Wer auf der Suche nach schönen Urlaubsinseln ist, die auch zum Radfahren einladen, wird bald auf Gran Canaria stoßen. Gran Canaria gehört unter anderem mit Lanzarote, Teneriffa und Fuerteventura zu den Kanarischen Inseln und bietet gerade für das Rennradfahren ganzjährig perfekte Bedingungen. Die Inseln liegen nur etwa 100 Kilometer vor Marokkos Küste und sind deshalb ein Ganzjahresrevier mit durchschnittlich 20 Grad im Januar.
Anreise und Unterkunft
Die Flugzeit von Leipzig aus beträgt ungefähr 5 Stunden. Es werden aber auch von zahlreichen anderen deutschen Städten Direktflüge angeboten. Für einen einwöchigen Aufenthalt lohnt es sich oft nicht, die eigenen Räder mitzunehmen, daher ist es ratsam, die Räder vor Ort zu leihen.
Die Wahl des richtigen Hotels ist wie in jedem Radurlaub sehr wichtig, um einen guten Ausgangspunkt für die Touren zu haben. Auf Gran Canaria gibt es mehrere Optionen. Beispielsweise kann man, wie wir, im Süden der Insel wohnen, was den Vorteil bietet, dass man sich in der Nähe zu den Stränden und Dünen befindet. Für Radtouren gibt es dann jedoch nicht mehr so viele verschiedene Routen, die eine relativ kurze Distanz und um die 2.000 Höhenmeter haben. Für einen Aufenthalt von nur einer Woche ist es aber ausreichend. Eine andere Variante ist ein Quartier in den Bergen. Hier hat man den idealen Startpunkt für viele Routen, die einen ohne Umweg direkt in die vielen Anstiege führen.
Für den Aufenthalt haben wir uns ein Hotel in Maspalomas ausgesucht, mit dem wir sehr zufrieden waren. Das Suites & Villas by Dunas ist ein fahrradfreundliches Hotel, sodass es kein Problem war, die Räder mit auf das Zimmer zu nehmen. Hier wohnten wir in einer der Bungalows, die auf der gut gepflegten Anlage verteilt sind. Ich finde es wichtig, sich nach einer langen Radtour auf das Abendessen freuen zu können. In diesem Zusammenhang ließen das Buffet zum Frühstück und Abendessen keine Wünsche übrig.
Radverleih auf Gran Canaria
Die Rennräder liehen wir uns bei Free Motion, einem der zahlreich vorhandenen Radverleiher der Insel. Auch im Hotel selbst gab es eine kleine Filiale der Kette. Neben den Basisrädern von BH, für die wie uns entschieden haben, konnte man auch zahlreiche Cannondale und Specialized Räder ausleihen. Die Preisspanne reicht dabei von 15 € für ein BH-Rennrad bis zu 74 € (Specialized Tarmac) pro Tag. Vor der ersten Fahrt solltet ihr euer Bike auf jeden Fall auch selbst noch einmal checken. Mein BH RS1 hatte leider einige kleine Mängel wie einen knackenden Vorbau und etwas quietschende Pedale, was ich aber einfach schnell selbst behoben habe, weil es praktischer war als nochmal zur Filiale zurückzukehren. Idealerweise sollte so etwas eigentlich gar nicht erst vorkommen. Es ist deswegen sinnvoll ein paar Basiswerkezuge und Öl im Gepäck zu haben. Dennoch sollten wir den Service von Free Motion später noch einmal in Anspruch nehmen müssen.
Rennradfahren auf Gran Canaria
Auf Gran Canaria erwarten euch viele zum Teil sehr steile Anstiege, die sich aber angenehm fahren lassen. Die Straßen sind fast überall breit und gut gepflegt. Allerdings solltet ihr ziemlich fit sein! Rennradfahrer gehören dank des ganzjährig schönen Wetters zum Straßenbild. Zeitweise habe ich mich wie auf Zwift gefühlt, wobei mir nicht nur die vielen Rennradfahrer ins Auge gefallen sind, sondern auch die beeindruckende Landschaft. Diese ähnelt dabei am ehesten der Teneriffas und unterscheidet sich recht stark von denen der anderen Nachbarinseln, denn besonders der Norden ist sehr grün. Neben den Berghängen kommt man immer wieder an duftenden Plantagen und zahlreichen Palmen vorbei. Die Mitte der Insel wird dabei vom großen Vulkan Pico de Las Nieves dominiert.
