermodell. Laut Giant wurde so die Torsions- und Antriebssteifigkeit erhöht und gleichzeitig das Gesamtgewicht gesenkt.
Auch aerodynamisch soll das neue TCR besser sein als die vorherige Generation. Das ganze System, einschließlich Rahmen, Gabel, Cockpit und Laufradsystem wurde laut Giant im Windkanal verfeinert. Aeroentwicklung und -tests wurden im deutschen GST-Windkanal mit einem firmeneigenen dynamischen Dummy durchgeführt, um reale Rennbedingungen zu schaffen und um den Luftwiderstand von Fahrer und Fahrrad als Einheit zu betrachten. Mit diesem Dummy, rotierenden Rädern und zwei montierten Trinkflaschen zeigte das TCR laut Giant bessere aerodynamische Eigenschaften als seine Vorgänger. Der Luftwiderstand soll insbesondere in einem breiteren Anströmungsbereich optimiert worden sein.
Das auffälligste Update findet sich an der Vorderseite des TCR - hier wurden das Unterrohr, das Steuerrohr und das Cockpit komplett überarbeitet. Die Carbon-Gabel erhielt eine neue Krone und eine verlängerte, aerodynamische Schenkelform. Dies sorgt laut Giant für einen verbesserten Luftstrom im Übergang von der Gabel zum Rahmen. Die Modelle TCR Advanced SL und Advanced Pro kombinieren einen OverDrive genannten Gabelschaft mit einem Giant-eigenen Vorbau und einem Lenker mit integrierter Kabelführung. Die TCR-Advanced-Serie verwendet eine semi-integrierte Kabelführung.
Die Fahrer des Teams Jayco-AlUla haben mit Giant zusammengearbeitet, um Prototypenversionen der TCR-Advanced-SL-Fahrräder zu testen - so zum Beispiel auch während der Tour Down Under Anfang des Jahres.
Bereits das erste TCR, das 1998 vom ONCE-Team präsentiert wurde, war eine klare Abkehr vom jahrzehntelang vorherrschenden Standarddesign damaliger Rennräder. Die auffällige Geometrie war durch einen kompakten Rahmen gekennzeichnet, dessen Oberrohr vom Steuerrohr zum Sitzrohr hin abfiel. Die Fahrer des ONCE-Teams fuhren damals dutzende Siege bei Etappen- und Eintagesrennen auf dem ersten TCR ein.
In Tests habe das Topmodell TCR Advanced SL Disc seine höhere Lenkkopf- und Tretlagersteifigkeit bewiesen als das Vorgängermodell. Gleichzeitig sei der Rahmen laut Herstellerangaben 75 Gramm leichter geworden. Das Systemgewicht aus Rahmen und Gabel beträgt nun 1020 Gramm in der Größe M. Giant setzt weiterhin auf das Compact-Road-Design des Rahmens und damit auf einen direkten Übergang vom Oberrohr zu den Sitzstreben - bei vielen anderen Herstellern sieht man inzwischen häufig abgesenkte, tief ansetzende Sitzstreben.
Auffällig und ein Alleinstellungsmerkmal des Top-Modells Advanced SL ist die integrierte Sattelstütze.
Die zehnte TCR-Generation ist mit neuen 40-Millimeter-Carbonlaufradsystemen von Cadex oder Giant ausgestattet. Diese sollen laut Giant ein optimales Gleichgewicht von Effizienz, Kontrolle und aerodynamischer Verbesserung bieten. Alle Laufradsysteme sind Tubeless-fähig und können entweder mit Cadex- oder Giant-28-Millimeter-Reifen geordert werden.
Die neue 2024er-Reihe des Giant TCR umfasst drei Rahmenmodelle: das Advanced SL, das Advanced Pro und das Advanced. Diese sind noch einmal in verschiedene Ausstattungsvarianten unterteilt. In Deutschland werden das Topmodell Advanced SL und das Advanced Pro zum Start jeweils als Komplettrad und als Rahmenset angeboten. Das TCR Advanced gibt es nur als Komplettrad.
