Die Gangschaltung ist seit 1907 ein fester Bestandteil von Fahrrädern und hat sich zu einer untrennbaren Symbiose entwickelt. Wenn Sie sich ein Gravelbike zulegen möchten, stehen Sie vor der Entscheidung, welches Schaltungskonzept am besten zu Ihnen passt. Dieser Artikel hilft Ihnen, eine fundierte Entscheidung zu treffen.
Wir betrachten hier ausschließlich Kettenschaltungen und keine Getriebeschaltungen (Nabenschaltungen). Wenn Sie sich fragen, welches Kettenschaltkonzept für Sie besser geeignet ist, sind Sie hier genau richtig. Generell gilt: Wer in eine hochwertigere Schaltgruppe investiert, erhält eine bessere Qualität in Bezug auf Effizienz, Langlebigkeit und Gewicht. Allerdings ist diese Investition auch mit höheren Kosten verbunden.
Mechanische Schaltung
Die mechanische Schaltung ist nach wie vor die am häufigsten verbaute Schaltung an Gravelbikes. Hier wird der Gangwechsel durch Betätigen eines Schalthebels über einen Bowdenzug eingeleitet. Technisch gesehen handelt es sich um ein flexibles Stahlseil, das durch Verkürzen oder Verlängern des Bowdenzugs das Schaltwerk betätigt und die Kette auf der Kassette bewegt. Dieses Prinzip wird auch beim Umwerfer und den Kettenblättern angewendet.
Vorteile einer mechanischen Schaltung
- Simpel, leicht und robust
- Kostengünstiger im Vergleich zur elektronischen Schaltung
- Einfache Installation und Justierung
- Weltweit von jedem Mechaniker problemlos instand zu setzen
- Geeignet für lange Touren und Reiseräder
Grenzen und Nachteile einer mechanischen Schaltung
- Kraftaufwendigere Betätigung des Schalthebels
- Bowdenzug muss regelmäßig gewechselt werden, da er sich mit der Zeit dehnt und unpräzise wird
- Limitierte Schaltbandbreite im Vergleich zu elektronischen Schaltungen
Die Schaltbandbreite definiert die mögliche Auswahl zwischen dem größten (leichtesten Gang) und dem kleinsten (schwersten Gang) Kettenritzel. Gerade beim Gravelbike ist eine große Schaltbandbreite wichtig, da unterschiedliche Anforderungen an Gelände und Untergründe bestehen.
Elektronische Schaltung
Die elektrische Schaltung ist noch nicht so weit verbreitet wie die mechanische Schaltung. Dies liegt vor allem daran, dass sie hauptsächlich in den Top-Ausstattungen zu finden ist. Allerdings wandern die Schaltgruppen langsam in die mittlere Preiskategorie, was ihre Beliebtheit steigern dürfte, wie beispielsweise die SRAM Rival AXS.
Bei elektronischen Schaltungen wird ein elektrisches Signal zum Schaltwerk gesendet, welches dann einen Stellmotor startet und einen Schaltwechsel auslöst. Beim Hersteller Shimano ist eine Stromleitung vom Schalthebel bis zum Schaltwerk verlegt, während bei Sram dieses Signal über Funk übertragen wird. In beiden Varianten befindet sich ein kleiner, wiederaufladbarer Akku am Schaltwerk.
Vorteile der elektrischen Schaltung
- Extrem leichtgängige Betätigung des Schalthebels
- Präziserer Schaltvorgang, der nicht nachjustiert werden muss
- Perfekter und präziser Gangwechsel auch unter Last
- Schöne Optik bei Funkschaltungen, da keine Leitungen verlegt werden müssen
- Individuelle Anpassung der Schalthebelansteuerung bei Sram möglich
Nachteile einer elektrischen Schaltung
- Akku muss regelmäßig geladen werden
- Ladezustand des Akkus nicht immer direkt erkennbar
- Defekt des Schaltmotors kann die Tour beenden
- Elektrische Geräte vertragen Wasser nur in begrenztem Maße
- Schlechte Reparaturmöglichkeiten unterwegs
Hydraulische Schaltung
Es gibt noch ein drittes Kettenschaltsystem: die hydraulische Schaltung. Die Firma Rotor hat sich in Zusammenarbeit mit Magura als einziger Hersteller zur Aufgabe gemacht, die Hydraulik für den Gangwechsel am Rad zu nutzen.
Vorteile der hydraulischen Schaltung
- Wartungsfrei nach fachmännischer Einstellung
- Kein Nachjustieren, kein Akku laden
- Hydraulikflüssigkeit muss nur alle 1-2 Jahre gewechselt werden
- Direktes Schalten am Schaltwerk bei Ausfall des Schalthebels möglich
Nachteile der hydraulischen Schaltung
- Intensive Auseinandersetzung mit dem Schaltsystem erforderlich
- Wartung und Nachjustierung nur durch Fachexperten möglich
- Hohe Anschaffungskosten
Shimano GRX Di2 2x12
Shimano bietet mit der GRX Di2 2x12 eine elektronische Schaltung speziell für Gravelbikes an. Im Vergleich zur 11-fach GRX bietet sie Hyperglide+ Schaltkomfort, wodurch sich die Kette beim Schaltvorgang stabiler und kontrollierter über den Zahnkranz bewegt. Die zuschaltbare Shadow RD+ Technologie stabilisiert die Kette zusätzlich auf rauem Terrain.
Das Schaltwerk übernimmt neben der Schaltfunktion auch die drahtlose Kommunikation mit den Schalthebeln, kompatiblen Bike-Computern und der E-Tube Project Smartphone-App. Der Akku für Schaltwerk und Umwerfer wird über einen Anschluss am Schaltwerk geladen. Die passende RX820 Kurbel hat zwei Kettenblätter mit 48/31 Zähnen, optional ist auch die RX610 Kurbel mit 46/30 Zähnen erhältlich. Die passenden 12-fach Kassetten haben 11-36 bzw. 11-34 Zähne.
Die Brems-Schaltgriffe verfügen über drei Schalthebel, wobei die Belegung über die Shimano E-Tube Project App organisiert werden kann. Optional können auch Sateliten-Schalter genutzt werden.
Kritik an der Shimano GRX Di2
Die GRX Di2 bietet keine neuen Innovationen für das Gravelbike und das begrenzte Sortiment an Übersetzungen ist auf den Massenmarkt ausgerichtet. Insbesondere das Fehlen einer Option für nur ein Kettenblatt könnte potentielle Käufer abschrecken.
Alternativen von Sram und Campagnolo
Sram hat mit Antrieben ohne Umwerfer an Popularität gewonnen und erreicht mit hochpreisigen Fahrrädern eine beachtliche Marktpräsenz. Campagnolo präsentierte 2020 die Ekar Schaltgruppe mit 13 Ritzeln, die das derzeit umfassendste Einfach-Getriebe für das Gelände bietet.
Vergleich der Schaltgruppen: Shimano GRX Di2 vs. Sram Red XPLR AXS
| Merkmal | Shimano GRX Di2 | Sram Red XPLR AXS |
|---|---|---|
| Schaltprinzip | Elektronisch, 2x12 | Elektronisch, 1x13 |
| Hydraulikflüssigkeit | Mineralöl | DOT-Bremsflüssigkeit |
| Akku | Zentral, fest verbaut | Abnehmbar |
| Kompatibilität | Klassische Schaltaugen | UDH-Ausfallende |
| Kettenblattoptionen | 48/31, 46/30 | 38, 40, 42, 44, 46 |
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