Erlebnisse und Routen
Am ersten Tag auf dem Rad sind wir aus Maspalomas in Richtung der Orte Fataga und Ayacarta gefahren. Der Aufstieg dorthin ist nicht so steil und gut geeignet für den Einstieg. Wie aus dem Nichts heraus verabschiedete sich allerdings meine Kette während eines Antritts. Glücklicherweise stürzte ich dadurch nicht, aber nun blieben wir am Berg liegen. Nach einem Anruf bei Free Motion statteten uns aber zwei Mechaniker der Verleihers mitsamt neuer Kette einen Besuch ab. Zum Glück waren wir noch nicht sehr lang unterwegs und die Beiden waren nach 30 Minuten vor Ort. Dank des schnellen Service ging es schnell weiter! Belohnt wurden wir mit tollen Ausichten wie dem Blick auf San Bartolomé de Tirajana oder den Abstieg vorbei an hübschen Orten wie Santa Lucía de Tirajana in dessen Cafes man auch gut eine Pause einlegen kann. Der Abstieg in Richtung Küste war relativ flach und daher auch besser als Abfahrt geeignet. Mit ordentlich Rückenwind ging es dann zurück nach Maspalomas. Ansonsten ist der Wind im Süden meistens nicht so stark wie im Norden der Insel.
Der Anstieg der zweiten Tour war bereits steiler. In Barranquillo Andrés erwartet euch eine Gabelung. Der Weg nach links ist mit dem Ende der Radroute beschildert, aber man kann weiterfahren, wenn man mit schlechtem Untergrund und den folgenden 19%-Steigungen zurecht kommt. Das war einer der steilsten Passagen der gesamten Reise und durch die großen Löcher der Straße und dem darauf liegenden Geröll war es sehr schwer zu fahren. Bergauf ist es gerade noch machbar, aber bergab solltet ihr diese Passage meiden. Geradeaus geht es zum großen Stauseemauer nach Soria, wo allerdings Endstation ist und ihr umdrehen müsst. Weiter ging es über den traumhaften Pass Cruz de San Antonio, wo uns ein Stand mit saftigen Orangen erwartete sowie anschließend nach La Plata und über den Abstieg an Fataga vorbei in Richtung Küste.
Tag drei sollte ein bisschen kürzer werden und so haben wir eine Route über Mogan nach Puerto Mogan gewählt, wobei letzterer Ort auch als "Venedig" von Gran Canaria bekannt ist. Bei allen Routen in dieser Gegend solltet ihr wissen, dass die Verbindung über die GC-500 schon seit vielen Jahren von Puerto Mogan bis nach Balito gesperrt ist. Scheinbar gibt es hier Probleme mit der Erosion der Steilküste. Durch Felsstürze gab es bereits in der Vergangenheit schwere Unfälle. Wer dort entlang muss oder möchte, der kann aber auf die Fähre ausweichen. Für das Fahrrad muss man aber extra zahlen. Aber auch der Rest der GC-500 ist besonders für Radfahrer nicht ganz ungefährlich. Die Leitplanke ist eng an der Straßenkante und es gibt viel Autoverkehr. Allerdings sind die Menschen auf Gran Canaria an Radfahrer gewöhnt und es wird in der Regel sehr rücksichtsvoll gefahren und überholt. An den Anstiegen warten Autofahrer sehr geduldig, da man die Serpentinen oft nicht einsehen kann. Ihr solltet sie einfach durchwinken, sobald der Weg frei ist. Man dankt es euch mit einem netten Gruß!