Die Preise beginnen bei 2799 Euro für das TCR Advanced 2 mit einer mechanischen Shimano-105er-Gruppe. Das Top-Modell TCR Advanced SL 0 besitzt eine elektronische Shimano-Dura-Ace-Gruppe. Der Preis des Komplettrades: 12.299 Euro.
Leichter als die UCI erlaubt!
Das Giant TCR Advanced SL bringt trotz 40mm tiefen Aero Laufräder und Scheibenbremsen nur 6,5 kg auf die Waage. Gepaart mit einer laut Giant hervorragenden Effizienz und einem ganzheitlichen Aero-Ansatz soll das TCR perfekt für lange Tage am Berg sein. Mit dem neuen TCR Advanced SL ordnet Giant die mittlerweile 10. Generation des Race Bikes klar auf Worldtour-Niveau ein, gerechtfertigt wird das durch die seit 1997 stetig andauernde Weiterentwicklung und eine sehr hochwertige Ausstattung.
Die Richtung ist klar: Extrem leicht, steif und trotzdem Aero. Um das zu erreichen, greift der Branchen-Riese tief in die Trickkiste.
Selbst das super leichte Giant TCR Advanced SL rollt auf 40 mm tiefen CADEX MAX 40 hookless Vollcarbon-Laufrädern mit Keramiklagern. Das bringt deren Gewicht auf 1249g (Herstellerangabe) und macht diese somit zum mit Abstand leichtesten Laufradsatz in diesem Shootout. So soll ein Aero-Vorteil auf den nicht ganz so steilen Abschnitten mit einer erstklassigen Kletter-Performance auf den agressivsten Rampen kombiniert werden.
Gar nicht im Trend ist das klassische Cockpit mit separatem Carbon-Vorbau und Carbon-Lenker. Der Rest des Testfeldes setzt auf Lenker-Vorbau-Kombinationen für Aero-Gains und eine cleane Optik.
Die Sattelstütze hingegen ist alles andere als einfach anpassbar. Um Gewicht zu sparen, die Aerodynamik und auch den Komfort zu verbessern, ist sie Teil des Rahmens und ab Werk ziemlich lang. In den meisten Fällen wird also der GIANT Händler zur Säge greifen müssen. Vorteil: Die Sattelstütze verstellt sich garantiert nicht mehr. Nachteil: Der Wiederverkaufswert sinkt beim Absägen und das Bike in einer Tasche zu verstauen wird ebenfalls schwierig. Um geringe Höheneinstellungen vorzunehmen, kann der ISP Sitzdom bis zu ca. 2,5 cm nach oben und unten verschoben werden.
Unser Testbike in Größe M ist mit einer Stack to Reach Ratio von 1,43 genau im Sweetspot von sportlich und kompakt. Das Canyon Ultimate CFR Di2 Aero und das S-Works Tarmac SL8 teilen diesen Wert und sorgen so für eine ähnliche Sitzposition.
Das Giant TCR Advanced SL bestätigt den leichten, hochwertigen Eindruck, den es schon aus der Ferne macht. Die Verarbeitung ist sehr hochwertig, der Lack genau die richtige Mischung aus dezent und extrem auffällig. In puncto Ausstattung glänzt das Rad als echter Kletterexperte. Das geringe Gesamtgewicht, die leichten Laufräder und die effiziente Kraftübertragung sind ebenfalls durchweg vorteilhaft für lange Tage am Berg. Das Giant überzeugt hier mit dem leichtfüßigsten Antritt im Testfeld und motiviert konstant dazu, noch einmal aus dem Sattel zu gehen.
Das verspielte, extrem präzise Handling macht sich bei langsamem Tempo bergauf sehr gut und ermöglicht schnelle Reaktionen und sehr genaue Kontrolle. Die Compliance aus dem Rahmen, dem Cockpit und den 28mm breiten CADEX Race GC Reifen ist absolut ausreichend für lange Tage im Sattel und kommt auch mit schlechtem Asphalt zurecht.
Diese Präzision im Handling gepaart mit einer ausbalancierten Laufruhe und viel Kontrolle durch die 11° Flare im Cockpit und die geringe Anfälligkeit für Seitenwind der Laufräder und des Rahmens sorgen auf der Abfahrt für haufenweise Selbstvertrauen.
Wer am liebsten in den Bergen unterwegs ist, bekommt mit dem Giant TCR Advanced SL das ultimative Werkzeug, egal ob es steil bergauf oder runter geht. Hierbei ist es egal, ob es um die Bergetappen im Renneinsatz oder Hobby-Ausfahrten mit den Rennrad-Buddies geht. Das TCR Advanced SL versprüht Fahrspaß, Kontrolle und Leichtfüßigkeit. Der solide Komfort, die geringe Seitenwindanfälligkeit und das hohe Sicherheitsempfinden runden das Paket ab.
Das Giant TCR Advanced SL ist perfekt auf lange Tage am Berg abgestimmt. Ein extrem spritziger Antritt, gepaart mit einem absolut präzisen Handling machen es wahlweise zum Sekundenjäger auf der Rennstrecke oder zur Spaßmaschine am Berg. Maßgeblich verantwortlich sind die sehr leichten, steifen Cadex Max 40 Laufräder, die dem Giant TCR Advanced SL die gewisse Schärfe im Handling und Antritt verleihen.
Ein Bike das einem “Allez! Allez! Allez!” zu schreit und dazu motiviert, die eigenen Grenzen auszutesten. Für uns das perfekte Bike für einen epischen Tag am Mont Ventoux.
Erlebt das Bergrad etwa eine Renaissance?
Diese Frage drängt sich fast auf, nachdem in den vergangenen Monaten einige Neuheiten auf den Markt kamen, die sich vorwiegend durch geringes Gewicht definieren und sich um oder unter dem UCI-Gewichtslimit bewegen. Aktuellstes Beispiel ist das neue TCR, das Giant im Rahmen der Taipei Cycle Show offiziell der Weltöffentlichkeit präsentierte. Die zehnte Ausbaustufe soll in allen relevanten Kriterien Schritte nach vorne gemacht haben. Wie groß diese ausfallen, welche Faszination ein Wettkampfrennrad unter 6,8 Kilogramm auslöst und warum das Einsatzgebiet der Neuheit trotzdem beschränkt ist, zeigt unser Test des Top-Modells.
Das Ur-Modell des TCR feierte 1997 beim Team Once seine Premiere. Kurios: Die UCI verbannte das Rennrad kurz nach der Vorstellung aus dem Profi-Peloton, weil die Sloping-Geometrie nicht der damaligen Rennradform entsprach.
Im Zeitalter von Scheibenbremsen und Aero-Optimierung haben Leichtbaumodelle einen schweren Stand. Einerseits kommen sie nicht mehr wie die Vor-Vorgänger mit Felgenbremsen an Fabelgewichte deutlich unter dem Gewichtslimit des Radsportweltverbands heran, andererseits sind sie durch filigranere Rohrformen signifikant langsamer als aerodynamisch optimierte Spezialisten.
Auch wenn es Kletterkünstler und Gewichtsfetischisten vermutlich anders sehen: Die Formel “Aero ist Trumpf” bestätigt sich wiederkehrend in unseren Simulationen. Demnach profitiert ein schnelles Rennrad trotz des höheren Gewichts in vielen Rennsituationen gegenüber einem leichteren Modell.
Mit welcher Explosivität die Neuheit beschleunigt und den Fahrer bei jeder Kurbelumdrehung nach vorne katapultiert, ist wirklich beeindruckend. Die bis zu 16 Grad steilen Rampen rund um Taichung, Firmensitz des Fahrradgiganten und unser Testrevier, flog das Advanced SL 0 regelrecht hinauf. Das TCR liefert ein Fahrgefühl mit Suchtfaktor, das derzeit nur eine Handvoll Modelle bietet.