Am vierten Tag machte ich mich noch einmal allein auf ein paar "One-Way-Anstiege" in der Gegend zu erklimmen, die mitunter 16% Steigung hatten. Der Ausblick auf die Berge und den Ozean entschädigte dafür definitiv. An den folgenden Tagen hatten wir noch Zeit für einen Surfkurs und einen Besuch der Hauptstadt Las Palmas, dass eine wirklich sehenswerte Altstadt und einen sehr schönen Strand besitzt. Ich kann euch also insgesamt einen Besuch der Insel nur empfehlen. Am besten natürlich mit dem Rennrad!
Alternativen: Lanzarote
Wir empfehlen dort zwei sehr unterschiedliche Reviere: das vergleichsweise flache Lanzarote und das bergige, wilde Gran Canaria.
Lanzarote ist eine winterliche Zuflucht für ausdauersportliche Zugvögel, viele Jahre lang vor allem Triathleten, die auf der nördlichsten Kanareninsel Anfang Mai den Ironman-Startplatz für Hawaii ergattern können und dafür schon im Winter eifrig trainieren. Mittlerweile hat sich aber herumgesprochen, dass die Insel auch das beste Rennrad-Ziel des Archipels sein dürfte. Bei Haria präsentiert sie sich als nordafrikanische Palmenoase, am stürmischen Strand von Famara als weltentrückte Sandwüste und in den Feuerbergen als Verweis auf die Marsoberfläche. Es ist zwar auch auf Lanzarote kaum möglich, eine 100-Kilometer-Runde mit weniger als 1.000 Höhenmetern zusammenzustellen, anders als auf dem extrem schroffen Gran Canaria sind Lanzarotes Steigungen jedoch moderat und erreichen nur ausnahmsweise zweistellige Prozentzahlen. Der längste Anstieg der Insel überwindet etwa 600 Höhenmeter. Kraftraubender als die Berge kann jedoch der Wind sein. Daher sind große Ritzel Pflicht.
Topografie und Klima
Letzteres gilt in noch stärkerem Maße für Gran Canaria, wo sich die wenigen ebenen Passagen landschaftlich unattraktiv zwischen dem Flughafen und den Touristenzentren der Südküste befinden. Wer die Schönheit der Insel erleben will, muss ins Landesinnere aufbrechen - und das bedeutet auf dem Vulkankegel Gran Canaria nun einmal: klettern. Eine 100-Kilometer-Tour zu finden, nach der man weniger als 1.500 Höhenmeter in den Beinen hat, ist nahezu unmöglich, Rampen von 20 Prozent sind keine Seltenheit. Aber die Fahrt durch die wild zerklüfteten Berge und der Rausch auf den kurvenreichen Abfahrten hinab in die Schluchten oder ans Meer sind einfach zum Jauchzen.
Lanzarote mag ideal sein, wenn man Grundlage trainieren will. Ich sehe aber nicht nur den Trainingsaspekt. Deshalb liebe ich die Schluchten und Bergstraßen Gran Canarias - auch wenn meine Frühjahrsform so gar nicht zu den Anstiegen dort passt.
Informationen zu Lanzarote und Gran Canaria
- Saisonstart: Ganzjahresziel. Im Gegensatz zu Lanzarote besitzt Gran Canaria eine Wetterscheide, an der sich der Nordostpassat staut. Die Berge trennen den trockenheißen Süden vom kühleren und regenreicheren Norden
- Temperaturen: 19 Grad (März), 20 Grad (April) sind durchschnittliche Maximaltemperatur an der Küste, in den Bergen Gran Canarias sind die Temperaturen oft noch einstellig.
- Anreise: Direktflüge in viereinhalb Stunden nach Lanzarote oder Gran Canaria, je nach deutschem Flughafen ab 300 bis 450 Euro (hin und zurück, ohne Radtransport).
- Topografie: Flach bis hügelig (Lanzarote), extrem bergig (Gran Canaria).
- Standorte: Auf Gran Canaria die Südküste rund um Maspalomas, auf Lanzarote Puerto del Carmen, Las Caletas, Costa Teguise, Club La Santa.
- Wochenpreis für Hotel und geführte Touren: Ab 700 Euro pro Person im Doppelzimmer mit Halbpension; nur wenige Veranstalter (etwa Huerzeler auf Lanzarote oder free motion auf Gran Canaria und Lanzarote) bieten Unterkunft plus geführte Rennradtouren.
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