“Ich war ehrlich gesagt etwas skeptisch, ob sich die detaillierten Verbesserungen im Sattel bemerkbar machen”, gesteht Ex-Profi Tom Dumoulin. “Aber das Rad ist in allen Belangen besser geworden“, bilanziert der Markenbotschafter, der Giant beim Giro d’Italia 2017 den letzten großen Rundfahrtsieg bescherte.
Mit 6520 Gramm (ohne Pedale und Flaschenhalter) zählt das Testrad in Lackierung des Jayco-Alula-Teams zu den aktuell leichtesten Rennmaschinen im TOUR-Test. Das Factor O2 VAM (6520 Gramm), Specialized S-Works Tarmac SL8 (6550 Gramm), Storck Aernario.3 Platinum (6560 Gramm) oder Wilier Zero SLR (6530 Gramm) spielen in derselben Liga und könnten auch fahrfertig unter dem von der UCI erlaubten Mindestgewicht bleiben.
Der Rahmen des neuen Advanced SL 0 wiegt 758 Gramm, unter aktuellen Disc-Rädern stoßen nur das Cervélo R5 (784 Gramm) und Specialized S-Works Tarmac SL 8 (723 Gramm) in diese Region vor. Die Gabel kommt auf 386 Gramm.
“Es ist der leichteste Rahmen und das leichteste Rennrad, das wir jemals gebaut haben”, bilanziert Nixon Huang voller Stolz bei der Präsentation im hochmodernen Headquarter. Laut des Road Category Managers basiert das Gewichtstuning auf einer höheren Fertigungspräzision - sowohl beim Zuschnitt der Carbonmatten (Cold-Blade-Cutting) als auch beim Backen des vorderen Rahmendreiecks (One-Piece-Molding). Zudem reduzierte sich die Oberfläche des Rahmens. War beispielsweise beim Vorgänger der Knotenpunkt zwischen Sitzrohr und Sitzstreben noch verstärkt, spart das neue TCR hier Material ein. Auch Sitzdom und Oberrohr sind minimal filigraner.
Um den Luftwiderstand bei 45 km/h zu überwinden, sind gegenüber dem Vorgänger sechs Watt weniger nötig. Mit 221 Watt sortiert sich das TCR im Umfeld der leichten Konkurrenten wie Bianchi Specialissima RC (222 Watt), Canyon Ultimate CFR Di2 Aero (222 Watt) oder Storck Aernario.3 Platinum (220 Watt) ein. Mehr ist bei Rädern der Leichtbau-Kategorie kaum möglich oder bedarf eines immensen Aufwands, wie Specialized beim S-Works Tarmac SL 8 (209 Watt/6,6 Kilo) zeigte. Grundsätzlich sind die besten Race-Allrounder und Aero-Spezialisten mindestens zehn Watt schneller.
Im Windkanal profitiert das TCR von den neuen Vollcarbon-Laufrädern der Eigenmarke Cadex, die fast das Niveau unseres schnellen Referenzlaufradsatzes (221 Watt) erreichen und mit 2400 Gramm ebenfalls ihren Beitrag zum geringen Gesamtgewicht und hervorragendem Antritt leisten. Zudem modernisierten die Taiwaner die Front: Die Bremsleitungen laufen jetzt semiintegriert unter dem Vorbau ins Steuerrohr, durch das vom aerodynamischeren Giant Propel (209 Watt/6,7 Kilo) bekannte System lässt sich die Sitzposition relativ einfach anpassen. Ein klarer Vorteil gegenüber vergleichbaren Race-Modellen mit einteiligen Lösungen. Der neue Lenker ist außerdem windschnittiger geformt.
Wenig Verbesserungspotenzial bot sich der Entwicklungsabteilung beim Fahrkomfort. Der integrierte Sitzdom ist weiter gesetzt und federt hervorragend, auch am Cockpit ruckelt auf rauem Asphalt relativ wenig. Die tubeless montierten Reifen, eine weitere Neuentwicklung von Cadex, tun ein Übriges, obwohl sie effektiv sogar leicht schmaler als 28 Millimeter ausfallen. Durch Rahmen und Gabel passen maximal 33-Millimeter-Pneus.
Giant TCR Advanced SL 0 im Überblick
Hier eine Übersicht der wichtigsten Eigenschaften des Giant TCR Advanced SL 0:
| Merkmal | Wert |
|---|---|
| Preis | 12299 Euro |
| Gewicht | 6,5 Kilo |
| Rahmengrößen | XS, S, M, M/L, L, XL |
| TOUR-Note | 1,7 |
| Sitz-/Ober-/Unterrohr | 496/560/166 Millimeter |
| Stack/Reach/STR | 570/387 Millimeter/1,47 |
| Radstand/Nachlauf | 990/59 Millimeter |
| Antrieb/Schaltung | Shimano Dura-Ace Di2 (2x12; 54/40, 11-30 Z.) |
| Bremsen | Shimano Dura-Ace (160/160 mm) |
| Reifen | Cadex Race GC 28 mm (eff.: 27 mm) |
| Laufräder | Cadex Max 40 |
| Aerodynamik | 221 Watt |
| Fahrstabilität | 9,50 N/mm |
| Komfort Heck | 118 N/mm |
| Komfort Front | 94 N/mm |
| Antritt/Tretlagersteifigkeit | 71 N/mm |
Ausstattungen und Preise
“Wir bei Giant sind alle verrückt nach dem TCR”, sagte Chefentwickler Owen Chang am Rande der Vorstellung. Es wird sich weisen, ob der Fahrradgigant auch außerhalb des Firmensitzes Fans für seine Neuheit findet und ob die Leichtbau-Maschine wieder öfter im Profi-Peloton auftaucht.
Gegen große Verkaufszahlen des Advanced SL 0 spricht neben der durchschnittlichen Aerodynamik die einlaminierte Sattelstütze. Trotz des hohen Komforts erschwert sie den Transport im Auto und bietet am Klemmkopf nur einen kleinen Einstellbereich. Bei der Anpassung der Sitzhöhe muss damit je nach Körperproportionen der Sitzdom gekürzt werden.
Mit 12299 Euro ist das Top-Modell inzwischen zudem das teuerste Rad im Stall der Taiwaner, zum Vorgänger wird ein Aufpreis von 700 Euro fällig. Die nächste Ausstattungsvariante kostet zwar fast nur die Hälfte, allerdings kommt das Advanced Pro 0 wegen einer geringeren Carbonqualität beim Rahmen sowie schwererem Laufradsatz und Antrieb nicht an die Performance des Profirads heran.
Insgesamt sind in Deutschland sieben Versionen (ab 2799 Euro) und zwei Rahmen-Sets (3699 und 2499 Euro) erhältlich. Bis auf das Basismodell schalten alle Modelle elektronisch mit Gruppen von Shimano (Dura-Ace, Ultegra, 105) oder SRAM (Force).
Verwandte Beiträge:
- Giant Rennrad Modelle 2024: Vergleich, Test & Kaufberatung
- Ultimativer Giant Rennrad Test: Die besten Modelle im großen Vergleich!
- Giant E-Mountainbikes 2024: Modelle, Testberichte & Kaufberatung
- Giant Mountainbike Grün: Modelle, Ausstattung & Kaufberatung
- Mid Calf Biker Boots Test: Die besten Modelle im ultimativen Ratgeber entdecken!
- Ultimative Harley Davidson Doppelsitzbank Modelle: So finden Sie den perfekten Sitz für Ihre Fahrt!
Kommentar schreiben